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Drachenzähmen leicht gemacht [2010]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. November 2010
Genre: Animation / Fantasy / Action / Komödie

Originaltitel: How to Train Your Dragon
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Dean DeBlois, Chris Sanders
Musik: John Powell
Stimmen: Jay Baruchel (Daniel Axt), Gerard Butler (Dominic Raacke), Craig Ferguson (Thomas-Nero Wolff), America Ferrera (Emilia Schüle), Jonah Hill (Tim Sander), Christopher Mintz-Plasse (Hannes Maurer), T.J. Miller (Nico Sablick), Kristen Wiig (Britta Steffenhagen), Robin Atkin Downes, Philip McGrade, Kieron Elliott, Ashley Jensen, David Tennant


Kurzinhalt:
Auch wenn das Wikingerdorf Berk schon etwas älter ist, die Häuser sind alle neu. Kein Wunder, immerhin werden sie regelmäßig von einfallenden Drachen verwüstet. Darum zählt Drachentöten in Berk weniger als Ehrensache, sondern vielmehr als Überlebensstrategie – denn ans Umsiedeln wird nicht gedacht.
Hicks (Jay Baruchel / Daniel Axt), Sohn des Anführers des Dorfes Haudrauf der Stoische (Gerard Butler / Dominic Raacke), ist trotz seines jungen Alters genau das Gegenteil dessen, was man sich unter einem Wikinger vorstellen würde. Eher schmächtig und mit einem Talent, Chaos zu verursachen, ist es seinem Vater am liebsten, Hicks bleibt beim Schmied Grobian (Craig Ferguson / Thomas-Nero Wolff), anstatt sich in Gefahr zu begeben. Eines Nachts gelingt es Hicks, den gefürchteten Nachtschatten vom Himmel zu schießen. Als ihm niemand glaubt, macht er sich auf, die Kreatur zu finden, doch zu Hicks Überraschung ist der Drache nicht tot, sondern nur verletzt.
Um endlich dazuzugehören und seinem Schwarm Astrid (America Ferrera / Emilia Schüle) zu imponieren, müsste Hicks das Tier nur erlegen – doch irgendetwas in ihm sträubt sich dagegen. Nach und nach entwickelt sich zwischen ihm und dem von ihm Ohnezahn getauften Drachen eine ungewöhnliche Freundschaft, durch die Hicks nicht nur lernt, dass viele Vorurteile, die er gegen die Drachen hatte, falsch sind, sondern auch, dass die Drachen sich vor etwas fürchten ...


Kritik:
Es ist erstaunlich, wie schnell es den DreamWorks-Studios gelingt, einen rundum stimmigen Animationsfilm abzuliefern, sobald man sich außerhalb der Shrek-Filmreihe umsieht. Drachenzähmen leicht gemacht basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Autorin Cressida Cowell, die inzwischen schon einige Bände veröffentlichte und auch als Hörspiel ein großer Erfolg waren. Die Vorlage wurde für die Filmumsetzung angeblich stark verändert und man muss sie glücklicherweise nicht kennen, um den jüngsten Animationsfilm von DreamWorks genießen zu können.
Die Geschichte folgt dabei dem Jungen Hicks, ein einfallsreicher, aber schmächtiger Wikinger, der schon auf Grund seines Äußeren eine ständige Enttäuschung für seinen Vater Haudrauf der Stoische darstellt. Dass dieser außerdem Anführer des Dorfes ist, macht die Begegnungen mit seinem Vater für Hicks nicht einfacher. Die Bewohner von Berk kämpfen seit Jahrhunderten gegen Drachen, die regelmäßig die Häuser verwüsten und alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist. Hicks möchte nichts lieber als dazugehören, insbesondere um die kämpferische Astrid zu beeindrucken, und es ist eben jene Ausgangslage, die Hicks allen Altersgruppen nahebringt. Wer hat sich nicht schon einmal so gefühlt, als wäre er ein Außenseiter, als gelinge ihm einfach nicht, was ihm am wichtigsten war? Trotz der fantastischen Umgebung, der Bedrohung durch Drachen und typischer Wikingerfiguren, deren körperliches Erscheinungsbild zwar durchaus einem Wandschrank ähnelt, deren Köpfe aber absichtlich sehr klein gezeichnet sind, sind es ganz normale Bedürfnisse und Wünsche, die Hicks antreiben. Als er sich dann der Möglichkeit gegenüber sieht, seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, und alles was er dafür tun muss, ist den Drachen, den er gefangen hat, auch zu töten, steht er vor einem Dilemma: ist Dazuzugehören es wert, ein Leben zu opfern? Was sich zwischen Hicks und dem Drachen Ohnezahn entwickelt ist eine ungewöhnliche Freundschaft, die so abenteuerlich ist, dass man auch als erwachsener Zuseher mit einem Leuchten in den Augen beobachtet, wenn Hicks mit seinen Erfindungen auf dem wendigen Drachen reitet, wenn ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird, oder wenn Hicks Vater dessen Entscheidungen als Verrat betrachtet.

Drachenzähmen leicht gemacht erfindet das Genre nicht neu, und getreu dessen, was man in einem familienfreundlichen Film erwarten würde, wird auch genau das zu finden sein. Der Weg dorthin ist jedoch mit vielen lustigen Momenten gespickt, mit einer ersten Berührung zwischen Hicks und Ohnezahn, die ohne Worte viel mehr verrät, als wäre der Moment zerredet worden. Und wenn Hicks, nachdem er die Drachen näher kennen gelernt und erfahren hat, weswegen sie sein Dorf so oft überfallen, feststellt, dass alle Vorurteile, die er und die Wikinger gegen die Drachen haben, falsch sind, dann darf das gern als Allegorie auf Fremdenhass im Allgemeinen oder die Angst vor den kollektiv als Terroristen verschrienen Muslimen gesehen werden. Dass diese Aussagen älteren Zuschauern vorbehalten sind, während das hauptsächlich anvisierte kindliche Publikum die offensichtlichen Elemente der Geschichte im Blick hat, zeigt, dass DreamWorks sich in Bezug auf die Gestaltung der Story langsam an Konkurrent Pixar annähert, die ihrerseits seit langem mehrschichtige Geschichten erzählen. Von der Komplexität eines Toy Story 3 [2010] ist man bei Drachenzähmen leicht gemacht zwar noch weit entfernt, aber nicht zuletzt die Präsentation entschädigt hierbei für Vieles. Kulissen, die einer Ansichtspostkarte entsprungen sein können, raue Brandungen, stilles Meer oder hügelige Landschaften wirken ebenso stimmig wie die mitreißend choreografierten Flugszenen, die ein packendes Tempo entwickeln. Die Menschen wirken absichtlich überzeichnet, erinnern dabei ein wenig an die Comicfigur Hägar der Schreckliche [seit 1973], während die wahren Stars die Drachen in ihren unterschiedlichsten Ausführungen sind. Hierbei die Balance zu halten zwischen Furcht einflößend und amüsant, ist den DreamWorks-Künstlern nicht zuletzt dank der Farbgestaltung gut gelungen. Mit den katzenhaften, geschmeidigen Bewegungen und der unübersehbaren Persönlichkeit ist Ohnezahn dabei der Faszinierendste von allen. Dass die Figur nicht nur Äußerlich an Stitch von Lilo & Stitch [2002] erinnert, mag wohl an Regisseur Chris Sanders liegen, der an beiden Animationsfilmen beteiligt war.

Im englischen Original finden sich bekannte Synchronstimmen wieder, angeführt von Gerard Butler. Auch die deutsche Fassung kann mit einer guten Umsetzung überzeugen, auch wenn die Entscheidung, sämtliche Wikinger bis auf Hicks in plattdeutsch zu vertonen, mehr als störend auffällt. Dies nimmt den Figuren (vielleicht beabsichtigt) einiges ihrer Ernsthaftigkeit.


Fazit:
Drachenzähmen leicht gemacht ist ein schöner Film. Als familientaugliche Unterhaltung könnte man sich kaum etwas vorstellen, was man besser hätte machen können, sogar das Ende, bei dem Hicks nicht ohne persönliche Opfer davonkommt, wird für junge Zuschauer keine Schwierigkeiten darstellen, sondern trägt zur Charakterbildung der Figuren bei.
Temporeich erzählt, mit viel Augenzwinkern und Humor gespickt ist es das grundsätzliche Design der Landschaft und der Figuren, die einem den Atem rauben. Zugegeben, die Geschichte verläuft genau in den Bahnen, in denen man es erwarten würde, und zu Beginn des dritten Akts wird erwartungsgemäß alles schlimmer, bevor es wieder besser wird. Dass dies dennoch nicht stört und auch die Annäherung zwischen Hicks und Ohnezahn trotz ihres absehbaren Ausgangs berührt, spricht für die Art und Weise, wie der Film erzählt wird.


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