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Die Verurteilten [1994]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. Februar 2017
Genre: Drama / Krimi

Originaltitel: The Shawshank Redemption
Laufzeit: 142 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1994
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Frank Darabont
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Tim Robbins, Morgan Freeman, Bob Gunton, William Sadler, Clancy Brown, Gil Bellows, Mark Rolston, James Whitmore, Jeffrey DeMunn, Larry Brandenburg, Neil Giuntoli, Brian Libby


Kurzinhalt:

Es ist das Jahr 1947. Der erfolgreiche Banker Andy Dufresne (Tim Robbins) wird beschuldigt und verurteilt, seine Frau und deren Liebhaber ermordet zu haben, auch wenn er seine Unschuld beteuert und das vermeintlich wichtigste Beweismittel nicht aufzufinden ist. Andy wird in das Shawshank Staatsgefängnis überstellt, wo er eine lebenslange Haftstrafe verbüßen wird. Innerhalb der Mauern scheint die Zeit stillzustehen. Während sich Andy mit dem Gefangenen Red (Morgan Freeman) anfreundet, wird er von Bogs (Mark Rolston) und dessen Gruppe angegriffen und misshandelt. Erst, als Andy dem brutalen Wärter Hadley (Clancy Brown) mit seinem Wissen über Finanzen weiterhilft, bessert sich seine Situation und schon bald wird auch Gefängnisdirektor Norton (Bob Gunton) auf Andys Talent aufmerksam. Aber auch wenn das Leben im Gefängnis eine Routine entwickelt, die Gefängnisleitung zieht ihre Macht aus der Angst der Verurteilten. Hoffnung ist dort etwas sehr Gefährliches ...


Kritik:
Das ruhig erzählte Gefängnisdrama Die Verurteilten war vor über 20 Jahren kein Erfolg bei seiner Kinoveröffentlichung und konnte trotz sieben Nominierungen für den begehrten Oscar keine einzige Trophäe gewinnen. Dennoch ist Frank Darabonts Adaption der Novelle von Stephen King einer der der besten Filme aller Zeiten und steht auf der Liste derjenigen Filme, die man in jedem Fall gesehen haben sollte, sehr weit oben. Er erzählt eine Geschichte, die mit den Jahren und jedem erneuten Ansehen nur hinzugewinnt.

Sie beginnt im Jahr 1947, als der Banker Andy Dufresne zu zwei lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt wird, weil er seine Frau und deren Geliebten ermordet haben soll. Die Haftstrafe ist im Shawshank Staatsgefängnis im US-Bundesstaat Maine zu verbüßen. In den Mauern herrscht Gefängnisdirektor Norton mit ebenso klaren Regeln wie offener Brutalität, die durch seine Wärter, allen voran Captain Hadley, ausgeübt wird. Sieht man Andy zu Beginn mit seinem ruhigen, stoischen Auftreten und einem derart verschlossenen Gesichtsausdruck, dass man meinen könnte, er hätte seine neue Umgebung noch gar nicht realisiert, dann fragt man sich, wie er eine Woche dort überleben soll, geschweige denn den Rest seines Lebens.

Diese Auffassung teilt der Erzähler des Films, der Sträfling "Red", unvorstellbar und fantastisch nuanciert gespielt von Morgan Freeman, mit dem sich Andy nach einiger Zeit anfreundet. Ob Andy das Verbrechen begangen hat, das ihm vorgeworfen wird, oder er unschuldig ist, wie er behauptet, behält der Filme lange für sich und versetzt das Publikum umso mehr an die Seite von Red, der sich ebenfalls auf Andys Wort verlassen muss, wenn er sich denn dazu entschließt. Die Verurteilten begleitet beide Männer über den Zeitraum von vielen Jahren, zeigt, wie Andy Opfer von Gewalt durch andere Häftlinge wird, er sein Finanzwissen für die Wärter und sogar den Direktor einsetzt. Das Leben innerhalb der Mauern von Shawshank gewinnt eine Routine, einen Rhythmus, dass es so normal erscheint wie jedes andere auch. Aber auch wenn es Erfolge gibt, wie der von Andy vorangetriebene Ausbau der Gefängnisbibliothek, sie werden immer wieder auf brutale Weise daran erinnert, wessen Willkür sie dennoch stets ausgesetzt sind.

Statt die Planung eines lange vorbereiteten Gefängnisausbruchs zu schildern, oder aufzuzeigen, wie der nach außen schwach wirkende Andy an Stärke gewinnt und sich gegen die Misshandlungen wehrt, konzentriert sich Filmemacher Frank Darabont darauf, wie das Leben im Gefängnis die Menschen verändert. Nach Jahrzehnten in Gefangenschaft, in denen die Welt von zwei großen Kriegen heimgesucht worden war und sich die Technik in unvorstellbarer Geschwindigkeit entwickelt hat, wird der Gefängnisbibliothekar Brooks – James Whitmore in einer berührenden und großartigen Darbietung – entlassen, nur um sich in einer ihm fremden Welt nicht zurecht zu finden. Erzählt Red davon, dass der Schuldspruch "lebenslänglich" genau dies bedeutet, selbst wenn die Gefangenen auf Bewährung früher entlassen werden, dann erhält diese Aussage hier ein Gesicht, das man nicht vergisst.

Neben Tim Robbins, dem die Rolle auf den Leib geschrieben scheint, erweckt Bob Gunton den Gefängnisdirektor Norton mit zwei so gegensätzlichen Gesichtern zum Leben, dass einen die eiskalte Berechnung in seinen Handlungen beinahe unvermittelt trifft. Als grausamer Gefängniswärter zählt Die Verurteilten zu Clancy Browns besten Rollen und trotz ihrer verhältnismäßig kurzen Auftritte bleiben Gil Bellows und William Sadler in Erinnerung. Der bis auf zwei weibliche Sprechrollen ausschließlich männliche Cast ist so treffend ausgesucht, dass die Figuren eine Tiefe erkennen lassen, selbst wenn sie nicht in dem Maße vorgestellt werden.
Für seine Bilder wurde Kameramann Roger Deakins vollkommen zu Recht für den Oscar nominiert. Es gelingt ihm, selbst die Brutalität hinter den Mauern auf eine Art und Weise einzufangen, dass sie spürbar wird, ohne sie offen in Szene zu setzen. Fügt sich am Ende die Erzählung zusammen und beleuchtet die letzten Stunden von Andy Dufresne in Shawshank, dann macht einen die unvorhersehbare Präsentation sprachlos.

Dass ein junges Publikum nur wenig an der Romanverfilmung findet, was auf den ersten Blick interessant und spannend klingt, ist unbestritten. Aber was sich darin verbirgt ist so ermutigend, dass wer ihn einmal gesehen hat, Die Verurteilten nicht mehr wird vergessen können.


Fazit:
Frank Darabonts
Die Verurteilten ist ein seltenes Beispiel eines Dramas, in dem es keine ausufernd emotional dargebrachten Szenen gibt, keine schockierende Offenbarung eines Charakters mit Tränen in den Augen und lauter oder brüchiger Stimme. Und dennoch, oder gerade deshalb, entwickeln manche Momente in den zweieinhalb Stunden, in denen das Publikum Teil dieser Gesellschaft hinter den Mauern von Shawshank wird, eine solche Wucht, dass sich einem ein Kloß im Hals bildet. Es ist ein Gefühl, das, wenn man sich die Entwicklung dieser Freundschaft im Gefängnis wiederholt ansieht, nur stärker wird. Die Verurteilten ist ein perfekter Film, ein berührendes, grandios gespieltes und hervorragend inszeniertes Drama über die Kraft der Hoffnung an einem trostlosen Ort. Das ist traurig, aber nicht hoffnungslos und auf eine so ruhige, beobachtende Weise dargebracht, dass einem die Ernsthaftigkeit der Figuren und Geschichte erst im Nachhinein vollends bewusst wird. Ein Meisterwerk.
 


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