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Die neun Pforten [1999]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 08. Juli 2002
Genre: Horror / Fantasy

Originaltitel: The Ninth Gate
Laufzeit: 133 min.
Produktionsland: Frankreich / Spanien / USA
Produktionsjahr: 1999
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roman Polanski
Musik: Wojciech Kilar
Darsteller: Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner


Kurzinhalt:
Dean Corso (Johnny Depp) ist Bücherjäger der besonderen Art, er findet seltene Raritäten und meist auch eine Möglichkeit, sie den Leuten billig abzuluchsen. Einer seiner zufriedensten Kunden ist der Buchsammler Boris Balkan (Frank Langella), der ihm einen neuen Auftrag erteilt. Balkan kam in den Besitz eines Werkes mit dem Namen "Die neun Pforten ins Reich der Schatten", das 1666 von einem venezianischen Buchdrucker in Zusammenarbeit mit dem Teufel persönlich verfasst worden sein soll. Der Autor starb für dieses Buch auf dem Scheiterhaufen und alle seine Werke wurden mit ihm verbrannt. Nur drei Exemplare wurden verschont und sind nun im Besitz von eigenwilligen Sammlern. Corso soll für Balkan die Authentizität des Buches überprüfen und es deshalb mit den anderen beiden vergleichen. Nach zahlreichen Mordanschlägen und Todesfällen in seiner Umgebung, und nicht zuletzt auf Grund der namenlosen jungen Frau (Emmanuelle Seigner), die ihm schon mehrmals das Leben gerettet hat, kommt Corso langsam hinter das wahre Geheimnis seines Auftrags und hinter die eigentliche Bedeutung der drei Bücher.


Kritik:
Wer sich die Inhaltsangabe durchgelesen hat – und mystischen Geschichten nicht abgeneigt ist – dürfte zumindest interessiert sein. Ein Buch, das Luzifer selbst verfasst haben soll und das ein dunkles Geheimnis birgt; malerische Landschaften in Europa und eine umwerfend aussehende Emmanuelle Seigner; all das inszeniert von Altmeister Roman Polanski, der nicht nur mit Filmen wie Tanz der Vampire [1967], Rosemaries Baby [1968] und Chinatown [1974] Klassiker ihrer Genres geschaffen hat.

Doch bei der Theorie bleibt es leider auch. Die Story, anfangs wirklich mehr als interessant, versumpft in unglaubwürdigen Dialogen und absurden Charakterentwicklungen, gepaart mit viel zu vielen Einzelheiten, die dem Zuschauer nie erklärt werden. Welche Rolle hat Emmanuelle Seigner eigentlich, die Johnny Depp nicht nur das Leben rettet, sondern auch engelsgleich durch die Gegend schweben kann? Bis auf die Tatsache, dass sie sich oben-ohne zeigen darf, hat sie ansich nichts zu tun.

Dabei sind die Darsteller wirklich gut, allen voran Johnny Depp, der zu Beginn sympathisch wirkt, trotz seiner nicht gerade freundlichen Persönlichkeit. Doch seine Handlungsweisen sind so haarsträubend, seine Entscheidungen so unverständlich, dass es mir als Zuschauer schon nach kürzester Zeit egal war, ob er nun verbrannt, erstochen, erschossen oder sonst irgendwie zu Tode kommen würde.

"Abgerundet" wird das Geschehen dadurch, dass der Film nach 100 Minuten einen inhaltlichen Knick erleidet, der ihm alles andere als gut tut: da wird leibhaftig der Teufel beschworen und aus unerfindlichen Gründen fühlt sich Depp auf einmal mehr zum Teufel als zum eigenen Leben hingezogen. Die Schlussszene offenbart dem Zuschauer schließlich, dass der Film genau dann zu Ende ist, wenn er endlich ein paar Antworten liefern müsste. Doch entweder waren die dem Regisseur zu aberwitzig, oder gar zu lächerlich, jedenfalls versucht er sich dadurch aus der Breduille zu retten, indem er kurzerhand den Abspann vorschiebt – und so den Zuschauer mit Enttäuschung und Kopfschütteln zurücklässt.

Insgesamt gesehen schien die Inszenierung darauf bedacht, jegliche Spannung oder gar rasante Sequenzen aus dem Film herauszunehmen. Kamera und Schnitt, schon die schiere Szenenaneinanderreihung lassen nach den ersten 20 Minuten jeglichen Rhythmus oder Spannung vermissen. Eine Autoverfolgungsjagd ist so mitreißend wie ein Wettrennen unter Nacktschnecken und ein Zweikampf zwischen Corso und einem unbekannten Mann so packend inszeniert, als würde man zwei Wackelpuddings beim Kräftemessen zusehen. Die Landschaften und Gebäude hingegen sind wirklich eindrucksvoll eingefangen und lassen den Zuschauer in wunderbaren Bildern schwelgen. Nur jede Dramaturgie sucht man vergebens.

Hierzu hat leider auch die Musik von Wojciech Kilar beigetragen, der seit seinem meisterhaften Score zu Bram Stoker's Dracula [1992] sehr beschäftigt war. Auch das Grundthema von Die neun Pforten ist sehr gut und harmonisch, allerdings wird es, ebenso wie die wenigen anderen Themen, ständig wiederholt, ohne Variation! Eine Thema ist dabei ein waschechter musikalischer Reinfall, da es entfernt an den beschwingt-amüsanten Score von Ghostbusters [1984] erinnert – und gerade ein solch witziges, leichtes Stück passt zu einer an sich recht spannenden Szene überhaupt nicht. Man ist versucht, zu schmunzeln, wo an sich nichts Lustiges zu sehen ist, und in anderen Sequenzen nimmt man die Musik viel zu deutlich wahr.

Wieso der Film hier in Deutschland überhaupt Die neun Pforten heißt, und nicht wie der Originaltitel Die Neunte Pforte, verstehe wer will. Am Romantitel kann es nicht liegen, der lautet hierzulande nämlich wieder anders.
Ebenso unverständlich ist die FSK-Freigabe: in diesem Film werden Leute erdrosselt, verbrannt, erschossen, erhängt ..., ohne dass die Kamera sich abwenden würde. Dieses Werk daher ab 12 Jahren freizugeben halte ich für eine glatte Fehlentscheidung – und ein weiteres Beispiel für die Unfähigkeit dieser Behörde.


Fazit:
Was am Ende bleibt ist verschwendetes Potential, das dem Zuschauer zu viel seiner Zeit stiehlt, ohne ihn letztendlich dafür zu entschädigen oder zumindest zu unterhalten. Eine hervorragende Grundidee, die durch die missratene Umsetzung zu einer zweitklassigen Story degradiert wird.
Ich kann mir vorstellen, dass der Roman, auf dem der Film basiert, wirklich gelungen ist, obgleich viele Leser der Meinung sind, dass auch hier das Finale viel zu unglaubwürdig sei, als Film enttäuschtt Die neun Pforten jedoch auf ganzer Linie.


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