skip to content

Die Muppets Weihnachtsgeschichte [1992]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Dezember 2014
Genre: Komödie / Musik

Originaltitel: The Muppet Christmas Carol
Laufzeit: 85 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1992
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Brian Henson
Musik: Miles Goodman
Darsteller / Stimmen: Michael Caine, Dave Goelz (Gudo Hoegel, Walter Reichelt), Steve Whitmire (Andreas von der Meden, Willi Roebke), Jerry Nelson (Manfred Lichtenfeld, Hartmut Neugebauer, Dieter Landuris), Frank Oz (Berno von Cramm, Bruno W. Pantel), David Rudman, Don Austen, Jessica Fox, Steven Mackintosh, Meredith Braun, Robin Weaver


Kurzinhalt:

Es ist die Nacht vor Weihnachten, als dem grimmigen Ebenezer Scrooge (Michael Caine) in seinem kalten Haus die Geister seiner vor langem verstorbenen Geschäftsleute Robert (Dave Goelz / Manfred Lichtenfeld) und Jacob Marley (Jerry Nelson / Walter Reichelt) erscheinen. Sie prophezeien ihm, dass wenn er sein raffgieriges Verhalten nicht ablegt, mit dem er unzählige Menschen, die ihre Hypotheken nicht bezahlen können, aus ihren Häusern werfen lässt, er ebenso verdammt ist wie sie. Es werden ihm noch in der Nacht drei Geister erscheinen und obwohl Scrooge die Erscheinung als Humbug abtut, als die Uhr schlägt, erscheint ihm der Geist der vergangenen Weihnacht (Jessica Fox / Laura Maire).
Er führt den Griesgram in die Vergangenheit und zeigt ihm, was an seinen vergangenen Weihnachtsfesten geschehen ist. Anschließend blickt Scrooge mit dem Geist der gegenwärtigen Weihnacht (Jerry Nelson / Hartmut Neugebauer) auf das diesjährige Fest bei seinem Neffen Fred (Steven Mackintosh), Scrooges Buchhalter Bob Cratchit (Kermit der Frosch: Steve Whitmire / Andreas von der Meden) und seiner Familie. Es sind Einblicke, die den Geizkragen zum Nachdenken bringen. Doch was, wenn es schon zu spät ist, dass er sich ändern könnte?


Kritik:
Man mag darüber streiten, ob Charles Dickens' Eine Weihnachtsgeschichte [1843] überhaupt für ein Kinderpublikum gedacht war. Im ersten Kinofilm nach dem Tod ihres Schöpfers Jim Henson wagen sich die Muppets an die Geschichte um den Griesgram Ebenezer Scrooge, der in der Nacht vor Weihnachten von drei Geistern heimgesucht wird, die ihm einen unerbittlichen Spiegel vorhalten, was für ein Mensch er ist. Es ist eine lustige, beinahe zeitlose Interpretation, die sich an Jung und Alt richtet – mitunter aus unterschiedlichen Gründen.

Dabei bleiben die Muppets ihren bisherigen Auftritten treu und gestalten die Geschichte in gleichen Teilen als Film und als Musical, in dem die bekannten Muppets-Figuren Rollen der normalen Charaktere übernehmen, aber dennoch menschliche Darsteller zu sehen sind. Für Michael Caine, der hier als Scrooge zu sehen ist, zählt die Rolle zu seinen besten und erinnerungswertesten. Man kann ihm nur zustimmen. Seine Wandlung vom kaltherzigen Geschäftsmann, der erbarmungslos die ärmsten der Armen zu Weihnachten aus ihren Häusern werfen lässt, wenn sie ihre Schulden nicht bezahlen können, hin zu jemandem, der sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist, findet durch Caines Darbietung so viele Facetten, dass man auch beim mehrmaligen Ansehen Neues entdeckt.

Erzählt wird seine Geschichte von Gonzo dem Großen als Charles Dickens und Rizzo der Ratte als sein Sidekick. Sie führen dem Publikum auch das London des Jahres 1843 vor Augen, ohne dass es für das junge Publikum zu düster gezeichnet würde. Zudem sind sie für viele Anspielungen und das permanente Augenzwinkern der Erzählung verantwortlich. Die Muppets Weihnachtsgeschichte ist sich vom ersten Moment an bewusst, dass sie nur ein Film ist und spielt mit diesem Selbstbewusstsein. Das mag manchmal übers Ziel hinaus schießen insbesondere, wenn der Humor Situationen um Scrooges Vergangenheit auflockert, die ernst erzählt eindrucksvoller gewesen wären. Doch macht es für ältere Zuschauer, die den typischen Muppets-Humor gewohnt sind, einen Großteil des Flairs aus.

Nur widerwillig gibt Scrooge seinen Angestellten an Weihnachten frei – er selbst kann mit dem vermeintlichen Fest der Liebe nichts anfangen. Seit seine Geschäftspartner Jacob und Robert Marley gestorben sind, scheint Scrooge nur noch härter und kälter geworden zu sein. Doch in der Nacht zu Weihnachten erscheinen ihm die Geister der beiden (treffend verkörpert durch die Muppets-Figuren Waldorf und Statler) und warnen ihn, dass wenn er so weitermacht, er ebenso in der Verdammnis landen wird wie sie. Drei Geister werden ihn in dieser Nacht besuchen, die ihm die vergangenen Weihnachten, die jetzige Weihnacht und die zukünftige Weihnacht zeigen werden.

Die Muppets Weihnachtsgeschichte orientiert sich erstaunlich genau an Dickens' Erzählung was die Erscheinung der drei anbelangt. Sie erinnern Scrooge daran, wie er Weihnachten als Kind verbracht hat und wodurch er seine große Liebe Belle verlor. Während die Muppets-Figuren mehr durch ihre Körperhaltung als durch ihre Mimik sprechen können, veranschaulicht Michael Caine Scrooges Gefühlsleben durch eine kaum merkliche Veränderung seiner Gesichtszüge. Zu beobachten, wie Scrooges Panzer aufbricht und er erkennt, was er verloren hat, ist für junge wie ältere Zuschauer eindrucksvoll.
Bedauerlicherweise wurde Regisseur Brian Henson seinerzeit von den Produzenten überstimmt und musste den Song "When Love Is Gone" aus dem Film entfernen. Die knapp vier Minuten dauernde Szene beschreibt, wie sich Belle von Scrooge trennt und ist an sich einer der wichtigsten Momente in dessen Entwicklung. Doch das Studio empfand sie als zu düster für das junge Publikum. Sie war lediglich in manchen VHS- und den ersten DVD-Ausgaben enthalten.

Die gesungenen Lieder stellen ebenso einen Höhepunkt der Muppets Weihnachtsgeschichte dar wie die Gastauftritte der unzähligen bekannten Figuren. Dass Miss Piggy nicht wie gewohnt von Marianne Wischmann, sondern von Berno von Cramm gesprochen wird, ist für deutsche Fans ärgerlich, aber dem Verleih zuzuschreiben, der Wert auf eine größere Nähe zur Originalversion legte, anstatt dem heimischen Publikum vertraute Stimmen bieten zu wollen.


Fazit:
Auch wenn einige Momente bewusst leicht gehalten sind, etwas mehr Ernst hätte ihnen nicht geschadet. Unerwartet gelingt den Filmemachern eine Auslegung der klassischen Weihnachtsgeschichte, die sowohl ein junges, als auch ein älteres Publikum anspricht und mit vielen berührenden Momenten aufwartet. Die jüngeren werden an den zauberhaften Figuren und dem betonten Humor ihre Freude haben, während die größeren ein Wiedersehen mit den bekannten Muppets-Figuren feiern können, die in ihren Rollen allesamt aufgehen und dennoch ihre aus der Muppet Show [1976-1981] bekannten Eigenschaften beibehalten.
Dass die Balance gelingt liegt an den fantastischen Sets, der einladenden, tollen Musik, deren Songs in den Texten den Geist des Buches hervorragend einfangen und einem zeitlos grandiosen Michael Caine. Dank ihnen ist Die Muppets Weihnachtsgeschichte eine der besten und eingängigsten Umsetzungen von Charles Dickens' wichtigem Werk. Sein sozialer Kommentar bleibt ebenso erhalten wie seine herzliche Aussage. Und sie ist hier so charmant verpackt wie sonst selten.    


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.