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Die letzte Festung [2001]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. September 2006
Genre: Unterhaltung / Action

Originaltitel: The Last Castle
Laufzeit: 126 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2001
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Rod Lurie
Musik: Jerry Goldsmith
Darsteller: Robert Redford, James Gandolfini, Mark Ruffalo, Steve Burton, Delroy Lindo, Paul Calderon, Samuel Ball, Jeremy Childs, Clifton Collins Jr., George W. Scott, Brian Goodman, Michael Irby, Frank Military


Kurzinhalt:
Als der Lt. Gen. Eugene Irwin (Robert Redford) in das von Colonel Winter (James Gandolfini) geleitete Militärgefängnis gebracht wird, weiß Winter zunächst nicht, wie er jener Militär-Legende begegnen soll. Aber während er zunächst gewillt ist, dem an sich verschlossenen Irwin so manchen Ausrutscher im Verhalten nachzusehen, muss er bald erkennen, dass er sich in dem Veteran womöglich geirrt hat.
Denn als Irwin mit ansehen muss, wie Winter die Spannungen und die Streitigkeiten der Insassen nutzt, um sie gegen einander aufzubringen und sogar ein Soldat einem vermeintlichen Unfall tödlich erliegt, offenbart sich das wahre Gesicht von Winters eiserner Diktatur. Nicht willens, diesen Ungerechtigkeiten weiter tatenlos zuzusehen, bittet Irwin General Wheeler (Delroy Lindo) um Hilfe, Winter abzusetzen, doch der scheint gut abgesichert.
So bleibt Irwin nur die riskante Möglichkeit, einen Aufstand im Militärgefängnis zu organisieren – nicht, um zu fliehen, sondern um Wheeler zu verdeutlichen, dass Winter die Kontrolle verloren hat. Doch hierfür muss Irwin nicht nur die Insassen motivieren und einen Schlachtplan entwerfen, er muss auch bereit sein, größte Opfer zu erbringen, um dieses Ziel zu erreichen ...


Kritik:
Einem heutigen James Bond-Film ohne den geschüttelten Martini würde etwas fehlen, und auch bei Gefängnis-Filmen gibt es bestimmte Bestandteile, die sich seit jeher in allen Vertretern jener Zunft wieder finden. Die Frage ist vielmehr, inwieweit die Filmemacher die bekannten Muster abwandeln können, um die Zuschauer dennoch zu überraschen.
Dies ist den Produzenten von Die letzte Festung in mancher Hinsicht zweifelsohne gelungen, und doch offenbaren sich immer wieder Klischees, die dem Genre seit Urzeit anheim scheinen, und von denen sich zu lösen die Drehbuchautoren nicht in der Lage scheinen.

Das Skript stammt dabei aus der Feder von David Scarpa und Graham Yost (Speed [1994]), denen es zwar gelingt, ein überzeugendes Szenario im Gefängnis zu entwerfen, das aber auf wenig glaubhafte Art und Weise eskaliert.
Größter Schwachpunkt sind allerdings die Figuren, die sich bei näherer Betrachtung nicht nur als viel zu flach herausstellen, sondern vor allem keine Entwicklung durchlaufen. Nicht nur, dass man von Eugene Irwin nicht viel erzählt bekommt und man auch nicht erfährt, was im Brief seiner Tochter zu lesen war, seine Motivation hinter dem geprobten Aufstand wird von einer Reihe von Ereignissen hervorgerufen, die schlichtweg zu weit her geholt sind. So ist er zwar immer sympathisch, bleibt dem Zuschauer aber gänzlich unbekannt; ebenso sein Widersacher Colonel Winter, über dessen Hintergrund man überhaupt keine Informationen bekommt.
Das Drehbuch lässt außerdem eine Entwicklung der Figuren vermissen, die womöglich ihre Masken im Laufe der zwei Stunden ablegen, sich aber nicht wirklich in irgendeiner Form wandeln. Höhepunkte sind einerseits die Dialoge zwischen Winter und Irwin, die immerhin eine direkte Konfrontation der beiden Mimen provozieren, und das auf mehreren Ebenen vorbereitete Finale des Films. Bis dahin ist es allerdings mitunter ein langer Weg, und wer der Meinung ist, der etwas gemächliche Aufbau der Geschichte, würde immer wieder durch Actioneinlagen aufgelockert, wird überrascht sein zu hören, dass es bis eine halbe Stunde vor Schluss kaum temporeiche Momente gibt.
Zwar streuen Scarpa und Yost einige spannende und auch atmosphärische Momente ein, doch gerade im Mittelteil zieht sich die Erzählung merklich, ehe das Tempo einen Gang höher geschalten wird. So offenbart das Skript merkliche Schwächen, die sich letztlich auch im Film widerspiegeln und alles in allem hätte man aus der Ausgangsidee merklich mehr heraus holen können, doch liefert das Drehbuch immerhin die Grundlage für ordentliche Unterhaltung.

Die Vorlage entsprechend umzusetzen ist Aufgabe der durchaus namhaften Darstellerriege, die von einem wie immer motivierten, wenn auch nicht übermäßig geforderten Robert Redford angeführt wird. Welche Ausstrahlung der damals immerhin schon 65jährige Oscarpreisträger besitzt, ist kaum vorstellbar. Er nimmt nicht nur die Leinwand völlig für sich ein, er scheint zusätzlich auf die übrigen Mimen um ihn herum abzufärben, so dass auch weniger bekannte Darsteller in seiner Nähe zu glänzen scheinen. Er selbst hat zwar körperlich einiges zu erdulden, ist aber mimisch nicht übermäßig gefordert, hierfür ist seine Rolle zu eindimensional und absehbar angelegt. Dass einen dies als Zuseher aber nicht stört, ist Redford zu verdanken, der Die letzte Festung merklich veredelt.
Um gegen jene Hauptfigur zu bestehen muss James Gandolfini mit so wenig Gestik wie möglich arbeiten und tatsächlich ist es sein eher zurückhaltendes und deswegen unvorhersehbares Mimikspiel, das seiner Figur jene unberechenbare Eigenschaften verleiht. Ihm zuzusehen, wie er immer mehr die Kontrolle verliert und sich einem Gegner gegenübersieht, den er an sich nicht besiegen möchte, ist sehenswert und von Gandolfini bemerkenswert gespielt.
Dagegen hat Mark Ruffalo eine eher untergeordnete Rolle zu verkörpern, die seinen übrigen Leinwandfiguren auch merklich entgegenläuft, ist er hier doch kein Held oder ein Unschuldsengel auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Doch der Tapetenwechsel bekommt Ruffalo gut, auch wenn seine Figur zu wenig zu tun bekommt.
Delroy Lindo, Clifton Collins Jr., Steve Burton, Frank Military und Brian Goodman leisten zwar gute Arbeit, werden aber nicht übermäßig gefordert. Abgerundet wird der Cast durch routinierte Nebendarsteller, die keine Wünsche offen lassen, aber auch keine bemerkenswerten Momente besitzen.

Aber auch wenn die Darsteller nicht in dem Maße überzeugen, wie man sich womöglich erhofft hätte, die handwerkliche Umsetzung durch Regisseur Rod Lurie (Rufmord - Jenseits der Moral [2000]) verblüfft durch ausgefallene, einfallsreiche Bilder und einen grundsätzlich ebenso gelungenen Schnitt, der an manchen Stellen allerdings etwas abrupt wirkt, als wäre das Studio hier zu Werke gegangen mit der Befürchtung einer höheren Altersfreigabe.
Die von Kameramann Shelly Johnson, unter anderem verantwortlich für Jurassic Park III [2001], ausgewählten Perspektiven scheinen dabei ebenso passend wie im ersten Moment verwunderlich, zumal recht häufig auf eine ungewöhnliche Kameratechnik zurückgegriffen wird, bei der eine Kamera mit zwei Linsen eingesetzt wird, um sowohl Teile im rechten, wie im linken Bildbereich, die aber in unterschiedlichen Entfernungen liegen, scharf zu stellen. Die Mitte ist in dem Fall (vor allem bei Gesprächen zu sehen) unscharf, beide Gesprächspartner allerdings scharf. Weswegen Lurie so häufig darauf zurückgreift ist allerdings unverständlich, etwas weniger wäre in dem Falle womöglich mehr gewesen.
Nichtsdestotrotz sind die Perspektiven sehr gut ausgesucht, verwöhnen den Zuschauer mitunter mit langen Kamerafahrten, bei denen die eingebrachten Spezialeffekte wirklich nur sehr geschulten Augen auffallen werden, und auch die Actionsequenzen beim Finale lassen weder Übersicht, noch Tempo vermissen, ganz im Gegenteil. Mehr hätte man sich dahingehend eigentlich nicht wünschen können.

Ganz entscheidend trägt wieder einmal die musikalische Untermalung durch Jerry Goldsmith zur Atmosphäre des Films bei; die sowohl ruhige Themen beinhaltet, wie auch rhythmische und eingängige Action-Cues, die selbstverständlich beim Finale für eine packende Steigerung sorgen. Wie gewohnt verwöhnt Goldsmith die Zuschauer außerdem mit einer regelrechten Hymne passend zum Gefängnis-Hintergrund des Films, die die ausschweifenden Kamerafahrten entsprechend untermalt.
Passend zu den Bildern gibt sich die Musik getragen und orchestral oder modern und mit Synthesizer versetzt, fügt sich aber immer nahtlos zum Geschehen.
Das Thema des Films taufte man übrigens "11. September 2001", da es an jenem Tag aufgenommen wurde.

Dass sich Die letzte Festung eindeutig an bekannten Gefängnis-Filmen orientiert, sei unbestritten, und es ist auch kein Geheimnis, dass beinahe alle Filme jenen Genres nach einem bekannten Muster ablaufen, auch wenn die Autoren merklich darum bemüht sind, manchen Klischees nicht zu verfallen – dafür müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, sie würden in bekannten Mustern der Militärfilme untergehen. Dabei mag der gezeigte Pathos sicherlich zur Geschichte passen, wirkt aber gerade am Schluss doch aufgesetzt.
Dennoch, und auch wenn die Figuren nicht im geringsten jene Tiefe offenbaren, an die man sich durch Meilensteine wie Die Verurteilten [1992] gewöhnt hat, das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller macht Rod Luries Film sehenswert und das Actionfinale ist nicht nur exzellent gefilmt, sondern auch ansprechend lang, so dass sich der Ausflug in das Militärgefängnis immerhin mit einer positiven Note verabschiedet.


Fazit:
An sich muss es für jeden Darsteller eine grauenhafte Vorstellung sein, den Gegenspieler zu einer Leinwand-Legende wie Robert Redford verkörpern zu müssen, doch James Gandolfini macht seine Sache erstaunlich gut, auch wenn er seinem Gegenüber in Sachen Charisma nicht das Wasser reichen kann und seine Figur viel zu stiefmütterlich behandelt wird.
Doch es ist dem Zusammenspiel dieser beiden Akteure zu verdanken, sowie der handwerklich sauberen Umsetzung, der nie unpassenden Musik und dem mitreißenden Actionfinale, dass Die letzte Festung auch trotz der Drehbuchschwächen und des etwas zähen Mittelteils nie langweilig wird, sondern immer interessant und unterhaltsam bleibt.
Zwar hätte man aus der Ausgangslage ohne weiteres mehr machen können und Klischees und Pathos findet sich in den zwei Stunden genügend, einige Überraschungen aber auch, und wer sich auf unbeschwerte, aber nicht ganz kritikfreie Unterhaltung einstellt, wird von Rod Luries Film nicht enttäuscht.


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