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Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 [2009]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 04. Oktober 2009
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: The Taking of Pelham 1 2 3
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Tony Scott
Musik: Harry Gregson-Williams
Darsteller: Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, Victor Gojcaj, John Turturro, James Gandolfini, Michael Rispoli, Ramon Rodriguez, Saidah Arrika Ekulona, John Benjamin Hickey


Kurzinhalt:
Eines frühen Nachmittags sieht der New Yorker U-Bahn-Mitarbeiter Walter Garber (Denzel Washington) an seinem Pult in der Leitstelle, wie die U-Bahn "Pelham 123" anhält und wenig später ein Wagen abgekoppelt wird. Seine ersten Versuche, den Lokführer zu erreichen scheitern. Schließlich meldet sich ein Mann, der sich Ryder (John Travolta) nennt und fordert für das Leben der 19 Geiseln, die er und seine Mitstreiter in dem einzelnen Wagon in ihre Gewalt gebracht haben, 10 Millionen Dollar Lösegeld. Zu liefern in einer Stunde, ansonsten wird pro Minute eine Geisel getötet.
Während der Bürgermeister (James Gandolfini) veranlasst, das Geld bereitzustellen, versucht der Unterhändler Camonetti (John Turturro) der Polizei, die Situation zu beruhigen. Doch dann eskaliert die Lage, denn Ryder will nur mit Garber verhandeln. So muss sich der unter Bestechlichkeitsvorwürfen stehende Garber auf ein Katz-und-Maus-Spiel einlassen, bei dem sein Gegner alle Fäden in der Hand hält – und die Zeit viel zu schnell verrinnt ...


Kritik:
Das Szenario einer Geiselnahme in der U-Bahn ist schon aus dem Grunde so Furcht erregend, weil das öffentliche Transportmittel eines der Urgesteine des alltäglichen Lebens darstellt. In den Großstädten rund um die Welt nutzen Millionen Menschen täglich dieses Beförderungssystem und setzen sich (wie man an den Reaktionen der Passagiere in Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 erkennen kann) wohl auch überall mit denselben Ärgernissen auseinander. Insofern spricht schon die Romanvorlage von Autor John Godey eine ganz alltägliche Situation an, die eine unerwartete und unheilvolle Wendung nimmt. Doch statt die zweite Verfilmung des Stoffes auch als Thriller zu erzählen, in dem man sich auch jeden Tag wiederfinden könnte, gelingt es Regisseur Tony Scott leider nicht, seinen Videoclipstil im Zaum zu halten. Kameramätzchen, die nach dem unübersichtlichen und erzwungen stylisch wirkenden Vorspann zum Glück weniger werden, sind bis zum Schluss jedoch leider nicht völlig verschwunden. Und auch die Musik scheint sich gerade in diesen Szenen selbst so wichtig zu nehmen, dass man als Zuseher aus dem Geschehen gerissen wird – und auch nur Zuschauer bleibt. Dabei wäre selbst mit demselben Drehbuch und denselben Beteiligten mühelos ein erstklassiger Thriller möglich gewesen.

Schon zu Beginn wird klar, dass die Zeit der klassischen Helden auf der Leinwand schon lange der Vergangenheit angehört. Wäre vor 20 Jahren noch ein junger Polizist vorgestellt worden, der die Reihen der Bösewichte im Alleingang aufgemischt hätte, spielt Walter Garber – mühelos zum Leben erweckt von einem routiniert agierenden Denzel Washington – in einer ganz anderen Kategorie. Zwangsweise zurückgestuft auf einen Posten, für den er an sich überqualifiziert ist, verbindet ihn an sich nichts mit einem Helden. Ob er sich hat bestechen lassen, oder nicht, spielt keine Rolle. Er ist ein Mann mit Makeln wie ein jeder andere auch. Vielleicht eignet sich Garber gerade deshalb gut als Sympathiefigur. Nicht zuletzt auch, weil er den Wert des menschlichen Lebens als höher einschätzt, als seine persönliche Sicherheit. Im Gegensatz zum skrupellosen Ryder (lässig gespielt von John Travolta), der mit seinen Mitstreitern Millionen Dollar erpresst, dabei buchstäblich über Leichen geht und diese doch nur für einen viel größeren Coup opfert.
Dass sich die Geschichte, die Drehbuchautor Brian Helgeland mit interessanten Ideen versieht, großteils auf einen verbalen Schlagabtausch der beiden Protagonisten konzentrieren würde, war abzusehen. Und dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Weswegen es Regisseur Scott dann aber nicht für notwendig hält, die wenigen Actionmomente auch vernünftig zu inszenieren, sondern diese stattdessen wild hin und herschneidet, eine Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahme nach der anderen zeigt und dieses mit Unschärfen im Bild mischt, so dass sich der Eindruck einstellt, die Macher hätten im Schneideraum unter Schlafentzug gearbeitet, ist ein Rätsel. Sein eigenwilliger Stil, den er seit seinem Kurzfilmbeitrag Beat the Devil zur BMW-Clip-Reihe The Hire [2001 / 2002] konstant beibehält, hat er lediglich in Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit [2006] ausgesetzt – und prompt einen ansehbaren Film hinterlassen. Bei Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 wird dieses Stilmittel selbst von weniger empfindlichen Zuschauern als störend empfunden; spätestens das sollte dem Filmemacher zu denken geben.
Die Story entwickelt sich bis auf wenige Abweichungen so, wie man es bei einem solchen Film erwarten würde. Das ist an sich kein Kritikpunkt, doch fehlt es in letzter Konsequenz an wirklich neuen Einfällen oder Überraschungen, die sich hier allenfalls auf das letztendliche Ziel Ryders beschränken. So gelungen manche Unterredungen zwischen den Figuren auch sind, kommen einem selbst hier die meisten Sprüche oder merkenswerte One-Liner bekannt vor. Was die Produktion über andere hebt, oder sie zumindest auf dieselbe Stufe bringt, sind die Darsteller, die sich nicht übermäßig anstrengen müssen, aber alle motiviert genug erscheinen.

Wirklich packend ist der Thriller leider nur stellenweise, und auch wenn die knapp zwei Stunden schnell vergehen, hätte man aus dem Konzept bedeutend mehr machen können. Stellen die Geiselnehmer der Polizei nur eine Stunde zur Verfügung, um das Geld zu besorgen, hätte man hier die Chance ergreifen können, in Echtzeit zu erzählen. Oder man hätte einen anderen Ansatz wählen können und das Geschehen nur aus der Sicht der Geiseln im Wagon, oder aus der Sicht der U-Bahn-Zentrale erzählen können. Möglichkeiten gab es genug, leider sind die Filmemacher darauf nicht eingegangen.
Wer sich für Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 entscheidet, den erwartet ein routinierter Thriller mit gut aufgelegten Darstellern. Handwerklich stellenweise ordentlich, in vielen Momenten aber hoffnungslos verschnitten, wünscht man sich dieselbe Geschichte in den Händen eines anderen Filmemachers. Dieser hätte das Endergebnis hoffentlich zumindest sehenswert umgesetzt.


Fazit:
Nicht nur auf Grund des eingesetzten Budgets, sondern allein auf Grund der eingesetzten Talente ist es ärgerlich, wenn man sieht, was aus einer Produktion wie Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 hätte werden können, und was tatsächlich daraus geworden ist. Aber statt einen realistischen und packenden Thriller abzuliefern, konzentriert sich Regisseur Tony Scott gerade in den rasanteren Momenten mehr darauf, seinen "hippen" Stil umzusetzen, anstatt wirklich Tempo zu erzeugen.
Das Ergebnis ist im besten Fall durchwachsen. Die routinierten Darsteller und der sichtliche Produktionsaufwand verschwinden hinter einem visuellen Kollaps, der schließlich nur die Dialogszenen übrig lässt. Diese sind zwar ordentlich, lassen allerdings wirklich neue Ideen vermissen. Wer sich damit arrangiert, bekommt einen durchaus unterhaltsamen, aber völlig verschenkten Thriller geboten. Man sollte nur nicht darüber nachdenken, was dabei möglich gewesen wäre.


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