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Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern [2012]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Juni 2013
Genre: Komödie

Originaltitel: Parental Guidance
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Andy Fickman
Musik: Marc Shaiman
Darsteller: Billy Crystal, Bette Midler, Marisa Tomei, Tom Everett Scott, Bailee Madison, Joshua Rush, Kyle Harrison Breitkopf, Jennifer Crystal Foley, Rhoda Griffis, Gedde Watanabe, Tony Hawk


Kurzinhalt:
Auch wenn er sich seiner Meinung nach jünger fühlen mag, als er ist, und überdies jünger aussehen mag, als er sich fühlt, für Artie Deckers (Billy Crystal) Arbeitgeber reicht dies nicht aus. Um ein jüngeres Zielpublikum anzusprechen, wird Artie als Kommentator der Baseballmannschaft in Fresno entlassen. Als wäre das nicht genug, sagt seine Frau Diane (Bette Midler) einer Bitte der gemeinsamen Tochter Alice (Marisa Tomei) zu, die tausende Meilen entfernt wohnt und einen Aufpasser für ihre drei Kinder Harper (Bailee Madison), Turner (Joshua Rush) und Barker (Kyle Harrison Breitkopf) benötigt. Dann kann sie ihren Mann Phil (Tom Everett Scott) auf eine Preisverleihung begleiten.
Da die Beziehung zu ihrer Tochter ohnehin abgekühlt ist und sie ihre Enkelkinder kaum zu sehen bekommen, reisen Artie und Diane zu Alice und Phil, die ihnen ein Regelwerk zusammen gestellt haben, was die Kinder hören und tun sollen – und was nicht. Auch wenn es insbesondere Artie schwer fällt, den modernen, seiner Ansicht nach zweifelhaften Methoden seiner Tochter bezüglich der Kindererziehung zu folgen, er gibt sich große Mühe. Doch gerade was das technisch hochgerüstete Haus angeht, sind ihm die drei weit überlegen und wissen ihre Großeltern auszuspielen. Dass Alice immer wieder Wege findet, Phil nicht nachfliegen zu können, spricht Bände, dabei hat die Chaoswoche für Artie, Diane und die drei Kinder erst begonnen. Dabei steht auch auf dem Spiel, welche Methoden der Erziehung der Kinder die wirkungsvollere ist – Arties oder Alices ...


Kritik:
Es kommt mit dem Älterwerden, dass man sich dabei ertappt zu sagen "bei uns war das früher anders". Was für alle Lebenslagen gilt, trifft umso mehr bei der Erziehung des Nachwuchses zu. Vor ganz langer Zeit wurden die Eltern von ihren Sprösslingen noch gesiezt, es gab aber auch eine Phase, in der sich Eltern damit brüsteten, ihre Kinder antiautoritär erzogen zu haben. Eines haben alle für die Erziehung zuständigen in der Regel aber gemeinsam: Hinterher sind sie schlauer als vorher.
Ähnlich ergeht es auch Diane und Artie Decker in Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern, die mit der Art und Weise, wie ihre Film-Tochter Alice ihre drei Kinder erzieht, nicht einverstanden sind. Dass die Komödie von Andy Fickman viele der üblichen Klischees aufgreift, ist dann nicht wenig verwunderlich, wenn man sich überlegt, dass die meisten von ihnen zutreffen. Dennoch gelingt es ihm dank der charismatischen Darsteller, die Figuren und nicht die Gags in den Vordergrund zu rücken. Einzig den abstrusen deutschen Filmtitel muss man gleich im Vorfeld wieder vergessen und sich stattdessen am englischen Original orientieren: Parental Guidance steht übersetzt für "Elterliche Führung" und verdeutlicht besser, worum es eigentlich geht.

Die Geschichte beginnt an dem Punkt, an dem viele Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern, die selbst Väter oder Mütter geworden sind, früher oder später ankommen. Was immer es war, das die Beziehung zwischen ihnen zum Abkühlen brachte, der Grund ist vermutlich schon vergessen. Der übrig gebliebene Kontakt ist spärlich, aber höflich. Doch statt einer Vertrautheit findet sich eine Distanz, die keinem angenehm ist, die sich aber irgendwann eingestellt hat. Der von Billy Crystal verkörperte Artie liefert hierfür in einem ruhigen Moment zu Beginn des letzten Drittels einen Grund, der jeden Familienangehörigen im Mark treffen würde – umso mehr, weil er wahr und nachvollziehbar ist. Darum freut sich Diane (spritzig: Bette Midler), als sie einen Anruf ihrer Tochter Alice bekommt mit der Bitte, ob sie eine Woche auf ihre drei Kinder Harper, Turner und Barker aufpassen können. Nur so könnte Alice ihren Mann Phil zu einer Preisverleihung begleiten, für die er für sein vollautomatisches Smart-Haus nominiert ist. Während die drei von Alice, gespielt von Marisa Tomei, eine Einweisung bekommen, wie sie sich gegenüber ihren Großeltern verhalten sollen, erhält Artie von Diane die Anweisung, diese Möglichkeit, ihre Enkelkinder kennen zu lernen, nicht zu verderben. Was Alice noch nicht weiß ist, dass ihr Vater kurz zuvor seinen Job als Kommentator des Fresno Grizzlies Baseballteams verloren hat. Sein Traum, die Spiele der San Francisco Giants kommentieren zu dürfen, scheint in seinem Alter zudem in unerreichbar weite Ferne gerückt.

So machen sich Artie und Diane auf den Weg nach Atlanta zu ihren Enkeln und werden dort nicht nur mit allerlei Technik konfrontiert, die insbesondere Artie überfordert, sondern auch mit Psychologen für die Kinder, Lehrern die eigentliche Hobbys so ernst nehmen, dass die Kinder darunter zu zerbrechen drohen, und im Gegensatz dazu Sportspiele, bei denen keine Kindermannschaft gewinnen darf, aus Angst der Leistungsdruck könne ihnen schaden.
Gleichzeitig achten die jungen Eltern so sehr darauf, ihren Nachwuchs nicht mit negativen Äußerungen zu entmutigen und bieten ihnen allein schon beim Frühstück so viel Individualität, dass Alice und Phil damit vollkommen überfordert sind. Man wartet die ganze Zeit darauf, aus Billy Crystals oder Bette Midlers Mund zu hören "bei uns gab es so etwas nicht". Doch stattdessen versuchen sie erstaunlich lange, sich an die Vorgaben von Alice zu halten, während die chaotische Woche ihren Lauf nimmt. Dass Alice als übervorsichtige Mutter immer wieder Gründe findet, nicht abzureisen, ist ebenso wenig überraschend, wie Arties wiederholtes Tappen in sämtliche sich ihm bietende Fettnäpfchen.

Dass Parental Guidance interessiert liegt daran, dass trotz der überzeichneten Figuren alle aus dem Leben gegriffen sein könnten. Wer kennt nicht jemanden wie Harper, die in den Augen ihrer Mutter ihre Begabung als Violinistin nutzen soll, auch wenn sie selbst die Begeisterung dafür schon lange verloren hat? Und auch wenn sie trainieren und diszipliniert sein soll wie eine Erwachsene, Make-up zu tragen ist ihr untersagt. Turner und Barker sind zwar aufgeweckt, aber beide unsicher. Während einer therapiert werden soll, statt ihn zu ermutigen, wird der andere ermutigt, statt ihm eine klare Richtung vorzugeben. Dass die Großeltern bei ihren Entwicklungen mithelfen dürfen, liegt in der Natur der Sache. Doch wird nicht alles aufgelöst. Die Erziehungsmethoden von Alice und Phil werden auch nicht als unsinnig abgestempelt, sondern ihnen stattdessen angeraten, dass kein Mensch in eine Schublade passt. Wie sollte es also ein Schema für die Kinder geben?
Viele Hollywood-Größen von früher lassen sich heute in zwei Lager teilen. Die einen übernehmen gerne Rollen, für die sie eigentlich zu alt sind (Sylvester Stallone beweist dies in seinen letzten Filmen wiederholt), die anderen stellen in ihren aktuellen Filmen immer wieder hervor, wie alt sie inzwischen sind. Zwar stellt auch Billy Crystal fest, dass die Jahre irgendwann zwischen Abend und Morgen an ihm vorbeigerauscht sein müssen, doch sowohl er, als auch Bette Midler passen hervorragend in ihre Rollen. Sie bringen neben einem natürlich Humor und einer ansteckenden Lebensweisheit auch einen Charme mit, der ihnen zwar nicht erst seit ihrem Älterwerden gegeben ist, den sie aber dadurch noch veredeln konnten.


Fazit:
Auch wenn Parental Guidance einen zotigen Eindruck machen mag, die witzigen Einlagen verteilen sich angenehm gleichmäßig zwischen Situationskomik und Wortwitz. Bei letzterem sind insbesondere die drei erwachsenen Schauspieler in ihrem Element, während die gut besetzten Kinderdarsteller bei ersterem aufblühen. Vermutlich wird dies auch mehr das junge Publikum ansprechen.
Inhaltlich bietet die Komödie zwar keine neuen Erkenntnisse und bleibt durchaus vorhersehbar, fasst aber gelungen die Situation und Meinungen beim Thema Kindererziehung unterschiedlicher Generationen zusammen. Das ist familienfreundlich aufbereitet und dank der tollen Besetzung mit einer Menge Ausstrahlung auch durchweg unterhaltsam abzusehen. Und vielleicht erkennt der/die ein oder andere sich nicht nur wieder, sondern findet auch ein oder zwei Punkte, die er/sie wenn nicht besser, dann doch zumindest anders machen kann. Das darf als Anspruch für einen solchen Film mit Hollywoodstars durchaus ausreichen.


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