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Die Abservierer [1993]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 8. Oktober 2018
Genre: Komödie / Action / Thriller

Originaltitel: Another Stakeout
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1993
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: John Badham
Musik: Arthur B. Rubinstein
Darsteller: Richard Dreyfuss, Emilio Estevez, Rosie O‘Donnell, Dennis Farina, Marcia Strassman, Cathy Moriarty, Madeleine Stowe, John Rubinstein, Miguel Ferrer, Dan Lauria, Sharon Maughan, Christopher Doyle


Kurzinhalt:

Nachdem sie bei einem Anschlag nur knapp mit dem Leben davongekommen ist, taucht die Kronzeugin Lu Delano (Cathy Moriarty) eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen einen mächtigen Mafiosi unter. Die Polizisten Chris (Richard Dreyfuss) und Bill (Emilio Estevez) werden vom Büro der Staatsanwaltschaft beauftragt, zusammen mit Gina Garrett (Rosie O‘Donnell) das Anwesen von Brian (Dennis Farina) und Pam O‘Hara (Marcia Strassman) zu beschatten, da vermutet wird, dass Lu zu ihren Freunden Kontakt aufnehmen wird. Nicht nur, dass die beiden Polizisten nur schwer mit einer dritten Person zusammenarbeiten können, ihre Tarnung als Familie und die Tatsache, dass Gina keine Erfahrungen bei der Überwachung besitzt, machen den Auftrag nicht einfacher. Gleichzeitig hat Chris damit zu kämpfen, dass sich seine Lebensgefährtin Maria (Madeleine Stowe) von ihm getrennt hat. Sie ahnen nicht, dass der Auftragskiller Tony (Miguel Ferrer) dank eines Informanten ebenfalls auf Lus Spur gekommen ist …


Kritik:
Sechs Jahre nach Stakeout - Die Nacht hat viele Augen [1987] präsentiert Regisseur John Badham mit Die Abservierer eine Fortsetzung, die zwar dieselbe Ausgangslage aufgreift, aber die Stimmung merklich verändert. War Teil eins eine actionreiche Thriller-Komödie mit einer Liebesgeschichte, ist Teil zwei eine Komödie mit Thrillerstory. Dass dieser Wechsel so gut funktioniert liegt zum einen an dem sichtlich gut gelaunten Cast und dem Filmemacher selbst, der die Geschichte handwerklich nicht nur versiert umsetzt, sondern mit einigen wirklichen Highlights versieht.

Das erste kommt gleich zu Beginn und wird zugegebenermaßen weder nochmals erreicht, geschweige denn übertroffen. Die Eröffnung, an deren Ende ein Wohnhaus explodiert, ist nicht nur spannend und fantastisch aufgebaut. Kamera und Schnitt sind so gelungen, dass Badham hier wohl die beste Explosion auf Film bannt, die bis dahin und seither in einer Hollywoodproduktion zu sehen war. Es ist eine meisterhaft umgesetzte Sequenz.
Ziel des Anschlags ist die Zeugin Lu Delano, deren Aussage Dreh- und Angelpunkt der Anklage gegen einen einflussreichen Mafiosi ist. Die Zeugin überlebt und taucht unter. Zusammen mit Gina Garrett, die für die Staatsanwaltschaft arbeitet, sollen die beiden Polizisten Chris und Bill das abgeschiedene Anwesen der O‘Haras observieren, die als Kontaktpersonen von Lu gelten.

Dass sich die drei als Familie ausgeben, Bill Chris‘ Sohn sein soll, sorgt zusammen mit Gina zusätzlich für komödiantischen Zündstoff. Wie gut Rosie O‘Donnell das bereits im ersten Film etablierte Buddy-Duo ergänzt, beweisen bereits die Wortgefechte der drei, die ein Tempo entwickeln, dass es schwerfällt, ihnen allen zu folgen. Gleichzeitig wirkt der Humor in Die Abservierer, der merklich körperlicher ausfällt als zuvor, oft improvisiert und man muss sich fragen, ob die Beteiligten stellenweise vor Lachen überhaupt weiterdrehen konnten. Dabei macht gerade der Slapstick die Komödie überraschend zeitlos.
Die Stimmung ist so leichtfüßig und ansteckend, dass es eine Freude ist, zuzusehen. Vor allem, dass dies nicht auf die Hauptcharaktere beschränkt ist, sondern beispielsweise auch der immer tolle Dennis Farina mit eingebunden wird (das Abendessen der Observierer mit den O‘Haras ist ein weiteres Highlight), bereichert den Film ungemein.

Dass in Anbetracht der inhaltlichen Neuausrichtung der Thriller-Aspekt merklich kurz kommt, überrascht nicht. Man könnte auch sagen, dass dieser streckenweise gar nicht interessiert, obwohl mit Miguel Ferrer als Attentäter eine im Grunde vielversprechende Figur vorgestellt wird, die aber nicht weiter beleuchtet wird. Die Rahmenstory um die Zeugenaussage ist insofern ein MacGuffin, zumal nicht einmal geklärt wird, was Lu überhaupt aussagen würde. Trotzdem nimmt der Filmemacher den Thrill, wenn er denn eingeworben wird, auch ernst. Nicht nur, dass actionreiche Momente tadellos und gelungen in Szene gesetzt werden, auch der Umgang der Figuren miteinander wandelt sich in ihnen merklich. Wirken Chris und Bill über weite Strecken wie große Kinder, die ständig Quatsch machen, agieren sie bei der Polizeiarbeit selbst, oder wenn es ernst wird, doch so professionell, dass kein Zweifel aufkommt, dass sie ihrer Arbeit auch gewachsen sind. Die Abservierer schafft hier eine Balance, die wenigen Komödien gelingt.

Dass die Ereignisse von Stakeout dabei nicht vollkommen außer Acht gelassen werden, sondern die Nebenhandlung um Chris und Maria weitergeführt wird, verbindet die Fortsetzung gelungen mit dem ersten Film, ohne dass sich die Geschichte unnötig wiederholt. Dabei lassen die Macher das Publikum hinsichtlich der Zukunft der Figuren am Ende nicht in der Luft hängen, wie es z.B. bei den Stirb langsam-Filmen der Fall ist, sondern finden einen schönen Abschluss.
Man mag Die Abservierer vorwerfen, dass die Story nur eine Variation des ersten Films ist und mehr auf Humor als auf Thrill oder Action setzt – im Gegensatz zu dem im Vorjahr veröffentlichten Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück [1992], der diese Genre stärker in der Vordergrund rückte. Diese Kritikpunkte sind auch durchaus berechtigt. Doch gelingt Regisseur John Badham die Komödie so gut und entwickeln die Figuren eine solch sympathische Chemie untereinander, dass man darüber gern hinwegsieht.


Fazit:
Während viele Fortsetzungen die im ersten Film erfolgreiche Formel lediglich kopieren und von allem lediglich mehr bieten, verändert Regisseur John Badham die Stimmung im Gegensatz zu Stakeout - Die Nacht hat viele Augen deutlich. Dabei wird zwar die Geschichte um Chris und Maria weitergesponnen, Bill bleibt jedoch erneut außen vor, so dass man über ihn kaum etwas Neues erfährt. Dass die Charaktere allesamt kaum ausgearbeitet sind, ist ebenso unbestritten wie die Tatsache, dass die Thrillerstory eher Mittel zum Zweck einer spritzigen Komödie mit viel Situationskomik und verbalem Humor ist. Den bringen aber alle drei Hauptakteure toll zur Geltung. Richard Dreyfuss und Emilio Estevez werden von Rosie O‘Donnell so gelungen ergänzt, dass ihre gemeinsamen Szenen allesamt Spaß machen. Die Abservierer beginnt mit einem Paukenschlag, der für sich genommen bereits beeindruckend ist, aber weder die Richtung des Films vorgibt, noch erneut erreicht wird. Dafür überzeugt die Komödie mit viel leichtfüßigem Esprit und Humor. Das allein bereits sehenswert und steht hinsichtlich Unterhaltungswert dem ersten Film in nichts nach. Im Gegenteil.
 


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