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Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn [2011]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. November 2011
Genre: Animation / Action / Unterhaltung

Originaltitel: The Adventures of Tintin
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: USA / Neuseeland
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Steven Spielberg
Musik: John Williams
Stimmen: Jamie Bell (Nicolás Artajo), Daniel Craig (Dietmar Wunder), Simon Pegg (Alexander Doering), Cary Elwes, Andy Serkis (Lutz Schnell), Toby Jones (Hasso Zorn), Nick Frost (Uwe Büschken), Sebastian Roché, Mackenzie Crook (Peter Lontzek), Tony Curran, Daniel Mays (Dennis Schmidt-Foß), Phillip Rhys, Gad Elmaleh (Tayfun Bademsoy), Mark Ivanir, Ron Bottitta, Kim Stengel


Kurzinhalt:
Der junge, erfolgreiche Journalist Tim (Jamie Bell / Nicolás Artajo) entdeckt auf einem Flohmarkt das Modell eines sagenumwobenen Schiffes, der Einhorn. Doch kaum hat er es von dem Besitzer erworben, machen ihm zwei Männer ein Angebot, es abzukaufen. Darunter auch der zwielichtige Ivanovich Sakharine (Daniel Craig / Dietmar Wunder). Tim lehnt ab und macht sich noch am gleichen Abend auf, in der Bibliothek die Hintergründe der Einhorn nachzulesen und weswegen so viele Menschen in ihr interessiert sind. Was er findet ist bruchstückhaft und nur ein Nachfahre des damaligen Kapitäns soll in der Lage sein, das Geheimnis zu lüften.
Als Tim mit seinem Hund Struppi wieder zuhause ankommt, ist die Einhorn gestohlen. Während die Polizisten Schulze (Nick Frost / Uwe Büschken) und Schultze (Simon Pegg / Alexander Doering) im Dunkeln tappen, nimmt Tim die Ermittlungen selbst in die Hand. Sie führen ihn unfreiwillig auf ein Schiff, an Bord dessen er Kapitän Haddock (Andy Serkis / Lutz Schnell) kennenlernt, der wie es scheint ein ewiger Trunkenbold ist. Gemeinsam stellen sie sich Sakharine in den Weg, der kurz davor ist, das Geheimnis der Einhorn zu lösen – und er führt dabei nichts Gutes im Schilde ...


Kritik:
Es mag eine Verallgemeinerung sein, wenn man behauptet, dass das Kinderpublikum Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn aufsucht, weil es einen Abenteuerfilm um Journalist und Abenteurer Tim samt seinem cleveren Hund Struppi erwartet, während viele Erwachsene wohl eher daran interessiert sind, was Regisseur Steven Spielberg in seinem ersten Animationsfilm auf die Beine stellt. Nicht zuletzt wurde über die Qualität der verwendeten Technik, ein Verfahren, bei dem nicht nur die Bewegung, sondern auch die Mimik der Darsteller erfasst und auf die computergenerierten Figuren übertragen wurde, viel spekuliert. So aufwändig Robert Zemeckis' Der Polarexpress [2004] gewesen sein mag, und sein Die Legende von Beowulf [2007] war wohl nicht weniger ambitioniert, doch die Ergebnisse waren mehr als durchwachsen. Hölzerne Figuren mit leblosen Gesichtern verkörperten eine Geschichte, die auf Grund der Charaktere nie mitriss.
Es scheint, als habe Zemeckis, der sich wieder konventionellem Film zugewandt hat, zu früh aufgegeben. Ist man in den ersten Minuten von Das Geheimnis der Einhorn noch vom Aussehen der Figuren fasziniert und beobachtet den Detailreichtum im Hintergrund, der sich nicht nur in der Lichtbrechung der zahlreichen gläsernen Oberflächen, Fenster, Lupen oder dergleichen widerspiegelt, vergisst man wenig später beinahe, dass man einen Animationsfilm sieht. Zugegeben, so authentisch die Textur der Kleidung, die Poren der Haut, das leicht sich im Wind bewegende Haar von Tim auch ist, nicht zuletzt auf Grund des Comiclooks der Figuren wissen wir, dass dies nicht echt ist – aber deshalb fiebern wir nicht weniger mit ihnen mit.

In einer Zeit, in der bekannte Reihen auf Anfang gesetzt werden, die Autoren statt neuer Geschichten lieber die Ursprünge erzählen, wirft uns das Drehbuch mitten in die Welt von Abenteurer und Journalist Tim. Auf einem Flohmarkt entdeckt er das detaillierte Modell eines Dreimasters, der Einhorn, das er für einen Spottpreis von dem Besitzer abkauft. Doch kurz danach versucht zuerst ein fremder Mann, dann der finstere Sakharine, das Model von ihm zu erwerben. Tim lehnt ab, doch während er sich in der Bibliothek informiert, was die Einhorn so besonders macht, wird bei ihm eingebrochen und das Modell gestohlen. Seine Suche danach führt ihn auf die Fährte von Sakharine, der Großes vorhat. Später trifft Tim auf den Kapitän Haddock, Nachfahre des legendären Kapitäns, der einst die Einhorn befehligte, ehe sie sank. Was sie erwartet ist ein Abenteuer, das sie über das Meer bis nach Marokko führt. Es gibt düstere Anwesen zu erkunden, Rätsel zu lösen und Verfolgungsjagden zu bestreiten. Dabei fällt auf, wie wenig sich Die Abenteuer von Tim und Struppi für ein kindliches Publikum eignet. Hierfür ist der Film nicht nur zu rasant, sondern auch zu bleihaltig und zu explosionsgeladen, wohingegen sich viele Humoreinlagen an Erwachsene richten. Auch, dass Regisseur Spielberg so offen mit versteckten Andeutungen spielt, ist selten, und einige sind nur sehr aufmerksamen Zusehern vorbehalten.

Wir erfahren nicht, wie Tim zu einem erfolgreichen Journalisten wurde, wo er herkommt und wie Struppi zu ihm gefunden hat. Auch wird nicht genannt, wann das Abenteuer spielt, oder wo Tim zuhause ist. Man kann auf Grund der Kleidung und der Fahrzeuge Vermutungen anstellen, doch spätestens beim wo wird es schwierig. Ein Schauplatz in Brüssel, nahe der Heimat von Comicerfinder Hergé, würde Sinn machen, doch würden dem die zahlreichen englischen Texte widersprechen. Dadurch, dass das Abenteuer international ist, spielt es letztlich auch keine Rolle. Zusammen mit Produzent Peter Jackson, der den nächsten Teil der Reihe inszenieren wird, gelingt Spielberg nicht nur ein toller Animationsfilm, sondern insgesamt ein durchaus spannender und witziger Unterhaltungsfilm, der sich bei den Abenteuerelementen mitunter bei Spielbergs Indiana Jones-Reihe bedient. Dank der tollen Perspektiven, den einfallsreichen Szenenwechseln und der einladenden Musik überrascht Das Geheimnis der Einhorn nicht nur im Hinblick auf die Technik, sondern auch in filmischer Hinsicht. Einzig das aufgesetzte Finale mit den Lastenkränen ist unnötig, zumal es die vorige Flucht aus Bagghar nicht übertrifft. Dafür laden die letzten Minuten ein, sich auf den nächsten Teil zu freuen. So groß die Skepsis vor diesem auch gewesen ist, dem nächsten Abenteuer von Tim und Struppi steht, eine ebenso packende Geschichte vorausgesetzt, nichts im Wege.


Fazit:
Sei es Tim, Struppi, Kapitän Haddock oder Sakharine, sie alle sind Figuren einer Abenteuergeschichte. Dass sie Teil eines Animationsfilms sind, ist nach den ersten Minuten vergessen. Die Welt, die Regisseur Steven Spielberg entwirft ist so detailliert und wirkt so lebendig, dass es eine Freude ist zuzusehen. Einfallsreich und erfrischend witzig überzeugen die Charaktere der packenden Story, die dank geschickter Kameraperspektiven wie ein normaler Film zum Leben erweckt ist.
Dadurch überrascht Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn auf angenehme Weise, doch richtet sich der Film weniger an ein ganz junges Publikum, als an ein junggebliebenes. Lässt man sich darauf ein, wartet ein actionbetontes Abenteuer, das durch die ausgefeilte, stellenweise verblüffend realistische Technik überrascht, aber durch den Inhalt mitreißt.


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