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Die 12 Geschworenen [1997]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Juli 2003
Genre: Drama

Originaltitel: 12 Angry Men
Laufzeit: 117 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1997
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: William Friedkin
Musik: Kenyon Hopkins, Charlie Haden (zusätzliche Musik)
Darsteller: Courtney B. Vance, Ossie Davis, George C. Scott, Armin Mueller-Stahl, Dorian Harewood, James Gandolfini, Tony Danza, Jack Lemmon, Hume Cronyn, Mykelti Williamson, Edward James Olmos, William L. Petersen, Mary McDonnell, Douglas Spain, Tyress Allen


Kurzinhalt:
Nach einem Gerichtsprozess, in dessen Verlauf erwiesen schien, dass ein Junge seinen Vater erstochen hat, wird die Gruppe der zwölf Geschworenen (Courtney B. Vance, Ossie Davis, George C. Scott, Armin Mueller-Stahl, Dorian Harewood, James Gandolfini, Tony Danza, Hume Cronyn, Mykelti Williamson, Edward James Olmos, William L. Petersen) in einen Raum zur Beratung gebracht. Ihr Votum scheint eindeutig, der Junge ist schuldig – wäre da nicht der Geschworene Nummer acht (Jack Lemmon), der zwar nicht von der Unschuld des Jungen überzeugt ist, aber dennoch Zweifel an den Beweisen hat.
In einem stundenlangen Gespräch zwischen den zwölf Männern schaukeln sich die Stimmungen hoch, Vorurteile werden ausgegraben und die Nerven liegen blank. Bald hat noch jemand Zweifel an den Beweisen ...


Kritik:
Ein Kammerspiel bietet für Filmschauspieler die seltene Gelegenheit, vor der Kamera auf die Bühne des Theaters zurück zu kehren. Da das Stück meist in wenigen Tagen aufgenommen wird, ist eine intensive Vorbereitung umso wichtiger. Manche Einstellungen dauern mehrere Minuten, "Cut" schreit man hier nicht im Sekundentakt wie bei großen Hollywood-Filmen.
Da sich die Produktionen meist auf wenigen Sets, in aller Regel nur eines, beschränken, hat man zudem die Möglichkeit, den Film in chronologisch richtiger Reihenfolge zu drehen – bei großen Produktionen schon aus logistischer Sicht eine unmögliche Wunschvorstellung.
Ein Beispiel eines klassischen, für das Kino inszenierten Kammerspiels ist Roman Polanskis Der Tod und das Mädchen [1994]. Die 12 Geschworenen ist ein Remake, das 40 Jahre nach dem Original von Sidney Lumet mit Henry Fonda in der Hauptrolle entstand, das allerdings "nur" fürs Fernsehen produziert wurde. Im Kino hätte sich das hervorragend gespielte Drama allerdings ohne weiteres behaupten können.

Zu verdanken ist das dem ausgezeichneten Skript, das es in wenigen Szenen versteht, den Charakteren durch ihre Bemerkungen, ihre Gesten und Einsprüche Tiefe zu verleihen. Erfreulich ist zudem, dass die Dialoge sich in den aufwühlenden Szenen hervorragend zu einem Höhepunkt zuspitzen und die Auflösung einiger Wortwechsel sogar den Zuschauer überrascht.
Die Truppe der Geschworenen ist bunt zusammen gewürfelt, die meisten möchten nur so schnell wie möglich wieder nach Hause und schließen sich darum der vorherrschenden Meinung an. Als jedoch der Geschworene Nummer acht beginnt, Fragen zu stellen, füllt sich der Raum mit Spannung. Dass man als Zuseher umso aufmerksamer sein muss, ergibt sich schon aus der Tatsache, dass man von der Gerichtsverhandlung selbst nichts mitbekommen hat. Innerhalb der Gespräche unter den zwölf Männern muss man sich die Beweise und Theorien der Staatsanwaltschaft erarbeiten, heraushören, was die Verhandlung zutage gebracht hat. Doch da man den Angeklagten nicht ständig vor sich sitzen hat, sieht man den Fall aus einem anderen Blickwinkel, und interessanterweise ändern sich auch die Perspektiven, je nach dem, von welchem Geschworenen der Sachverhalt nochmals erläutert wird.
Auf psychologischer Ebene überzeugen die Charaktere voll und ganz, zwar hat nicht jeder einen so großen Auftritt wie der Skeptiker, doch sie alle bekommen etwas zu tun und jeder hat eine Szenen, in der er zeigen darf, was er kann.
Den Wortwechseln ist es zu verdanken, dass einem das zweistündige Streitgespräch der Geschworenen nie langweilig vorkommt und man als Zuschauer immer am Ball bleiben möchte. Das Skript ist nicht besser zu machen und verlangt den Darstellern ihr ganzes Können ab.

Und davon haben sie genug, wie man eindrucksvoll zu sehen bekommt.
Hauptakteur ist zweifelsohne Jack Lemmon, der hier in einer seiner letzten von immerhin über 80 Rollen zu sehen ist, und nochmals sein gesamtes Repertoire aufzeigen darf. Im Deutschen ist es dank der Synchronstimme von Georg Thomalla zudem eine Freude, ihm zuzuhören. Lemmon wird toll in Szene gesetzt, seinen Charakter (der keinen ausschweifenden Hintergrund spendiert bekommt) verkörpert er schlicht hervorragend.
George C. Scott gewann für seine aufreibende Darstellung sogar den Emmy, für ihn war es leider die viertletzte Rolle, bevor er im Jahr 1999 verstarb. Sein Spiel ist mit einem Wort atemberaubend, bei seinem Schlussmonolog wird der innere Konflikt seines Charakters buchstäblich spürbar. Seine Auszeichnungen waren vollends gerechtfertigt.
In weiteren Rollen sind unter anderem William L. Petersen, Tony Danza, James Gandolfini und Edward James Olmos zu sehen – sie alle spielen mehr als nur überzeugend und scheinen an ihren Rollen auch Spaß gefunden zu haben.
Erwähnt werden sollten allerdings noch Hume Cronyn, der hier eine ruhige Rolle spielen darf, in der er zwar nicht sehr viel zu tun bekommt, die ihm aber wie auf den Leib geschrieben scheint, und Armin Mueller-Stahl, der als ruhiger Logiker einige wirklich witzige Szenen spielen darf und mit seinen Erläuterungen die Zuschauer in den Bann zieht.
Cronyn verstarb 2003, wird allerdings nicht nur durch Filme wie Cocoon [1985] und Das Wunder in der 8.Straße [1987] unvergessen bleiben; er war 52 Jahre lang mit Jessica Tandy verheiratet, die 1994 dem Krebs erlag.

Doch all die schauspielerischen Leistungen wären verschwendet, würden sie nicht vernünftig fotografiert. Regisseur William Friedkin gibt sich glücklicherweise keine Blöße und inszeniert das Geschehen mit einer ruhigen Kamera und sauberen Schnitten. Zwar hätte man sich manche Einstellungen länger gewünscht, das macht er allerdings durch Aufnahmen wieder wett, in denen er den gesamten Raum einfängt, beziehungsweise durch einige interessante Kamerafahrten. In den hitzigen Szenen bewahrt Friedkin zudem die Übersicht, spannt seine Darsteller allerdings vor der Kamera doch ein – die knisternde Spannung kommt sehr gut zum Tragen.
Dass der Fernsehfilm hier zu Lande meist in Vollbild ausgestrahlt wird, ist indes eine Frechheit, von dem Original 16:9-Format würde die Präsentation auf jeden Fall profitieren. Nichtsdestotrotz ist die Inszenierung wirklich gut geraten und lässt einen nicht mehr im Zweifel darüber, dass der Regisseur einst Der Exorzist [1973] inszeniert – Ausrutscher wie Jade [1995] und der hoffnungslos gefloppte Die Stunde des Jägers [2003] sind da glücklicherweise schnell vergessen.

Das Musikthema des Films stammt im Übrigen von Kenyon Hopkins aus dem Originalfilm von 1957, eine musikalische Untermalung hat das Kammerspiel allerdings gar nicht nötig.

Was einen in den knapp zwei Stunden erwartet ist eine spannende und überaus interessant geschriebene Geschichte um 12 Geschworene, die zusammen in einen Raum gesperrt werden und erst dann anfangen, über das was sie gehört haben nachzudenken, als ein "Rebell" sich weigert, die Sache schnell über die Bühne bringen zu wollen.
Die Dialoge fesseln einen vor den Fernseher, die Darstellerleistungen sind über jeden Zweifel erhaben und die Geschichte selbst ist zeitlos und für alle Altersschichten interessant.


Fazit:
Die Darsteller sind grandios, die Geschichte heute wie vor 40 Jahren aktuell und ein Zeugnis dafür, wie leicht das Geschworenengericht zu beeinflussen ist. Die spannende Unterhaltung fordert von Filmkennern allerdings ihren Preis: einerseits ist es eine Freude, so viele Schauspiellegenden zu sehen. Doch die Größten aus der Zwölferriege sind heute nicht mehr am Leben.
Insofern könnte man den Film auch als einen kleinen Tribut an die zeitlosen Schauspiellegenden Hollywoods sehen, die hier nochmals in den Mittelpunkt gerückt werden und zu Höchstleistungen auffahren dürfen. Trotz der traurigen Nachgedanken sollte bei Die 12 Geschworenen für jeden Filmfan etwas dabei sein. Wer das Original nicht kennt, sollte auf jeden Fall reinschauen – und wer Sidney Lumets Klassiker schätzt, sollte sich hier nicht zieren. Es ist ein Remake, das so fesselnd und toll gespielt ist, wie das Original.


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