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Desperate Housewives: "Das Leben geht weiter" [2005]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. September 2006
Genre: Komödie / Drama

Originaltitel: Desperate Housewives: "Next"
Laufzeit: 40 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Larry Shaw
Musik: Steve Jablonsky, Danny Elfman (Titel-Thema)
Darsteller: Teri Hatcher, Felicity Huffman, Marcia Cross, Eva Longoria, Ricardo Chavira, Andrea Bowen, Brenda Strong, James Denton, Doug Savant, Nicollette Sheridan, Richard Burgi, Alfre Woodard, Steven Culp, Mehcad Brooks, Roger Bart


Kurzinhalt:
Während sich Bree Van De Kamp (Marcia Cross) darauf vorbereitet, ihren Ehemann Rex (Steve Culp) zu beerdigen, sieht sich Susan Mayer (Teri Hatcher) außer Stande, mit Mike (James Denton) zusammen zu ziehen, seit sie weiß, wie er zu Zach (Cody Kasch) steht, der sie beide mit der Waffe bedrohte.
Lynette (Felicity Huffman) fiebert indes ihrem ersten Bewerbungsgespräch entgegen, da sich ihr Ehemann Tom (Doug Savant) bereit erklärt hat, in Zukunft auf die Kinder aufzupassen und den Haushalt zu erledigen – auch wenn er darunter etwas anderes versteht, wie Lynette womöglich meinen könnte.
Gabrielle (Eva Longoria) versucht indes, ihre Ehe mit dem inhaftierten Carlos Solis (Ricardo Chavira) zu retten und sich gleichzeitig gegen die erneuten Versuche ihres jugendlichen Liebhabers John (Jesse Metcalfe) zu wehren, der partout mit ihr zusammen ziehen will.
Bei ihren ganzen Problemen übersehen die Einwohner der Wisteria Lane allerdings, dass die neu hinzu gekommene Betty Applewhite (Alfre Woodard) und ihr Sohn Matthew (Mehcad Brooks) selbst ein Geheimnis zu wahren scheinen – das des Nachts laut im Keller klopft ...


Kritik:
In welchem Tempo die ungewöhnliche, skurrile Serie Desperate Housewives die Herzen der Zuschauer eroberte, die Geschehnisse und Geheimnisse der Wisteria Lane zum festen Bestandteil des Wochenprogramms des Publikums wurden, ist beinahe schon erschreckend. Quasi über Nacht wandelten sich die Darstellerinnen zu Ikonen des Alltags und als Fan der Serie musste man beim Staffelfinale der ersten Season hiflos mit ansehen, wie sich die zahlreichen Geschichten und Schicksale weiter zuspitzten, beziehungsweise auch ein tragisches Ende fanden – ohne dass man als Zuseher aber einen Abschluss bekommen hätte.
Dementsprechend hoch sind nun auch die Erwartungen an die zweite Staffel der Erfolgsserie, die in den USA mehr als 25 Millionen Zuschauer wöchentlich vor die Bildschirme zieht. Im zweiten Jahr, soviel sei vorweg genommen, ist diese Zahl allerdings kleiner geworden und auch die Stimmen von Zusehern und Kritikern wandelten sich von euphorisch und begeistert hin zu amüsiert und allenfalls überrascht. Anzeichen hierfür sind auch bereits in den ersten 40 Minuten der neuen Staffel zu erkennen und sollten diese symptomatisch für das neue Jahr mit den verzweifelten Hausfrauen sein, könnte der scheinbar allzeit frische Putz der Häuser in der Wisteria Lane einige unschöne Rissen bekommen.

Grund für den eher ernüchternden Einstand im zweiten Jahr ist das Skript der beiden Autoren Jenna Bans und Kevin Murphy, das zwar unmittelbar am Ende der ersten Staffel ansetzt, aber nichts desto weniger ein gänzlich anderes Gefühl der Situation vermittelt. Nicht nur, dass die nach wie vor eingebrachten Kommentare aus dem Off durch Mary Alice Young nunmehr eher unpassend wirken (immerhin ist ihre Storylinie prinzipiell abgeschlossen), es ist allgemein die Verquickung von Humor und Ernst, von Tragik und Komik, die im Staffelauftakt nicht so recht zu passen scheint.
Dies merkt man vor allem daran, dass die an sich in Trauer befindliche Bree Van De Kamp kaum einen wahren Charaktermoment zugeschrieben bekommt, sondern vielmehr verkrampft um witzige Momente ringen muss, wo man als Fan der Serie sich einen würdigen Abschied von Steven Culps Charakter Rex gewünscht hätte.
Nichts desto trotz gibt es auch hier viele bissige Kommentare und teilweise schon garstige Humoreinlagen, bei denen einem selbst als Zuschauer der Atem stockt, doch scheint all das nicht immer angemessen. Inwieweit sich die neuen Figuren, angeführt von Betty Applewhite, in die Story einbringen lassen, und nicht einfach eine neue beginnen werden, bleibt abzuwarten – aber selbst für die Verhältnisse in Desperate Housewives scheint der Bogen hier etwas überspannt zu sein.
So hinterlässt das Skript einen sehr zwiespältigen Eindruck, denn auch wenn durchaus das bekannte Serien-Feeling wieder aufkommt, fehlen die ernsten Momente, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt – dafür gibt es mehr Humoreinlagen und viele sarkastische Momente, die "Das Leben geht weiter" eher als Comedy, denn als Dramedy erscheinen lassen.

Nichts zu bemängeln gibt es dabei an der Darstellerriege, die nicht nur mit höherer Gage, sondern auch mit derselben Motivation bei der Arbeit ist. So überzeugen insbesondere die vier weiblichen Stars tadellos, allen voran Felicity Huffman, die inzwischen auch auf der großen Leinwand sehr erfolgreich war und bereits für einen Oscar nominiert wurde. Sie verkörpert die Über-Ehefrau, die sowohl Familie, als auch Beruf unter einen Hut bringt mit einer Leichtigkeit, dass andere Schauspielerinnen sie um ihr Charisma beneiden müssten.
Teri Hatcher schlüpft ebenfalls ohne weiteres in die bekannte Figur der exzentrischen Susan Mayer zurück, deren Entscheidungen hier aber nicht immer ganz nachvollziehbar sind.
Eva Longoria sieht sich zu unrecht häufig harscher Kritik ausgesetzt, und das, obgleich sie ihre Rolle ebenso überzeugend verkörpert, wie ihre Kolleginnen. Sie macht ihre Sache wie gewohnt gut, hat hier allerdings nicht ganz so viel zu tun.
Anders Marcia Cross, die jedoch durch das Drehbuch eingeengt scheint und nur eine Seite ihrer Figur offenbaren darf. Von ihrem Gefühlsausbruch am Ende der letzten Staffel ist hier nicht einmal ansatzweise etwas zu sehen, so dass sie auf Grund der eindimensionalen Charakterdarstellung weit hinter ihren Möglichkeiten bleibt. Und dennoch mimt sie routiniert und überzeugender, als viele andere Darstellerinnen.
Die drei männlichen Nebendarsteller Ricardo Chavira, James Denton und Doug Savant haben zwar alle nicht in dem Sinne viel zu tun, machen ihre Sache aber wie gewohnt sehr gut, allen voran Doug Savant, dem die Rolle auf den Leib geschrieben scheint, wohingegen man sich wünschen würde, dass Denton mehr in die Geschichte mit eingebunden würde.
Man darf gespannt sein, inwieweit die übrigen Beteiligten in Zukunft stärker gefordert werden, Potential ist mit Darstellern wie Richard Burgi, Nicollette Sheridan und Alfre Woodard sicherlich vorhanden, nur muss es auch vom Drehbuch aus genutzt werden.

Handwerklich gibt es wie gewohnt nichts zu bemängeln, interessante Kameraperspektiven und wohl ausgeklügelte Szenenzusammenstellungen erwecken nach wie vor den Eindruck, als wäre jedes Bild in der Wisteria Lane, jede Einstellung so komponiert wie die Vorgärten der Vorstadt gepflegt sind. Interessant ist dabei, wie häufig die Macher auf ein vertrautes Muster bei den Szenenübergängen zurückgreifen.
So beginnt eine neue Szene meist mit einem ähnlichen Bild, wie die letzte endete; spannend ist die Auflösung der Geiselsituation zu Beginn zwar nicht geraten, dafür überzeugen andere Momente mit einer gelungenen, wenn auch mitunter sehr subtilen Bildersprache. Kamera und Schnitt harmonieren gekonnt und nutzen wie bislang das Breitbildformat sehr gut aus.

Einen Großteil des Humors bezieht Desperate Housewives ohne Zweifel durch die musikalische Untermalung der Serie, wobei inzwischen drei Komponisten bereits Hand an die Erzählungen gelegt haben. Nachdem das bekannte und eingängige Titel-Thema aus der Feder von Danny Elfman stammt, liefert der mitunter bereits bei großen Hollywood-Produktionen eingesetzte Komponist Steve Jablonsky inzwischen die Klänge für die einzelnen Episoden.
Er leistet insofern hervorragende Arbeit, als dass seine Melodien zum skurrilen Ambiente passen und immer eine Dynamik und ein Tempo vorgeben, auch wenn der Inhalt prinzipiell weit weniger spannend wäre. Die Musik passt gekonnt zu den Szenen wie zum Design der Serie und gehört unverkennbar ebenso zu den Abenteuern in der Wisteria Lane, wie die Geschichten der zahlreichen Nachbarn, die meist als Einleitung für die Episoden dienen.

Nach wie vor bewegt sich die handwerkliche Umsetzung der erfolgreichen Soap-Opera auf höchstem Niveau, und wäre es nicht darum und um die engagierten Darsteller, würde "Das Leben geht weiter" einen merklich schlechteren Eindruck hinterlassen.
Gerade als Auftakt zur zweiten Staffel ist hier leider nicht alles Gold, was glänzt. Vielmehr scheint es, die Macher hätten die ernsten Momente aus der Seriengleichung herausgenommen, um ein breiteres Publikum anzusprechen, dabei könnte vielmehr das genaue Gegenteil der Fall sein.
Man muss abwarten, wie sich Desperate Housewives im neuen Jahr entwickelt, denn auch wenn einen die bekannte Atmosphäre in der Wisteria Lane wieder erwartet, es scheint bislang jenes Etwas zu fehlen, das die Serie von den übrigen im TV abgehoben hat, und man kann nur hoffen, dass es den Machern gelingt, jenes Element wiederzufinden.


Fazit:
Je größer die Erwartung, umso größer die Enttäuschung, besagt eine alte Weisheit.
So schlimm ist es bei "Das Leben geht weiter", dem Staffelauftakt zu einer der erfolgreichsten US-Serien im amerikanischen, wie im international TV sicherlich nicht, aber die Überraschung ist nicht in dem Sinne gelungen, wie es sich die Macher womöglich erhofften. Zwar überzeugen die ersten vierzig Minuten im neuen Jahr durch eine tadellose Umsetzung und erstklassig aufgelegte Darsteller, angeführt von Teri Hatcher, Felicity Huffman, Marcia Cross und Eva Longoria, doch inhaltlich scheint Desperate Housewives jene Besonderheit abhanden gekommen zu sein, die bislang dafür sorgte, dass man als Zuschauer nach einigen witzigen Momenten auch zum Nachdenken angeregt wurde.
Stattdessen scheint selbst die Verabschiedung eines Hauptcharakters ungewöhnlich fröhlich und verkrampft humorvoll angelegt, anstatt den Figuren die Möglichkeit zu geben, eine andere Seite ihrer selbst zu zeigen. Hier hätte man sich als Fan einfach mehr gewünscht und vielleicht auch einen groben Handlungsfaden für die zweite Staffel erwartet, die sich ja nicht mehr um den Selbstmord der Erzählerin drehen kann. Doch eine klare Linie fehlt bislang; so bleibt die Hoffnung, dass die Macher dies in den kommenden Episoden ändern werden, auch wenn diese Episode solide geraten ist und wirklich gute Unterhaltung bietet.


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