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Der MORGEN stirbt nie [1997]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. Januar 2014
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Tomorrow Never Dies
Laufzeit: 119 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 1997
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Roger Spottiswoode
Musik: David Arnold
Darsteller: Pierce Brosnan, Jonathan Pryce, Michelle Yeoh, Teri Hatcher, Ricky Jay, Götz Otto, Joe Don Baker, Vincent Schiavelli, Judi Dench, Desmond Llewelyn, Samantha Bond, Colin Salmon, Geoffrey Palmer, Julian Fellowes


Kurzinhalt:
Als es vor der chinesischen Künste zu einem militärischen Zwischenfall kommt, wird der britische Geheimagent James Bond (Pierce Brosnan) losgesandt, die möglichen Verwicklungen des Medienmoguls Elliot Carver (Jonathan Pryce) hierin aufzudecken. Dessen Zeitung "Morgen" berichtete schneller davon, was im chinesischen Meer vorgefallen war, als selbst die Admiralität davon erfahren hatte. Laut Bonds Vorgesetzter M (Judi Dench) war dort zudem ein unbekanntes Signal aufgefallen, mit dem sich möglicherweise die GPS-Daten der angegriffenen Fregatte hätten täuschen lassen können.
Während die internationalen Spannungen auf Krieg deuten, versucht Bond über Carvers Frau Paris (Teri Hatcher) an Informationen über ihren Mann und seine Vorhaben zu gelangen. Doch der schickt seinen Handlanger Stamper (Götz Otto), um Bond aufzuhalten. Auch die chinesische Agentin Wai Lin (Michelle Yeoh) ist Carver auf den Fersen, der allerdings kurz davor scheint, seinen Plan in die Tat umzusetzen und damit nicht nur die politische Weltkarte neu zu schreiben ...


Kritik:
Man konnte den bisherigen Bond-Filmen nie vorwerfen, sie wären nicht actionreich genug. Doch das Feuerwerk, welches Regisseur Roger Spottiswoode (Mörderischer Vorsprung [1988], Air America [1990]) in Der MORGEN stirbt nie abbrennt, ist selbst für die erfolgreiche Agentenreihe beispiellos. Selten zuvor raste die Geschichte derart von einem explosiven Höhepunkt zum anderen und nie zuvor war der Materialverbrauch des Spions so hoch wie hier. Die eigentlich beabsichtigte Geschichte über ein Komplott bezüglich der Rückgabe Hongkongs von Großbritannien an die Volksrepublik China ist im endgültigen Film zwar vollständig verschwunden, dafür besitzt die Story gerade aus heutiger Sicht ein nicht zu unterschätzendes und aktuelles Thema.

Der Medienmagnat Elliot Carver bietet Fernsehen, Radio, Zeitungen und wäre es damals bereits so weit verbreitet gewesen wie heute, vermutlich auch Internetzugänge an. Nach außen gibt er sich als Wohltäter, der die Menschen zusammenbringen und die Welt zunehmend vernetzen will. Der Profit sei nebensächlich. Tatsächlich hat er lange daran gearbeitet, in Zukunft seine eigenen Nachrichten zu produzieren. Sieht man sich den von Jonathan Pryce exzentrisch gespielten Carver an, fällt aus heutiger Sicht sein Erscheinungsbild ins Auge: Eine große, beinahe kreisrunde Brille, kurzes, weißes Haar und ständig in einen Rollkragenpullover gekleidet. Wer hier Parallelen zu Apple-Gründer Steve Jobs sieht, wird durch einen Kommentar im Film bestätigt, laut dem Carvers neues Betriebssystem absichtlich so voller Fehler sei, dass die Kunden jahrelang die Updates bezahlen müssten.
Dabei war Apple damals bei weitem nicht so groß und einflussreich wie heute, so dass sich zweifelsohne auch Konkurrenten wie Microsofts Bill Gates angesprochen fühlen sollten. Vor mehr als fünfzehn Jahren mag der Einfluss dieser Männer noch absurd geklungen haben, verdeutlicht man sich, dass Konzerne der IT-Branche an den Weltmärkten wertvoller sind, als diejenigen des produzierenden Gewerbes, und sieht man sich an, wie breit gefächert ihr Angebot inzwischen ist, wirkt Der MORGEN stirbt nie geradezu prophetisch. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass Jeff Bezos, Gründer des Onlinehandelsriesen Amazon vor nicht allzu langer Zeit die Zeitung Washington Post gekauft hat.

Wer die Nachrichten kontrolliert, so Carver, besitzt Macht. Die Macht, Regierungen zu stürzen oder aber, sich selbige auszusuchen. Die Medienkritik an den meinungsbildenden Boulevard- und Tagesblättern ist nicht zu überhören, obwohl sich Spottiswoode beinahe Mühe gibt, sie in all dem Getöse zu ertränken. Bond soll Carver überführen, der für einen internationalen Zwischenfall in chinesischen Gewässern verantwortlich ist, bei dem er eine Fregatte der britischen Marine versenkte. Dafür sucht Bond Carvers Frau Paris auf – ein Kurzauftritt von Teri Hatcher –, mit der er vor Jahren schon zusammengekommen war. All das führt den Spion von Hamburg bis nach Saigon, Autoverfolgungsjagden durch ein Parkhaus, eine Motorradverfolgungsjagd und der Tauchgang zur versunkenen Fregatte, plus ein brandgefährliches Finale inklusive. Dabei sind die "üblichen" Feuergefechte und Faustkämpfe gar nicht eingerechnet. Es ist nicht übertrieben zu sagen, Der MORGEN stirbt nie besitzt genügend Actionideen für zwei Filme und so wundert es nicht, dass Charaktermomente rar gesät sind.

Wer hinsieht, entdeckt allerdings einen der besten – wenn auch zu kurzen – Auftritte eines Bondwidersachers in Vincent Schiavellis Dr. Kaufman, der so gelungen ist, dass er nicht nur dem ausdrucksleeren Götz Otto als Carvers Handlanger die Schau stiehlt. Eine mutige Idee ist es, Michelle Yeoh als 007 gleichgestellte und ebenbürtige Agentin an die Seite zu stellen. Nicht nur, dass ihre Körperbeherrschung den Szenen eine ganz andere Dynamik verleiht, als Brosnans Auftreten, ihre gemeinsamen Momente ähneln damit keiner bloßen Wiederholung bekannter Actionszenen. Was Vic Armstrong mit seinem Stunt-Team dabei gelingt, ist auch heute noch atemberaubend.

Selbst wenn die Geschichte nicht immer Sinn ergibt, je länger man darüber nachdenkt, die ausgefallenen Ideen und die immens temporeiche Umsetzung lassen kaum Zeit, sich Gedanken zu machen. Der MORGEN stirbt nie besucht zwar nicht so viele unterschiedliche, exotische Schauplätze, die Filmemacher nutzen sie jedoch gekonnt, um der Agentenreihe frisches Leben einzuhauchen. Das gelingt nicht zuletzt auch Komponist David Arnold, der neben einem klassischen Score in bester John Barry-Tradition auch moderne Themen einfließen lässt, die kaum besser zu den Bildern passen könnten. Die FSK-Freigabe ab 16 Jahren ist dabei durchaus berechtigt, auch wenn die wenige Momente, die sie notwendig machen, im Film nicht unbedingt hätten sein müssen. Als actionreiche und amüsante Abendunterhaltung kann man sich dabei kaum etwas Besseres vorstellen.


Fazit:
Die Ausgangslage ist beängstigend, aber aus heutiger Sicht bei weitem nicht so realitätsfern, wie man vermuten würde. Wie leicht lassen sich die Massen durch die Medien beeinflussen? Mit den richtigen Schlagworten lässt sich eine Panik schüren, mit anderen ein schockierender Sachverhalt verharmlosen. Elliot Carver geht in Der MORGEN stirbt nie noch einen Schritt weiter, auch wenn sein endgültiges Ziel bis zum Schluss nicht geklärt ist. Es könnte somit kaum mehr auf dem Spiel stehen, obwohl Regisseur Roger Spottiswoode zusammen mit seiner Besetzung immer wieder humorvolle Momente findet und den Grundton des Thrillers nicht zu ernst geraten lässt.
Klassische Bond-Momente finden sich zuhauf, nicht nur in den zahlreichen technischen Spielereien, die der Geheimagent von seinem Kollegen Q ausgehändigt bekommt. Und wer sich darauf einlässt, dass der Film viel mehr Action als Thriller sein soll, der kann sich auch bestens unterhalten lassen. Das vor allem, da die Action hervorragend und mit einem rasanten Tempo umgesetzt ist.


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