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Der Hauch des Todes [1987]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. November 2013
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: The Living Daylights
Laufzeit: 130 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 1987
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: John Glen
Musik: John Barry
Darsteller: Timothy Dalton, Maryam d'Abo, Jeroen Krabbé, Joe Don Baker, John Rhys-Davies, Art Malik, Andreas Wisniewski, Thomas Wheatley, Desmond Llewelyn, Robert Brown, Geoffrey Keen, Walter Gotell, Caroline Bliss, John Terry


Kurzinhalt:
Bei einer Übung auf Gibraltar wird ein Team von 00-Agenten angegriffen. James Bond (Timothy Dalton) gelingt es zwar, den Attentäter zu stellen, doch was seine Motive gewesen waren, ist unklar. Wenig später hilft Bond in Bratislava General Georgi Koskov (Jeroen Krabbé) dabei, zum Westen überzulaufen. In einer Besprechung mit dem britischen Verteidigungsminister (Geoffrey Keen) und Bonds Vorgesetztem M (Robert Brown) offenbart Koskov, dass der neue Kurs, den General Leonid Pushkin (John Rhys-Davies) für die Sowjetunion vorgesehen hat, ein Programm beinhaltet, bei dem sämtliche bekannten westlichen Spione eliminiert werden. Die einzige Möglichkeit sei, Pushkin auszuschalten.
Doch kurz darauf wird Koskov aus Großbritannien von dem KGB-Agenten Necros (Andreas Wisniewski) entführt. Gegen seine Bedenken nimmt Bond den Auftrag an, Pushkin aus dem Weg zu räumen. Um sich zu vergewissern, welche Absichten Koskov tatsächlich verfolgt hat, nähert sich Bond dessen Freundin Kara Milovy (Maryam d'Abo). Über sie erfährt er auch von den Geschäften, die Koskov und Pushkin mit dem Waffenhändler Brad Whitaker (Joe Don Baker) getätigt haben. Nur weiß Bond nun nicht mehr, wem er trauen soll – zumal wenig später der nächste britische Agent ermordet wird ...


Kritik:
Eine Dokumentation über die Verhandlungen, die im Hintergrund bezüglich des Hauptdarstellers der James Bond-Rolle geführt wurden, wäre vermutlich ebenso spannend wie ein Bond-Film selbst. Nachdem er bereits seit 20 Jahren immer wieder im Gespräch für die Figur war, übernimmt mit Der Hauch des Todes Timothy Dalton endlich den Part. Es sollte eine kurze Karriere als Geheimagent 007 sein. Dabei bringt er nach den Filmen mit Roger Moore den Charakter durchaus zu seinen Wurzeln zurück. Auf das Ziel bedacht, ist Bond hier jedes Mittel recht. Vorschriften oder Anweisungen seines Vorgesetzten M betrachtet er als zweitrangig. Aber auch wenn diese Charakterzüge zu dem Spion ihrer Majestät durchaus passen, was Dalton vermissen lässt, ist eine Leichtfüßigkeit in Bonds Arroganz. Auch aus diesem Grund scheint bis zum Schluss die Chemie zwischen ihm und der von Maryam d'Abo gespielten Kara Milovy nicht zu stimmen.

Die Geschichte beginnt in Gibraltar, auch wenn nicht einmal annähernd genug Zeit auf der engen, verwinkelten Insel verbracht wird, und führt später über die Slowakei nach Österreich und Tanger bis nach Afghanistan. Dass der Kalte Krieg immer noch ebenso präsent ist wie zuvor, spiegelt sich unter anderem in der Story wider, die ähnlich wie bei Octopussy [1983] auf ein Komplott innerhalb des russischen KGB hindeutet. Nachdem General Georgi Koskov in den Westen übergelaufen ist, erzählt er dem britischen Verteidigungsminister und M von einer Liste, die das Programm "Smiert Spionam" wieder aufleben lässt. Die darauf enthaltenen westlichen Spione sollen ausgeschaltet werden. Drahtzieher sei der psychotische General Leonid Pushkin. Doch noch bevor er weitere Einzelheiten preisgeben kann, wird Koskov vom KGB entführt.

Es scheint, als wäre die einzige Möglichkeit, das Programm zu verhindern, Pushkin selbst zu töten. Bonds Einwände werden beiseite gewischt und er selbst vor die Wahl gestellt, den Auftrag auszuführen, oder Urlaub zu nehmen.
Die Verstrickung der Cellistin Milovy wirkt auch beim nochmaligen darüber nachdenken erzwungen, selbst wenn sie die einzige Figur bleibt, mit der man mitfühlt, da sie von allen Seiten gleichermaßen ausgenutzt wird, Bond inklusive. Wie Koskov und Pushkin letztlich mit dem Waffenhändler Whitaker zusammenhängen, ist ein Teil des Puzzles, das Bond zu lösen hat, wenn er am Ende nicht Teil eines internen Machtkampfes innerhalb des KGB werden möchte. Die Besinnung auf eine vergleichsweise "kleine" Agentenstory, bei der nicht das Schicksal der gesamten Welt auf dem Spiel steht, ist eine der Stärken von Der Hauch des Todes, bei dem wie nicht anders zu erwarten, auch die Action neue Maßstäbe setzt.

Die von Q hinzugefügten, nicht serienmäßig enthaltenen Funktionen des Aston Martin Lagonda sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Highlights sind zweifellos der einfallsreiche Einsatz des Transportkoffers eines Cello im Skigebiet und das Finale zuerst auf dem Rollfeld eines russischen Stützpunktes in Afghanistan, beziehungsweise später an Bord eines Militärflugzeugs.
Dass sich Timothy Dalton dabei bedeutend agiler zeigt, als der beinahe 20 Jahre ältere Moore in seinen letzten Filmen, überrascht nicht. Aber auch wenn Bond in dem was er tat bislang nie zimperlich war, die gezeigte Gewalt ist eine Spur intensiver als zuletzt.

Für Komponist John Barry, der bereits seit dem allerersten Film James Bond 007 jagt Dr. No [1962] immer wieder für die Musik verantwortlich zeichnete, markiert Der Hauch des Todes die letzte Beteiligung. Und während vielen Beteiligten nach den Bond-Filmen keine Erfolge mehr vergönnt waren, konnte Barry kurz danach für Der mit dem Wolf tanzt [1990] erneut den Oscar gewinnen.
Seine musikalische Untermalung kombiniert mehr Themen als in seinen letzten Filmen der Reihe, was sich auch in den unterschiedlichen Songs zum Film widerspiegelt. Er arbeitete sowohl am Titelsong "The Living Daylights" von A-Ha mit, als auch an "Where Has Every Body Gone?" von The Pretenders, die auch "If There Was A Man" für den Abspann beisteuern. Der Mix lässt einerseits den Score lebendiger erscheinen, klingt aber gleichzeitig deutlich modernen und darum auch weniger zeitlos.

Dem Film selbst ergeht es ähnlich – je mehr er auf die Zeit seiner Entstehung zugeschnitten ist, was man unter anderem an dem Kontakt Bonds mit den Mudschaheddin sieht, umso wichtiger ist es, ihn in seinem zeitlichen Kontext zu sehen. Als solches verbirgt sich dahinter ein gelungener Agententhriller, dem einzig Bonds Charme abhandenkommt.


Fazit:
James Bond als Mann für gewisse Stunden zu sehen, hieße, ihn zu unterschätzen. Auch wenn Roger Moore die Figur weniger kantig gestaltet hat, den wahren Kern des Agenten hat er nie außer Acht gelassen. Auf diesen konzentriert sich auch Timothy Dalton, dem Moores Süffisanz aber ebenso fehlt, wie Sean Connerys Charme. Zusammen mit der ohnehin schüchtern erscheinenden Maryam d'Abo ergibt das nie eine wirklich stimmige Chemie.
Dafür überzeugt Dalton in den körperlichen Actionsequenzen, die nicht erst beim Finale neue Maßstäbe für die Reihe setzen. Die Story verleiht der Thematik um den Kalten Krieg eine glaubhafte Perspektive, vielleicht gerade auf Grund des ungewöhnlichen Abgangs des Bösewichts. Der Hauch des Todes mag von der Stimmung her näher an den Romanen liegen, doch womöglich war der Schnitt nach dem deutlich lockeren Bond der letzten Filme schlicht zu stark. Für sich genommen ergibt das einen durchaus sehenswerten und aufwändigen Agentenfilm. Dass er merklich ein Kind der 80er-Jahre ist, ist dabei nicht negativ gemeint.


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