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Der Detektiv [1968]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Oktober 2009
Genre: Krimi / Drama

Originaltitel: The Detective
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1968
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren (ursprünglich nicht unter 18 Jahren)

Regie: Gordon Douglas
Musik: Jerry Goldsmith
Darsteller: Frank Sinatra, Lee Remick, Ralph Meeker, Jack Klugman, Horace McMahon, Robert Duvall, Lloyd Bochner, Tony Musante, William Windom, Jacqueline Bisset, Patrick McVey, Renée Taylor, James Inman


Kurzinhalt:
Detective Sergeant Joe Leland (Frank Sinatra) wird zum Tatort eines schrecklichen Verbrechens gerufen. Teddy Leikman (James Inman), der Sohn eines bekannten Geschäftsmannes, wurde ermordet und seine Leiche verstümmelt. Den Täter suchen Leland und seine Kollegen der Polizei im homosexuellen Umfeld Leikmans. Diese sexuelle Orientierung stößt bei vielen Polizisten auf vehemente Ablehnung und das Medieninteresse an dem Mord verschärft die gespannte Situation noch.
Leland wird eine Beförderung in Aussicht gestellt, sollte der Fall rasch aufgeklärt sein und so steht der Ermittler unter Druck, ein Ergebnis zu präsentieren. Als der Tatverdächtige Felix Tesla (Tony Musante) gefasst wird, nutzt Joe die Gelegenheit, ihn den Reportern zu präsentieren. Dann bittet ihn die kürzlich verwitwete Norma MacIver (Jacqueline Bisset), den vermeintlichen Selbstmord ihres Mannes zu untersuchen. Doch was Leland bei seinen Nachforschungen aufdeckt, belastet nicht nur die Beziehung zu seiner getrennt lebenden Ehefrau Karen (Lee Remick), sondern stellt auch alles in Frage, was er mit seiner Arbeit als Polizist erreichen wollte ...


Kritik:
Aus heutiger Sicht wirkt der Frank Sinatra-Krimi Der Detektiv alles in allem eher zahm. Auch wenn das Verbrechen, das der Protagonist Joe Leland lösen soll, überaus grausam ist, dadurch, dass man von der Brutalität nichts zu sehen bekommt und auch der weitere Verlauf der Ermittlungen ohne solche Gewalttaten bleibt, scheint es überraschend, dass der Film jahrzehntelang eine FSK-Freigabe "nicht unter 18 Jahren" trug und erst zur Veröffentlichung auf DVD 2006 neu geprüft wurde, um schließlich "ab 12 Jahren" freigegeben zu werden.
Die hohe Altersfreigabe resultiert offensichtlich weniger auf Grund der dargestellten Gewalt, als aus dem Inhalt der Romanverfilmung, die insbesondere für die damalige Zeit gewagt und in gewissem Sinne revolutionär war. So muss sich Leland bei den Ermittlungen nicht nur im Milieu der Homosexuellen einfinden, sondern hat es gleichzeitig mit drogenabhängigen jungen Frauen, die ihre Körper verkaufen zu tun und einer Ehefrau, die als pathologische Nymphomanin zu bezeichnen ist. So nehmen die Zusammenhänge aus Sex und Macht, und die Macht, die Sex verleiht, einen großen Raum in der Nebenhandlung des Krimis ein. Nur leider gelingt es Drehbuchautor Abby Mann, der später die Serie Kojak - Einsatz in Manhattan [1973-1978] erfand, nicht in aller Konsequenz, den Roman Hartnäckig [1966] von Autor Roderick Thorp, auf dem Der Detektiv beruht, auch mit eben jenen komplexen Figuren zu adaptieren, die die Vorlage auszeichnen. Stattdessen verlässt er sich auf die ohnehin nicht immer schlüssigen Ermittlungen in einem Mordfall, der im Roman nur in Rückblenden erzählt wird. Die eigentliche Handlung wird im Film in der zweiten Hälfte nachgeschoben und leider unnötigerweise gehetzt, so dass sich auch kein durchgängiger Handlungsfaden einstellen mag.

Um einer solchen Krimigeschichte folgen zu wollen, benötigt man als Zuseher normalerweise einen Fall, den es zu lösen gilt, und damit verbunden einen Täter, der entweder bekannt ist, oder aber unbekannt bleibt. In jedem Fall bleibt man als Zuschauer nur so lange interessiert, wie der Täter nicht gefasst ist. Bei Der Detektiv ist der Schuldige nicht nur nach 45 Minuten gefunden, sondern gar schon gerichtet. Was sich weiterhin entspinnt ist augenscheinlich eine zweite Story, die zwar am Schluss mit der ersten verknüpft wird, aber im ersten Moment hinzugefügt erscheint.
Darunter leidet nicht nur die Spannung des Krimis, sondern insgesamt der Erzählfluss, der immer wieder zwischen der tatsächlichen Ermittlung und Erinnerungen der Figuren hin- und herpendelt. Dieser Mix, der in der Romanvorlage dadurch funktioniert, dass man mit einer Vielzahl an Figuren konfrontiert wird, deren Charakterisierungen wichtiger sind, als die Story an sich, erscheint im Film nicht nur erzwungen, sondern letztlich auch hölzern. Ein Grund hierfür sind zweifellos auch die Darsteller, von denen der damals 53jährige Sinatra knapp 20 Jahre zu alt für die Rolle wirkt. Frank Sinatra, der danach nur noch in drei Filmen in der Hauptrolle zu sehen war, ehe er sich zurückzog, gibt sich zwar Mühe, den mürrischen Polizisten als kantigen Charakter zu mimen, doch wirkt er – womöglich passend für die Zeit – für eine solche Figur zu unnahbar und in gewissem Sinne sogar unsympathisch. Das moralische Dilemma, in das ihn seine Ermittlungen stürzen, kommt dabei im letzten Drittel zu kurz.
Als Ehebrecherin scheint Lee Remick zwar im ersten Moment fehlplatziert, doch macht sie ihre Sache an sich ganz gut. Doch auch ihrer Figur fehlt im Gegensatz zur Romanvorlage jenes Facettenreichtum, das ihre Taten auch erklärt und verständlich macht. Was Karen und Joe letztlich dazu bewegt, ihre Ehe nicht zu beenden, sondern immer wieder zueinander zu finden, bleibt dem Zuschauer ebenfalls vorenthalten. Vielmehr scheinen beide mit der Situation nicht zufrieden und doch nicht gewillt, etwas daran zu ändern. Bemerkenswert sind Auftritte von bekannten Stars wie Jack Klugman (Quincy [1976-1983]), Tony Musante mit einer der forderndsten Rollen, Robert Duvall oder die hier sehr unscheinbare Jacqueline Bisset.

Auch über 40 Jahre, nachdem der Film in den Kinos zu sehen war, verblüfft die Besetzung mit hochkarätigen Namen, die sich hier aneinanderreihen. Herausgekommen ist ein Krimi, der ein anderes Bild jener Zeit vermittelt, wie man aus heutiger Sicht vielleicht vermuten würde. Joe Leland spricht offen die Slums, die sozialen Ungerechtigkeiten und die Korruption innerhalb der Polizei an. Auch die Feindseligkeiten gegenüber den Homosexuellen werden aufgezeigt oder die Art und Weise, wie aus manchen Tatverdächtigen Geständnisse "gewonnen" werden.
Es ist insofern weniger verwunderlich als traurig, dass selbst heute noch vielerorts dieselben Themen eine Rolle spielen. Wie die Mode von damals scheinen auch viele Vorurteile und Ungerechtigkeiten heutzutage wieder aktuell zu sein.


Fazit:
In einem Krimi aus jener Zeit Themen aufgegriffen zu sehen wie Nymphomanie mit ihren psychologischen Ursachen und ihren partnerschaftlichen Folgen, Homosexualität, Korruption, Verarmung der jungen Menschen und ihr Abdriften in den Drogenkonsum, oder auch die steigenden sozialen Unruhen und das Auflehnen gegen eine Polizei ohne moralische Ordnung, ist an sich schon überraschend genug. Darin bekannte Darsteller wie Frank Sinatra wiederzufinden, verwundert umso mehr.
Doch trotz jener lobenswerten und wichtigen Aussagen bleibt Der Detektiv hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Figuren, allen voran Hauptcharakter Joe Leland, wirken zu kühl und fremd und die Story selbst zu verkompliziert und in der Reihenfolge falsch erzählt, als dass sie mitreißen könnte. Als eindrucksvolles Zeitzeugnis funktioniert das immer noch. Nur mehr gelingt dem aus heutiger Sicht mäßig spannenden Krimi leider nicht.


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