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Der Babadook [2014]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. November 2015
Genre: Drama / Horror / Fantasy

Originaltitel: The Babadook
Laufzeit: 93 min.
Produktionsland: Australien / Kanada
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Jennifer Kent
Musik: Jed Kurzel
Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Hayley McElhinney, Daniel Henshall, Barbara West, Benjamin Winspear, Chloe Hurn, Jacquy Phillips, Bridget Walters


Kurzinhalt:

Als die alleinerziehende Amelia (Essie Davis) ihrem Sohn Samuel (Noah Wiseman) eines abends eine Geschichte vorlesen soll, wundert sie sich noch, wo er das seltsame, in einen roten Einband eingefasste Buch gefunden hat. In dem düsteren Aufklapp-Bilderbuch wird von einer Gestalt namens Babadook gesprochen, die man, wenn sie hereingelassen wird, nicht mehr loswird. Nicht nur, dass Samuel, der ohnehin unter Alpträumen leidet, davon stark verängstigt wird, auch Amelia beginnt kurz darauf, seltsame Geräusche zu hören. Es ist, als wären sie in ihrem Haus nicht mehr allein ...


Kritik:
In ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm erzählt die australische Regisseurin Jennifer Kent davon, dass der wahre Horror nicht in Monstern oder Fabelwesen besteht, sondern aus dem, was man selbst in sich trägt. Zwar handelt ihr Psychothriller Der Babadook von der gleichnamigen Horrorfigur, in Wirklichkeit schildert sie jedoch, wie ein Trauma das ganze Leben beherrschen kann und wie schwer es ist, Trauer zu verarbeiten. Das hat mit dem Film, den man erwartet, mitunter wenig gemeinsam, ist aber auch deshalb bemerkenswert.

Die Geschichte beginnt mit einer abstrakten Darstellung des Ereignisses, das Hauptfigur Amelia so stark geprägt hat: Auf dem Weg ins Krankenhaus, kurz bevor ihr Sohn Samuel auf die Welt kam, verunglückte ihr Ehemann mit ihr. Er starb, sie und das Kind überlebten. Als Samuel sechs Jahre alt ist, überfordert der aktive, beinahe schon aufgedrehte Samuel Amelia zusehends. Es ist, als würde die allein erziehende Mutter keine freie Minute haben: Ist sie nicht auf Arbeit, hält ihr Sohn sie auf Trab. Auf Grund seiner Art kapseln sich auch Freunde und Bekannte immer weiter von ihnen ab.

All das ändert sich, als Samuel seine Mutter eines Abends bittet, ihm aus dem Buch "Der Babadook" vorzulesen. Das Buch, in dem sich beim Umblättern die Figuren bewegen, ist düster und erzählt von einer Figur, die anderen schreckliche Angst einjagt. Schon am nächsten Tag ist Samuel davon wie besessen und wenig später spürt auch Amelia, dass sie nicht mehr allein im Haus sind. Mehr sei hier nicht verraten.
Soweit klingt Der Babadook wie ein ganz normaler Fantasy-Horror-Film und über weite Strecken sieht es auch ähnlich aus. Der Schauplatz beschränkt sich meist auf das Haus der kleinen Familie und auch in Jennifer Kents Film kommt der Moment, da man den Figuren zurufen möchte, sie sollen das Haus verlassen, um vor dem Horror endlich davonzulaufen.

Doch so einfach macht es das Drehbuch den Charakteren nicht. Wofür der Babadook letztlich steht, wird erst im Finale und in den letzten Minuten deutlich, die eine beeindruckende, aber nicht leicht zugängliche Bildersprache besitzen. Bis es soweit ist, zieht Der Babadook seine Spannung weniger aus der Horrorfigur, als daraus, was nur angedeutet wird. Unheimliche Geräusche, Dinge, die sich bewegen und der Hauch einer Ahnung, dass dort jemand oder etwas lauert, sind viel effektiver als ein Übermaß an Gewalt und Make-up-Effekten.
Aber es wäre einfacher, dem zu folgen und mit den Figuren mit zu fiebern, wäre der Film durchgängiger umgesetzt. So geschieht es eine Handvoll Mal, dass die Musik sich zu einem klirrenden Geräusch steigert, um zu unterstreichen, dass etwas Schlimmes geschieht, um dann bei einem Schnitt vollkommen zu verstummen. Was im ersten Moment künstlerisch interessant anmutet, wirkt nach dem dritten Auftreten innerhalb weniger Minuten nur abgegriffen und einfallslos. Auch erscheinen manche Szenen seltsam kurz, als würden die letzten Momente fehlen, die die Erzählung "rund" machen würden.

Das lässt den Film in seiner Wirkung holpriger erscheinen, als er inhaltlich ist und wer sich darauf einlässt, ohne einen Horrorfilm zu erwarten, sondern ein Drama mit einem gruseligen Einblick in die menschliche Psyche, der wird genau das bei Der Babadook finden. Für ein großes Publikum eignet sich das kaum und es ist als Film bei weitem nicht perfekt, aber interessant und aufschlussreich.


Fazit:
Was geschieht mit jemandem, der seine Trauer nicht verarbeitet hat und jeden Tag, wenn er ins Gesicht eines anderen Menschen blickt, daran erinnert wird, was er verloren hat? Filmemacherin Jennifer Kent personifiziert das Geschwür, das in der Seele dieser Person wächst und erweckt es zum Leben. Insbesondere, wenn man nicht unterscheiden kann, ob der Babadook handelt, oder Amelia, gewinnt ihr Film eine unerwartete Tiefe.
Nichtsdestotrotz ist Der Babadook mitunter etwas holprig erzählt und die einzelnen Szenen sind nicht ausgeschöpft. Auch verschiebt sich der Blick, ob Samuel nun nur in den Augen seiner Mutter so anstrengend, oder es tatsächlich ist, zu versteckt, um ihn wirklich deuten zu können. Das macht den Film nicht nur unnötig schwer zugänglich, es lässt auch viel von der unheimlichen und beinahe persönlich scheinenden Stimmung der Ausgangslage ungenutzt. Wer sich darauf einlässt, wird überrascht, solange man mehr Drama als Horror erwartet – und bereit ist, das Gezeigte auch entsprechend zu interpretieren.    


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