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Das Dschungelbuch 2 [2003]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Mai 2006
Genre: Animationsfilm

Originaltitel: The Jungle Book 2
Laufzeit: 69 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Steve Trenbirth
Musik: Patrick Griffin
Originalstimmen: John Goodman, Haley Joel Osment, Mae Whitman, Connor Funk, Bob Joles, Tony Jay, John Rhys-Davies, Jim Cummings, Phil Collins


Kurzinhalt:
Auch wenn es dem jungen Mogli (Haley Joel Osment) in der Menschensiedlung eigentlich gut geht, zieht es den im Dschungel von Tieren aufgezogenen Abenteurer in die Wildnis zurück. Auch der Bär Balu (John Goodman), mit dem Mogli Freundschaft geschlossen hatte, vermisst seinen kleinen 'Hosenmatz' und im Dschungel halten sich Gerüchte, dass der bösartige Tiger Shir Khan (Tony Jay), den Mogli besiegte und fortjagte, bevor er zu den Menschen kam, an dem Menschenkind Rache nehme wolle.
Als Balu gegen die Anweisung des Panthers Bagira (Bob Joles) in die Siedlung eindringt, um Mogli zu besuchen, werden die Menschen aufgescheucht und so flieht der Bär mit Mogli auf dem Rücken in den Dschungel. An ihre Fersen heften sich das Mädchen Shanti (Mae Whitman) und das Kleinkind Ranjan (Connor Funk), die Mogli retten wollen. Aber erst einmal im Dschungel angekommen muss Mogli erkennen, dass er doch zu den Menschen gehört, die inzwischen eine Suche nach ihm und den beiden anderen gestartet haben. Aber auch Shir Khan hat herausgefunden, wo sich der Junge aufhält, und sieht seine Gelegenheit gekommen ...


Kritik:
Mit seinen innovativen Zeichentrick-Kurzfilmen und wenig später abendfüllenden Spielfilmen wie Schneewittchen und die sieben Zwerge [1937], Fantasia [1940], Bambi [1942] oder Aschenputtel [1950] begründete Walt Disney ein wahres Imperium, das nach immerhin 80 Jahren immer noch existiert und nicht mehr nur auf Animationsfilme beschränkt ist, sondern willige Besucher auch in Vergnügungsparks erwartet.
Doch traf Walt Disney seinerzeit Vorkehrungen, die sicherstellen sollten, dass die Faszination jener Werke erhalten bleibt. Unter anderem dürfen diese Disney-Filme nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden (auch wenn die nachfolgende Firmen Leitung in den Pay-TV-Sendern ein Schlupfloch fand, denn daran hatte Walt Disney nicht gedacht), und auch die Video-Veröffentlichungen sind nur für einen begrenzten Zeitraum erhältlich, ehe sie vom Markt genommen werden, um nach einer bestimmten Zeit wieder im Kino und anschließend wieder auf Video zu erscheinen.
Womit Walt Disney offensichtlich nicht gerechnet hat, ist die unsägliche Profitgier seiner Nachfahren, die seine eigene finanzielle Strebsamkeit noch in den Schatten stellt. So war von Walt Disney Pictures angedacht, eine Fortsetzung zu Das Dschungelbuch [1967] direkt für den Video-Markt zu veröffentlichen, und hierfür wurden auch prominente Sprecher besetzt – als das Endergebnis jedoch vorlag, entschied man kurzfristig, den Film sogar in die Kinos zu bringen, was sich angesichts des niedrigen Produktionsaufwands und des Einspielergebnisses von über 130 Millionen Dollar weltweit sogar lohnte.

Was Kennern des Originals dabei an dieser Fortsetzung recht schnell auffallen dürfte ist die Tatsache, dass die Geschichte genau dort ansetzt, wo der erste Film endete, und somit eine Geschichte weitererzählt, die prinzipiell bereits einen Abschluss gefunden hatte.
So tauchen in Das Dschungelbuch 2 alle bekannten Figuren wieder auf, von den Geiern angefangen, über Balu, Bagira, Shir Khan und sogar das Mädchen, Shanti, das Mogli zum Bleiben in der Menschensiedlung "überredete". Neue Figuren sucht man lange Zeit vergebens, ehe sich das nervige, überflüssige Baby Ranjan als Dauergast entpuppt, und auch einen Neuzugang bei den vorlauten Geiern gibt es zu vermelden. Dass aber Moglis Zieheltern, die Wölfe, nicht einmal erwähnt werden, ist ärgerlich, und auch der Nebensatz, mit dem King Louie abgetan wird, scheint nicht angemessen – dies hat allerdings einen anderen Hintergrund, denn wäre die Figur zu sehen gewesen, hätte Disney Tantiemen an die Erben des Original Louie-Sprechers Louis Prima zahlen müssen, und dieses Geld wollte man sich offensichtlich sparen.
Die Geschichte selbst ist so schnell erzählt, wie ohne das Vorwissen um Das Dschungelbuch kaum schlüssig: Shir Khan sinnt auf Rache, Mogli kommt in den Dschungel zurück, Shanti und Ranjan ebenso und nun gilt es, wieder ins Dorf zu kommen und den bösen Tiger zu vertreiben. Gespickt mit einfallslosen Musical-Nummern, von denen die Hälfte aller Songs aus dem Original bekannt sind, scheinen neue Einfälle vollkommen auszubleiben, daran ändern auch die fünf (!) zusätzlichen Autoren zum eigentlichen Skript-Autor nichts. Mit Hängen und Würgen schaffen es die Macher auf etwas mehr als eine Stunde Film, wobei man die Reprise-Elemente der Songs hätte entfernen, und somit das Erzähltempo etwas straffen können. Als Nebeneffekt wäre die Laufzeit auch noch unter eine Stunde gerutscht.
Sieht man sich außerdem den beliebten Charakter von Papa-Bär Balu einmal etwas genauer an, muss man sich doch fragen, weswegen die Macher den grundsätzlich verantwortungsvollen und merklich voran gekommenen Bär aus Das Dschungelbuch als egoistischen, rücksichtslosen Taugenichts präsentieren, der das Unglück von Vielen in Kauf nimmt, um seinen Gesangspartner Mogli zurück zu bekommen. Wirklich gut getroffen sind die Charaktere aus dem Original nämlich ebenfalls nicht, was bei dem vollkommen belanglosen Drehbuch aber nicht weiter ins Gewicht fällt.

Die originalen Sprechrollen sind in der Tat prominent besetzt, auch wenn die beiden Hauptakteure John Goodman und Haley Joel Osment keine einzige Minute zusammen im Tonstudio verbrachten. Von den übrigen Sprechern fallen am ehesten John Rhys-Davies und der Sänger Phil Collins auf, der für die Disney-Filme Bärenbrüder [2003] und Tarzan [1999] die Musik, beziehungsweise die Songs lieferte.
Die deutsche Stimmenauswahl ist überwiegend gut getroffen, auch wenn man die bekannten Stimmen aus Das Dschungelbuch schmerzlich vermisst, was insbesondere bei Shir Khan und Kaa der Fall ist, dessen Süffisanz gänzlich verloren scheint.

Die Zeichnungen der Video-Produktion können ihren merklich gering gehaltenen Aufwand kaum verbergen, die Hintergründe sind nur wenig einfallsreich und die computerunterstützten Animationen fallen selbst gelegentlichen Zuschauern ins Auge. Die Figuren selbst ähneln den bekannten Charakteren dabei mitunter sehr stark (wie bei Balu oder Mogli), andererseits wieder nur sehr wenig, was besonders bei Shir Khan und Bagira auffällt. Auch die hypnotisierende Schlange Kaa hat kaum mehr Ähnlichkeit mit der einnehmenden Persönlichkeit des Originals.
Enttäuschend sind auch die neuen Figuren, allen voran Ranjan, der nicht nur überflüssig ist, sondern auch noch wie eine 08/15-Figur aus anderen Disney-Produktionen aussieht.
Die grellen Farben sind für junge Zuschauer sicher ein Augenschmaus, von den handgezeichneten, charmanten Hintergründen aus Das Dschungelbuch ist aber kaum mehr was zu sehen, dafür wirken die einzelnen Szenen auch viel zu dicht auf den Figuren, zu vollgestopft mit Bäumen und Blätterwerk, das viel zu nahe am Betrachter liegt, als dass man wirkliche Tiefe erkennen könnte, die nur in wenigen Szenen zu sehen ist. Dass sich die Hintergründe außerdem stark ähneln und nur wenig abwechslungsreich ausfallen, verstärkt den Eindruck einer gehetzten Video-Produktion noch.

Die musikalische Untermalung ist in Bezug auf die orchestrale Begleitung wirklich nicht schlecht geraten, was insbesondere beim Aufbau des Finales auffällt. Dass sich die Macher aber dafür entschieden, "Probier's mal mit Gemütlichkeit" gleich drei Mal zu verwenden, spricht Bände über das Vertrauen der Produzenten in ihre neuen, eigenständigen Lieder. Auch die erfüllen die rudimentären Ansprüche, wirken aber sowohl in der Instrumentierung zu modern für die etwas altmodischeren Kompositionen des Originals, die hier zu hören sind, als auch in ihrer Melodie zu belanglos auf Urlaubs-Flair getrimmt.
Die wirklich lange Musical-Einlage in der Affenstadt gehört zwar zu den erinnernswertesten Szenen und ist auch einfallsreicher geraten als das überflüssige Lied im Dorf zu Beginn, bleibt aber ebenso wenig im Gedächtnis, was man von den bekannten Songs nun wieder nicht behaupten kann.
So vermag der Score zwar zu überzeugen, auch wenn er von den Themen her nicht so recht zu den alten Liedern passen mag, die neuen Songs sind aber ebenso fade wie eintönig.

Anfang der 1990er Jahre lachten die zugeknöpften Disney-Fans über die Produktionen des ehemaligen Disney-Animationschefs Don Bluth, als dessen Erfolgsfilme wie In einem Land vor unserer Zeit [1988] so viele Fortsetzungen bekommen hatten, dass sogar schon zweistellige Zahlen hinter dem Titel zu finden waren. Heute ist eben jenen Fans das Lachen aber im Halse stecken geblieben, denn auch die ehemals so prestige-trächtige Animationsschmiede Disney stellt ihre Geldgier über jegliche künstlerische Moralvorstellungen.
Dass hierfür Fortsetzungen zu den neueren Klassikern wie Der König der Löwen [1994] in Auftrag gegeben werden, ist beinahe schon harmlos, denn auch vor den wahren Klassikern Das Dschungelbuch oder Bambi machen die Dollar-hungrigen Konzernchefs nicht mehr Halt. Was im Falle von Das Dschungelbuch 2 dabei heraus gekommen ist, ist ebenso ärgerlich wie belanglos, denn neue Ideen sucht man vergebens, die Animation wirkt billig und einfallslos, der Charme geht in den digitalen Kamerabewegungen und den lieblosen Figuren vollkommen unter und auch die neuen Lieder bleiben nicht im Gedächtnis. Das Ganze wirkt viel eher wie ein Remake, denn wie eine Fortsetzung, und das nicht nur, weil die Story nach nur 65 Minuten wieder genau an dem Punkt angekommen ist, bei dem sie begonnen hat.


Fazit:
Wer sich jemals fragte, weswegen manche Filme dann zu Ende gehen, wenn sie es tun, bekommt mit Das Dschungelbuch 2 eine eindrucksvolle Antwort geliefert: weil an jenem Punkt weiter zu erzählen einerseits nicht notwendig ist, und zum anderen auch keinen Sinn macht.
Den Machern des Animationswerks war selbiges offensichtlich gleichgültig, und so werden die Zuschauer – die zum Verständnis das Original-Dschungelbuch ohnehin kennen sollten – eine Stunde lang mit einer einfach gestrickten, geradlinig erzählten, ohne neue Erkenntnisse gespickten Geschichte gelangweilt, in deren Verlauf sich niemand entwickelt, alle bekannten Figuren bis auf King Louie wieder auftauchen, die bekannten Melodien eingespielt werden und im Original prominente Sprecher platte Dialoge von sich geben.
Sehenswert ist das vielleicht für die ganz, ganz Kleinen, die von den knalligen Bonbon-Farben beeindruckt sind, und denen Das Dschungelbuch stellenweise zu ernst war. Alle anderen sollten lieber die alte, verstaubte VHS-Kassette des Originals aus den Schränken kramen, oder aber die Schallplatte von anno-dazumal. Es ist sogar lohnenswerter, sich in einem dunklen, stillen Raum hinzusetzen und sich die ersten Abenteuer von Bagira, Balu und Mogli einfach vorzustellen, als seine Zeit bei diesem uninspirierten und langatmigen Machwerk zu vergeuden.


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