skip to content

Das Dschungelbuch [1967]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 23. Januar 2014
Genre: Animationsfilm / Komödie

Originaltitel: The Jungle Book
Laufzeit: 78 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1967
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Wolfgang Reitherman
Musik: George Bruns, Richard M. Sherman, Robert B. Sherman
Stimmen: Phil Harris (Edgar Ott), Sebastian Cabot (Joachim Cadenbach), Bruce Reitherman (Stefan Sczodrok), George Sanders (Siegfried Schürenberg), Sterling Holloway (Erich Kestin), Louis Prima (Klaus Havenstein), J. Pat O'Malley (Martin Hirthe), Verna Felton (Ursula Krieg), Clint Howard (Steffen Müller), Chad Stuart (Hugo Schrader), Lord Tim Hudson (Erich Fiedler)


Kurzinhalt:
Eines Tages entdeckt der Panther Baghira (Sebastian Cabot / Joachim Cadenbach) mitten im Dschungel ein Menschenbaby, das in einem Korb dort ausgesetzt wurde. Er nimmt es mit zu den Wölfen, wo der Junge, der Mogli (Bruce Reitherman / Stefan Sczodrok) heißt, aufwächst. Doch als der Knabe 10 Jahre alt ist, machen Neuigkeiten die Runde, dass der Tiger Shir Khan (George Sanders / Siegfried Schürenberg) in diesen Teil des Dschungels zurückgekehrt ist. Er hasst die Menschen und würde Mogli mit Sicherheit töten, bevor dieser stark und groß genug werden würde, um eine Gefahr für ihn darzustellen.
So schlägt Baghira vor, Mogli zur nächsten Menschensiedlung zu bringen, wo er sicher wäre. Auf ihrem Weg dorthin erfährt das Kind zum ersten Mal das Ziel ihrer Reise und weigert sich weiterzugehen. Als sie auf den Bären Balu (Phil Harris / Edgar Ott) treffen, der Mogli nicht nur mit seiner unbeschwerten Art einnimmt, sondern ihn auch bereitwillig adoptieren würde, resigniert Baghira. Aber nicht nur, dass die Schlange Kaa (Sterling Holloway / Erich Kestin) in Mogli eine reichhaltige Mahlzeit sieht, Affenkönig Louie (Louis Prima / Klaus Havenstein) wittert die Möglichkeit, dem Jungen ein paar Geheimnisse der Menschen zu entlocken. Dabei hat Shir Khan bereits von Mogli erfahren und pirscht sich immer dichter an sein Opfer heran ...


Kritik:
Was einen Film-Klassiker auszeichnet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Vielleicht ist es, dass er bei jedem Mal ansehen hinzugewinnt, anstatt vertraut vorzukommen. Womöglich aber auch, dass er jung und alt gleichermaßen anspricht und das über Jahrzehnte hinweg. Walt Disney verstarb beinahe ein Jahr vor Fertigstellung des letzten von ihm selbst überwachten Animationsfilms, Das Dschungelbuch. Dreißig Jahre nach dem bahnbrechenden, ersten abendfüllenden Animationsspielfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge [1937] brachte er mit der Nacherzählung von Rudyard Kiplings gleichnamigem Werk aus dem Jahr 1894 einen Familienfilm auf die Leinwand, der auch nach beinahe 50 Jahren nichts von seiner Magie, seinem Charme verloren hat.

Die Geschichte erinnert dabei zwar grob an Tarzan bei den Affen [1914] von Edgar Rice Burroughs, entwickelt sich jedoch in eine ganz andere Richtung. Das Menschenkind Mogli wird eines Tages vom Panther Baghira im Dschungel gefunden. Es ist verlassen worden und so nimmt die Großkatze den Korb mit dem Baby mit zur Wolfsmutter, die selbst gerade Junge bekommen hat. Sie nimmt Mogli auf und zieht ihn als einen von ihren Söhnen groß.
Von den zahlreichen Abenteuern, die Mogli mit seinen tierischen Schwestern und Brüdern erlebt haben muss, erfahren wir jedoch nichts. Vielmehr setzt die eigentliche Geschichte des Dschungelbuchs an, wenn das Menschenkind bereits zehn Jahre alt ist. Zu dieser Zeit kehrt der Tiger Shir Khan in diesen Teil des Dschungels zurück. Er hasst die Menschen, insbesondere ihre Waffen und ihre Macht über das Feuer. Da der Wolfsrat und Baghira sich einig sind, dass Mogli in großer Gefahr schwebt, wenn Shir Khan von seiner Existenz erfährt, beschließen sie, dass Baghira ihn zur Menschensiedlung bringen soll, wo er in Sicherheit sein wird. Auch wenn das bedeutet, dass er den Dschungel vermutlich für immer verlassen muss. Auf dem Weg dorthin zerstreitet sich der Panther mit dem Knaben, der selbstverständlich im Dschungel bleiben möchte. Und als sie auf Balu den Bären treffen, hat Mogli zumindest jemanden gefunden, der ihn adoptieren würde und bei dem er bleiben kann.

In kaum einem anderen Zeichentrickfilm klingen die unterschiedlichen Songs so natürlich, als müssten sie im Zusammenhang mit dem Film gesungen werden, wie in Das Dschungelbuch. "Probier's mal mit Gemütlichkeit" ist dabei ebenso in die Unterhaltungskultur eingegangen wie das vom Affenkönig gesungene "Ich wär gern wie Du". Sie alle unterstreichen das unterschiedliche Temperament der Tiere und ihre jeweilige Philosophie gekonnt, dass allein der Rhythmus ausreicht, um die Aussage zu verstehen. Zusammen mit den farbenfrohen Bildern und dem immer präsenten Humor ergibt das eine tolle Mischung, die auch die ganz jungen Zuschauer bei Laune hält, ohne sie mit Actioneinlagen zu überfordern. Wolfgang Reithermans Umsetzung besitzt nichts von der Aufgeregtheit heutiger Filme, sondern gibt auch Figuren wie Colonel Hathi, dem Elefanten und dessen Sohn Junior den Raum, sich zu entfalten. Es ist nicht so, dass jeder Charakter einen Sinn und Zweck erfüllen muss, sie alle sind Teil der Vielfalt, die Mogli im Dschungel trifft und weswegen es ihm so schwer fällt, all das zurücklassen zu müssen. Selbst der hypnotisch-einprägsame Auftritt von Kaa, der Schlange, gehört dazu.

Es fällt dabei schwer festzuhalten, was an diesem Zeichentrickabenteuer immer noch so begeistert. Es mag die unbeschwerte, selbst bei der Konfrontation mit Shir Khan nie boshafte Stimmung sein, oder die unterschiedlichen Freunde, die Mogli auf seiner Reise zur Menschensiedlung macht. Die Bilder überraschen mit unterschiedlichen Landschaften, traumhaften Farben und einigen der liebenswertesten Figuren, die jemals in einem Disney-Film auf der Leinwand zu sehen waren. Wem all das noch nicht ausreicht, der darf sich von einem Soundtrack verzaubern lassen, dessen Songs so eingängig und lebensbejahend sind, dass es ansteckt und der im instrumentalen Teil immer wieder Anspielungen auf den Ausgang der Geschichte verbirgt.
Vielleicht ist es aber auch die Tatsache, dass man sich beim Ansehen von Das Dschungelbuch wieder fühlt wie damals, als man im Kindesalter zum ersten Mal in jene Welt eingetaucht war. All das macht den Film so kostbar. Und zu einem Klassiker.


Fazit:
Sieht man sich insbesondere die aktuelle Veröffentlichung des Films als "Diamond Edition" auf Blu-ray an, mag man kaum glauben, wie alt diese Bilder und diese Musikstücke sein sollen. Die knalligen Farben, die scharfen Zeichnungen und der voluminöse Ton erwecken den Eindruck, als wäre der Film letztes Jahr entstanden. Einzig am Inhalt bemerkt man, dass Das Dschungelbuch nicht aus unserer Zeit stammen kann. Zu wenig hektisch ist die Erzählung, zu positiv und unbeschwert die Stimmung.
Walt Disney gelang mit seinem letzten Werk ein Familienfilm im wahrsten Sinne des Wortes. Hört man sich die fabelhafte und unvorstellbar passende Synchronisation an, bekommt man das Gefühl, dass den Verantwortlichen hierzulande das ebenfalls bewusst war. Sie tragen wie die Zeichner und Geschichtenerzähler dazu bei, dass Moglis Abenteuer im Dschungel zu einem beschwingten und unglaublich charmanten Erlebnis werden. Für vorige, jetzige und zukünftige Generationen.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.