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Collateral Damage – Zeit der Vergeltung [2001]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 23. April 2006
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Collateral Damage
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2001
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Andrew Davis
Musik: Graeme Revell
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Francesca Neri, Elias Koteas, Cliff Curtis, John Leguizamo, John Turturro, Jsu Garcia, Tyler Posey, Michael Milhoan


Kurzinhalt:
An einem sonnigen Nachmittag im Herzen von Los Angeles möchte der Feuerwehrmann Gordy Brewer (Arnold Schwarzenegger) gerade seinen Sohn und seine Frau im Café treffen, als das Undenkbare geschieht. Ein Bombenattentat reißt eine Kluft in das Stadtbild der Metropole. Dutzende Menschen sind verletzt, zahlreiche Todesopfer zu beklagen – darunter Brewers Familie.
Die CIA kennt die Identität des Bombenlegers: Claudio Perrini (Cliff Curtis), der sich selbst der Wolf nennt, hat sich wieder nach Kolumbien abgesetzt und auf Grund von neu aufgenommenen Verhandlungen der kolumbianischen Regierung mit den Guerilla, sind den US-Behörden bei der Verfolgung des Wolfs die Hände gebunden. Enttäuscht und frustriert macht sich Brewer selbst auf die Reise nach Kolumbien und trifft dort unter anderem Perrinis Frau Selena (Francesca Neri) und ihren Sohn Mauro (Tyler Posey). Mit ihrer Hilfe, so hofft Brewer, wird er dem Terroristen das Handwerk legen können, zumal der bereits einen weiteren Anschlag in den USA plant.
Der CIA-Agent Peter Brandt (Elias Koteas) sieht in Brewers Einmischen dabei endlich die Möglichkeit, mit den kolumbianischen Guerilla so zu verfahren, wie er das schon lange wollte, ehe die Regieung ihm die Handlungsfreiheit nahm; dabei ist er ebenso bereit, Brewer auszunutzen, wie ihn für seine Zwecke zu opfern ...


Kritik:
Angekündigt war Collateral Damage im Sommer 2001 als ungewöhnlicher, realistischer Terror-Action-Thriller mit einem sehr persönlich agierenden Arnold Schwarzenegger, der es sich als Feuerwehrmann und Witwer zur Aufgabe machen sollte, den Mörder seiner Familie ausfindig zu machen – geplanter Starttermin war Oktober 2001. Dann steuerten Terroristen Flugzeuge in das World Trade Center und so wie die Skyline von Manhattan änderte sich die Akzeptanz des Erträglichen in Sachen Unterhaltung der Menschen quasi über Nacht. Andrew Davis Action-Thriller wurde vier Monate verschoben und im Februar 2002 nach einer erneuten Werbekampagne (die erste wurde vom Studio komplett aus dem Handel genommen) in die Kinos gebracht, doch die Zuschauer blieben aus.
Ob Schwarzeneggers Film mehr Erfolg gehabt hätte, wäre er vor den Terroranschlägen gestartet, sei dahingestellt, die Schuld wurde zwischen den verschiedensten Parteien hin und her geschoben. Von der Kritik wurde Collateral Damage seinerzeit in der Luft zerrissen und auch die Zuschauer tendierten nicht zuletzt durch die einfache Handhabung der Situation im Film eher zum Wegzappen, denn zum Hinsehen. Dabei kann man den Machern genau das nicht zum Vorwurf machen, denn sie konnten bei der Konzeption des Films nicht erahnen, wie radikal sich die Wahrnehmung des internationalen Terrorismus in der Welt ändern würde. Vorwerfen kann man ihm allerdings, dass egal ob nun vor oder nach 9/11 das Drehbuch in dem Zustand höchstens für eine Videoproduktion hätte herangezogen werden dürfen.

Am Erstaunlichsten ist dabei einmal mehr, wie viele Autoren Hollywood benötigt, um ein dürftiges Drehbuch auf die Beine zu stellen, wohingegen manch oscarreifes Skript aus einer einzigen Feder stammt. In diesem Falle waren die britischen Gebrüder David und Peter Griffiths dafür verantwortlich, die Idee von Ronald Roose zu erweitern.
Was ihnen dabei allerdings vollkommen misslingt ist nicht nur jedwede Subtilität für Figuren. Auch bei der Hauptfigur selbst scheint die Grenze zwischen Trauer und Initiative binnen keinen zehn Sekunden ausgelotet zu sein. Die Story hangelt sich von einem Setting zum nächsten, entführt den Zuschauer in rasendem Tempo in das Herz von Kolumbien, um wenig später wieder in Los Angeles angekommen zu sein und erzählt dazwischen lediglich Episoden einer an sich größeren Reise des Protagonisten. Wie Brewer irgendwo hinkommt, wie er überhaupt so tief in Kolumbien hatte vordringen können, scheint nicht zu interessieren, dafür springt das Drehbuch von einer Actionsequenz zur anderen, ohne dazwischen eine richtige Story zu erzählen. Man hat vielmehr das Gefühl, als wäre all das nur ein Vorwand der Autoren, die gewünschten Szenarien für Schwarzeneggers Vergeltungsakte zu schaffen.
Das erklärt auch, weswegen kaum eine der übrigen Figuren richtig etabliert, geschweigedenn beleuchtet wird. Sie wirken wie Stichwortgeber für den Hauptcharakter, entwickeln sich überhaupt nicht weiter und bekommen gerade so viel Hintergrund wie nötig zugeschrieben. Die Vorlage erinnert damit stark an einen der handelsüblichen B-Action-Filme wie sie Arnold Schwarzenegger in den 1980er Jahren drehte – dass so etwas aber nach den erfolgreichsten Jahren des Darstellers überhaupt nochmals passieren würde, ist unverständlich.

Als die Werbekampagne für Collateral Damage damals anlief, vor den Ereignissen des 11. September 2001, war Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger von der Idee begeistert, dass seine Figur im Film kein einziges Mal eine Waffe abfeuern würde, und er seinem Image damit ein Schnippchen schlagen konnte – nach dem Fiasko an den Kinokassen (der Film nahm nur die Hälfte seines 80 Millionen Dollar Budgets in den USA wieder ein), führte der Hauptakteur eben jenen Umstand als Grund für die schwache Akzeptanz an, immerhin würden seine Fans bezahlen, um ihn waffenstarrend in Aktion sehen zu können und wollten nicht so betrogen werden. Inwieweit man dem ehemaligen Mister Universum diesbezüglich zustimmen möchte, muss jeder für sich entscheiden, es ist aber durchaus bemerkenswert, dass Schwarzenegger hier nicht nur einen weit schwächer ausgeprägten Akzent aufweist, als beispielsweise in seinen Terminator-Filmen, sondern auch mimisch in den ersten 20 Minuten mehr Abwechslungsreichtum beweist, als in den meisten seiner Filme, die Komödien eingeschlossen. Man nimmt ihm den trauernden, gebrochenen Familienvater solange ab, bis die Story einen Knick erfährt und in die bekannten Actionschienen umsattelt. Erst in den letzten 20 Minuten kehren jene Momente zurück, wenn Brewer unter anderem den diabolischen Plan durchschaut. Oscarreif ist seine Darbietung freilich nicht, aber gerade für diejenigen beeindruckend, die die meisten Filme des Bodybuilders gesehen haben.
Dahingegen wirken die übrigen Darsteller erstaunlich farblos, obgleich die unterkühlte Erscheinung bei Francesca Neri durchweg beabsichtigt ist. Die italienische Darstellerin ist überdies kaum gefordert und darf erst in der zweiten Hälfte des Films etwas mehr von ihrem Können zeigen.
Vom Talent des in Neuseeland preisgekrönten Darstellers Cliff Curtis, ist ebenfalls kaum etwas zu sehen, er wird vom Drehbuch insofern nicht ernst genommen, als dass seine Figur kaum eingebunden wird, sondern wenn überhaupt, sich dann in nichts sagenden Dialogen bloßstellen muss. Statt seine Figur tiefergehend zu gestalten, oder ihr ungeahnte Facetten zu verleihen, muss Curtis gegen alte Klischees anspielen und hat es dabei merklich schwer. So fehlt ihm als Bösewicht und Anführer der Guerilla-Bande vor allem das notwendige Charisma, um bedrohlich zu wirken.
Ebenfalls unterfordert, aber immerhin zu sehen ist Elias Koteas, dessen Rolle allerdings ebenfalls zu eindimensional geraten ist, als dass sie neue Akzente setzen könnte. Er macht seine Sache aber immerhin routiniert gut. John Leguizamo und John Turturro sind hingegen kaum zu sehen.
Die Besetzung ist somit so international wie namhaft zusammen gestellt und leidet prinzipiell nur unter der Vorlage, der es nicht gelingt, den Figuren durchweg Leben einzuhauchen, oder sie gar ins Rampenlicht zu rücken. Vielmehr zeigen die Beteiligten solide aber nicht übermäßig engagierte Darbietungen, die grundsätzlich hinter der auf Arnold Schwarzenegger zugeschnittenen One-Man-Show zurückstehen müssen.

Dass Regisseur Andrew Davis sein Handwerk beherrscht, bewies er nicht zuletzt mit seinem oscargekrönten Meisterwerk Auf der Flucht [1993], der packenden Kinoumsetzung der gleichnamigen TV-Serie. Auch mit Ein perfekter Mord [1998] untermalte er seinen Ruf als stilsicherer, optisch versierter Filmemacher.
Collateral Damage stellt keine Ausnahme dar, Kamera und Schnitt harmonieren überwiegend gekonnt und erzeugen insbesondere bei der Eröffnungssequenz und dem Finale durch einfallsreiche Perspektiven und einen steten Spannungsaufbau eine gelungene Stimmung. Der Mittelteil des Films enttäuscht durch die dahin plätschernde Story, die mitunter Haken schlägt und Lücken aufweist, denen man als Zuseher kaum folgen mag, oder der man unbeteiligt beiwohnt. Auch hier überzeugt Davis durch eine tadellose Optik, die dem Zuschauer den überwiegend in Mexiko gefilmten Kolumbien-Aufenthalt auch authentisch vermittelt.
Größtes Manko sind einige wenige Zeitlupen und mitunter nicht ganz nachvollziehbaren Schnittfolgen, bei denen man das Gefühl bekommt, als wären nachträglich immer wieder kurze Momente entfernt worden. Die nicht zuletzt routiniert umgesetzten Actionszenen retten Collateral Damage über den Durchschnitt und heben ihn dank der meist unauffälligen Spezialeffekte in dem Bereich über Schwarzeneggers Klon-Thriller The 6th Day [2000].

Der durchweg temporeiche und auch stimmungsvolle Score von Graeme Revell erinnert bisweilen stark an von James Newton Howard gewohnte Kompositionen, lässt aber am Ende immer das Quäntchen Finesse vermissen und besitzt auf den gesamten Film gesehen leider kein wiederkehrendes Thema, anhand dessen man Brewer und seinen Kreuzzug identifizieren könnte.
Die Atmosphäre im überhitzten Kolumbien fängt Revell gekonnt ein, hält sich bei einigen Szenen überraschend im Hintergrund und zeigt schließlich eine schnörkellose Arbeit, die aber leider auch nicht im Gedächtnis bleibt.

Selbiges ist im gewissen Sinne auch symptomatisch für den gesamten Film; obgleich Collateral Damage eine Menge Actionszenen besitzt, bleibt doch am ehesten der Eindruck, dass Andrew Davis einen im Mittelteil recht langatmigen Thriller abliefert. Von der inzwischen in Hollywood vorherrschenden Kritikfähigkeit im Umgang mit dem Thema Terrorismus sieht man hier überhaupt nichts, ganz im Gegenteil, eine Szene, die die Handlungen von CIA-Agent Brandt in eine andere Perspektive rücken würden, wurde aus dem Film herausgenommen.
Brewers Geschichte selbst ist zweifelsohne tragisch, aber nicht in dem Maße bewegend, wie man sich das denken würde, und das, obwohl Schwarzenegger in den ersten 20 Minuten besser spielt, als in vielen Jahren seiner Karriere vor der Kamera. Die inhaltlichen Kapriolen, die das Drehbuch schlägt, verzeiht man aber deswegen ungern, weil sie stellenweise eine komplexe Thematik auf ein Maß vereinfachen, dass die Handhabung beinahe schon als pietätlos bezeichnet werden könnte – zur Zeit als der Film veröffentlicht wurde noch mehr, als zuvor. Setzt man als Zuseher die Ereignisse des Films aber in Kontext zu seiner Entstehungszeit, überzeugen zumindest noch die Machart und Darsteller des Films und lassen Arnold Schwarzeneggers zweite abendfüllende Rolle im neuen Jahrtausend immerhin besser als ihr Ruf ausfallen


Fazit:
Weswegen Collateral Damage seinerzeit von der Kritik und den Zuschauern in den Boden gestampft wurde, ist offensichtlich, und angesichts der inhaltlichen Patzer auch durchaus nachvollziehbar. Das Drehbuch offenbart nicht nur Logiklöcher, die anscheinend zugunsten einer actionreichen Erzählung in Kauf genommen wurden, sondern enttäuscht insbesondere in Hinblick auf die Zeit nach dem 11. September 2001 durch die (erfolgreich) verübte Selbstjustiz und einige arg patriotische Momente – die aber zur Entstehungszeit des Films einen anderen Tenor besessen haben. Insofern kann man Andrew Davis Film vorwerfen, dass nach den verheerenden Terroranschlägen auf das World Trace Center nicht genügend Änderungen vorgenommen wurden, um gerade in jener höchst zerbrechlichen Situation das Taktgefühl zu wahren. Andererseits markiert Arnold Schwarzeneggers Actionfilm ein Relikt einer vergangenen Ära, einer Zeit, in der Actionkracher mit terroristischem Hintergrund und vielen Explosionen hauptsächlich der Unterhaltung dienten. Jene Unbeschwertheit hat Hollywood inzwischen verloren, und wird sie in absehbarer Zeit auch nicht wiederfinden.
Zumindest das sollte man dem Film zugute halten, und auch abgesehen davon ist er routiniert gespielt, handwerklich durchweg gut umgesetzt und immerhin nie langweilig – moralisch gesehen zu einfach, doch so waren diese Filme in den 80er und 90er Jahren zumeist.


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