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Cliffhanger - Nur die Starken überleben [1993]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Mai 2004
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Cliffhanger
Laufzeit: 118 min.
Produktionsland: USA / Frankreich / Italien
Produktionsjahr: 1993
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Renny Harlin
Musik: Trevor Jones
Darsteller: Sylvester Stallone, John Lithgow, Michael Rooker, Janine Turner, Rex Linn, Caroline Goodall, Leon, Michelle Joyner, Paul Winfield, Ralph Waite


Kurzinhalt:
Gabe Walker (Sylvester Stallone) gehört zur Bergwacht in Colorado und eilt dann zu Hilfe, wenn weder Helikopter noch Jeeps zu den Verunglückten vordringen können. Doch als ein Rettungsversuch das Leben der Freundin von Gabes Arbeitskollegen Hal (Michael Rooker) kostet, zieht sich der Bergsteiger zurück.
Als er Monate später noch einmal zurückkehrt, um Jessie Deighan (Janine Turner) zum Mitkommen zu überreden, empfängt die Bergwacht einen Hilferuf. Widerwillig macht sich Gabe auf den Weg zum Gipfel und trifft dabei wieder auf Hal.
Der Hilferuf entpuppt sich jedoch als Falle, denn ein Flugzeug voller Gangster ist in den Bergen abgestürzt – und drei Koffer voller Geld, die ihr Anführer Eric Qualen (John Lithgow) unter allen Umständen wieder haben möchte, sind quer über die Bergkette verstreut. Die Gangster brauchen die beiden Bergführer, um ihre Koffer zu finden, doch was geschieht, wenn sie ihre Nützlichkeit überlebt haben?


Kritik:
Aus heutiger Sicht stimmt einen ein Film wie Cliffhanger irgendwie traurig, denn er ist in etwa so etwas wie ein Dinosaurier. Ein Schatten dessen, wie einmal Sommeractionfilme ausgesehen haben; mit gut aufgelegten Darstellern, einer wahnwitzigen und doch mitreißenden Geschichte und einer schweißtreibenden Inszenierung, die mit so viel Action aufwarten kann, dass es für zwei Filme reicht.
Gespickt mit zahlreichen coolen One-Linern und einem Helden wider Willen ergibt es eine Mischung, wie man sie beispielsweise bei den Stirb langsam [1988]-Filmen gesehen hat. Und in der Tat ist Renny Harlins Film nur eine Abwandlung des bekannten Themas, allerdings mit genügend eigenständigen Ideen gespickt, dass man alle Ähnlichkeiten mit dem großen Vorbild gern übersieht.
Harlin inszenierte überdies die zweite Instanz der Stirb langsam-Reihe, dass er also ein Händchen für Actionfilme hat, war somit schon erwiesen. Und selbiges setzt er hier erneut so gekonnt ein, dass man Cliffhanger guten Gewissens als ein eigenständiges Produkt im Actiongenre nennen kann.

Das Drehbuch, unter anderem von Sylvester Stallone mitverfasst, führt dabei die verschiedenen Charaktere gekonnt ein, und präsentiert die beiden Hauptfiguren schon nach den ersten Minuten als gebrochene Menschen, mit denen der Zuschauer verständlicherweise schneller sympathisiert. Die Charakterzeichnugen sind dabei zwar nicht sehr tiefgehend (über die Vergangenheit der Figuren erfährt man beispielsweise überhaupt nichts), allerdings reicht es aus, um einen Zugang zu den beiden Bergsteigern zu finden.
Leider extrem blass bleibt der Bösewicht, der bis auf seine schon psychopathische Skrupellosigkeit keine weiteren Charakterzüge aufweisen darf. Die Vorstellung der Figuren ist allerdings gut gelungen, auch wenn keine eine unerwartete Entwicklung durchmacht.
Die Story kommt schnell in Fahrt und weist nach den traumatisierenden Ereignissen auch gleich mit dem ersten Actionszenario auf, das so ohne Weiteres aus einem James Bond-Film stammen könnte. Der Diebstahl aus dem Flugzeug ist schon von der Idee her so angenehm innovativ, dass man als Zuschauer (auch wenn die Bösen Jungs hier am Werk sind) über den Einfallsreichtum bisweilen einfach schmunzeln muss. Auch der anschließende Absturz hat es in sich und führt recht schnell zum ersten Aufeinandertreffen der Helden und der Bösewichte.
Auch im folgenden weist das Skript ein angenehm hohes Erzähltempo auf, das dem Zuschauer kaum Zeit zum Luftholen lässt. Doch zeigt sich als die beiden Extremsportler auf die Gangster treffen auch, wieso Cliffhanger seine hohe Altersfreigabe verdient hat. Ab dem Moment gleitet das Drehbuch zusehends in sehr gewalttätige Gefilde ab, die gerade zum Finale hin (bei dem Handkampf in der Höhle mit den Stalaktitten und dem Faustkampf von Hal Tucker) wirklich unnötig ausschweifend mit roter Farbe spielen. Da die Gewalt, die von den Gangstern ausgeht in aller Regel auch nicht provoziert ist, sondern so willkürlich erscheint, macht es den Eindruck nur noch schlimmer. Auch wenn die Macher hier selbst schon die Schere angesetzt haben, um in den USA eine niedrigere Freigabe (ab 17 Jahren) zu bekommen, weniger wäre eindeutig besser gewesen und würde auch nicht einen so schalen Beigeschmack hinterlassen.
Von der Erzählweise her und was die Story selbst angeht ist das Drehbuch aber gut gelungen und macht keine unnötigen Ausflüge in etwaige "Deleted Scenes", wie es bei vielen Filmen heute der Fall ist. Jede Einstellung, jede Sequenz hat ihre Berechtigung und ist im Film auch notwendig.

Die Darsteller, allen voran Sylvester Stallone sind offensichtlich in bester Spiellaune. Sowohl in den ernsten Szenen, als auch wenn er die wirklich trockenen und bisweilen sehr witzigen Sprüche zum Besten gibt, nimmt man ihm seine Rolle ab. Sein Part wirkt in der Tat als wäre er maßgeschneidert worden und passt perfekt zu seinem Auftreten.
Dass Michael Rooker eigentlich kein schlechter Schauspieler ist, zeigt er hier eindrucksvoll, man fragt sich nur, weswegen er sich in unzähligen Produktionen derart verschenkt, dass man wahrlich davon laufen möchte. Hier jedenfalls ist er eine Bereicherung für den Cast und geht neben Stallone auch nicht unter. Daneben ist Janine Turner als Jessie zu sehen, die zwar einige gute Momente hat und in ihrer Rolle auch aufgeht, aber leider nicht viel mehr als eine gut geforderte Nebendarstellerin ist.
Grundsätzlich verhält es sich bei John Lithgow ähnlich, der die Rolle erst erhielt, als Christopher Walken kurz vor Drehbeginn ausgeschieden war. Lithgow, der hier gerade im Original durch seinen Akzent besticht, gibt einen wirklich charismatischen Bösewicht, der allerdings zu wenig zu tun hat, um mit den großen Widersachern wie beispielsweise in Stirb langsam konkurrieren zu können. Die Rolle scheint ihm aber sichtlich Spaß gemacht zu haben.
In seinen Rollen als (in aller Regel) gar nicht freundlicher Zeitgenosse ist Rex Linn immer wieder gern gesehen, und so auch hier – wenn er die Ausweglosigkeit seiner Situation erkennt, oder im Wald auf der Suche nach dem letzten Signal beinahe den Verstand verliert, kann man als Zuschauer nicht umhin, sich vor Schadenfreude zu amüsieren. Linn überzeugt in seiner Rolle vollends und scheint hier schlicht die Idealbesetzung zu sein.
Des weiteren zu sehen sind Caroline Goodall, die noch im selben Jahr als Gattin von Oskar Schindler in Schindlers Liste [1993] auftrat war und Leon, an den man sich vorwiegend auf Grund seiner Rolle in Cool Runnings - Dabei sein ist alles [1993] erinnert – zudem hat der leider erst kürzlich verstorbene Paul Winfield einen kurzen Auftritt und auch Ralph Waites kleine Rolle sei nicht vergessen. Sie alle investieren genug Zeit und Energie, um ihre Rollen glaubhaft zu machen. Das Ensemble, so ungewöhnlich es auf den ersten Blick für einen Actionfilm scheinen mag, passt zusammen und hinterlässt einen wirklich guten Eindruck.

Gedreht in den italienischen Alpen findet Regisseur Harlin mit seinem Blick für eindrucksvolle Cinemascope Bilder im Breitbildformat glücklicherweise zwischen den vielen Actionpassagen immer wieder die Zeit, den Zuschauer zur Ruhe kommen zu lassen und ihn stattdessen mit wirklich atemberaubenden Bildern zu verwöhnen.
Die handwerklich beste Sequenz ist dabei zweifelsohne der Flugzeugüberfall zu Beginn, der nicht nur vom Aufbau, sondern auch als die Action selbst einsetzt, perfekt choreografiert und gefilmt ist. Kamera und Schnitt harmonieren gekonnt zusammen, dass wirklich keine Wünsche offen bleiben. Auch die restlichen Actionszenen sind nie zu hektisch geschnitten, oder die ausschweifenden Zeitlupen unpassend eingesetzt. Doch als wäre das nicht genug, gibt es als Bonbon auch immer wieder erstklassige Kamerafahrten zu sehen, die beispielsweise den Helden vor einer gigantischen Felswand zeigen. Geübte Augen sehen hier zwar bisweilen den Einsatz von Matte-Paintings, angesichts des Alters des Films (und der Tatsache, dass es heute mit dem Digitalen Matte-Painting nicht besser, sondern schlechter aussieht) kann man das aber guten Gewissens verschmerzen.
Handwerklich gelingt Harlin zusammen mit den Kameramännern Norman Kent und Alex Thomson, sowie Cutter Frank J. Urioste ein routiniertes und beeindruckendes Werk, das sich vor vielen Actionklassikern nicht zu verstecken braucht. An Stirb langsam oder Lethal Weapon [1987] reicht es zwar nicht ganz heran, das ist hier aber auch nicht notwendig.

Für die musikalische Untermalung wurde Trevor Jones verpflichtet, der erst ein Jahr zuvor mit seinem Score zu Der letzte Mohikaner [1992] einmal mehr auf sich aufmerksam machte. Hier liefert er eine ebenso solide Arbeit ab, gekoppelt mit einem beinahe schon malerischen Thema, das vor den Hintergründen der Bergketten schwelgerisch erscheint.
In den Actionpassagen gewinnt die Musik dann erfreulich an Fahrt, wobei die angesprochene Flugzeugentführung zusammen mit der Zeitbombe die musikalischen Highlights darstellen.
Sein Soundtrack ist auch abseits des Films hörenswert und passt sich gekonnt den Momenten im Film an – hier gibt es nichts besser zu machen, auch wenn man sich von bekannten Actionscores von Michael Kamen lossagen muss, um Jones Arbeit genießen zu können.

Wer sich vor dem Film noch einmal die Trailer anschaut, wird feststellen, dass in dem Spot ein Sprung zu sehen ist, der im Film nicht vorkommt – dabei handelt es sich um einen 12 Meter weiten Sprung, den das Testpublikum zu unglaubwürdig fand, weswegen er aus dem Film vor der Veröffentlichung entfernt wurde.
Bei eben solchen Vorstellungen kam das Publikum gar nicht damit zurecht, dass ein Schneehase von einem Bösewicht erschossen werden sollte; Stallone investierte daraufhin 100.000 Dollar, um eine Szene nachzudrehen, in welcher der Hase nach dem Beschuss wieder hoppelnd zu sehen war.
Zu Beginn der Dreharbeiten schwang sich Regisseur Renny Harlin von einer Klippe zur anderen, um zu zeigen, dass die Ausrüstung völlig sicher sei – doch die Firma, die das Bergsteigergeschirr bei dem Unfall zu Beginn stellte, war damit allein nicht zufrieden, weswegen sich im Abspann ein Hinweis findet, dass das "Black Diamond" Geschirr zu Beginn des Films speziell präpariert war, damit es versagen würde.
Harlin war es auch, der auf die Idee mit dem Teddy-Bär zu Beginn des Films kam; er kaufte ihn selbst und fügte die Szene ein, die vorher nicht im Drehbuch gestanden hatte.

Wer sich Cliffhanger im Übrigen im Original auf DVD anschaut, der darf sich auf einen wirklich eindrucksvollen Surround-Sound freuen, der sehr natürlich abgemischt wurde und wirklich alle Boxen nutzt, vom kraftvollen Bass ganz zu schweigen.
So kann man den Film auch wirklich "genießen", wenn man denn mit einer solchen Art Actionfilm etwas anfangen kann und alt genug ist, ihn sich anzuschauen – unter 18 Jahren ist er definitiv nicht geeignet, auch wenn die überaus brutalen Szenen so gar nicht hätten sein müssen. Dennoch ist Renny Harlins Regiearbeit ein wirklich unterhaltsamer und überaus kurzweiliger Actionthriller, bei dem alle Beteiligten in Top-Form dabei sind, und der gerade durch seine bisweilen witzige, aber stets temporeiche Story auszeichnet – der Erfolg (weltweites Einspielergebnis von über 250 Millionen Dollar bei einem Budget von 70 Millionen) gibt dem recht.


Fazit:
In einer Zeit, in der Actionfilme noch für Erwachsene gemacht waren, in der machohaftes Verhalten zum großen Teil mit einem Augenzwinkern gemeint war, und in dem Superhelden nicht nur aus Comics entsprungen waren, kam Cliffhanger und läutete das Ende der Ära ein, in der Actionreißer im Sommer in die Kinos kamen und die Zuschauer nicht enttäuschten.
Aus heutiger Sicht kam danach nicht viel Besseres nach, und dank wirklich gut gelaunter Darsteller – allen voran Sylvester Stallone – und einer schnörkellosen Inszenierung, die ebenso mit den Actionszenen, der erstklassig aufgebauten Spannung, sowie mit der Landschaft spielt, kann man Cliffhanger durchaus fünf Punkte zusprechen, auch wenn der unnötige Brutalitätsgrad einem schwer im Magen liegen bleibt.


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