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Cleanskin - Bis zum Anschlag [2012]

Wertung: 1.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Februar 2014
Genre: Thriller

Originaltitel: Cleanskin
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Hadi Hajaig
Musik: Simon Lambros
Darsteller: Sean Bean, Charlotte Rampling, Abhin Galeya, Tom Burke, Tuppence Middleton, Peter Polycarpou, Silas Carson, James Fox, Michelle Ryan, Sam Douglas, Tariq Jordan, Chris Ryman, Glenn Wrage


Kurzinhalt:
Eigentlich sollte der Geheimagent Ewan (Sean Bean) herausfinden, an wen der schmierige Harry (Sam Douglas) Plastiksprengstoff liefern wollte, doch der maskierte Terrorist Ash (Abhin Galeya) richtet vor seinen Augen ein Blutbad an und flieht mit dem Koffer voller Semtex. Von seiner Vorgesetzten Charlotte (Charlotte Rampling) erhält Ewan den Auftrag, die Drahtzieher ausfindig zu machen. Dabei soll ihn Mark (Tom Burke) unterstützen. Doch je weiter er forscht, umso mehr verdichten sich die Hinweise, dass eine Reihe von Terroranschlägen in London geplant ist.
Ash begegnet bei seinen Vorbereitungen seiner Ex-Freundin Kate (Tuppence Middleton). Mit ihr war er zusammen, als er vom radikalen Prediger Nabil (Peter Polycarpou) angeworben wurde, für den er inzwischen tätig ist. Auf seine Anweisung hin soll Ash die Bombe während einer großen Veranstaltung zünden. Doch Ewan und Mark sind ihm auf den Fersen, auch wenn Charlotte nicht mit offenen Karten spielt ...


Kritik:
Was für die USA der 11. September 2001 gewesen ist, war für Großbritannien der 7. Juli 2005. Ein Tag nach der Bekanntgabe, dass London die Olympischen Spiele 2012 würde ausrichten dürfen, erschütterten an jenem Donnerstagmorgen vier Bombenanschläge von islamistischen Terroristen die Innenstadt und rissen mehr als 50 Opfer in den Tod. Mehr als 700 Menschen wurden verletzt. Zwei der Attentäter hatten zuvor Videobotschaften aufgenommen. Was insbesondere die Öffentlichkeit damals erschütterte war die Tatsache, dass drei von ihnen in Großbritannien geboren und bislang nicht negativ in Erscheinung getreten waren – so genannte Cleanskins. Einer von ihnen, über den am meisten berichtet wurde, hatte die Anschläge Berichten zufolge um einen Tag verschoben, da er seine schwangere Frau ins Krankenhaus bringen musste. Die Zusammenhänge um die realen Attentäter und die Terroranschläge nimmt Autor, Regisseur und Produzent Hadi Hajaig als Anlass für sein fiktives Thrillerszenario Cleanskin - Bis zum Anschlag, in dem er gleichzeitig Spekulationen um die Hintergründe verwebt, als auch im Schnelldurchgang die Radikalisierung eines zornigen, aber hochintelligenten Menschen porträtiert. Das hört sich packender an, als es ist, denn tatsächlich strapaziert der Filmemacher die Geduld seines Publikums sowohl mit altbackenen Dialoge, klischeehaften Charakterisierungen und Figuren, die so dämlich agieren, dass man regelmäßig geneigt ist, abzuschalten.

Den Auftakt macht bereits die Eröffnungssequenz, in der ein kantiger und sichtlich abgewrackter Sean Bean einen unsympathischen Mann beschützen soll, der jedoch einem Attentat durch Ash und einen Helfer zum Opfer fällt. Er hatte, das erfährt man später, Sprengstoff in einem Koffer bei sich und Sean Bean spielt als Ewan einen britischen Geheimagenten. Die Tatsache, dass er seine Vorgesetzte Charlotte meist außerhalb irgendwelcher Büros trifft, er Anweisungen bekommt, deren Legitimation im besten Fall zweifelhaft ist und später gewarnt wird, es sei ein Team auf ihn angesetzt worden, sollte sowohl Ewan, als auch das Publikum stutzig machen. Er bekommt den Auftrag, den von Ash gestohlenen Sprengstoff zurückzuholen und die Drahtzieher unschädlich zu machen. Hierfür erhält er Unterstützung durch den jungen Kollegen Mark.

Man muss kein Fachmann sein, um das Vorgehen der beiden Agenten als absurd zu erkennen. So kommen sie über die Prostituierte Emma an einen von Ashs Verbündeten heran, schicken sie als Köder vor, lassen sich dann aber in aller Ruhe Zeit, ihr ins Haus zu folgen und warten mit gezückter Waffe unter einer Straßenlaterne. Anschließend schleichen sie beide durch die Vordertür und sind generell nicht in der Lage, irgendeinen Verdächtigen lebend zu stellen. Das geht so weit, dass Ewan einen wehrlosen Mann misshandelt, anstatt ihm zuzuhören. Sein zerstörerisches Verhalten – selbstverständlich durch ein traumatisches Erlebnis ausgelöst – reicht bis zur Folter an Frauen. Ihn als Sympathieträger des Films zu etablieren, war vermutlich keine Absicht, ist aber in jedem Fall gründlich misslungen.

Auf der anderen Seite von Cleanskin steht der Terrorist Ash, dessen Werdegang vom interessierten Jurastudenten zum Bombenleger in zwei Rückblenden erzählt wird, die seine Anwerbung durch den radikalen Prediger Nabil zeigen und sein Training durch einen Ex-Militär. Was ihn jedoch dazu bewegt, sich eine Jacke mit Sprengstoff überzuziehen und eine Geburtstagsgesellschaft in die Luft jagen zu wollen, wird nicht wirklich deutlich. Wie könnte es auch?

Filmemacher Hajaig versucht, mit klischeehaften Charaktermomenten ein Porträt dessen zu zeichnen, was selbst Experten, die sich jahrelang mit der Thematik beschäftigt haben, nicht verstehen können. Dabei bedient er Verschwörungstheorien, dass Teile des Geheimdienstapparats in die wirklich stattgefundenen Attentate verstrickt waren, ebenso, wie die abstruse Meinung, dass die Regierungspolitik den Hass der Zuwanderer und religiöser Gruppen schürt.
Als wäre das nicht schlimm genug, ist sein Thriller so lähmend langsam erzählt, dass die beiden Rückblicke, sechs und drei Jahre in Ashs Vergangenheit mit der Studentin Kate beinahe unerträglich sind. Die Anschläge des 7. Juli zu verfilmen wäre für sich genommen bereits ein schwieriger Drahtseilakt. Cleanskin - Bis zum Anschlag setzt dabei ebenso auf reißerische Augenwischerei wie plumpe Erklärungen.


Fazit:
Mit Sean Bean und Charlotte Rampling kann der Film zumindest auf zwei sehr bekannte britische Schauspielgrößen bauen. Doch das Fundament, auf dem sie stehen, ist so wackelig, dass ihre karge Darbietung versandet, bevor sie begonnen hat. Mit mehreren Folterszenen, ein bisschen nackter Haut und grafisch gezeigter Gewalt richtet sich die Umsetzung an ein ganz bestimmtes Publikum. All dem einen Bezug zu wahren Ereignisse mit auf den Weg zu geben, mag Cleanskin - Bis zum Anschlag zwar besser verkaufen, macht den Thriller aber am Ende nur geschmacklos.
Handwerklich gibt sich Regisseur Hadi Hajaig unvorstellbar träge, zieht die Szenen in die Länge und ordnet sie in einer Reihenfolge an, dass man versucht ist, vorzuspulen. Die realitätsfernen Verhaltensweisen der Figuren, die oft kruden Dialoge und das Fehlen jeglicher Sympathieträger machen all das nur noch schlimmer. Ärgerlich ist daran nicht, dass der Film schlecht ist, sondern weshalb.


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