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Cinderella [2015]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 8. Dezember 2015
Genre: Liebesfilm / Fantasy / Drama

Originaltitel: Cinderella
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Kenneth Branagh
Musik: Patrick Doyle
Darsteller: Lily James, Cate Blanchett, Richard Madden, Nonso Anozie, Stellan Skarsgård, Sophie McShera, Holliday Grainger, Derek Jacobi, Helena Bonham Carter, Ben Chaplin, Hayley Atwell


Kurzinhalt:

Schon seit ihrer Kindheit sieht Ella (Lily James) die Welt anders als die meisten anderen. Für sie ist sie voller Magie, voller Möglichkeiten. In ihrer letzten Stunde muss sie ihrer Mutter (Hayley Atwell) versprechen, sich diesen Mut und diese Güte zu bewahren. Dies gelingt ihr sogar, als ihr Vater sich lange Zeit später neu vermählt und Ellas Stiefmutter (Cate Blanchett) und ihre zwei Stiefschwestern Drisella (Sophie McShera) und Anastasia (Holliday Grainger) bei ihr einziehen. Unter ihren Erniedrigungen leidet Ella sehr, bis sie im Wald Kit (Richard Madden) begegnet. Sie und der junge Mann verstehen sich auf den ersten Blick. Was Ella nicht weiß ist, dass Kit in Wahrheit der Prinz ist, der alles daransetzt, sie wiederzufinden ...


Kritik:
Nach den zahlreichen, "erwachseneren" Märcheninterpretationen wie Maleficent - Die dunkle Fee [2014] präsentiert Filmemacher Kenneth Branagh recht überraschend seine Umsetzung des Aschenputtel-Stoffes als waschechtes Märchen. Ohne düstere Fantasy-Schlachten, Ursprungsstory oder sonstige Abwandlungen. Er erzählt in Cinderella auf die vielleicht greifbarste und magischste Art und Weise, was die Geschichte ausmacht. Dass man dabei ungewohnte Einblicke in die Figuren gewinnt, macht es nur noch unerwarteter.

Die grundlegende Geschichte von Aschenputtel, hier eigentlich Ella genannt, dürfte den meisten bekannt sein. Doch sie hier ausführlich gezeigt zu bekommen, hat mich daran erinnert, wie traurig sie großteils ist. Die junge, fantasievolle Ella verliert früh ihre Mutter und wächst bei ihrem Vater auf. Als sie schon erwachsen ist, heiratet er neu und es dauert nicht lange, ehe Ella mit ihrer Stiefmutter und ihren beiden Stiefschwestern Drisella und Anastasia allein ist. Sie behandeln das kluge und bildschöne Mädchen schlimmer als jede Dienstmagd, drangsalieren und erniedrigen sie unentwegt. Und Ella? Sie erträgt dies mit einer Anmut, einer Güte und einem traurigen Stolz auf Grund eines Versprechens, das sie ihren Eltern gegeben hat, dass es einen in der Tat berührt.

Als sie schon vor der täglichen Schmach im Haus ihrer Eltern davonlaufen will, begegnet sie einem Prinzen, der von ihr ebenso fasziniert ist wie umgekehrt. Bis es soweit ist, dauert es erstaunlich lange. Nicht, dass was bis dahin geschieht nicht interessant und unwahrscheinlich charmant gemacht wäre, ganz im Gegenteil, aber die erste Hälfte von Cinderella ist überraschend ernst und eben ... traurig.
Erst in der zweiten Filmhälfte, in der der Prinz einen Ball veranstaltet, zu dem er die jungen Damen des ganzen Königreiches einlädt in der Hoffnung, Ella wiederzusehen, auch wenn sein Großherzog ihn mit einer Prinzessin verheiratet sehen möchte, lockern viele lustige Elemente das Geschehen auf.

Auch hier beweist das Drehbuch erstaunlich viel Feingefühl und ein Gespür für die Geschichte und die Figuren. Sei es durch Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass die Herkunft des Namens "Cinderella" hier erklärt wird, oder dass auch der Großherzog nichts Düsteres im Schilde führt, sind die Eheschließungen zwischen Prinz und Prinzessin doch darauf zurückzuführen, Frieden und Schutz der Königreiche zu sichern.
Auch der Prinz und sein Vater, der König, bekommen eine berührende Szene zugeschrieben, die sie weit über die Abziehbilder – auch der Disney-eigenen Zeichentrickverfilmungen – hebt. Kenneth Branagh nimmt sein Märchen ernst genug, um die Figuren und ihre Motivation zu verstehen. Und um zu verstehen, dass sie eine Motivation brauchen, damit man als Zuschauer mit ihnen mitfiebert.

Die Besetzung glänzt mit Cate Blanchett als böse Stiefmutter, die in einem kleinen Monolog auch tiefer in ihre Vergangenheit blicken lässt, Stellan Skarsgård und Derek Jacobi als bekannte Schauspielgrößen, dabei überzeugen Lily James als Cinderella ebenso sehr wie Richard Madden als charmanter Prinz und Nonso Anozie als sein Vertrauter. Sie alle erwecken Cinderella auf so greifbare Art und Weise zum Leben, dass es einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Vielleicht ist es das größte Kompliment, das man Kenneth Branagh machen kann, denn wann ist das zuletzt einer Märchen-Verfilmung geglückt?


Fazit:
Sieht man die goldene Kutsche, die traumhaften Kostüme und die beeindruckenden, prächtigen Bauten samt dem Ballsaal und dem zauberhaften Schlossgarten, sind auch die paar nicht so geglückten Trickeffekte vergessen. Cinderella ist darum bemüht, dem Märchen in der wirklichen Welt Leben einzuhauchen, ohne die Magie der Geschichte zu opfern. Es ist eine Gratwanderung, die Filmemacher Kenneth Branagh eindrucksvoll gelingt.
Charmant und berührend gespielt, toll gefilmt und fantastisch ausgestattet, zeigt der Film die lebendig gewordene Märchenwelt schlechthin. Ohne betont düstere Elemente, aber auch ohne die traurigen Aspekte der Geschichte wegwischen zu wollen. Zu sehen, wie sich die Stimmung wandelt, wie die Figuren aufblühen und allein die letzte, kurze Szene zwischen Cinderella und ihrer Stiefmutter zeigen, dass die Filmemacher verstanden haben, was die Geschichte und die Figuren ausmacht. Das ist so schön zu sehen und anzusehen – beinahe wie im Märchen.    


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