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Central Intelligence [2016]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Juni 2017
Genre: Komödie / Action

Originaltitel: Central Intelligence
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Rawson Marshall Thurber
Musik: Ludwig Göransson, Theodore Shapiro
Darsteller: Dwayne Johnson, Kevin Hart, Amy Ryan, Danielle Nicolet, Jason Bateman, Aaron Paul, Ryan Hansen, Tim Griffin, Timothy John Smith, Sione Kelepi, Dylan Boyack, Thomas Kretschmann, Megan Park


Kurzinhalt:

Vor 20 Jahren wurde Bob (Dwayne Johnson) vor der gesamten Abschlussklasse des High School-Jahrgangs 1996 gedemütigt. Einzig Calvin Joyner (Kevin Hart) hat ihn nicht ausgelacht und zu ihm gehalten. Inzwischen ist Calvin ein unglücklicher Buchhalter und Bob Agent der CIA. Das ahnt Calvin nicht, als Bob sich eines Tages mit ihm treffen will und ehe er es sich versieht, ist er in eine Operation verstrickt, bei der nicht nur die Nationale Sicherheit auf dem Spiel steht. Während Calvins Frau Maggie (Danielle Nicolet) angesichts des unberechenbaren Verhaltens ihres Mannes nicht weiß, ob ihre Ehe noch zu retten ist, setzt auch die Agentin Harris (Amy Ryan) Calvin unter Druck, da sie glaubt, Bob sei ein Verräter. Um den Fall zu lösen, müssen Bob und Calvin nicht nur zusammenarbeiten, Bob muss sich auch seiner schlimmsten Erinnerung stellen ...


Kritik:
Es ist ganz offensichtlich, dass die Darsteller eine Menge Spaß beim Dreh von Central Intelligence hatten. Manches davon überträgt sich auf den Film, an anderer Stelle ist es, als würden die Schauspieler nur improvisieren, um die Laufzeit zu füllen. Was Rawson Marshall Thurbers Actionkomödie am offensichtlichsten fehlt ist ein durchgängiges Konzept und eine Geschichte, die den Action-Aspekt ebenso in den Mittelpunkt rückt. Darüber täuscht auch die sympathische Besetzung nicht hinweg.

Trotz seiner 196cm Körpergröße und einer geradezu wahnwitzig muskulösen Körperstatur ist Dwayne Johnson einer der grundsympathischsten Darsteller, die man derzeit in großen Hollywood-Produktionen zu sehen bekommt. Er spielt Bob Stone, einen CIA-Agenten, der verhindern will, dass ein bislang unbekannter Terrorist Satellitencodes auf dem Schwarzmarkt verkauft. Diese Information verrät bereits die Filmvorschau und tut insofern gut daran, weil es bei Central Intelligence mehr als ein Drittel der Laufzeit dauert, bis die Story überhaupt an dem Punkt angekommen ist, dass man als Zuseher weiß, worum es an sich gehen soll. Bis dahin wohnt man einem Rückblick bei, in dem der damals stark übergewichtige Bob vor dem gesamten High School-Abschlussjahrgang bloßgestellt wird. Einzig der Liebling aller Schüler und vielversprechendster Abschlusskandidat, Calvin Joyner, hat Bob – damals noch Robert – geholfen. 20 Jahre später soll Calvin mithelfen, eine Bedrohung für die gesamte Welt aufzuhalten.

Daraus könnte man einen packenden Actionthriller mit vielen Humoreinlagen machen. Man stelle sich so etwas wie True Lies - Wahre Lügen [1994] mit einem Buddy-Duo vor. Doch bereits beim Prolog wird deutlich, dass Filmemacher Thurber mehr auf Comedy als alles andere setzt. Dass er seine Erzählung mit zwei wichtigen Aussagen gegen Mobbing einrahmt, verleiht dem zwar ein anderes Gewicht, tröstet aber nur bedingt über die verpassten Chancen hinweg.
Die werden deutlich, wenn der nun durchtrainierte Bob auf den von seiner Karriere enttäuschten Calvin trifft und anstatt zum Punkt zu kommen beide Männer ewig lange über alle möglichen Themen lamentieren. Dass Central Intelligence gleichzeitig immer wieder in arg schlüpfrige und nicht selten Fäkalien betreffende Tiraden abdriftet, ist wohl einer ganz bestimmten Art von Humor geschuldet, mit der dieser Kritiker nichts anfangen kann.

So setzt der Film statt einer packenden Geschichte mit witzigen Einlagen auf nicht selten improvisiert erscheinende Momente seiner beiden Hauptdarsteller, von denen Kevin Hart regelmäßig in ausufernde Monologe zunehmender Hysterie verfallen darf. Das ist beim ersten Mal noch nett anzusehen, wirkt jedoch beim zweiten und dritten Mal arg absehbar und unnötig. Umso mehr, da in diesen Momenten die Geschichte zu einem erzwungenen Stopp kommt und orientierungslos auf der Stelle tritt. Nicht, dass das Drehbuch hier wirkliche Überraschungen parat hätte. Wer nicht bei Bobs erster Erinnerung, wie er bei der CIA in Ungnade gefallen ist, ahnt, wer hinter all dem steckt, ist ebenso unbedarft wie der Spion selbst. Denn auch wenn Johnson der Spagat zwischen einem arg naiven, immer noch an der High School festhaltenden Robert und dem gleichzeitig knallharten CIA-Agenten Bob gelingt, ob er ersteres nur als Fassade vorspielt, wie mitunter angedeutet, macht der Film nie deutlich.

Man muss hier fairerweise dazu sagen, dass die erweiterte Filmfassung, die insgesamt knapp acht Minuten länger dauert, eben viele von den beschriebenen Längen hinsichtlich der ziellosen Comedy-Einlagen überhaupt erst schafft, während die Kinofassung zumindest etwas geradliniger verläuft. Dennoch, wer bei Central Intelligence ein Action-Feuerwerk mit viel Humor erwartet, wird seine Prioritäten umdrehen müssen. Eine bestimmte Auseinandersetzung zwischen Bob und einem auf ihn angesetzten Killer wird beispielsweise gar nicht gezeigt. Dafür setzt Regisseur Rawson Marshall Thurber auf seine Besetzung, der es gelingt, durchaus unterhaltsame eineinhalb Stunden zu präsentieren. Nur mehr sollte man nicht erwarten.


Fazit:
Was an Sprüchen und Verweisungen auf männliche Geschlechtsteile witzig sein soll, verstehe wer will. Vermutlich kann darüber dasselbe Publikum lachen, das allein bei der Erwähnung von Exkrementen in humoristische Ekstase gerät. Central Intelligence driftet nicht oft auf dieses Niveau ab, aber öfter, als dem Film guttut. Dafür gibt es andere Momente, in denen Dwayne Johnson und Kevin Hart ihr komödiantisches Talent wirklich auszuspielen vermögen und ihre Szenen gemeinsam sehenswert machen. Hierauf setzt Regisseur Rawson Marshall Thurber ganz eindeutig und vernachlässigt dafür die Geschichte, die erst nach mehr als einer halben Stunde überhaupt in die Gänge kommt und auch dann nie wirklich Fahrt aufnimmt. So sind auch die Actionmomente selten mitreißend und erreichen nie das Niveau, das man den Beteiligten wünschen würde. Wenigstens eignet sich der Film als leichte Unterhaltung, dank seiner derben Sprüche aber nicht für jedes Publikum.
 


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