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Catch Me! [2018]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Juli 2018
Genre: Komödie

Originaltitel: Tag
Laufzeit: 100 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jeff Tomsic
Musik: Germaine Franco
Darsteller: Ed Helms, Jon Hamm, Annabelle Wallis, Jake Johnson, Hannibal Buress, Isla Fisher, Jeremy Renner, Leslie Bibb, Rashida Jones, Lil Rel Howery, Nora Dunn, Steve Berg


Kurzinhalt:

Seit 30 Jahren spielen Hogan (Ed Helms), Bob (Jon Hamm), Chilli (Jake Johnson), Kevin (Hannibal Buress) und Jerry (Jeremy Renner) das immer gleiche Spiel, bei dem es heißt „Du bist!“, wenn der Spieler, der es „ist“, den nächsten abschlägt. Die ewige Jagd wird nur im Mai ausgetragen und Jerry ist seinen Mitspielern bislang immer entkommen und war noch nie dran. Als Hogan seinen Freunden mitteilt, dass Jerry nach der aktuellen Saison als ewiger Champion aussteigen will, hat er ihren Sportsgeist neu entfacht. Das Beste daran ist, dass sie wissen, wo Jerry sein wird, denn im Mai steht seine Hochzeit mit Susan (Leslie Bibb) an. So reist die Clique zur Hochzeit, darauf aus, Jerry endlich zu erwischen. Begleitet werden sie von der Reporterin Rebecca Crosby (Annabelle Wallis) des Wall Street Journals, die an sich über Bob einen Artikel schreiben wollte. Dass die Situation immer weiter außer Kontrolle gerät und die Freunde zu immer ausgefeilteren Fallen greifen, um Jerry dingfest zu machen, macht die Story für sie nur interessanter …


Kritik:
Im Mai eines jeden Jahres heißt es in der Clique von Hogan, Bob, ‚Chilli‘, Kevin und Jerry „Du bist!“ – das Kinderspiel spielen sie seit über 30 Jahren, getreu dem Motto, man hört nicht auf zu Spielen, weil man erwachsen wird, sondern man wird erwachsen, weil man aufhört zu Spielen. Die Geschichte klingt so überzogen, dass man meinen könnte, nur Hollywood-Autoren könnten auf eine solche Idee kommen, dabei basiert die Komödie Catch Me! sogar auf Tatsachen. Man kann nur hoffen, dass die Freunde es in Wirklichkeit nicht so sehr übertrieben haben, wie hier dargestellt wird.

Die Idee klingt dabei so einfach wie verlockend: Wieso sollte man „Du bist“, ein Kinderspiel, bei dem jemand anders irgendwo am Körper berührt wird, diejenige Person es also „ist“ und dasselbe an eine andere Person weitergeben muss, nur spielen, solange man Kind ist? Hogan, genannt ‚Hoagie‘, und seine Freunde haben das Spiel auf die Spitze getrieben, mit denselben Regeln, die sie bereits als Kinder aufgestellt haben. Man kann beispielsweise nicht denjenigen zurück abschlagen, von dem man abgeschlagen wurde und das Spiel wird nur im Mai gespielt. Wer es als letzter „ist“, muss mit der Schande ein ganzes Jahr leben. Und das Gemeine dabei: Jerry war es noch nie. Inzwischen erfolgreicher Fitness-Coach, besitzt er die Reflexe eines Geheimagenten und die Geschwindigkeit eines Gepards. Egal, was sich Bob, Chilli oder Kevin auch einfallen lassen, sie haben Jerry nie zu fassen bekommen. Aber nun, da Hogan erfahren hat, dass Jerry im Mai heiraten will, scheint endlich der Moment zum Greifen nahe, Jerry festzunageln.

Eines vorweg: Wer sich nicht mit dem Gedanken anfreunden kann, dass erwachsene Männer eines Kinderspiels wegen in Zeitlupe durch die Szenerie rennen und einander unvorstellbare Dinge antun würden, um ihren Stolz zu wahren, der ist bei Catch Me! grundsätzlich im falschen Film. Nimmt man die Ausgangslage jedoch an, dann entwickelt Jeff Tomsics Komödie durchaus einen gewissen Reiz. Dass der Filmemacher die absurde Geschichte nicht wie eine klassische Komödie, sondern eher wie einen Action-Thriller inszeniert, bei dem es die Mission der Jungs ist, Jerry endlich zu erwischen, hilft dem Konzept ungemein. Mit der Journalistin Rebecca Crosby, auf deren tatsächlichem Artikel der Film gewissermaßen basiert, liefern die Macher darüber hinaus eine der wenigen geerdeten Perspektiven auf den schon pathologischen Wettbewerbsstreit.

Angesichts der durchaus vulgären Sprache, den vielen anzüglichen und sexuellen Verweisen sowie des teils derben Humors erwartet das Publikum eine Komödie im Stile von Stichtag - Schluss mit gemütlich [2010] oder Hangover [2009] – was insofern nicht verwundert, da Ed Helms hier wie bei der erfolgreichen Trilogie ebenfalls die Hauptrolle spielt. Das größte Problem bei Jeff Tomsics Umsetzung ist jedoch, dass das Gezeigte nur selten mehr als amüsant ist. Durchweg temporeich inszeniert, verblüfft es immer wieder, wie sich die Jungs in ihrem Bestreben, die aktuelle Saison gegen Jerry nicht zu verlieren, immer weiter hochschaukeln, ehe es kein Zurück mehr zu geben scheint. Aber mit Chillis ständiger Kifferei, Kevins Art, zur völlig falschen Zeit Fragen zu stellen und auch Hogans Frau, die weitaus rabiater als Mitspielerin wäre, als die Männer zusammengenommen, wiederholen sich die Gags sehr oft. Momente, in denen man vor Lachen unter den Sitz rutscht, gibt es so gut wie keine, was auch daran liegt, dass der Geschichte über weite Strecken eine emotionale Komponente fehlt. Die kommt zwar zum Ende noch hinzu, aber dann ist es beinahe schon zu spät. Als zwang- und auch belanglose Unterhaltung ist das für das richtige Publikum dennoch eine Empfehlung.


Fazit:
Spätestens, wenn Hoagie und seine Kumpels drauf und dran sind, einen von Jerrys Angestellten mit Waterboarding zu foltern, um dessen Aufenthaltsort zu erfahren, scheint Catch Me! sein Publikum vollends hinter sich zu lassen. So weit kommt es glücklicherweise nicht, aber es bleibt der Eindruck, als hätten die Darsteller mehr Spaß beim Dreh gehabt, als sich auf die Zuschauer überträgt. Ordentlich und wie ein Action-Thriller inszeniert, schlägt die Story im letzten Drittel deutlich häufiger übers Ziel hinaus als zuvor. Das durchaus nachdenkliche Ende veredelt dafür eine Komödie, die ihrer Besetzung nie wirklich gerecht wird und allzu oft ins Zotige abrutscht. Gleichzeitig ist es der Cast, dessen Chemie den Film trägt, wenn die Story – und das geschieht nicht selten – merklich auf der Stelle tritt. In der richtigen Gesellschaft ist das durchaus amüsant und lohnenswert. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt das Spielfilmdebüt von Regisseur Jeff Tomsic allerdings nicht.
 


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