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C.S.I. – Tatort Las Vegas: "Im Kugelhagel" [2005]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Juli 2006
Genre: Krimi / Drama

Originaltitel: C.S.I.: "A Bullet Runs Through It"
Laufzeit: 80 min.
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Danny Cannon, Kenneth Fink
Musik: John M. Keane, The Who (Titel-Thema)
Darsteller: William L. Petersen, Marg Helgenberger, Gary Dourdan, Jorja Fox, George Eads, Eric Szmanda, Paul Guilfoyle, Robert David Hall, David Berman, Alex Carter, Conor O'Farrell, Gerald McCullouch, Wallace Langham, Louise Lombard, Marc Vann


Kurzinhalt:
Sowohl Captain Brass (Paul Guilfoyle), als auch die ehemalige CSI-Ermittlerin Sofia Curtis (Louise Lombard) werden in eine Verfolgungsjagd mit anderen Polizeieinheiten verwickelt, bei der die Flüchtigen mit Maschinengewehren aus dem Wagen feuern. Bei der finalen Schießerei werden die anwesenden Schützen getötet, einer kann fliehen – auch ein Polizist verliert im Kugelhagel das Leben.
Nun obliegt es dem Schichtleiter Gil Grissom (William L. Petersen) und seinem Team bestehend aus Catherine Willows (Marg Helgenberger), Warrick Brown (Gary Dourdan), Sara Sidle (Jorja Fox), Nick Stokes (George Eads) und Greg Sanders (Eric Szmanda), sowohl die Ursache der Verfolgungsjagd, als auch den Verlauf des tödlichen Schusswechsels zu rekonstruieren.
Wie Grissom von den Pathologen Robbins (Robert David Hall) und Phillips (David Berman) erfährt, wäre zumindest der Tod eines Schützen vermeidbar gewesen, und als würde das die Arbeit der Polizei mit der wachsenden Kritik aus der Bevölkerung nicht noch schwieriger machen, scheint es auch, als wäre ein unbeteiligter Junge, Sohn eines einflussreichen Geschäftsmannes, durch eine Polizistenkugel getötet worden. Je weiter die Ermittlungen voran schreiten, umso mehr erhärtet sich der Verdacht, dass auch der gestorbene Polizist von Kollegen getroffen wurde ...


Kritik:
Auch wenn die Krimiserie C.S.I. eine der erfolgreichsten Serien im US-Fernsehen bleibt, an die Zuschauerzahlen des von Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino inszenierten Staffelfinales "Grabesstille" reichen die Quoten der nachfolgenden Episoden nicht heran. Das ist insofern bedauerlich, als dass die ruhigere, persönlichere Herangehensweise der Autoren an die Storys in Staffel sechs wirklich sehenswert ist und auch der insgesamt dritte Zweiteiler der Serie, "Im Kugelhagel" hierbei keine Ausnahme darstellt, sondern vielmehr alle positiven Aspekte der Serie vereint und in 80 Minuten so rasant erzählt, dass man meinen könnte, es handle sich um eine normale Episode von der halben Länge.

Zu verdanken ist das dem Drehbuch von Carol Mendelsohn und Richard Catalani, die eine gänzlich andere Herangehensweise an die Ausgangslage wagen und nicht die Ursache jener folgenschweren Schießerei in den Mittelpunkt stellen, sondern im Laufe der Geschichte herauskristallisieren, dass einem von den zwei bekannten und beliebten Nebencharakteren ein fataler Fehler unterlaufen ist, den es nun näher zu bestimmen gilt. Gleichzeitig vermittelt der Fall auch sehr anschaulich die wahren Ausmaße einer solchen Untersuchung, in der Hunderte von Kugeln und Patronenhülsen eingesammelt, katalogisiert und untersucht werden müssen, bei der Dutzende Spezialisten beschäftigt werden und sämtliche Abteilungen des Labors zusammenarbeiten müssen.
Um den Druck auf das Team noch zu erhöhen, spielt auch in diesem Fall die Kluft zwischen den Nationalitäten, den Mentalitäten und den sozialen Hintergründen eine Rolle, die in der gezeigten Form ein wenig an die kontroverse Cop-Serie The Shield – Gesetz der Gewalt [2002-2008] erinnert, aber gleichzeitig die Situation auch aus Sicht der unschuldigen Anwohner zeigt.
Ohne die bekannten trockenen Sprüche und mittels der kühleren Farbfilter verleihen die Macher "Im Kugelhagel" eine bedeutend düsterere Atmosphäre, bei der sich abzeichnet, dass das Team diesen Fall nicht im klassischen Sinne gewinnen, sondern lediglich einen aufwühlenden und tragischen Abschluss für die betroffenen Personen bieten kann. Da hier eine bekannte Figur davon betroffen ist, werden Stammzuschauer verständlicherweise auch entsprechend mitgenommen werden.
Dem Autorenduo Mendelsohn und Catalani kann man zu ihrer Vorlage nur gratulieren, sie erzählen eine packende, realistische und ebenso beklemmende Geschichte, ohne sich mit einfachen Antworten aus der Verantwortung zu stehlen. Gerade dies aber zeichnet C.S.I. in den letzten Jahren aus, und gerade deshalb ist die wegweisende Krimiserie die erfolgreichste im US-Fernsehen.

Die Entscheidung, nicht die bekannten Hauptdarsteller in den Mittelpunkt einer Doppelepisode zu rücken, verwundert zwar im ersten Moment, ermöglicht aber auch den beliebten Nebencharakteren, mehr Gestalt anzunehmen.
Wie immer routiniert und charismatisch zugleich gibt sich William L. Petersen, der zwar schon mehrmals sein Interesse am Ausstieg aus der Serie bekundete, aber hier glücklicherweise immer noch mit an Bord ist. Er mimt wie gewohnt tadellos und stellt ohne große Mühe die übrigen Akteure in seinen Szenen in den Schatten, obgleich er weniger stark gefordert ist, als in vielen anderen Episoden.
Marg Helgenberger bringt gekonnt ihre freundschaftliche Hilflosigkeit angesichts der Situation in den Verhören zum Ausdruck und überzeugt mit einer erstklassigen Mimik, obgleich sie selbst überraschend wenige Dialoge zugeschrieben bekommt.
Auch Jorja Fox und George Eads leisten wie Gary Dourdan sehr gute Arbeit, lassen erneut keine Wünsche offen und unterstützen die übrigen Darsteller in ihren Szenen. So auch Eric Szmanda, der allerdings nur selten zu sehen ist.
Die Pathologen gespielt von Robert David Hall und David Berman überzeugen wie gewohnt, wobei Berman endlich ein wenig mehr eingespannt ist, als bislang. Dass das Skript zudem die Zeit findet, zahlreiche Nebencharaktere wie Wallace Langhams Hodges oder Detective Vartann (Alex Carter) oder McKeen (Conor O'Farrell) einzubinden, ist erstaunlich. Sie alle leisten, wie auch Marc Vann, sehr gute Arbeit.
Die besten Leistungen des TV-Films erbringen allerdings Louise Lombard und Paul Guilfoyle, deren Rollen sich im Laufe der 80 Minuten auf geschickte Art und Weise vertauschen, wobei es unverständlich ist, weswegen Lombard nicht ebenfalls in die Stammbesetzung aufgenommen wird. Nicht nur, dass ihr Charakter in der letzten Staffel einen erstaunlichen Wandel erlebte, auch schauspielerisch beeindruckt sie hier durch eine hervorragende Mimik und Gestik, durch die man sich als Zuschauer ganz in ihrem Charakter und in ihren schlimmsten Befürchtungen verliert.
Die Szenen mit Paul Guilfoyle, einer der beliebtesten Charaktere der Serie, zählen außerdem zu den Höhepunkten des Falles, wobei einem die letzten Minuten merklich im Gedächtnis bleiben werden. Nach der ungewöhnlichen und von ihm ebenfalls exzellent gespielten Episode "Gefallener Engel" zeigt Guilfoyle eindrucksvoll, dass er einer größeren Beteiligung in der Serie durchaus gewachsen ist, und man darf hoffen, dass die Macher ihm dies zugestehen werden.
Auch wenn nicht die bekanntesten Hauptdarsteller in den Mittelpunkt dieses Falles gerückt werden, agieren sämtliche Beteiligte doch gewohnt routiniert und ermöglichen den geforderten Mimen dieser 80 Minuten ein bemerkenswertes Spiel, das man als Fan der Serie gesehen haben muss.

Handwerklich ziehen die beiden Regisseure Danny Cannon und Kenneth Fink wie gewohnt alle Register, fangen sowohl die hektische Schießerei zu Beginn realistisch ein, wie später auch die Ermittlungen gewohnt einfallsreich und packend. Gleichzeitig lassen sie den Schauspielern aber genügend Freiraum, sich zu entwickeln und schaffen es gerade durch die ungewöhnlichen und schnellen Schnitte bei den Verhören, die Unsicherheit und die steigende Panik bei den Betroffenen zum Ausdruck zu bringen.
Kamera und Schnitt harmonieren wie gewohnt, nutzen das Breitbildformat merklich aus und gönnen Zuschauer wie Darsteller in den notwendigen Momenten auch die Ruhe, sich wieder auf den Fall zu konzentrieren, wobei die Regisseure überraschenderweise auch zu klassischen Handkameras ohne Bewegungsstabilisator greifen, was für C.S.I. eher ungewöhnlich ist.
An der Umsetzung gibt es jedenfalls nichts zu bemängeln, viele Kinoproduktionen könnten sich insbesondere an den einfallsreichen Perspektiven dringend notwendige Denkanstöße holen.

Die musikalische Zusammenstellung von John M. Keane überzeugt wie gewohnt, wobei ihm sowohl die temporeichen Momente zu Beginn sehr gut gelungen sind, wie auch die tragischen, atmosphärischen Stücke im Laufe der 80 Minuten. Wie gewohnt passt der Score hervorragend zu den Bildern, die in diesem Fall kälter und kantiger ausfallen, als in den übrigen Episoden, was auf die gewählte Farbgebung zurück zu führen ist.
Diesen Wandel untermauert Keane und auch seiner Begleitung zu den Szenen, was ihm tadellos gelingt.

Es hat lange gedauert, ehe das forensische Ermittlerteam einen rundum gelungenen Fall in Spielfilmlänge bestreiten durfte; an "Im Kugelhagel" zu kritisieren wäre allenfalls, dass sich die Nachforschungen im Laufe der 80 Minuten in ganz andere Richtungen entwickeln, als zu Beginn. Doch genau diese Unvorhersehbarkeit zeichnet sowohl die wahre Ermittlungsarbeit, wie auch die Krimiserie selbst aus.
Als Fan der Serie folgt man ebenso ohnmächtig wie die Spurensucher selbst dem Verlauf der Untersuchung, wohnt zwei beliebten Figuren in ihren dunkelsten Stunden bei und muss mit ansehen, wie selbst in dem glamourösen Las Vegas die Kluft zwischen den verschiedenen Kulturen im Nu in Gewalt ausarten kann. Das Bild, das die Autoren hier zeichnen ist ebenso beklemmend wie glaubhaft, so packend wie tragisch – und schon aus diesem Grund eine der besten Episoden der Staffel und der beste TV-Film der Krimiserie bis dahin.


Fazit:
Zum ersten Mal gelingt es den Machern von C.S.I., die Qualität von vielen hervorragenden Episoden der fünften und sechsten Staffel, auch in einem Zweiteiler umzusetzen. Ohne die Actionsequenzen von Tarantinos "Grabesstille" und zugegebenermaßen auch ohne deren Charaktermomente entpuppt sich "Im Kugelhagel" als der bessere Fall des Forensiker-Teams in Spielfilmlänge, und das hauptsächlich aus dem Grund, weil hier das Team im Mittelpunkt steht. Zu sehen, wie in dieser Maschinerie die feinen Zahnräder ineinandergreifen, die verschiedenen Abteilungen zusammenarbeiten, um eine solch chaotische Schießerei aufzuschlüsseln, ist weniger actionlastig als beispielsweise CSI: Miami [seit 2002], aber gerade auf Grund des gezeigten Realismus unbedingt sehenswert.
Nach der beunruhigenden wie tragischen Episode "Blutiges Gras" markiert "Im Kugelhagel" ein weiteres Highlight dieser sechsten Staffel, in der die Autoren ihrer neuen Linie treu bleiben und weniger, dafür persönlichere Fälle behandeln. Eben dadurch fesselt auch der von Danny Cannon und Kenneth Fink umgesetzte TV-Film, der sich ohne weiteres auf Kino-Niveau bewegt.


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