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Brothers [2009]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Oktober 2011
Genre: Drama

Originaltitel: Brothers
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jim Sheridan
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Tobey Maguire, Jake Gyllenhaal, Natalie Portman, Sam Shepard, Mare Winningham, Bailee Madison, Taylor Geare, Patrick John Flueger, Clifton Collins Jr., Carey Mulligan, Omid Abtahi, Navid Negahban, Ethan Suplee, Arron Shiver, Ray Prewitt, Jenny Wade


Kurzinhalt:
Sam Cahill (Tobey Maguire) ist ein liebender Ehemann und ein fürsorglicher Vater seiner beiden Töchter. Als Captain bei den Marines ist er hoch angesehen. Sein Bruder Tommy (Jake Gyllenhaal) ist das genaue Gegenteil. Nach einer längeren Haftstrafe wird Tommy auf Bewährung entlassen, wenige Tage, bevor Sam für einen erneuten Einsatz nach Afghanistan reist. Für ihren Vater Hank (Sam Shepard) ist Tommy eine Enttäuschung, nur Sam ist ihm in seiner Militärlaufbahn gefolgt. Auch Sams Ehefrau Grace (Natalie Portman) ist auf den Tunichtgut Tommy schlecht zu sprechen.
Doch dann erhält sie die Nachricht, dass Sams Hubschrauber im Einsatz abgeschossen wurde. Man geht davon aus, dass Sam es nicht überlebt hat. Für die ganze Familie bricht eine Welt zusammen. Während Grace mit sich selbst zu kämpfen hat und die beiden jungen Töchter versorgen soll, übernimmt Tommy ungeahnt die Rolle des Ersatzvaters. Auch kommen sich er und Grace näher. Bis Sam von einer Spezialeinheit gefunden und aus der Gefangenschaft befreit wird. Doch ist er nicht mehr der Mensch, der er vor seinem Einsatz war. Und auch im Leben seiner Familie hat sich alles verändert ...


Kritik:
Brothers ist ein Remake des preisgekrönten dänischen Dramas Brothers - Zwischen Brüdern [2004], dessen Schauplatz hier in die USA verlagert wurde. Das Drama bezieht erfreulicherweise keine Stellung zur Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit eines Militäreinsatzes in Afghanistan. Auch erfahren wir nicht, ob der Soldat Sam Cahill, der erneut in den Kampfeinsatz im Nahen Osten zurückkehrt, an den Krieg glaubt, oder nicht – lediglich, dass seine Töchter wissen, dass "die bösen Männer" diejenigen mit den Bärten sind. Es ist eine Mark erschütternde Verallgemeinerung. Regisseur Jim Sheridan erzählt seinen Film mit ruhiger Hand und Augenmerk auf die Figuren.

Es beginnt damit, dass Sam kurz bevor er erneut nach Afghanistan gesandt wird, seinen Bruder Tommy aus dem Gefängnis abholt. Er wurde auf Bewährung freigelassen und ist eine Enttäuschung für seinen Vater Hank, der ebenfalls als Soldat gedient hat. Ist es nicht oft so bei Geschwistern, dass je erfolgreicher einer wird, der andere umso tiefer zu fallen scheint? Sam hat eine glänzende Karriere, ist hoch angesehen bei seinen Kameraden, glücklich verheiratet und hat zwei Töchter, die zu ihm aufsehen. Tommy hingegen hat nichts von alledem, aber immerhin Sam, auf den er sich verlassen kann. Doch dann wird Sams Hubschrauber bei einem Einsatz abgeschossen und für Tommy und Sams Frau Grace stürzt eine Welt ein. Brothers zwingt uns nicht, jene Momente mitzuerleben, wenn Grace zu zerbrechen droht. Doch sehen wir, wie in Tommy die Wut aufsteigt. Was soll jetzt werden? Sam war nicht zuletzt nach dem Tod der gemeinsamen Mutter das Bindeglied der Familie gewesen. Die Spannungen zwischen Hank und Tommy werden nur größer. Doch findet Tommy gerade in dieser Situation zu sich und erweist sich als Ersatzvater für Sams Töchter Maggie und Isabelle geschickter, als man ihm zugetraut hätte. Selbst Grace, deren Meinung von ihm nie besonders hoch gewesen war, findet einen Draht zu ihm. Nach dem unvorstellbaren Verlust des Vaters, des Ehemanns, haben die Cahills wieder Freude gefunden – bis ihnen mitgeteilt wird, dass Sam gefunden wurde und nach Hause zurückkehrt. Es ist, als würde ihnen zum zweiten Mal der Boden unter den Füßen weggezogen.

Es mag zwar notwendig sein, um zu verstehen, weshalb Sam so gezeichnet von seinem Einsatz wiederkehrt, aber es kostet Brothers an Zugkraft, dass man erfährt, wie er dort von Aufständischen gerettet und in Gefangenschaft gehalten wurde. Wie er als Soldat, als Mensch gebrochen wird. Als er wieder nach Hause kommt, spürt insbesondere die ältere Tochter, dass ihr Vater nicht derselbe ist. Sam findet als Kriegsheimkehrer eine Welt vor, in der sich alles geändert hat und trifft auf seine Familie, die so sehr hofft, dass er so wäre, wie Monate zuvor, als er verabschiedet wurde. Sich seinem Trauma zu stellen ist unvorstellbar, so konzentriert er sich darauf, Grace und Tommy eine Beziehung zu unterstellen. Er tut alles, um sich nicht mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Sein Vater Hank, der in Vietnam gedient hat, bietet ihm an, für ihn da zu sein, wenn er reden möchte, doch dreht er sich postwendend um und geht. Es sind Floskeln, die sein müssen, doch das Angebot anzunehmen wäre für beide unangenehmer als ohnehin schon.

Wir spüren, worauf die Konfrontationen hinauslaufen werden. Die Momente scheinen wie elektrisiert, sind Grace, Tommy und Sam in einem Raum. Hier wird auch offenbar, was Brothers auszeichnet. Von drei exzellenten Darstellern packend und eindringlich gespielt, gelingt es Jake Gyllenhaal und Natalie Portman, uns für die Charaktere zu interessieren, auch wenn wir nicht Vieles über sie erfahren. Tobey Maguire erscheint in vielen Filmen ein wenig verschlossen, doch hier zu sehen, wie er ausgemergelt und mit leerem Blick zurückkehrt, als wäre er nur eine Hülle, ist bewegend und schockierend zugleich. Was Jim Sheridan schuldig bleibt sind neue Impulse bei einem Thema, das nicht selten aufgegriffen wurde in den letzten Jahren. Wie viele neue Denkanstöße kann es denn geben? Vielleicht geht es den Filmemachern auch weniger darum, als vielmehr, dass diese Wahrheiten nicht in Vergessenheit geraten. Mit bekannten Darstellern dürfte das auch bei einem breiteren Publikum möglich sein. Auch das sollte man den Beteiligten anrechnen.


Fazit:
Wie viel Überwindung muss es ein Kind kosten zu sagen, es wäre ihm lieber, der Vater wäre tot? Es ist ein herzzerreißender Moment, nicht nur für das Kind und die Übrigen am Tisch. Womöglich auch für den Vater, der von seinem Einsatz zwar zurückgekehrt ist, ihn in gewissem Sinne aber doch nicht überlebt hat. Wenn Grace schließlich den Brief öffnet, den Sam ihr hinterließ im Falle, er würde nicht zurückkommen, klingen seine niedergeschriebenen Worte, als wollten sie Grace eine Wahrheit vor Augen führen, derer sie sich lange Zeit verweigert hat.
Brothers besitzt viele sehr gute Momente und ist herausragend gespielt. Es ist ein Film, der sich der Figuren annimmt, ohne aus den emotionalen Szenen Profit schlagen zu wollen. Was dem Drama fehlt, ist ein frischer Ansatz und Manches scheint arg vorhersehbar. Dennoch bleibt es mutig, ein solches Thema mit bekannten Darstellern zu erzählen. Denn die Wahrheit, die dahinter liegt, wird nicht einfacher erträglich, je länger die Kriege andauern.


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