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Brokeback Mountain [2005]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. Juni 2013
Genre: Drama / Liebesfilm

Originaltitel: Brokeback Mountain
Laufzeit: 134 min.
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ang Lee
Musik: Gustavo Santaolalla
Darsteller: Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Michelle Williams, Anne Hathaway, Kate Mara, David Harbour, Graham Beckel, Mary Liboiron, Randy Quaid, Linda Cardellini, Anna Faris, Scott Michael Campbell


Kurzinhalt:
1963 treffen sich Ennis Del Mar (Heath Ledger) und Jack Twist (Jake Gyllenhaal) in Wyoming, als sie bei Joe Aguirre (Randy Quaid) vorsprechen, um einen Job für den Sommer zu bekommen. Sie erhalten den Auftrag, eine große Schafherde auf den Brokeback Mountain zu treiben und nachts Wache zu halten, damit die Wildtiere sie nicht holen. Aguirre verlangt dabei einen Arbeitseinsatz, der streng genommen nicht legal ist, doch beide willigen ein. Jack, um von der Farm seiner Eltern loszukommen und Ennis, um Geld für seine kommende Hochzeit mit Alma (Michelle Williams) zu verdienen. In der Einsamkeit der Wildnis lernen sich die beiden Männer kennen und verlieben sich ineinander. Es ist eine Beziehung, bei der Ennis erst entdeckt, was er bislang im Leben vermisst hat.
Doch nachdem der Sommer vorbei ist, trennen sich ihre Wege. Ennis gründet mit Alma eine Familie und bekommt zwei Töchter, auch wenn er mit der Arbeit in der Stadt nicht glücklich ist. Nach einer kurzen Rodeo-Karriere heiratet Jack Lureen Newsome (Anne Hathaway), Tochter des wohlhabenden L.D. Newsome (Graham Beckel), der in seinem Schwiegersohn jedoch einen Versager sieht. Erst vier Jahre später treffen sich Ennis und Jack wieder. Doch nicht nur, dass sie beide mit sporadischen Treffen nicht glücklich sind, Alma hat von der Affäre ihres Mannes erfahren – und unter der Belastung drohen alle Beteiligten zu zerbrechen ...


Kritik:
Es gibt kaum eine Domäne, die so vor Maskulinität strotzt, wie die der klassischen Cowboys, die abgeschieden in der unberührten, rauen Natur das Vieh hüten und großteils von dem leben, was sie in der Wildnis vorfinden. Sich darin eine homosexuelle Beziehung vorzustellen ist nach einer veralteten Weltanschauung so undenkbar, wie ein Outing in einem Profisport wie Fußball oder der Formel 1. In von religiöser Überzeugung – und sei sie nur zum eigenen Vorteil vorgeschoben – geprägten Gebieten, sind nicht wenige der Auffassung, dass es eine solche "Neigung" überhaupt nicht geben kann. Wie oft wandelt sich dadurch die eigene Unsicherheit in Gewalt?
Regisseur Ang Lee greift in Brokeback Mountain eine Geschichte zweier Männer auf, die in der Isolation jener abgeschiedenen Landschaft zueinander gefunden haben und ein Leben lang versuchen, voneinander loszukommen. In einer Gesellschaft, die sie nicht akzeptiert, fliehen sie in eine künstliche Normalität. Wohin das führt ist absehbar, aber nicht weniger tragisch.

Jede Liebesgeschichte steht und fällt mit dem Paar, das entweder eine Chemie entwickelt, oder nicht. Heath Ledger und Jake Gyllenhaal verkörpern Ennis und Jack, die beide auf der Suche nach Arbeit im Sommer bei Joe Aguirre vorsprechen und den Auftrag bekommen, eine Schafherde zu hüten, deren Bestand im letzten Jahr von Coyoten stark dezimiert wurde. Auf sich allein gestellt, errichten sie beide ein Lager hoch in den Bergen. Während Jack mehr aus sich herausgeht, bleibt Ennis verschlossen und taut nur langsam auf. Ihr bisheriger Werdegang hört sich ähnlich an und auch ihr Traum von einer eigenen Ranch, auf der sie ihr eigener Herr wären, gleicht sich. Ennis wird im kommenden Winter seine Verlobte Alma heiraten. Doch eines Nachts entdeckt er durch Jack eine Seite an sich, die er bislang nicht gekannt hat. Oder unterdrückt.
Dass Jack Twist sich seiner Homosexualität bewusst ist, ist offensichtlich. Ennis hingegen verbirgt sich hinter einer Fassade, die er zu seinem eigenen Schutz und aus Furcht vor gesellschaftlicher Ausgrenzung aufrechterhält. Nach ihrer gemeinsamen Zeit heiratet er und bekommt mit Alma auch zwei Töchter. Doch wirklich vergessen kann er seine Zeit mit Jack am Brokeback Mountain nicht. Er bleibt zurückgezogen und öffnet sich anderen Menschen kaum, geschweige denn anderen Männern. Jack hingegen sucht immer wieder ihre Blicke, auch nachdem er Lureen geheiratet hat, deren wohlhabender Vater ihn aber nicht akzeptiert.

Jahre später begegnen sich Jack und Ennis wieder und treffen sich dann in unregelmäßigen Abständen, um ihre wahren Gefühle leben zu können. In der Zeit dazwischen verkümmert Ennis innerlich in seiner Abgeschiedenheit, während Jack seine sexuelle Orientierung zu wenig verbirgt, so dass er früher oder später mehr Aufmerksamkeit erregt, als er beabsichtigt. Dabei schwanken die Reaktionen der meisten Menschen in diesem Milieu, die auf Jacks Vorliebe aufmerksam werden, zwischen Missgunst und feindseliger Verachtung.
So quälend dies für beide ist, an Ennis' Beispiel sieht man, wer am meisten unter der Situation leidet. Nachdem Alma ihn mit Jack beobachtet hat und er sich immer offener von seiner Familie und den Töchtern zurückzieht, zerbricht sein Leben Stück für Stück – und Alma mit dazu.

Den verstorbenen Heath Ledger in Brokeback Mountain als zurückgezogenen Einsiedler zu sehen, besitzt eine prophetische Tragik. Sein Spiel ist ebenso kraftvoll wie subtil, die wenige Momente, in denen er lächelt, scheinen den ganzen Film zu erhellen. Sein Ennis erlebt mit Jack nur in der Abgeschiedenheit der Natur Momente des Friedens, während er in der Stadt mit ihren Konventionen nie glücklich erscheint.
Ang Lee zeichnet seine Charakterstudien vor einer grandiosen Kulisse, die einerseits die stille Einsamkeit dieser Männer widerspiegelt, die in jener Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Gleichzeitig steht sie für die alt eingesessenen Werte, die sich im Lauf der Zeit wandeln müssen, da die Welt sich schon lange weitergedreht hat. Die musikalische Untermalung von Gustavo Santaolalla fügt sich thematisch passend ein, wiederholt sich aber erstaunlich oft. Mit einem differenzierteren Score wäre eine kraftvollere Unterstützung des Dramas möglich gewesen, das trotz der Laufzeit nie lang erscheint.


Fazit:
Nicht nur am Äußeren von Jack und Ennis sieht man, wie sich die Mode und die Gesellschaft im Lauf der 20 Jahre wandelt, seit sie sich das erste Mal begegnet sind. Jacks bestimmtes Auftreten gegenüber seinem Schwiegervater, das ihm sogar die Achtung seiner Frau Lureen einbringt, verdeutlicht, dass sich die Homosexuellen von den alten Machos nicht weiter unterdrücken lassen. Doch bis zu einer Gleichstellung, beziehungsweise ihrer Anerkennung, ist es noch ein weiter Weg, der oftmals heute noch nicht abgeschlossen ist.
Brokeback Mountain ist eindringlich und eindrucksvoll gespielt und entfaltet in den ruhigen Momenten eine Mischung aus Melancholie und Frieden. Der Besetzung gelingt dank Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Michelle Williams und Anne Hathaway ein Kraftakt, der alle Höhen und Tiefen dieser komplexen Beziehungen einfängt. Sei es das zermürbende Martyrium für Alma, oder Lureens letztes Telefongespräch, das einem durch die Zweideutigkeit einen Schauer über den Rücken jagt. Ledger und Gyllenhaal entwickeln eine zerbrechliche Chemie, die durch Ennis' dezente Mimik umso mehr packt.
Das Drama basiert zwar nicht auf wahren Begebenheiten, doch beobachtet man, wie die Menschen heute homosexuellen Paaren oftmals gegenüber treten, würde es nicht wundern, wenn sich die Geschichte aus Brokeback Mountain tatsächlich einmal so abgespielt hat.


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