skip to content

Bridge of Spies: Der Unterhändler [2015]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Juli 2016
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: Bridge of Spies
Laufzeit: 142 min.
Produktionsland: USA / Deutschland / Indien
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Steven Spielberg
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Tom Hanks, Mark Rylance, Scott Shepherd, Amy Ryan, Austin Stowell, Dakin Matthews, Mikhail Gorevoy, Sebastian Koch, Jillian Lebling, Noah Schnapp, Eve Hewson, Alan Alda, Will Rogers, Michael Pemberton, Nadja Bobyleva


Kurzinhalt:

Im Jahr 1957 wird der Versicherungsanwalt James B. Donovan (Tom Hanks) angesprochen, den in Brooklyn wegen Spionage verhafteten russischen Rudolf Abel (Mark Rylance) zu verteidigen. Der Prozess soll stattfinden, um sicherzustellen, dass sich die Vereinigten Staaten an ihre Gesetze halten, auch wenn das Ergebnis an sich bereits feststeht. Während Donovan und seine Familie für sein öffentliches Einstehen für den Spion angefeindet werden, ändert sich die Situation, als der Militärpilot Francis Gary Powers (Austin Stowell) über der Sowjetunion abgeschossen wird. Auf inoffiziellen Kanälen wird ein Tausch vorgeschlagen, den Donovan in Ostberlin aushandeln soll. Dort spitzt sich die angespannte Lage im Kalten Krieg immer weiter zu, so dass plötzlich ein weiterer US-Bürger Teil des Tausches wird ...


Kritik:
In einer Zeit, in der so viele Nationen der Welt mit Situationen konfrontiert werden, die sie an ihren Grundfesten zweifeln lassen, präsentiert Filmemacher Steven Spielberg die wahre Geschichte eines Anwalts, der dafür, dass er getreu den Grundrechten der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika einen enttarnten russischen Spion verteidigte, offiziell angefeindet wurde. Bridge of Spies: Der Unterhändler ist ein Plädoyer, das heute so wichtig ist wie vor mehr als 50 Jahren, als die Geschehnisse sich zugetragen haben. Vielleicht sogar noch wichtiger.

Während des Kalten Krieges im Jahr 1957 wird der in Brooklyn lebende Rudolf Abel vom FBI verhaftet. Der Vorwurf lautet Spionage. Um nach außen hin den Schein eines fairen Prozesses zu wahren, wird ihm der Versicherungsanwalt James Donovan als Verteidiger zur Seite gestellt, der schnell feststellt, dass die angeblichen Beweise, die gegen Abel vorgebracht werden, ohne richterlichen Beschluss sichergestellt wurden und somit nicht verwertbar sind. So stolz die USA und ihre Bürger auf ihre Verfassung und ihre Zusätze sind, so schnell setzen sie sie hier außer Kraft, wenn ihnen die Regeln nicht genehm sind. Die bittere Realität, dass sie, um vermeintliche ihre Nation zu beschützen, ihre grundlegenden Werte verraten, wird sogar vom Obersten Gericht ignoriert.

Es ist eine Feststellung, die viele Anti-Kriegs-Filme treffen, dass man in einem Konflikt Gefahr läuft, die eigenen Ideale aus den Augen zu verlieren. Zu sehen, wie prägnant Steven Spielberg diese Erkenntnis auf den Kalten Krieg überträgt, sollte allen, die anderer Meinung sind, den Wind aus den Segeln nehmen. Bridge of Spies: Der Unterhändler nimmt sich viel Zeit, die grundsätzliche Situation aufzustellen und die Atmosphäre des Misstrauens in der amerikanischen Bevölkerung zu porträtieren. So viel, dass die zweite Filmhälfte beinahe davon losgelöst scheint, zumal nur beiläufig festgehalten wird, dass zwischen Abels Verurteilung und dem Titel gebenden Ereignis beinahe vier Jahre vergehen. Im Jahr 1960 wird der amerikanische Aufklärungspilot einer mit hochauflösenden Kameras ausgestatteten U-2 Maschine, Francis Powers, abgeschossen und von den sowjetischen Behörden gefangen genommen. Um nicht den Eindruck einer offiziellen Regierungsbeteiligung zu erwecken, wird James Donovan kontaktiert und die Möglichkeit eines Gefangenenaustauschs in Aussicht gestellt.

Als wäre die Situation nicht bereits brisant genug, wurde der amerikanische Student Frederic Pryor in Ostberlin gefangen genommen. Auch die ostdeutschen Behörden stellen einen Austausch in Aussicht, sofern die USA die DDR als eigenständigen Staat anerkennen. So liegt es an Donovan, mit zwei Staaten, der Sowjetunion und der DDR, bezüglich eines Austauschs zu verhandeln in einer Zeit, in der die Spannungen zwischen Ost und West größer nicht hätten sein können. Filmemacher Spielberg lässt dafür Teile Berlins der 1960er Jahre entstehen, da die Verhandlungen in Ostberlin und der Austausch auf der Glienicker Brücke stattfinden sollen. Er zeigt Teile des Baus der Berliner Mauer und welches Schicksal viele ereilte, die sie zu überwinden versuchten. Es sind diese Momente, die Bridge of Spies: Der Unterhändler in einer Art bedrückend wirken lassen, dass man die vielen überraschend heiteren und lustigen Dialoge schnell vergisst.

Mit einem Gespür für Spannung, die sich aus der Situation heraus entwickelt und eine Bedeutung der jeweiligen Szenen, die nicht mit Worten zusätzlich erklärt wird, erzählt Steven Spielberg ein Kapitel jüngerer Geschichte, das gerade hierzulande eine besondere Bedeutung besitzt. Seine Aussagen darüber, dass man nur dann die eigenen Ideale bewahren kann, wenn man an seinen Grundwerten festhält, ist heute so wichtig wie damals und von einer hervorragenden Besetzung in nuancierten Darbietungen zum Leben erweckt. Das mag nicht so offensichtlich spannend sein, wie viele es sich erhoffen, aber es ist nichtsdestoweniger gelungen.


Fazit:
Der beeindruckende Detailgrad, mit dem Steven Spielberg die Geschichte eines unerwarteten und ungewöhnlichen Helden erzählt, der standhaft an dem festhält, was viele seiner Landsleute über Bord werfen wollten, um es vermeintlich zu beschützen, ist der offensichtlichste Aspekt der beinahe schon klassischen Agentengeschichte. Er richtet sich damit an ein aufmerksames Publikum, das bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen und mit der Weltgeschichte jener Zeit vertraut ist. Das wird bereits an Kleinigkeiten wie der unkommentierten Romanze zwischen seiner Tochter und seinem Assistenten zu Beginn deutlich, die einzig durch die Mimik und Gestik der Beteiligten offensichtlich wird.
Die Balance zwischen diesen leichten Szenen und den schwierigen wie denen an der Mauer oder dem Angriff auf Donovans Familie, gelingt Bridge of Spies: Der Unterhändler sehr gut. Wer dem Film vorwerfen wollte, dass er zu weitläufig die Hintergründe beschreibt und zu wenig konzentriert den Kern verfolgt, der verkennt die komplexen politischen Verstrickungen. Als ruhiges Thrillerdrama mit tollen und pointiert scharfen Dialogen ist das für ein entsprechendes Publikum überaus empfehlenswert und inhaltlich wichtig außerdem.    


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.