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Bloodline: Staffel 1 [2015]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. November 2015
Genre: Drama / Thriller / Krimi

Originaltitel: Bloodline: Season 1
Laufzeit: 694 min. in 13 Episoden
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Ed Bianchi, Johan Renck, Daniel Attias, Adam Bernstein, Simon Cellan Jones, Jean de Segonzac, Tate Donovan, Carl Franklin, Alex Graves, Todd A. Kessler, Michael Morris
Musik: Tony Morales, Edward Rogers
Darsteller: Kyle Chandler, Ben Mendelsohn, Linda Cardellini, Norbert Leo Butz, Sissy Spacek, Sam Shepard, Jacinda Barrett, Jamie McShane, Enrique Murciano, Chloë Sevigny, Katie Finneran, Taylor Rouviere, Brandon Larracuente, Glenn Morshower, Angela Winiewicz


Kurzinhalt:

Auf den Florida Keys ist die Familie Rayburn ein Begriff. Sie sind angesehen. Das Hotel von Robert (Sam Shepard) und Sally (Sissy Spacek) ist beliebt und erfolgreich und ihre Kinder haben etwas aus sich gemacht: John (Kyle Chandler) ist als Polizist respektiert, Meg (Linda Cardellini) eine bekannte Anwältin. Auch die Bootswerkstatt von Kevin (Norbert Leo Butz) hat einen guten Ruf. Nur ihr Sohn Danny (Ben Mendelsohn) wird nicht in einem Atemzug genannt. Als Danny kurz vor der Einweihung eines Piers, der den Namen der Rayburns tragen soll, nach Hause kommt, ahnen seine Geschwister, dass dies nicht ohne Folgen bleiben wird. Sie wissen nicht, welches Erdbeben der Familie – erneut – bevorsteht ...


Kritik:
Noch vor 20 Jahren stand das Fernsehen mit Shows, Dokumentationen und Serien für Unterhaltung und die große Leinwand für den Ort, an dem große Geschichten erzählt werden. Wer hätte gedacht, dass es angesichts der inhaltlich seichten Hollywoodproduktionen mit immensem Budget und den von Filmstars veredelten Serien heute genau umgedreht sein würde?
Vor 10 Jahren noch waren diese Serien an einer Hand abzuzählen und wurden von den großen US-Pay-TV-Sendern produziert. Heute entstehen viele davon bei Streaming-Anbietern wie Amazon, die ihre eigenen Inhalte verwirklichen. Die erste Staffel der von Netflix produzierten Serie Bloodline gehört dabei zu den besten Familiendramen, die seit langer, langer Zeit irgendwo zu sehen waren und beweist eindrucksvoll, dass man für großartige Unterhaltung nicht einmal die eigenen vier Wände verlassen muss.

Die Serienerschaffer Todd A., Glenn Kessler und Daniel Zelman erzählen in Bloodline von einer Familie, die scheinbar ein Leben im Paradies führt. Die Rayburns sind auf den Florida Keys zuhause und führen direkt am Strand ein erfolgreiches Familienhotel. Robert (Sam Shepard) ist der Patriarch, seine Frau Sally (Sissy Spacek) immer darum bemüht, alles im Gleichgewicht zu halten. John ist der Zweitgeborene und angesehener Polizist, seine Schwester Meg Anwältin, während ihr Bruder Kevin mit seinem Geschäft nicht so erfolgreich ist, wie er es gern wäre. Die Rayburns genießen einen guten Ruf, der ihnen vorauseilt – wäre da nicht der älteste Sohn Danny.
Das Bild einer scheinbar normalen Familie, in der jedes Mitglied seinen Platz hat, bietet für sich bereits genügend Zündstoff, doch zu sehen, wie auf Grund der Ereignisse diese Dynamik aufgebrochen wird und sich die Rollen verschieben, besitzt einen ganz speziellen Reiz.

Die erste Staffel von Bloodline erzählt davon was geschieht, nachdem Danny nach Hause kommt. Dass er guten Grund hat, seine Zelte in Miami abzubrechen, verrät er nicht und es dauert nicht lange, ehe er erneut in Schwierigkeiten steckt. Der von Kyle Chandler grandios und vielschichtig gespielte John umrahmt die meisten Episoden mit Kommentaren aus dem Off. Dass die mehr sind als eine rein künstlerische Entscheidung, erfährt man am Ende der Season. Schon die ersten Episoden stellen in einer Art Pro- und Epilog dar, was geschehen wird und sieht man darin, welche Tragödie sich entwickeln wird, dann ist es, als würde man eine Katastrophe beim Entstehen beobachten, ohne etwas dagegen unternehmen zu können.

In den 13 Episoden mit jeweils unterschiedlicher Laufzeit tauchen die Autoren tief in die Geschichte der Familie ein, skizzieren ein traumatisches Erlebnis, das vor vielen Jahren alles ins Rollen brachte und zeigen auf, was man bereit ist, für die Familie zu tun. Durch die Rahmengeschichte und die tatsächlichen Cliffhanger ist das spannender, als es sich zunächst anhört und auch wenn die ersten sechs Episoden die Geschichte langsam aufbauen, beginnt sich die Story doch immer schneller zu drehen.
Danny wird hierbei von Ben Mendelsohn mit einer preiswürdigen Darbietung zum Leben erweckt. Sieht man, wie er als schwarzes Schaf in die Familie zurückkehrt, sich bemüht und Anschluss sucht, fragt man sich in den ersten Folgen, wer seinem eigenen Bruder oder Sohn so etwas antun würde. Er scheint beinahe unbeholfen, als würde ihm die Rolle des ungeliebten Kindes aufgezwungen. Das ist, bis sich das Blatt wendet. Die Entwicklung seiner Figur ist so beängstigend wie brillant geschrieben und von Mendelsohn fantastisch verkörpert.

Auch der übrige Cast besticht durch hervorragende Darsteller, die alle einen Moment bekommen, in dem sie glänzen dürfen. All das vor einer Kulisse, die berauschender und betörender kaum sein könnte. Wie gerade in diesem Paradies das Schlechteste im Menschen entblättert wird, macht den Reiz von Bloodline aus.
Damit reiht sich die erste Staffel mühelos zu packenden Familiendramen wie Die Sopranos [1999-2007]. Aber wie schon bei der Netflix-Serie Daredevil [seit 2015] scheint es auch bei Bloodline nicht immer von Vorteil, dass sich die Macher nicht an die Programmplanung eines Fernsehsenders halten müssen. Von der längeren Laufzeit als die üblichen 45 Minuten profitieren sämtliche Episoden, doch in manchen hat man das Gefühl, als hätte es nicht geschadet ein paar Momente eher einen Schnitt anzusetzen. Aber das sind Kleinigkeiten, angesichts dessen, was allen Beteiligten hier gelungen ist.


Fazit:
Die tragischste Figur der ganzen Staffel ist die von Gastdarstellerin Chloë Sevigny verkörperte Chelsea. Sie ist die einzige, die gegen ihren Willen in die unmöglichen Situationen hineingedrängt wird. Alle anderen, sei es nun Danny oder John, handeln aus freien Stücken, so nobel ihre Motivation dahinter auch sein mag. Der Blick hinter die Fassade der ehrbaren Rayburn-Familie offenbart so viele alte und frische Wunden, dass die erste Staffel von Bloodline beinahe wie eine persönliche Chronik erscheint.
Von allen Beteiligten ausnahmslos packend und mitreißend gespielt – allen voran Kyle Chandler und Ben Mendelsohn –, besticht die erste Season durch ein hervorragendes Konzept, das Stück für Stück auf ein Finale hinarbeitet, das tatsächlich hält, was es verspricht. Handwerklich vielen Kinoproduktionen überlegen, ist das anspruchsvolle Thrillerdrama im Serienformat das Beste, was es diesbezüglich seit Ewigkeiten zu sehen gibt. Ein grandioses Event, dessen Sog man sich kaum entziehen kann.    


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