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Battlestar Galactica: "Götterdämmerung" [2009]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. November 2012
Genre: Science Fiction / Action / Drama

Originaltitel: Battlestar Galactica: Daybreak
Laufzeit: 138 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Michael Rymer
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Edward James Olmos, Mary McDonnell, Katee Sackhoff, Jamie Bamber, James Callis, Tricia Helfer, Grace Park, Michael Hogan, Aaron Douglas, Tahmoh Penikett, Michael Trucco, Kate Vernon, Dean Stockwell, Donnelly Rhodes, Rick Worthy, Rekha Sharma, Bodie Olmos, Leah Cairns, Colin Lawrence, Brad Dryborough


Kurzinhalt:

Die Galactica hat bei den letzten Kämpfen so viele Schäden davon getragen, dass es selbst den Reparaturcrews nicht gelingt, sie funktionsfähig zu halten. Darum entschließt Admiral Adama (Edward James Olmos), das Schiff aufzugeben und zum Wohl der übrigen Flotte zu demontieren. Doch ihn beschleicht das Gefühl, als habe er einen Fehler gemacht, eine Rettungsmission für die entführte Hera abzulehnen. Nachdem er Sam Anders (Michael Trucco) mit Kara Thrace (Katee Sackhoff) Hilfe befragt hat, ändert er seine Meinung. Während die Flotte an einen sicheren Ort springt, wird sich Adama dem Zylonen Cavil (Dean Stockwell) bei dessen Basis stellen. Diejenigen, die an Bord der Galactica geblieben sind, sind freiwillig dort und wissen um die schlechten Chancen.
Selbst Präsidentin Roslin (Mary McDonnell), die durch ihre Krankheit inzwischen so geschwächt ist, dass sie sich ohne Medikamente kaum aufrecht halten kann, begleitet die Mission. Lee Adama (Jamie Bamber) hat sein Amt aufgegeben und Gaius Baltar (James Callis) hat sich wie Caprica Six (Tricia Helfer) der Crew angeschlossen. Während der Angriff hohe Verluste fordert, machen sich Athena (Grace Park) und Helo (Tahmoh Penikett) auf die Suche nach ihrer Tochter. Saul Tigh (Michael Hogan), Ellen (Kate Vernon) und Chief Tyrol (Aaron Douglas) bleiben an Sams Seite – bis Karas Zeit gekommen ist, ihr Schicksal zu erfüllen ...


Kritik:
Nach nur vier Staffeln tritt der Kampfstern Galactica zu seinem letzten Gefecht an. Die Crew hat in dieser Zeit eine lange und beschwerliche Reise durchgemacht. Bei jedem Vorspann wurde man als Zuschauer auf die Zahl der überlebenden Menschen nach dem verheerenden Angriff der Zylonen aufmerksam gemacht. Eine Zahl, die stetig und besorgniserregend abnahm. In Götterdämmerung verknüpfen die Produzenten nun die meisten Handlungsstränge und finden trotz der Situation und der Verluste so etwas wie ein Happy End, auch wenn manche Geheimnisse nicht gelüftet werden. Doch während den Machern die Dreiteilung in eine Vorbereitung, einen letzten Angriff auf die Zylonen und den Epilog grundsätzlich gut gelingt, scheint er nicht ganz ausbalanciert. Umso schöner ist es, dass diejenigen Schlüsselfiguren, die es bis hierher geschafft haben, alle einen Abschiedsmoment bekommen.

Eine der erschütterndsten Story-Arcs der vierten Staffel war der Zweiteiler Die Lunte brennt / Blut in der Waagschale, der auf erschreckende Art und Weise verdeutlichte, wie nah die Crew der Galactica an einer Meuterei stand. Und wie schwer es für die Menschen ist, zu verzeihen oder sich anzupassen. Gegen jene 90 Minuten verblassen die ersten beiden Teile von Götterdämmerung etwas, auch wenn sich Serienerfinder und Autor Ronald D. Moore mehr noch auf die Charaktere konzentriert. Er erzählt den ersten Teil in Rückblicken auf das Leben von William Adama und Saul Tigh, die lange vor dem Angriff der Zylonen über ihren Ruhestand nachdenken. Oder wie sich Kara und Lee zuerst begegnet sind. Wie sich Gaius Baltar zusammen mit Caprica Six um seinen Vater kümmert oder die spätere Präsidentin Roslin von einem schweren Schicksalsschlag getroffen wird. Zusammen mit Chief Galen Tyrol ist sie fraglos die tragischste Figur der Serie. Dies wird verwoben mit Vorbereitungen einer Rettungsmission für Athenas und Helos Tochter Hera. Ein letztes Gefecht für das Schlachtschiff Galactica, das kaum mehr weitere Sprünge überstehen wird.
Der zweite Teil bezieht sich auf das Gefecht mit Cavils Truppen selbst und löst dabei eine seit langem wiederkehrende Vision in einer gekonnten Weise auf. Die letzten 35 Minuten gehören den Charakteren, die man auf ihrem unvorstellbar schweren Weg begleitet hat und die nun an einem Scheideweg angekommen sind. Es ist ausgesprochen selten, dass sich eine Erzählung, sei es nun als Serie oder Film so viel Zeit für einen Abschied nimmt. Man könnte beinahe sagen, es wäre zu viel Zeit. Dass Moore das Schicksal mancher Figuren ungewiss lässt und einige Erklärungen verschweigt, auf die Stammzuschauer zweifellos gewartet haben, lässt einerseits Raum für Spekulation, andererseits wären manche Dinge einfach nicht erklärbar gewesen.

Wie Götterdämmerung die Hintergrundgeschichte um die auf der Flucht befindlichen Menschen zum Abschluss bringt, ist ein mutiger Schritt. Die Darsteller danken dies wie bereits während der vergangenen fünf Jahre mit einem Spiel, das insbesondere in dem Genre wegweisend ist. Getragen und melancholisch akzeptieren sie ihr Schicksal und haderten mit ihren Entscheidungen, die sie in ihrem Wesen grundlegend veränderten. Battlestar Galactica entwickelte seine Protagonisten nie in eine einfache Richtung, aber die Serie hat sie nie so sehr entfremdet, dass man ihnen nicht mehr folgen wollte. Die Offenbarung der letzten fünf Zylonen in der Flotte der Menschen am Ende der dritten Staffel stellt hierbei keine Ausnahme dar.

Sieht man sich das etwas mehr als zwei Stunden dauernde Finale an, mag man kaum glauben, dass es sich hierbei um eine Fernsehserie handelt. Die Trickeffekte sind schlichtweg beeindruckend, die Kulissen, die zu Beginn von Götterdämmerung, da die Galactica für die Flotte aufgegeben und demontiert wird, makellos und realistisch abgelebt und der Erzählrahmen anmutig episch. Die Konzentrierung auf religiöse Themen mag vielen Zuschauern, die geradlinige Science Fiction erwartet haben, wie ein übler Beigeschmack vorgekommen sein, doch sieht man sich das Kernelement der Serie an – wie der technologische Fortschritt ohne moralische (oder ethische) Fesseln ins Gegenteil verkehrt werden kann –, sind diese Themen nicht wegzudenken.
Als Abschluss für die Reise der Galactica und ihrer Crew ist Götterdämmerung ein würdiges Schlusskapitel, das aber sowohl auf Grund der fehlenden Erklärungen in manchen Bereichen, als auch in Bezug auf den sehr langen Epilog nicht bei allen Fans Anklang finden dürfte.


Fazit:
Jede Geschichte wird ebenso von ihrem Anfang wie von ihrem Ende geprägt. Was dazwischen geschieht, behält man in aller Regel weit weniger gut in Erinnerung. Nachdem Battlestar Galactica als Serie an Fahrt aufgenommen hatte, entwickelte sie ein Momentum, dem man sich kaum entziehen konnte. Einen packenden und ebenso tragischen Höhepunkt fand sie zu Beginn und in der Mitte der vierten Staffel. Dagegen scheint das Finale, Götterdämmerung, etwas an Boden zu verlieren. Beinahe, als würde der Crew die Kraft fehlen und als wäre die Mission der Galactica, die Zylonen zu stellen, ein letztes Aufbäumen. Es ist eine Stimmung, die angesichts der vergangenen fünf Jahre umso passender ist.
Nach einem gelungenen Spannungsaufbau, bei welchem einem gleichzeitig neue Aspekte der Figuren nahegebracht werden, einem actionreichen und ausgezeichneten Mittelteil, erwartet die Zuschauer ein Epilog, der sich viel Zeit für die Figuren nimmt und in den letzten Minuten den Kern der Serie zum Ausdruck bringt. Das mag für manche zu lang erscheinen, aber es ist ein ehrwürdiger und angemessener Abschluss für eine außergewöhnliche und phantastisch gespielte Science Fiction-Serie, die durch ihre düstere Erzählweise und die dichte Atmosphäre Fernsehgeschichte geschrieben hat. Und das trotz oder gerade auf Grund der Vorurteile, dass sie "nur" eine Neuerzählung darstellte.


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