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Auf der Jagd [1998]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Juni 2016
Genre: Thriller / Action / Krimi

Originaltitel: U.S. Marshals
Laufzeit: 131 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1998
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Stuart Baird
Musik: Jerry Goldsmith
Darsteller: Tommy Lee Jones, Wesley Snipes, Robert Downey Jr. , Joe Pantoliano, Daniel Roebuck, Tom Wood, LaTanya Richardson Jackson, Irène Jacob, Kate Nelligan, Patrick Malahide, Rick Snyder, Michael Paul Chan, Johnny Lee Davenport


Kurzinhalt:

Nach einem Autounfall wird der Abschleppwagenfahrer Mark Warren (Wesley Snipes) verhaftet – seine Fingerabdrücke seien bei einem Doppelmord vor einigen Monaten sichergestellt worden. Als das Gefangenentransportflugzeug mit ihm abstürzt, ergreift Mark die Flucht. Mit an Bord war auch Marshal Sam Gerard (Tommy Lee Jones), der sich zusammen mit seinem Team daranmacht, Mark zu fassen. Ihnen wird vom Secret Service Special Agent Royce (Robert Downey Jr.) zur Seite gestellt, dessen Kollegen von Mark ermordet worden sein sollen. Doch Gerard muss feststellen, dass die Geschichte, die man ihm und seinen Leuten erzählt, nicht die ganze Wahrheit ist ...


Kritik:
Stand heute hat der gefeierte Darsteller (und Regisseur) Tommy Lee Jones seinen einzigen Oscar für seine Darbietung als zielstrebiger U.S. Marshal in Auf der Flucht [1993] erhalten. In Stuart Bairds Auf der Jagd schlüpft er erneut in die Rolle, die er so unvergleichlich geprägt hat. Obwohl der Thriller großteils eine Nacherzählung des erstgenannten darstellt, verbirgt sich dahinter gelungenes Actionkino mit einer gut aufgelegten Besetzung und einigen immens temporeichen Momenten.

Chief Deputy Marshal Sam Gerard wird nach einer skandalträchtig durchgeführten Verhaftung von seiner Vorgesetzten dazu gezwungen, einen Gefangenen-Flug zu begleiten. Mit an Bord ist der nach einem Unfall in Gewahrsam genommene Mark Roberts. Als die Maschine abstürzt, ergreift Mark die Flucht und Gerard nimmt mit seinem Team die Verfolgung auf.
Das würde gar nicht so sehr nach einem Remake von Auf der Flucht klingen, wenn Mark nicht in eine Verschwörung verwickelt wäre und viel mehr hinter dem steckt, was Gerard aufdecken muss. Seinem Team zur Seite gestellt ist der von Robert Downey Jr. ohne großes Engagement verkörperte Special Agent Royce.

Beginnt die Jagd auf den Flüchtigen, kann Regisseur Stuart Baird, dem mit Einsame Entscheidung [1996] ein sehenswerter Regieeinstand gelungen ist, seine Stärken ausspielen: Sei es bei der Jagd durch den Sumpf oder der Sequenz auf dem Friedhof, die zahlreichen Figuren von Auf der Jagd werden mit Bedacht an die richtigen Positionen gebracht, um dann Stück für Stück zusammengeführt zu werden. Dabei legt der Filmemacher Wert darauf, dass man auch örtlich einen Überblick bekommt, wo sich wer aufhält. Das macht es einfacher, bei den ständigen Verfolgungsjagden zu Boot, zu Fuß oder im Auto den Überblick zu behalten.

Inhaltlich wiederholt der Thriller viele Stationen, die der Vorgängerfilm bereits prominent in Szene gesetzt hat, selbst wenn es für Kenner schön ist zu sehen, dass sogar die benutzten Bürogebäude der Marshals dieselben sind. Zahlreiche Nebenfiguren tauchen wieder auf und Gerards Team ist komplett wieder mit vertreten. Doch statt die Marshals einen flüchtigen, gefährlichen Verbrecher jagen zu lassen, nimmt das Skript den (vorhersehbaren) Umweg, diesen wieder gegen ein Komplott ankämpfen zu lassen. So wundert es nicht, dass durch die recht komplexe Hintergrundstory Auf der Jagd knapp 20 Minuten länger ist, als ihm guttun würde. Auch erwarten den Zuseher beim Finale einige Wendungen mehr, als die Geschichte verträgt.

Gleichzeitig muss man mit dem zeitlichen Abstand allerdings festhalten, dass Filme wie dieser heute nicht mehr gemacht werden. Ein Actionthriller mit namhafter Besetzung, der keine Comicverfilmung darstellt und bei dem es nicht um die Rettung der Welt geht, scheint für viele Studios nicht mehr aufwändig genug zu sein. Dabei kann man den Beteiligten insbesondere zu den beeindruckenden Stunts nur gratulieren – der Sprung vom Hochhaus ist schon deshalb atemberaubend, weil er nicht per Trick entstand, sondern tatsächlich durchgeführt wurde.

Zugegeben, die Figuren sind nach wie vor ausbaufähig, auch wenn die ersten Einblicke in Sam Gerards Privatleben genug Diskussionsstoff für weitere Spekulationen bieten. Und ja, die Story kopiert zu sehr den vorigen Film, anstatt auf eigenen Beinen stehen zu wollen. Doch dank der mitunter amüsant dargebrachten, bissigen Dialoge und der tadellosen Inszenierung gelingt Auf der Jagd mehr, als vielen anderen Genrevertretern.


Fazit:
Mit einer anderen Besetzung wäre Stuart Bairds Auf der Jagd kaum vorstellbar. Als rauer und brillanter Ermittler trifft Tommy Lee Jones wie zuvor genau den richtigen Ton, selbst wenn die meisten lockeren Kommentare sein Team zum Besten gibt. Ihnen steht ein bemühter Wesley Snipes entgegen, der im Gegensatz zu Harrison Ford schon deshalb den Kürzeren zieht, weil seine Figur nicht unerfahren oder unterlegen ist. Mit ihm mitzufiebern fällt deshalb merklich schwerer.
Handwerklich beweist der Regisseur einmal mehr, dass er die Actionmomente lange und geschickt vorbereitetet, ehe er das Tempo merklich anzieht und die Spannung in einem Feuerwerk entlädt. Das ist immer noch packend mit anzusehen und so viel greifbarer als Vieles, was heutzutage im Kino zu sehen ist. Gegen Auf der Flucht kann der Thriller nur verlieren, doch das geht den allermeisten so. Als ein actionreicher Unterhaltungsfilm ist er dagegen tadellos gelungen.    


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