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American Sniper [2014]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Januar 2016
Genre: Drama / Kriegsfilm

Originaltitel: American Sniper
Laufzeit: 133 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Clint Eastwood
Musik: Joseph S. DeBeasi
Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Luke Grimes, Jake McDorman, Keir O'Donnell, Sammy Sheik, Kyle Gallner, Mido Hamada, Navid Negahban, Ben Reed, Elise Robertson, Kevin Lacz


Kurzinhalt:

Nachdem er erkennt, dass seine geplante Rodeo-Karriere endgültig vor dem Aus steht, beschließt Chris Kyle (Bradley Cooper), zum Militär zu gehen. Er absolviert die Ausbildung der Navy SEALs und trifft auf seine zukünftige Frau Taya (Sienna Miller). Doch dann stürzen die Twin Towers ein und Kyle geht als Scharfschütze seiner Einheit in den Irak. Schon aus der ersten Tour, in der er mehr Abschüsse vorzuweisen hat, als irgendein anderer Sniper, kehrt er verändert zurück. Doch er geht erneut, zumal es auf gegnerischer Seite einen Schützen gibt, der ebenso "talentiert" ist wie er ...


Kritik:
Mit über 80 Jahren porträtiert Filmemacher Clint Eastwood in American Sniper den Werdegang des mehr als ein Dutzend Mal ausgezeichneten Scharfschützen Chris Kyle, dem in seinen 10 Jahren beim Militär und während seiner Zeit als U.S. Navy SEAL im zweiten Irak-Krieg mehr als 160 tödliche Schüsse zugeschrieben werden. Aber auch wenn Kyle im Film immer wieder als Held bezeichnet wird, Eastwood gelingt es, einen Blick dahinter zu werfen und er entblättert, was der Krieg mit allen Beteiligten, auch mit Helden, anrichtet.

Autor George R. R. Martin wird mit der Aussage zitiert "Niemand ist der Bösewicht seiner eigenen Geschichte. Wir sind alle die Helden unserer eigenen Geschichten." Es ist eine Feststellung, die auf Kyle ebenso zutrifft wie auf den Mann, den er im Film jahrelang gejagt hat.
Eastwood beginnt mit einer Einstellung, die Kyles ersten Einsatz widerspiegelt und springt dann zurück, um zu erzählen, wie er dorthin gekommen ist. Nachdem er seine Rodeo-Karriere nach einer Verletzung aufgeben musste, zog es den gebürtigen Texaner ins Militär. Obwohl er älter war als viele seiner Kameraden, absolvierte er die Ausbildung zum Navy SEAL, eine der forderndsten. Sieht man ihn, wie er später in den Ruinen der zerbombten Städte liegt, Ausschau nach bewaffneten Gegnern hält, die seine Kameraden bedrohen, dann ist es, als hätte er endlich seine Bestimmung gefunden.

Regisseur Eastwood zeigt während Kyles ersten Einsatzes, was es den Soldaten abverlangt, als Scharfschütze stundenlang auf der Lauer zu liegen, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen und innerhalb von Sekunden Entscheidungen zu treffen, die über Leben und Tod entscheiden. Er tut dies, ohne zu urteilen, oder zu bewerten. Entscheidet sich Kyle, eine Mutter und ihr Kind ins Visier zu nehmen, dann zeigt der Filmemacher dies, ohne den Schützen als Held zu glorifizieren, oder ihn zu verdammen. Es ist vielmehr beängstigend zu sehen, wie gefasst Chris Kyle seine Abschüsse verarbeitet, dass es ihm gelingt, es als "Job" einzuordnen und sich allein auf die Menschenleben zu konzentrieren, die er beschützen soll, anstatt auch diejenigen mit einzubeziehen, die er beendet.

Kommt spät im Film dieselbe Situation erneut, mit dem Unterschied, dass Kyle selbst Vater geworden ist, erkennt man, wie sehr Bradley Cooper in der Rolle aufgeht. Seine Verwandlung zum American Sniper ist so umfassend und großartig, dass man es kaum glauben mag. Kehrt Chris zwischen den Touren zu seiner Familie zurück, findet er sich in dem normalen Leben kaum zurecht.
Vier Einsätze absolvierte Kyle in seiner aktiven Zeit, insgesamt mehr als drei Jahre. An ihm und den übrigen Soldaten, mit denen er in der Heimat Kontakt aufnimmt, zu sehen, wie traumatisiert sie hiervon sind, ohne, dass dies mitunter körperlich zu sehen ist, ist erschütternd und bewegend. Dass der Film außerdem die andere Seite beleuchtet und mit dem Scharfschützen Mustafa jemanden vorstellt, der durch den Krieg ebenfalls aus seinem alten Leben gerissen wurde, ist ihm hoch anzurechnen.

Filmemacher Clint Eastwood versetzt den Zuschauer an die Seite von Kyle und seinen Kameraden in einem Kriegsgebiet, dessen Schrecken er zwar nur grob umreißt, aber deren Auswirkungen er spürbar macht. Das ist anstrengend und nichts für schwache Nerven. Es ist aber selbst in den eigentlich chaotischen Situationen so übersichtlich und mit Bedacht gefilmt, dass sich Regisseure, die auf Wackeloptik setzen, um Realismus zu erzeugen, eine Scheibe abschneiden sollten. American Sniper gehört zu den besten Filmen des Altmeisters und ist ein wichtiges Porträt, das man all denjenigen vor Augen halten sollte, die glauben, dass in Kriegen Menschen zu Helden werden. In Wirklichkeit werden sie durch sie nur gebrochen.


Fazit:
Großartig gespielt und packend inszeniert zählt American Sniper zu den besten Antikriegsfilmen, die sich den zweiten Irak-Krieg zum Thema nehmen. Antikriegsfilm deshalb, weil Eastwood in der zweiten Filmhälfte ins Auge fasst, was Chris Kyle auf den verheerenden Schlachtfeldern verliert und dass es ihm nicht gelingt, in der Zeit in der Heimat zu seiner Familie zurückzukehren. Das ist nicht einfach mit anzusehen und zugegebenermaßen macht es sich der Film mit dem spiegelbildlichen Scharfschützen Mustafa einfach, Kyles Gegner zu beleuchten.
Überdies verliert die Geschichte Kyles Bruder aus den Augen und Clint Eastwood trifft hier keine Aussagen, die es nicht in anderen Filmen zur selben Thematik nicht schon gegeben hätte. Aber er tut dies auf mitreißende und in Bezug auf die Charaktere schonungslose Art und Weise, dass man sich dem nicht entziehen kann. Bradley Cooper zeigt seine vielleicht beste Darbietung bislang – und das will etwas heißen.    


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