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Aliens vs. Predator 2 (Extended Version) [2007]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 07. Mai 2008
Genre: Science Fiction / Action / Horror

Originaltitel: AVPR: Aliens vs Predator - Requiem
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: keine Jugendfreigabe

Regie: Colin & Greg Strause
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Steven Pasquale, Reiko Aylesworth, John Ortiz, Johnny Lewis, Ariel Gade, Kristen Hager, Sam Trammell, Robert Joy, David Paetkau, Tom Woodruff Jr., Ian Whyte, Chelah Horsdal


Kurzinhalt:
Unmittelbar, nachdem das Raumschiff der außerirdischen Predatorenrasse die Erde verlassen hat, geschieht an Bord ein Unglück und das Schiff stürzt zur Erde zurück. Bei dem Aufprall in einem Wald nahe einer Kleinstadt werden die an Bord befindlichen Behälter der Aliens zerbrochen. Zwei Jäger fallen den außerirdischen Wesen zuerst zum Opfer, ehe sich wenig später die Aliens wie eine Epidemie über die Kleinstadt ausbreiten.
Sheriff Morales (John Ortiz) ist mit der Situation überfordert, und auch der gerade aus der Haft entlassene Dallas Howard (Steven Pasquale) weiß nicht, wie er den unbekannten Wesen Herr werden soll. Sein Bruder Ricky (Johnny Lewis) schwebt dabei ebenso in Gefahr wie die kleine Tochter Molly (Ariel Gade) der jüngst vom Militärdienst zurück gekommenen Kelly O'Brien (Reiko Aylesworth).
Aus der Stadt zu fliehen scheint kaum möglich – und als das Militär von der "Kontamination" erfährt, denkt man zuerst an Schadensbegrenzung. Doch ein einzelner Predator (Ian Whyte) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Aliens aufzuhalten – dabei ist er ihnen nicht nur zahlenmäßig unterlegen ...


Kritik:
Es ist an sich die Tragik eines jeden Unterhalters der heutigen Zeit, dass man in geschriebener Form auf mehrere Tausend Jahre bisher veröffentlichter Werke aufbaut – nach so lange Zeit neue Ideen zu finden, Bekanntem ein neues Flair zu vermitteln oder die Leserschaft zu überraschen, ist kaum möglich. Im Medium Film spiegelt sich die gleiche Problematik wider. Insbesondere, wenn man wie im Falle von Aliens vs. Predator 2 gleich auf zwei bekannten Filmreihen aufbaut, die gemeinsam seit knapp 30 Jahren Filmfans das Fürchten lehren. Neues sucht man darum vergebens in dem von selbst ernannten Fans umgesetzten Projekt. Vielmehr scheinen viele Momente wie eine Hommage an die berühmten Alien-, beziehungsweise die zwei Predator-Filme.
Ein Hommage allein rechtfertigt grundsätzlich kein Budget in Höhe dessen, was für Colin und Greg Strauses Science Fiction-Horror notwendig war – über die genaue Höhe schweigt sich das Studio im übrigen aus. Ein Mantel des Schweigens wäre bei Aliens vs. Predator 2 vielleicht grundsätzlich angebracht, auch wenn es viel einfacher wäre, solche Filme zu hassen, wenn sie durch und durch schlecht wären. Aber wie so manch blinde Henne, findet auch das Drehbuch das ein oder andere Korn.

Verfasst von Shane Salerno, der bislang Ideen oder Drehbuchteile zu Filmen wie Shaft - Noch Fragen? [2000] oder Armageddon - Das jüngste Gericht [1998], beisteuerte, mangelt es dem Film an einem nicht: Opfer der beiden außerirdischen Spezies, in deren Konflikt die Menschen einmal mehr zufällig hinein geraten, gibt es zuhauf. Und auch Action bietet der Film genügend, insbesondere, wenn man bedenkt, dass den Machern mit Sicherheit nicht viel Geld zur Verfügung stand.
Doch kann Salerno den bekannten Monstern keine neuen Attribute abgewinnen; neue Waffen hat der Predator zu bieten, und die vielen Aliens, die eine Kleinstadt überrennen, bieten einen Anblick, den man so zuvor nicht gekannt hatte. Doch als Fan der Filmreihen weiß man genau, wie beide Monster funktionieren, was sie antreibt, wie sie sich verhalten, und worauf eine jede Szene in Aliens vs. Predator 2 hinausläuft.
Doch statt dies durch vielschichtige Figuren, ein bedrohliches Setting oder gar die Angst vor eine epidemieartigen Ausbreitung der Aliens wieder wettzumachen, dem Zuschauer eine Anlaufstelle zu bieten, um mit den Figuren mitzufiebern, setzen die Macher auf einen noch höheren Gewaltgrat, auf Splattereffekte und Gore. Die waren insbesondere bei den Predator-Filmen bereits vorhanden, doch bislang nicht in dem Maße dazu genutzt worden, ein Publikum anzusprechen, das sich ausschließlich an ihnen ergötzt.
Dabei verabschiedet sich das Drehbuch schon früh von allen moralischen Grundsätzen, an die sich renommierte Studios an sich immer gehalten haben, und die Regisseure wie James Cameron (Aliens – Die Rückkehr [1986]) selbst immer geachtet haben. Er verzichtete schon in Terminator 2 - Tag der Abrechnung [1991] darauf, die Kindfigur eine Waffe abfeuern zu lassen. Wenn jedoch wie in Aliens vs. Predator 2 bereits in den ersten 10 Minuten ein Kind vor der Kamera getötet wird – jedoch erst, nachdem es mit ansehen musste, wie sein Vater erst schwer verwundet wurde und anschließend qualvoll stirbt –, kann schon erahnen, dass dies nicht der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit gewesen ist. Und in der Tat, an widerlichen, menschenverachtenden Ideen hat der Film noch Einiges zu bieten.
Es gibt an sich ein paar Grundregeln, die in einem Unterhaltungsfilm nicht verletzte werden sollten. Dazu gehört zum einen die Gewalt gegen Kinder. Aber auch gegen Behinderte, kranke oder alte Menschen. Vor allem jedoch gegen junge Mütter und ihre Kleinkinder, beziehungsweise gegen Schwangere. Weswegen genau dieses jedoch in Aliens vs. Predator 2 mehrmals explizit gezeigt werden muss, um ein degeneriertes, Menschen verachtendes Publikum zufrieden zu stellen, ist schleierhaft. Ganz ohne Zweifel sind diese Dinge in den bisherigen Geschichten um die Aliens ebenfalls geschehen, doch verzichteten die Macher damals darauf, den Zuschauern so etwas als "unterhaltsam" und auf eine perverse Art "lustig" vorstellen zu wollen. Es scheint beinahe, dass wenn die Drehbücher nicht mehr in der Lage sind, Klischees zu vermeiden, man stattdessen mit Tabus brechen möchte – als wäre dies ein und dasselbe.
Weswegen ein solches Drehbuch überhaupt vom Produzenten, beziehungsweise vom Studio genehmigt wird, steht in den Sternen; spätestens bei den ersten Testvorführungen hätte es aber auffallen müssen, dass durch diese Darstellungsweise die einst renommierten Filmreihen in den Schmutz gezogen und mit Genrekollegen wie Hostel [2005] oder The Hills have Eyes - Hügel der blutigen Augen [2006] verglichen werden können. Dass das Drehbuch zudem keinerlei interessante Charaktere vorweist, dümmliche Dialoge beinhaltet und auf die Szenen gesehen überhaupt keine neuen Einfälle vorweisen kann, sei nur kurz erwähnt. Immerhin wird der Heimatplanet des Predators kurz gezeigt, auch wenn von der Mythologie um die grotesken Jäger nichts Neues zu erfahren ist.
Die Drehbuchvorlage an sich wirkt wie eine Mischung aus bekannten Versatzstücken und unnötig brutalen neuen Elementen – dass dabei keine Spannung aufkommt, überrascht nicht.

Die Darsteller sind mitunter bekannten Serien entliehen, wirken jedoch allesamt hoffnungslos unterfordert; angefangen von einem charismalosen Steven Pasquale, einer eher mauen Ripley-Kopie durch Reiko Aylesworth oder aber Johnny Lewis, zu dessen Hintergrund nicht einmal ein Wort verloren wird.
Da scheint auch John Ortiz als Sheriff farblos und Kristen Hager so eindimensional wie eine Plakatwerbung. Die einzig überzeugende Darstellerin ist Ariel Gade, die als Molly O'Brien nicht viel zu tun hat, außer die Augen aufzureißen und laut zu schreien.
Auch die übrige Besetzung vermag nicht so recht zu überzeugen, obgleich dies nicht an den Darstellern an sich liegt, sondern vielmehr daran, dass sie alle Rolle spielen müssen, die ferner der Realität kaum sein könnten.

Handwerklich gibt es dagegen kaum etwas zu bemängeln, gleichwohl die Regisseure Colin und Greg Strause mit den vielen Handkameraaufnahmen schon erahnen lassen, dass eine eventuelle Fortsetzung im Stile von Cloverfield [2008] gedreht werden könnte. Kamera und Schnitt bringen immerhin die Sets gut zur Geltung und scheinen auch Gefallen an der ein oder anderen Storyidee gefunden zu haben, die grundsätzlich gut umgesetzt wird.
Doch bewahrt das die Inszenierung nicht davor, die Szenen genretypisch aufzubauen, beziehungsweise nach bekannten Klischees zu suchen, um diese auch zu erfüllen. Wirklich spannend ist Aliens vs. Predator 2 nie, dafür meistens zu dunkel und mit den forcierten natürlichen Lichtquellen so spärlich ausgeleuchtet, dass man sich sehnsüchtig an Aliens, beziehungsweise Predator [1987] zurückerinnert, wo die außerirdischen Figuren wenigstens in ausgeleuchteten dunklen Arealen zur Geltung kamen.
Überraschend hochwertig sind die Spezialeffekte ausgefallen; sowohl die digitalen Tricks, wie auch die Maskenarbeiten können durch die Bank überzeugen, auch wenn der lange Zeit ersehnte Predalien zu wenig gezeigt wird, um das Design begutachten zu können (wenn man nicht ausführlichen Gebrauch von der Pause-Taste macht).

Komponist Brian Tyler ist merklich darum bemüht, die Musik den bekannten Themen der Filmreihen anzugleichen, instrumentiert dabei insbesondere wie James Horner, verwendet jedoch die Themen zu Predator und Alien in ausgewogenen Teilen. Auch hier sucht man neue Impulse vergebens und die Frage bleibt, weswegen nicht einfach Alan Silvestri verpflichtet wurde, der Reihe ein musikalisches Gewand zu verleihen.
Doch darf Tylers Score ohne Frage zu den Höhepunkten von Aliens vs. Predator 2 gezählt werden und ist für Sammler ohne weiteres interessant. Mit einer Lauflänge von 77 Minuten bietet die erhältliche Soundtrack-CD zudem sehr vieles von dem, was im Film auch zu hören ist.

Das Budget hinter der Produktion hat offensichtlich ausgereicht, um den Film zumindest optisch in ein gutes Licht zu rücken. Weswegen die Verantwortlichen eine solche Geschichte allerdings filmisch umsetzen ließen, verstehe wer will. Abscheuliche Ideen, die – würden sie in den Nachrichten gezeigt – Ekel und Proteste hervorrufen würden, werden hier als Unterhaltungselement missbraucht. Bereits dafür sollten die Macher abgestraft werden.
Bedauerlicherweise hat AVPR, dem englischen Titel Aliens vs Predator – Requiem ist diese Abkürzung in der Tat voran gestellt, wohl noch genügend eingenommen, um eventuelle Fortsetzungen rechtfertigen zu können. Für welche Fans diese gemacht werden sollen, sei dahingestellt. Man kann nur hoffen, dass sich die Studios irgendwann auf ihr Erbe besinnen und nicht versuchen werden, mit jedem Müll Geld zu machen. Auch wenn dies leider viel zu oft tatsächlich funktioniert.


Fazit:
Welches Zielpublikum Aliens vs. Predator 2 ansprechen möchte, sieht man bereits an einigen Ekel erregenden, völlig unpassenden und Menschen verachtenden Einfällen, die hier als unterhaltsam präsentiert werden. Solch ein pervertierter Humor war weder bei der Alien-, noch der Predator-Reihe zu finden gewesen und zeigt auf traurige Weise, wie wenig die Produzenten von heute von den Filmfans von einst tatsächlich wissen.
Insofern kann man nicht einmal die an sich ganz gut umgesetzte Konfrontation der beiden Monster genießen; Kinder und Schwangere als "Kollateralschaden" zu verbuchen ist nicht nur unpassend, sondern schlicht geschmacklos. Die mäßige Spannung, durchschnittliche Darstellerleistungen und ebenso uninspirierte Inszenierung werden weder von einer guten musikalischen Begleitung, noch von einigen netten Einfällen oder den guten Effekten wieder ausgeglichen.
Kaum zu glauben, dass die mitunter 30, beziehungsweise 20 Jahre älteren Vorgängerfilme weder in Sachen Spezialeffekte, noch Überraschungen einzuholen sind. Und sie alle machen bedeutend mehr Spaß, als dieser Versuch, zwei einst erfolgreiche Filmreihen zu einer zu kombinieren – und sie dabei für eine andere Zuschauergruppe auszurichten.


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