skip to content

Achtung, fertig, Charlie! [2003]

Wertung: 1.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. Februar 2005
Genre: Komödie

Originaltitel: Achtung, fertig, Charlie!
Laufzeit: 88 min.
Produktionsland: Schweiz
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Mike Eschmann
Musik: Manuel Stagars
Darsteller: Michael Koch, Melanie Winiger, Myriam Aegerter, Marco Rima, Mike Müller, Martin Rapold, Max Rüdlinger, Nicolas Steiner, Kaya Inan, Lukas Frey, Pascal Nussbaumer, Jean Vocat


Kurzinhalt:
Sein eigener Hochzeitstag ist für Antonio Carrera (Michael Koch) der erste Tag vom Rest seines Lebens – doch das nicht wegen seiner Angetrauten Laura Moretti (Myriam Aegerter), sondern weil er noch vor dem Überstreifen des Rings von der Militärpolizei abgeholt wird. Grund: Versäumnis des Einberufungsbefehls.
So kommt Carrera im Hochzeitsfrack in der Kaserne der Füsiliere an und wird von seinem Vorgesetzten Korporal Weiss (Martin Rapold) erst einmal gehörig auf Vordermann gebracht. Trotz der anstrengenden Übungen hat Carrera aber nur ein Ziel: Umgehend zu seiner zukünftigen Braut zurückzukehren, immerhin ist die Verwandtschaft aus Sizilien noch da, und diese Damen und Herren können sehr ungemütlich werden.
Es ist Rekrut Weber (Kaya Inan), der Carrera einen Plan B unterbreitet, mit dem er schnellstens von der Kaserne fliegen kann: Die Rekrutin Michelle Bluntschi (Melanie Winiger) ist die uneheliche Tochter des Hauptmanns Reiker (Marco Rima). Sollte dieser Carrera und Bluntschi im Akt erwischen, wird er mit Sicherheit hochkantig hinausgeworfen, immerhin ist Sex strengstens verboten.
Je mehr Carrera sich anstrengt, mit Bluntschi zusammenzukommen, umso mehr Gefühle entwickelt er jedoch auch für sie – da stellt sich die Frage, ob er überhaupt noch von der Kaserne weg möchte.


Kritik:
Erfolgreich konnte die Schweiz 1919 ihre Neutralität etablieren und selbige wurde im Versailler Vertrag anerkannt. Allerdings war diese Politik gerade während des Zweiten Weltkriegs, den die Schweiz unbeschadet überstand, nicht unumstritten. Auch am Machtziehen im Kalten Krieg beteiligte man sich nicht. Auf einer Fläche von knapp 41.000 Quadratkilometern beherbergt das Land der standhaften Euro-Verweigerer etwa sieben Millionen Einwohner in 26 Kantonen. Als die Schweiz 1996 der NATO beitrat, wurde die Truppenstärke von etwa 360.000 Soldaten beibehalten. Die Wehrpflicht gestaltet sich dabei grundlegend anders, als beispielsweise in Deutschland. So sind zwar ebenfalls alle männlichen Schweizer Bürger verpflichtet, Wehrdienst zu leisten, dessen Dauer richtet sich jedoch nach der Funktion im Heer. So ist im Kalenderjahr des 20. Lebensjahres eine Grundausbildung zu absolvieren, die zwischen 18 und 21 Wochen dauert. Nach der Grundausbildung sind jährliche, dreiwöchige Wiederholungskurse zu besuchen. Diese Verpflichtung endet entweder mit Erreichen einer vom Dienstgrad abhängigen Zahl von Diensttagen (bei Gefreiten/Obergefreiten 260 Tage), oder einer Altersgrenze (das in diesem Fall bei 34 Jahren liegt).
Für die vermeintliche Militär-Komödie Achtung, fertig, Charlie! suchten die Filmemacher Unterstützung beim Schweizer Militär und bekamen diese sogar prompt geliefert. So wurde auf echten Stützpunkten gedreht und auch die Uniformen sind real. Als die Militär-Verantwortlichen dann den fertigen Film letztlich zu sehen bekamen, war die Empörung groß: Nicht nur, dass die Komödie das Militär selbst als inkompetent und unfreiwillig komisch hinstellt, der Grundwehrdienst verkommt hier zu einem nicht enden wollenden Gelage an Onanier- und Kiff-Orgien. So hatte die Schweiz im Herbst 2003 ihren Skandal und der Film kostenlose Publicity. Richtig erfolgreich war das Werk trotzdem (oder gerade deswegen) nicht, und obwohl im Ursprungsland bereits die DVD zu kaufen ist, soll Achtung, fertig, Charlie! im April diesen Jahres auch in unsere Kinos kommen.

Ob dies dann von mehr oder weniger Erfolg gekrönt sein wird, darf entweder bezweifelt oder befürchtet werden, denn selbst wenn der Film handwerklich nicht einmal schlecht geraten ist, bewegen sich die Macher inhaltlich noch eine ganze Etage unterhalb von American Pie [1999], den die Macher offensichtlich zu kopieren versuchten.
So gestaltet sich der Beginn in der Kirche noch mehr oder weniger unfreiwillig komisch, sobald Carrera dann aber gezwungen wird, in seinem Bräutigamsanzug mitzutrainieren und anschließend dem Hauptmann in den Schoß fällt, hört der Spaß schon fast wieder auf. Was bei M*A*S*H [1972-1983] und vielen späteren Militärkomödien wie zum Beispiel Mr. Bill [1994] trotz des Humors erhalten blieb, war die Ernsthaftigkeit der Ausbilder, die immerhin ihrer Pflicht nachzukommen versuchen, die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Was in Wirklichkeit mit einem Rekruten geschehen würde, der seinen Vorgesetzten beschimpft, Befehle missachtet oder betrunken beziehungsweise im Drogenrausch beim Dienst erwischt wird, möchte man sich gar nicht ausmalen.
In Achtung, fertig, Charlie! ist das Leben eine Achterbahnfahrt, der Dienst an der Waffe ein Witz auf Kosten derjenigen, die sich in den Dienst ihres Landes stellen. Respektlos, unglaubwürdig, überzogen und zotig – jeder zweite Witz (der im Übrigen mindestens drei Mal wiederholt wird) zielt entweder auf die große Manneskraft des Hauptdarstellers ab, oder zeigt masturbierende Soldaten in den dämlichsten Situationen. Die obligatorischen homosexuellen Beziehungen, die hier so platt wie eh und je aufgewärmt werden, dürfen dabei selbstverständlich genausowenig fehlen.
Das Ganze ist so unoriginell, so vorhersehbar und peinlich, und gleichzeitig noch so unglaublich langweilig, dass einem die 85 Minuten vorkommen, als habe man rein in Bezug auf die Zeit Vom Winde verweht [1939] zwei Mal hintereinander gesehen; wäre der Abspann nicht wenigstens angenehm kurz, so wäre auch der nicht viel besser.
Das Drehbuch von David Keller und Michael Sauter als ein solches zu bezeichnen, grenzt an maßlose Übertreibung und Arroganz gleichermaßen. Die Story um den Wettbewerb der Grenadiere ist noch der intelligenteste Einfall – und selbst dieser wird nur halbherzig verfolgt und unterdurchschnittlich durchgeführt.

Wer nun der Meinung ist, dass das Machwerk wenigstens mit den Darstellern punkten kann, wird ebenfalls enttäuscht.
Michael Koch hat zwar ein paar tatsächlich komische Stellen im Film, mimisch passt er sich allerdings dem Einheitsgrün der Militäruniformen an, wer da einzelne Gesichtszüge herauslesen will, muss sich schon ganz stark anstrengen.
Melanie Winiger, die Miss Schweiz von 1996, gibt optisch sicherlich eine gute Figur ab, schauspielerisch vermag sie ihrem Charakter aber nur einen einzigen Gesichtsausdruck zu verleihen, der die meiste Zeit sogar stimmig erscheint, in den letzten Szenen dagegen ziemlich fehlplatziert rüberkommt.
Über Myriam Aegerter, die auch den "Titelsong" zum Film einspielte ("Hie u jetzt") sollte man zu ihren Gunsten lieber kein Wort verlieren; das Gleiche gilt für Mike Müller als ihr Filmvater Paolo. Richtige Mafiosi würden angesichts solch unkomischer Leistungen ansich nicht einmal mehr aus Mitleid lachen können.
Dass Marco Rima grundsätzlich ein komödiantisches Talent besitzt, erkennt man an seiner Darbietung recht schnell. Schade, dass ihn das Drehbuch nicht unterstützt, es auch auszuspielen. Ähnlich sieht es mit Martin Rapold aus, der als Korporal Weiss durchaus für einige Lacher sorgt – wäre da nicht er peinliche Epilog, der all das beinahe vollständig untergräbt.
Die übrige Besetzung besteht eigentlich aus nicht unfähigen jungen Darstellern, aber keiner von ihnen hat wirklich etwas zu tun. Allenfalls Kaya Inan kommt etwas zum Zug, ist im Endeffekt jedoch trotzdem unterbeschäftigt.

Inszenatorisch gibt sich Regisseur Mike Eschmann im Prinzip solide, obgleich es bei der Schauspielführung offenkundig hapert. Die Bilder sind nicht schlecht eingefangen, stets natürlich ausgeleuchtet und recht gut geschnitten – einige interessante Kamera-Perspektiven gibt es außerdem noch zu bewundern.
Die verkrampfte Szenenaneinanderreihung ist wohl mehr dem Skript anzulasten, als dem Regisseur, und doch hätte man sich gerade beim finalen Wettstreit zwischen Füsilieren und Grenadieren einen richtigen Aufbau und eine spannendere Umsetzung gewünscht. Hier bestand die Gelegenheit zu beweisen, dass der Schweizer Film dem internationalen in nichts nachstehen muss – stattdessen reiht sich selbst der vermeintliche inhaltliche Höhepunkt des Films in die überraschungsfreie Gesellschaft der vor- und nachfolgenden Sequenzen ein.

Von Manuel Stagars Musik ist glücklicherweise nicht viel zu hören, dafür tönen in regelmäßigen Abständen – selbst zu den unpassendsten Momenten – Rock-Lieder aus dem Lautsprecher, allesamt geeignet für das Album zum Film, würde eine solche CD tatsächlich angeboten werden.
Die instrumentale Musik bewegt sich hingegen auf einer ganz anderen Stufe. Denn während die Rock-Stücke wenigstens einen Rhythmus aufweisen und dem Film Tempo verleihen, gelingt dies Komponist Manuel Stagars leider überhaupt nicht. Sein Mafiosi-Thema könnte aus einen x-beliebigen thematisch einschlägigen Film stammen und macht durch die billige Einspielung einen sehr kindlichen Eindruck. Der restliche Score wiederholt zwei Themen in wild gewürfelter Reihenfolge, ohne dass dies je bewusst auf eine Szene zugeschnitten wäre. Dies enttäuschend zu nennen, wäre schon zuviel des Guten.

Das Schweizer Militär distanzierte sich nach Veröffentlichung von Achtung, fertig, Charlie! und wenn man es genauer betrachtet, hätten das viele Beteiligte vielleicht ebenfalls tun sollen.
Zweifelsohne ist es möglich, eine witzige Militärkomödie zu produzieren, die Unterstützung war da, das handwerkliche Talent des Regisseurs ansich auch, und sogar mit ein paar der Darsteller hätte man arbeiten können.
Ohne eine vernünftiges Drehbuch, das viel zu sehr darauf aus ist, die amerikanischen Körperflüssigkeitskomödien-Vorbilder zu kopieren, anstatt sich mit intelligentem Humor ein eigenes Standbein aufzubauen, ist all das aber nicht zu realisieren. Bedenkt man zudem, dass das Werk als bester Beitrag für den Schweizer Filmpreis nominiert war, muss man darüber bedeutend mehr lachen, als über Achtung, fertig, Charlie! selbst.


Fazit:
Sind die wirklich langen knapp eineinhalb Stunden erst einmal überstanden, fragt man sich als Zuschauer, weswegen man nicht wie andere aus dem Publikum nach den ersten 20 Minuten den Saal verlassen hat. Zwar entpuppt sich Mike Eschmanns Kinofilm nicht unbedingt als schlechtester Streifen, der je über die Leinwand flimmerte, doch deswegen muss man dafür noch lange kein Geld ausgeben.
Handwerklich ist Achtung, fertig, Charlie! gar nicht mal so schlecht umgesetzt, allerdings vollkommen unspannend und langweilig. Und wäre nicht die gut aussehende Melanie Winiger, würde der Cast sicherlich einen bedeutend schlechteren Eindruck hinterlassen. Darüber hinaus stützt das krude zusammengeschusterte, konzept- und witzlose Drehbuch den Film nicht genügend, um die Werbekampagne zu rechtfertigen.
"Pyramidale" Schläge unter die Gürtellinie gibt es zuhauf und es ist durchaus richtig, dass man mit viel Geduld leidlich unterhalten wird – gut unterhalten wird man aber zweifelsohne auch nicht. Und in diesem Zustand schrammt der Film am Ehrentitel "Rohrkrepierer" nur äußerst knapp vorbei.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.