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A Most Violent Year [2014]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. März 2016
Genre: Drama / Krimi

Originaltitel: A Most Violent Year
Laufzeit: 125 min.
Produktionsland: USA / Vereinigte Arabische Emirate
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: J.C. Chandor
Musik: Alex Ebert
Darsteller: Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo, Elyes Gabel, Albert Brooks, Jimmy Palumbo, Alessandro Nivola, Christopher Abbott, Matthew Maher, Daisy Tahan, Taylor Richardson, Giselle Eisenberg, Ashley Williams


Kurzinhalt:

Abel Morales (Oscar Isaac) ist 1981 in New York City ein erfolgreicher Heizöllieferant. Seine Firma ist inzwischen groß genug geworden, dass sowohl Staatsanwalt Lawrence (David Oyelowo), der seit Jahren in der Branche wegen Betrug, Korruption und Steuerhinterziehung ermittelt, sie auswählt, als auch dass Morales' Konkurrenten seinen Fahrern auflauern und das Öl stehlen. Als Abel ein großes Grundstück entdeckt hat, mit dem er seinen Wachstumskurs fortsetzen könnte, nehmen die Übergriffe bedrohliche Ausmaße und auch seine Frau Anna (Jessica Chastain) und die Kinder werden bedroht. So sehr er sich auch bemüht, sauber und ehrlich zu bleiben, es scheint als müsste er sich mit ebenso schmutzigen Tricks zur Wehr setzen, wenn er seine Ziele erreichen will ...


Kritik:
J.C. Chandors
A Most Violent Year ist ein tadellos inszeniertes, großartig ausgestattetes Drama, das im Jahr 1981 in New York City angesiedelt ist. Es war das bis dahin gewalttätigste Jahr der Metropole, daher der Filmtitel. Aber so toll die Darsteller auch sind und so durchweg gelungen die handwerkliche Umsetzung, die Geschichte ist mit einer Bedächtigkeit erzählt, dass man lange Zeit vermuten würde, sie würde auf etwas ganz Anderes hinaus, nur um dann festzustellen, dass das Skript auch diesen Weg nicht gehen will.

Die Vorlage des Regisseurs erzählt die Story von Abel Morales, der sich als Heizöllieferant ein Geschäft aufgebaut hat. Es ist ein hartes Pflaster, die Konkurrenz ist groß und arbeitet mitunter auch mit nicht legalen Mitteln. Da seit Jahren der Verdacht der Korruption in der Branche im Raum steht, hat Staatsanwalt Lawrence Ermittlungen aufgenommen und sich Morales' Firma ausgesucht, um ein Exempel zu statuieren. Es klingt im ersten Moment, dass A Most Violent Year ein eher trockenes Justizdrama werden könnte, würden Morales' Fahrer nicht auf offener Straße überfallen und sein Öl gestohlen. Er und seine Familie, die gerade in ein größeres Anwesen gezogen sind, werden von bewaffneten Männern bedroht und ein großes Geschäft, das er zum Kauf eines Lagergrundstücks abgeschlossen hat, droht zu platzen, wenn er den notwendigen Kredit nicht bekommt.

Es geht um seine Existenz und hört man Abels Frau Anna, von deren Vater und Bruder er die Firma übernommen hatte und die gewillt ist, ihre Familie einzuschalten, um die Situation auf althergebrachte Weise zu klären, dann könnte sich A Most Violent Year in ein Gangsterdrama entwickeln.
Letztendlich bemüht sich Chandor um eine Charakterzeichnung von Abel Morales, der aus einer Einwandererfamilie stammt und den amerikanischen Traum verwirklichen möchte. Die Frage ist, wie lange und ob er seinem Prinzip der Ehrlichkeit treubleiben kann, oder ob seine Überzeugungen an der harten Realität zerbrechen.

Die familiären Verwicklungen, die Absprachen von Morales' Konkurrenten und die verbrecherischen Methoden der übrigen Lieferanten lassen in Hinblick auf das Geflecht, das sich abzeichnet, Parallelen zu James Clavells berühmten und Genre definierenden Familienepen Tai-Pan [1966] oder Noble House [1981] erkennen. Die komplexen Verwicklungen ziehen im Lauf der Geschichte immer engere Kreise und führen die Hauptfigur in immer größere moralische Bedrängnis. Auf Grund der Länge von J.C. Chandors Film sind die Hintergründe nur nie so weit vernetzt wie es das Dilemma der Figuren vermuten lässt und auch die Entwicklung, die die Geschichte nimmt, besitzt nie ein so großes emotionales Gewicht, dass es einen mitreißen würde. Oscar Isaac zeigt als Abel Morales eine tolle Darbietung und es wird auch deutlich, wie sehr der aufstrebende Geschäftsmann an seinen Überzeugungen festhält und wie ihn die Situation immer weiter in die Klippe treibt. In einigen Momenten scheint es auch so, als würde seine Frau Anna, tadellos verkörpert von Jessica Chastain, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln einen Abschluss der Geschäfte erzwingen wollen, doch aus dem Konfliktpotential schöpft der Film leider nur einmal und schiebt es dann beiseite.

Das Zeitkolorit ist hervorragend eingefangen und dank der durchweg überzeugenden Farbpalette auch optisch toll umgesetzt. Der Filmemacher findet Bilder, die die Situation der Figuren untereinander zum Ausdruck bringen und vermag auch seine Darsteller entsprechend zu fordern. Doch um Abel Morales durch A Most Violent Year folgen zu wollen, sollte sein Schicksal oder die Geschichte auch mitreißen. Das tut sie leider nicht.


Fazit:
Abels Kinder oder die Art und Weise, wie er sich um sie kümmert (interessante und an sich wichtige Momente sind nur als gelöschte Szenen auf der Heimvideoveröffentlichung vorhanden), werden kaum gezeigt. Man erfährt nicht, welche Merkmale ihn als privaten Menschen auszeichnen und wenn er vor den neuen Verkäufern seiner Firma von seinen Ansprüchen erzählt, dann klingt er selbst wie ein Vertreter – ob er dies selbst so sieht, kann man nur vermuten. A Most Violent Year lässt den Bezug zu den Figuren vermissen. Dafür gelingt Filmemacher J.C. Chandor eine zu oberflächliche Charakterstudie, die tadellos umgesetzt und mit einigen tollen Momenten und vielen erstklassigen Bildern versehen ist. Die Story erweckt eine Weitläufigkeit, die in den Verstrickungen jedoch nicht zum Vorschein kommt und so zieht sich die Geschichte in zwei langen Stunden merklich hin. Aus technischer Sicht ist das durchaus sehenswert, es nimmt einen nur nicht mit.    


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