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A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn [2001]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. März 2005
Genre: Drama

Originaltitel: A Beautiful Mind
Laufzeit: 133 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2001
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ron Howard
Musik: James Horner
Darsteller: Russell Crowe, Ed Harris, Jennifer Connelly, Christopher Plummer, Paul Bettany, Adam Goldberg, Josh Lucas, Anthony Rapp, Jason Gray-Stanford, Judd Hirsch


Kurzinhalt:
Als John Nash (Russell Crowe) 1947 mit einem Stipendium sein Studium an der Princeton University beginnt, ahnen die meisten, dass sich hinter dem introvertierten und verschlossenen Mann ein Genie verbirgt – und doch scheint er immer noch auf der Suche nach seiner großen Entdeckung. Erst seinem Zimmergenossen Charles (Paul Bettany) gelingt es, zu dem Mathematiker durchzudringen.
Doch als er später von Parcher (Ed Harris), einem Geheimdienstmitarbeiter, zur Kryptographie rekrutiert wird, ändert sich sein Leben rapide. Es geht nicht lange, bis Nash der Meinung ist, er würde von russischen Agenten verfolgt und seine Mission sei kompromittiert. So klammert sich Nash an seine Frau Alicia (Jennifer Connelly), ehe Dr. Rosen (Christopher Plummer) ihm unterstellt, er könne nicht unterscheiden, was real und was imaginär sei ...


Kritik:
Regisseur Ron Howard und Produzent Brian Grazer sind das, was man in Hollywood ein Dream-Team nennt. Seit Howards Nightshift - Das Leichenhaus flippt völlig aus [1982] arbeiten die beiden Filmemacher zusammen, und nach wenigen Ausnahmen war ab Eine Wahnsinnsfamilie [1989] jeder von Ron Howards Filmen eine Produktion von Brian Grazer. Dabei waren sie stets Garanten für erstklassige Unterhaltung, die zunehmend anspruchsvoller wurde. Sei es nun Backdraft - Männer, die durchs Feuer gehen [1991], In einem fernen Land [1992], Apollo 13 [1995] oder Kopfgeld - Einer wird bezahlen [1996]. Doch erst mit der Biografie-Verfilmung des Mathematikers und Nobelpreisträgers John Nash konnten sie sich eine Nominierung bei den begehrten Oscars sichern – und die Trophäe gleich mit nach Hause nehmen.
Dabei gibt es keinen Grund, weswegen man ihnen diesen Erfolg nicht gönnen sollte: mit A Beautiful Mind erschufen sie ein herausragend gespieltes, und perfekt getimetes Drama, dem man allenfalls trotz der emotionalen Szenen eine Unterkühltheit zusprechen kann, die jedoch jeder Zuschauer anders auffassen wird.

Das Drehbuch aus der Feder von Oscarpreisträger Akiva Goldsman ist dabei noch der schwierigste Teil des Films. Das jedoch nicht betreffend die Figuren oder die Zeit, in welcher der Film spielt, all das ist hervorragend eingefangen, doch wurden gegenüber der Biografie Nashs einige Elemente weggelassen und der Dramaturgie entsprechend angepasst. So erscheint die Hauptfigur im Endeffekt anders, als von Zeitzeugen berichtet wird.
Sieht man sich jedoch die Charaktere selbst an, verblüfft zweifelsohne Goldsmans Subtilität, wenn es ihm darum geht, den etwas verwunderlichen John Nash genauer zu beschreiben. Sei es mit seiner Körperhaltung, seinen prägnanten, aber überaus taktlosen Worten, oder kleinen Szenen wie das Brettspiel mit seinen Kommilitonen. Wer dafür trotz einiger wirklich erstklassiger Momente blass bleibt, ist Alicia Nash, über deren Hintergrund man leider sehr wenig gesagt bekommt. Dafür werden der Figur im Lauf des Films immer größere Szenen zugeschrieben, die ihren inneren Kampf und die schwierige Entscheidung, die sie zu treffen hat, gut hervorheben.
Das Skript steckt voll vieler exzellenter Ideen, die sich harmonisch einfügen und den Zuschauer trotz der recht spannungsarmen Handlung trotzdem in ihren Bann ziehen. Wenn man John Nash beim Altern zusehen darf, mit ihm leidet, wenn er erkennen muss, dass die Menschen um ihn herum sich seiner Krankheit anpassen müssen und er verzweifelt versucht, der Lage Herr zu werden, dann kann man Goldsman zu seiner Arbeit nur gratulieren.
Und doch verwundern manche Entscheidungen des Autors und der Produzenten, wenn es darum ging, Elemente aus John Nashs Leben nicht zu erwähnen. So war der Mathematiker im wahren Leben mehrmals verheiratet und hat auch ein uneheliches Kind; die wichtigste Änderung, die die Macher beabsichtigt vorgenommen haben, betrifft jedoch John Nashs Bisexualität. Diese sollte zwar ursprünglich erwähnt werden, doch fürchteten die Macher, dass man fälschlicherweise eine Beziehung zwischen Homosexualität und Schizophrenie herstellen würde, wie in den 1950er Jahren häufig geschehen. Zudem gewann John Nash den Nobelpreis nicht allein, sondern mit zwei Kollegen zusammen.
Ob es demnach eine gerechtfertigte Entscheidung war, das Skript mit dem Oscar zu prämieren, sei dahingestellt. Mit dem fertigen Werk gelang Goldsman jedoch eine überragende Arbeit, die die Grundlage für ein erstklassiges Drama darstellt.

Russell Crowe war für seine Rolle als John Nash zwar für den Oscar nominiert, bekam die Trophäe jedoch wie schon bei seiner Nominierung für Insider [1999] nicht überreicht. Vergleicht man jedoch seine Hingabe und sein außergewöhnliches Spiel mit dem in Gladiator [2000], für das er bekanntlich den "Goldjungen" verliehen bekam, kann man nur unverständig den Kopf schütteln. Was Crowe hier gelingt lässt sich kaum in Worte fassen, angefangen von seinen abgehackten, hektischen Bewegungen, bis hin zu dem charakteristischen Gang verkörpert er den Mathematiker so gekonnt und derart überzeugend, dass es einem buchstäblich den Atem verschlägt. Er macht die Ohnmacht und die Verzweiflung des gefesselten Genies spürbar, versetzt jedes Bild, in dem er zu sehen ist in Schwingungen und beflügelt seine Ko-Darsteller zu den besten Leistungen ihrer Karrieren. Es reicht in manchen Szenen ein Blick, ein Wort von Russell Crowe, um dem Zuschauer ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, um ihn verzweifelt mit ihm leiden zu lassen und um einen Knoten im Hals zu erzeugen. Er spielt in einem Maße meisterhaft, wie man das selbst bei ihm noch nicht gesehen hat.
Ähnlich ergeht es Jennifer Connelly, die schon deshalb eine besondere Beziehung zum Publikum aufbaut, da sie in derselben Situation gefangen ist. Nicht in der Lage, Nash zu helfen und doch so weit davon überzeugt, dass er ohne Hilfe, ohne Gesellschaft nicht überleben würde. Sie macht den zerreißenden Kampf, den ihre Figur durchleben muss, für den Zuseher deutlich und ist Crowe trotz ihrer geringeren Zeit vor der Kamera in jeder Einstellung gewachsen.
Ed Harris hat zwar augenscheinlich nur eine kleine Rolle, erfüllt diese doch mit einer lebhaften Personifizierung, die ebenso mysteriös wie beängstigend erscheint. Er verleiht seiner Figur eine Tiefe, die sie angesichts der kurzen Zeit kaum zu besitzen scheint. Ebenso Paul Bettany, der als Nashs Zimmergenosse Charles einige erstklassige Momente besitzt und die übrigen Darsteller ebenso stark unterstützt.
Christopher Plummer ist wie nicht anders zu erwarten eine Bereicherung für den Cast, auch wenn er im Film etwas zu kurz kommt. Ihm zuzusehen ist aber ebenso eine Freude, wie Josh Lucas, Adam Goldberg und Anthony Rapp, die alle eine sehr gute Darbietung zeigen. Zudem überrascht Jason Gray-Stanford (Monk [seit 2002]) mit einer recht ernsten und gut gespielten Rolle.
An der Besetzung gibt es nichts auszusetzen, Stars und solche, die es werden können geben sich die Klinke in die Hand, spornen sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und erwecken die Geschichte um John Nash glaubhaft zum Leben.

Inszenatorisch enttäuscht Regisseur Ron Howard nicht, kleidet die ersten Szenen in einen angenehmen und atmosphärischen Goldton, der dadurch erreicht wurde, dass das Filmmaterial vor der Aufnahme einem orangefarbenen Licht ausgesetzt wurde; zudem wurde der Film (was seltenst geschieht) in chronologischer Reihenfolge gedreht, um Russell Crowe dabei zu unterstützen, die Situation seiner Figur konstant weiter zu entwickeln. Mit einfallsreichen Szeneneinstellungen, wie dem Jahreswechsel bei der Kamerafahrt von Nashs Zimmer in eine Totalansicht, oder die interessanten Bildwinkel zeugen von einer durchdachten Inszenierung.
Der Schnitt zieht im richtigen Moment das Tempo an, ohne je hektisch zu wirken. Es werden mit jeder Einstellung so viele Details eingefangen, und Nashs Begabung dank der dezenten Trickeffekte so passend in Szene gesetzt, dass man sich als Zuseher ganz im Zeitrahmen des Filmes verliert.
Dabei geht Howard einen pikanten Weg, wenn es darum geht, die Emotionen seiner Figuren aufzuzeigen. Bisweilen scheint er etwas zu lange zu nahe bei den Charakteren zu verweilen, um den Zuschauer damit gefühlstechnisch zu überrumpeln, und zu ertränken – und doch wird er nie kitschig oder klischeehaft und nutzt das Leid der Protagonisten nicht aus, um sich einen Vorteil zu verschaffen.
Handwerklich gibt es an A Beautiful Mind nichts auszusetzen, die reife und durchdachte Inszenierung steht dem Schauspielensemble in nichts nach, vielmehr werden die Darsteller perfekt eingefangen.

Es ist nicht zu leugnen, dass viele Komponisten ein vorgefertigtes Muster, eine unverwechselbare Handschrift besitzen, anhand derer man sie recht schnell erkennt, sei es, nachdem man die ersten paar Takte vernommen hat. Dass der fünffache Oscarnominierte und einmalige Gewinner James Horner zu einem der abwechslungsreichsten gehört, zeigt schon ein Blick auf seine Filmografie. Zwar gibt es auch in A Beautiful Mind viele der bekannten Melodien zu hören, die er jedoch so gekonnt miteinander verwebt und abwechselt, dass man wohl behaupten kann, seine Oscarnominierung hierfür war mehr als gerechtfertigt.
Ein herausragendes Beispiel hierfür ist seine unterschwellige Musik zur Autoverfolgungsjagd, und die Auswirkung, die diese düstere Melodie auf die Szene ausübt, ihr die vermeintliche Dynamik zu entziehen scheint und sie dann doch wieder an Tempo gewinnen lässt. Seine Musik erscheint in den gewünschten Szenen mit Nashs Erkenntnissen überraschend behutsam und introvertiert und in bestimmten Momenten passen getragen und düster. Fans sollten in den Score auf jeden Fall hineinhören.

Es war ein Tauziehen um die Rechte an der Verfilmung von John Nashs Leben, Brian Grazer bekam die Erlaubnis von Alicia und John Nash, die sich lange geweigert hatten, eine Verfilmung zuzulassen, wobei Grazers Mitkonkurrent Scott Rudin dabei leer ausging. Danach gab es zahlreiche Überlegungen betreffend Cast und Crew; so war Robert Redford als Regisseur im Gespräch, musste jedoch wegen anderer Verpflichtungen absagen. Tom Cruise wurde als Nash, Salma Hayek sogar als Alicia in Betracht gezogen, wobei letzteres auf Grund der Herkunft von Alicia Nash plausibel erscheint – diese stammt nämlich aus El Salvador.
John Nash besuchte das Set sogar, was Russell Crowe sogar ermutigte, die körperlichen Eigenheiten des Mathematikgenies zu übernehmen.

Es mag mit Sicherheit zum großen Teil Einbildung sein, doch eben auf Grund der überragenden Schauspielleistungen, der malerischen und immer richtig geschnittenen Bilder hinterlässt Ron Howards Film einen etwas zu glatten, zu perfekten Eindruck, präsentiert dem Zuschauer Figuren mit Tiefe aber ohne Kanten, erweckt beim Kampf gegen die Krankheit eine fast schon mystische Makellosigkeit, die einem die Figur zwar ans Herz wachsen lässt, einen als Begleiter dennoch nicht in dem Maße berührt, wie es bei anderen Dramen der Fall ist.
Doch das soll den Erfolg aller Beteiligten nicht schmälern, die hier eine ausnahmslos hervorragende Arbeit geleistet haben und die Geschichte von John Nash überzeugend zum Leben erweckten, wenngleich einige Aspekte seines Lebens außer Acht gelassen wurden.


Fazit:
Es geschieht jeden Tag, dass eine handvoll überaus begabter Künstler sich zusammen tut, um einen vermeintlichen Meilenstein des Films zu produzieren. Die Ergebnisse sind jedoch meist eher ernüchternd. So darf man die herausragenden Leistungen der Darsteller, allen voran Russell Crowe in einer seiner besten Rollen, der exzellenten Fotografie und Dramaturgie von Seiten des Regisseurs und der ergreifenden Geschichte nicht damit abwerten, dass es doch nicht anders zu erwarten war. Ganz im Gegenteil, ihre Leistung ist umso mehr hervorzuheben.
Sicherlich am verwunderlichsten an A Beautiful Mind ist jedoch die Tatsache, dass der Film trotz seiner ruhigen Themas sowohl in den USA, als auch international ein voller Erfolg war. Bei knapp 60 Millionen Dollar Produktionskosten spielte der Film weltweit knapp das Fünffache des Budgets wieder ein. Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass die Zuschauer in Kinozeiten der Superlative, der 150 Millionen-Dollar Epen und Fortsetzungsopern dennoch Wert auf eine intelligente Geschichte, lebendige Figuren und authentische Erzählungen legen. Ohne Bombast und Feuerwerk, das Porträt eines menschlichen Triumphs, ein Erfolg der Menschlichkeit und des Menschseins.
Als Zuschauer sollte man sich Ron Howards Drama nicht entgehen lassen, wer weiß, wann man wieder das Privileg bekommt, einer solchen Geschichte beizuwohnen.


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