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16 Blocks [2006]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 07. Juni 2010
Genre: Thriller

Originaltitel: 16 Blocks
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: Deutschland / USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Richard Donner
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: Bruce Willis, Mos Def, David Morse, Jenna Stern, Casey Sander, Cylk Cozart, David Zayas, Robert Racki, Patrick Garrow, Sasha Roiz, Conrad Pla, Hechter Ubarry, Richard Fitzpatrick, Peter McRobbie


Kurzinhalt:
Für die Drecksarbeit ist der ältere Detective Jack Mosley (Bruce Willis) gerade recht. Sei es, einen Tatort zu bewachen, wenn alle anderen schon abgerückt sind, oder eben einen Kriminellen aus dem Gefängnis für eine Zeugenaussage ins Gericht zu bringen. Dieser Laufburschenjob ist Mosley mit dem plappernden Eddie Bunker (Mos Def) zugeteilt worden. Der soll in weniger als zwei Stunden vor Gericht aussagen und Jack soll ihn die 16 Blocks in New Yorks Morgenverkehr dorthin schaffen. Doch bei einem Stopp wird Eddie von einem Attentäter ins Visier genommen. Mosley vereitelt zwar den Anschlag, doch verbirgt sich hinter der angeforderten Verstärkung unerwarteter Ärger.
Jacks ehemaliger Partner Frank Nugent (David Morse) und seine Helfer könnten ebenso wie hochrangige Polizisten durch Eddies Aussage belastet werden. Darum soll Jack kurz wegsehen, wenn Eddie aus dem Weg geräumt wird. Stellt sich Jack gegen Frank, sieht sich der abgewrackte Cop mit einer Truppe übermächtiger Gegner konfrontiert – und beginnt zudem einen Wettlauf mit der Zeit, denn die Gerichtsverhandlung endet in weniger als zwei Stunden ...


Kritik:
Hätte Jack Mosley von der New Yorker Polizei getan, was er immer getan hatte, dann wäre der Zeuge Eddie auf offener Straße erschossen worden. Nicht, weil Jack ein unaufmerksamer Polizist wäre, sondern weil er zu der Sorte Polizist gehört, die sich nicht sonderlich darum kümmern, wenn Verbrechern Schlimmes widerfährt. Jack hatte die Aufgabe bekommen, Eddie vom Gefängnis ins Gericht zu bringen. Dafür hat er zwei Stunden Zeit, da die Gerichtsverhandlung, bei der Eddie aussagen soll, ansonsten beendet wird. Doch jemand möchte nicht, dass es Eddie lebend in den Zeugenstand schafft. Die Ausgangslage bei 16 Blocks ist recht einfach und bietet doch genügend Spielraum, bei dem in Echtzeit erzählten Thriller sowohl die Figuren voran zu bringen, wie auch packende Situationen entstehen zu lassen. Bruce Willis als abgehalfterter Cop mit Alkoholproblem trägt den Film dabei ebenso wie Mos Def, dessen Eddie Bunker einen erfreulich lebendigen Gegenpol bietet. Die Darsteller erwecken die schlicht strukturierte Hetzjagd zum Leben, auch wenn sich aus dem Zusammenspiel nie ein Buddy-Team entwickelt wie man es aus anderen Filmreihen gewohnt ist. Dafür wirken Jack und Eddie aber greifbar.
Regisseur Richard Donner macht schon so lange Filme, dass es kein Wunder ist, dass er auf moderne Spielereien wie die "Bullet Time" oder eine dokumentarische Wackelkamera verzichtet. Er konzentriert sich vielmehr darauf, das morgendliche New York so realistisch wie möglich zu schildern, rückt den Darsteller zu Leibe, um zu verdeutlichen wie voll gestopft die Straßen auch um diese Uhrzeit sind und lässt dem Publikum kaum Zeit, sich in der Geschichte einzufinden, ehe es auch schon zur Sache geht. Donner nutzt die bekannte Umgebung, um die Straßen und Geschäfte New Yorks auf eine ungewohnte Art und Weise zu schildern, führt die Figuren sogar in eine Welt, die unterhalb der normalen Straße pulsiert und unbeobachtet von den meisten Menschen allerlei Geschäfte beherbergt. Der routinierte Storyverlauf wird somit aufgelockert und 16 Blocks steuert mitunter sehr abrupt auf Wendungen zu, die man so nicht hatte kommen sehen. Dass Jack Mosley dabei kein guter Mensch ist, wie er selbst sagt, macht ihn als Figur nur interessanter, zumal als Sympathieträger immer noch Eddie zur Verfügung steht. Was Jack dazu bewogen hatte, mit seinen ehemaligen Partnern zu brechen, was vor Jahren geschehen ist, das ihn zum Trinker werden ließ, wird nur am Rande geklärt. Sein ehemaliger Partner Frank Nugent, durchweg charismatisch und überzeugend verkörpert von David Morse, steht dabei für diejenige Person, die Jack hätte werden können, hätte er sich nicht damals anders entschieden. Beide sind vom selben Schlag und letztlich beide nicht mit dem Leben glücklich, das sie inzwischen führen.

Weniger auf Grund der Ausgangslage, wie durch die temporeiche und schnörkellose Darbietung zählt 16 Blocks zu einem Thriller der alten Schule. Statt die Charaktere mit unwichtigen Nebensächlichkeiten zu belasten, konzentrieren sich die Filmemacher darauf, die Chemie zwischen den Hauptfiguren entstehen zu lassen. Das gelingt durchweg gut, auch wenn beide nie so vertraut miteinander werden, wie das in anderen Filmen der Fall ist – dies ist vielleicht auf Grund ihrer Persönlichkeiten auch nicht unrealistisch. Die Action mit einem allzeit humpelnden Bruce Willis ist stilsicher in Szene gesetzt, wirkt nie auf die Darstellung der Gewalt ausgelegt. Nur leidet das rasante Tempo in der zweiten Filmhälfte durch unnötige Zwischenstopps der Gehetzten. Und auch die Auflösung, die erfreulicherweise nicht durchweg wohlwollend ausfällt, hätte etwas mehr von Jacks Zynismus vertragen können. Bis es soweit ist, schlägt sich das ungleiche Duo erfolgreich durch einen Spießrutenlauf, der sich letztlich dadurch von Genrevertretern abhebt, dass Hauptfigur Jack Mosley kein guter Cop ist. Wer dahinter allerdings ein Actionvehikel im Stile von Stirb langsam [1988] erwartet, der wird enttäuscht werden. Vielmehr erinnert Mosley an einen John McClane, der desillusioniert von den langsamen Mühlen der Justiz eine Abkürzung genommen hat auf dem Weg, Verbrecher dingfest zu machen und nun die Zeche dafür zahlt. Die Charaktermomente sind dabei subtil eingewoben und auch die Dialoge offenbaren stellenweise eine Bedeutung, die überrascht. Dank der drei Hauptakteure Willis, Def und Morse, von denen insbesondere erstgenannter Mut zu einem Imagebruch wagt, ist 16 Blocks ein erstaunlich auf die Figuren bezogener Thriller, der Zuschauer erfreuen dürfte, die keine Hau-drauf-Action erwarten.


Fazit:
Wer nach dem Trailer auf einen spannungsgeladenen Actionkracher eingestellt ist, wird enttäuscht werden. Statt eine oft erfolgreich verwendete Formel zu kopieren, wandelt Regisseur Richard Donner sie ab und schickt seine Stars auf eine Hetzjagd im morgendlichen New York, bei der immer klar ist, wer die Jäger und wer die Gejagten sind. Eine Ein-Mann-Armee ist ebenso wenig zu erwarten wie ein schillernder Held. Bruce Willis verkörpert den verbrauchten, zynischen Großstadtpolizisten so unglamourös und überzeugend, dass man gar nicht daran denken kann, mit welchen Rollen er berühmt geworden ist.
16 Blocks ist ein geradlinig erzählter, in seiner Art schlichter und sauber inszenierter Thriller, der gerade in der ersten Hälfte viel Tempo aufbaut. Im letzten Drittel vermag der Film dies nicht durchzuhalten und scheint auch am Ende trotz der kantigen Figuren etwas zu versöhnlich. Als ein nach alter Schule gestalteter Cop-Thriller überzeugt der falsch vermarktete Streifen aber durchweg.


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