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Timothy Zahn: "Star Wars: Die Verschollenen" [2004]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. Juli 2007
Autor: Timothy Zahn

Genre: Science Fiction / Action

Originaltitel: Star Wars: Survivor's Quest
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 416 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 2004
Erstveröffentlichung in Deutschland: 2007
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 0-345-45918-0


Kurzinhalt:
Inzwischen seit drei Jahren verheiratet sind Mara Jade und Luke Skywalker meist in unterschiedlichen Regionen für die immer noch instabile intergalaktische Neue Republik unterwegs und schöpfen umso mehr Kraft aus der gemeinsamen Zeit.
Als sie die Einladung zu einem Treffen mit dem Chiss-Anführer Formbi erhalten, ahnen sie noch nicht, was vor ihnen liegt. Die Chiss – der nach dem Tod des Imperators aufstrebende Großadmiral Thrawn des Imperiums, der die Neue Republik vor 17 Jahren beinahe zerstört hätte, gehörte ebenfalls dieser Rasse an – haben in ihrem Gebiet auf einem Planeten Überreste eines Jedi-Raumschiffes gefunden.
"Outbound Flight", so der Name jenes bewaffneten Kolonisierungsschiffes war dazu konzipiert gewesen, die äußeren Bereiche der Galaxie zu erkunden und zu besiedeln, ehe es von Thrawn vermeintlich zerstört wurSde. In den Überresten erhofft sich Luke Antworten auf die unzähligen Fragen, mit denen er sich konfrontiert sieht, angesichts der Tatsache, dass er ganz allein für die Führung eines neuen Jedi-Orden verantwortlich sein soll.
Doch während auch das neue "Imperium der Hand" und die augenscheinlich friedliebenden Geroons Interesse an Outbound Flight zeigen, erwartet diejenigen, die das auf dem Planeten abgestürzte Raumschiff betreten eine Fülle an Überraschungen und Begegnungen mit alten und neuen Feinden, die Mara Jade und Luke Skywalker in größte Gefahr bringen ...


Kritik:
Fünf Jahre waren seit dem Abschluss der Star Wars-Saga mit Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter vergangen, als 1991 der erste Teil der Roman-Trilogie um Großadmiral Thrawn aus der Feder von Timothy Zahn in den Bücherregalen stand. In den folgenden beiden Jahren erschienen die beiden Fortsetzungen, die auch auf den ersten Plätzen der Bestseller-Listen standen. Das Star Wars-Phänomen war wieder am Leben, und stärker denn je. Es waren überdies von George Lucas autorisierte Fortsetzungen, die der Science Fiction-Autor auf den Markt brachte. Von den epischen Ausmaßen konnte sich die Fortsetzung mühelos mit dem Original messen.
Für seine Werke in jenem Universum ist Zahn bis heute weit bekannter als für seine übrigen Werke. Kein Wunder also, dass der erfolgreiche Autor immer wieder zurückgeht, um die Lücken im Star Wars-Bereich zu füllen, seine mit Thrawn begonnene Story-Arc fortzuführen und gleichzeitig die aus den Filmen bekannten Figuren weiter zu entwickeln. So auch mit dem immerhin 22 Jahre nach Episode IV – Eine neue Hoffnung ansetzenden Roman Die Verschollenen.

Dass sich Zahn auf seinem Gebiet gut auskennt, hat er mit der besagten Thrawn-Trilogie bereits bewiesen, der im Übrigen auch der "Hand von Thrawn"-Zweiteiler folgte, auf dem Die Verschollenen unter anderem aufbaut.
Hier greift der Autor wieder bekannte Elemente aus den vorangegangenen Werken auf, ergänzt sie um neue Aspekte und spinnt sein Netz um die von ihm eigens kreierte Mythologie immer dichter und immer weiter. Dass dieser Prozess noch lange nicht abgeschlossen ist, beweist unter anderem die Tatsache, dass die hier nur gestreifte Geschichte des "Outbound Flight" in dem demnächst erscheinenden Roman Die Kundschafter erzählt wird (an Bord dessen sich auch Anakin Skywalker und Ben Kenobi befunden haben, was hier noch nicht erwähnt wird). Und die Story um den an sich schon längst verstorbenen Großadmiral Thrawn scheint auch noch nicht zu Ende zu sein, wenn man denn zwischen den Zeilen liest. Beschränkt auf Die Verschollenen allerdings bedeutet das, dass man auch als Leser ein umfassendes Hintergrundwissen mitbringen muss, um sich zwischen den verschiedenen Fraktionen, dem Werdegang und der Vergangenheit der Chiss und Luke Skywalker selbst überhaupt noch auszukennen. Zahn erklärt zwar viele Hintergründe, setzt aber ebenso viel als bekannt voraus und verliert trotz des sehr hohen Erzähltempos das aus dem Sinn, was den Roman eigentlich ausmachen sollte: Eine schlüssige Handlung.
Nicht nur, dass die Verhaltensweisen mancher Figuren (oder ganzer Gruppen) einfach unverständlich ist, nach der langen Vorbereitung konzentriert sich der Rest des Romans an sich darauf, wie die Luke und seine Mitstreiter einen Raum nach dem anderen erkunden und sich letztlich ihren Weg in umgekehrte Richtung wieder freikämpfen. Von den Geheimnissen von Outbound Flight wird letztlich nicht viel erklärt, weswegen die Überlebenden den Jedi so misstrauisch gegenüber sind, bleibt auch im Dunkeln, und in Bezug auf einige eingesperrte Jedi (die zurückbleiben) hat man auch das Gefühl, als hätte der Autor jenen Handlungsstrang einfach vergessen, denn er wird am Schluss nicht aufgelöst. Wirklich abwechslungsreich gestaltet sich das Ganze leider nicht, wenn auch immer unterhaltsam. Angesichts der langen Vorarbeit hätte man sich als Leser aber mehr erwartet, als Zahn letztlich bietet.

Auch an Charakterentwicklungen gibt es bei weitem weniger geboten, als die ominösen Andeutungen der inneren Konflikte beispielsweise bei Mara Jade anklingen lassen. Dafür beschreibt der Autor einmal mehr sehr treffend neue Figuren, die er so natürlich wie ausgefeilt einführt und in gewissem Sinne auch weiter entwickelt. Gerade in Bezug auf den traumatisierten Jinzler allerdings entpuppt sich die psychologische Offenbarung als äußerst klischeehaft und absehbar – einzig, dass sie so früh kommt überrascht.
Ansonsten sind die Figuren gut geschildert, verhalten sich mit ihrer Geheimniskrämerei und den am Schluss ausbleibenden Erklärungen aber nicht so, wie man es von an sich Vernunft begabten Wesen in einer Galaxie weit, weit entfernt erwarten würde.

Dramaturgisch vermag Die Verschollenen schon auf Grund der Geschwindigkeit zu überzeugen, mit der Timothy Zahn seine Leser über die Seiten hetzt, inhaltlich vermag das Geschilderte dem nicht ganz zu folgen.
Durch den sehr abgegrenzten Aufbau der Situationen (zuerst auf Outbound Flight, beim Finale dann in "ähnlicher" Umgebung) erinnert der Roman mitunter, als wäre er mit der Level-Struktur eines Videospiels konzipiert. Der Spannungslevel bleibt damit konstant zwar mittelmäßig bis hoch, doch ein wirklicher Spannungsbogen, der sich allmählich aufbaut und immer mehr anspannt, fehlt. Womöglich auch deshalb, da absehbar ist, dass den Hauptfiguren nichts zustoßen wird. Die Bedrohung wirkt in dem Sinne nie so real oder greifbar, als dass man nicht ahnend, was als nächstes geschehen könnte zwei Seiten vorblättert. Die Vorhersehbarkeit wird dem Autor gerade beim Finale schnell zum Verhängnis.

Sprachlich gibt es indes nichts zu bemängeln, auch wenn der Roman auf Grund vieler Fremdwörter, fiktiver Schauplätze und Rassen, Namen, Figuren und Waffen stellenweise ein wenig holprig zu lesen ist. Ein wenig verwundert allenfalls, weswegen Zahn so lange Kapitel gewählt hat.
Davon abgesehen ist Die Verschollenen auch für Einsteiger leicht verständlich.

Als besonderer Bonus liegt dieser Ausgabe des Buches die eBook-Novelle Fool's Bargain bei, in der die besagte Spezialeinheit der Sturmtruppler vorkommt. Für Fans des Genres ist dies sicherlich interessant und liest sich dank der lebendigen Beschreibungen auch sehr flott.

Was am Ende bleibt ist ein eher ernüchternder Blick auf die immerhin etwas mehr als 400 Seiten. Nicht, dass Zahns Roman langwierig oder langweilig geraten wäre, ganz im Gegenteil, auch die Wortgefechte zwischen Mara Jade und Luke sind überaus amüsant geraten – und doch bleibt der Eindruck, als würde es den Verschollenen an etwas mangeln.
Sei es nun, dass man immer wieder Brocken zum Hintergrund von Outbound Flight hingeworfen bekommt, ohne aber eine zufrieden stellende Schilderung der Ereignisse des grundsätzlich friedlichen Fluges zu erhalten. Oder dass die Story bei weitem nicht so verworren und ineinander verschlungen scheint, wie man das bei der Thrawn-Trilogie gewohnt war. Haben damals die einzelnen Ebenen ineinander gegriffen, zusammen das Erzähltempo immer weiter angeheizt, wird die Geschichte hier immer aus einer Perspektive erzählt, die zwar mitunter wechselt, aber selten mit einer Dringlichkeit zwischen den Figuren hin und her springt, dass man als Leser die Auflösung des Kapitels kaum mehr erwarten könnte.
Im Endeffekt bleibt Timothy Zahns Ergänzung des Star Wars-Universums eine ebenso gut gelungene wie willkommene Abwechslung zur üblichen Science Fiction-Kost, die sich dadurch auszahlt, wie sehr er mit den Gegebenheiten des Franchise interagiert. Eine notwendige Ergänzung ist es allerdings nicht.


Fazit:
Es mag sein, dass man in der Erinnerung viele Sachen besser behält, als sie tatsächlich waren; so nimmt für mich die Thrawn-Trilogie von Timothy Zahn einen sehr hohen Stellenwert im Science Fiction-Genre ein, einfach deshalb, weil sie wie eine natürliche Fortsetzung des bekannten Star Wars-Universums wirkte. Allerdings ist es auch schon über zehn Jahre her, dass ich die Bücher gelesen habe.
Wie sie mir heute im Vergleich zu Die Verschollenen gefallen würden, vermag ich nicht zu prophezeien, für sich genommen allerdings, war der Roman eine kleine Enttäuschung. Sicher, die Figuren sind gelungen dargestellt, es ist auch interessant zu sehen, dass sich Luke Skywalker weiter entwickelt hat, er inzwischen verheiratet ist und die Neue Republik gegen alte wie neue Feinde wehren muss. Doch wirkt die Hintergrundgeschichte um Outbound Flight bedeutend verlockender, als die Querelen und Streitereien der verschiedenen Parteien. Die Erklärung, weshalb die Auseinandersetzungen nach der Hälfte des Buches schließlich folgen, und wie die einzelnen Figuren damit in Verbindung stehen, ist mehr als nur dürftig, und auch an Abwechslungsreichtum hätte man sich etwas mehr wünschen können. Vielleicht ergibt Zahns Roman im Kontext zu Die Kundschafter mehr Sinn, doch während man als Leser dies ja nachholen kann, bleibt die Information Luke Skywalker verwehrt – und mit ihm fiebert man hier ja mit.
Survivor's Quest, so der Originaltitel, bewegt sich sicherlich im oberen Drittel der in jenem Franchise veröffentlichten Romane, angesichts der Tatsache, dass Autor Timothy Zahn die Messlatte immerhin 13 Jahre zuvor so hoch angelegt hat, erfüllt das Buch aber schlichtweg nicht die Erwartungen.
Wen das nicht stört, darf sich auf ein schnell erzähltes, unterhaltsames und unverfängliches Star Wars-Abenteuer einlassen, das in Bezug auf Outbound Flight Lust auf mehr weckt; etwas, dessen sich der Autor ja inzwischen schon angenommen hat.


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