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Douglas Adams: "Per Anhalter durch die Galaxis" [1979]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. Oktober 2004
Autor: Douglas Adams

Genre: Science Fiction / Komödie

Originaltitel: The Hitchhiker's Guide to the Galaxy
Originalsprache: Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Gebunden
Länge: 143 Seiten
Erstveröffentlichungsland: Großbritannien
Erstveröffentlichungsjahr: 1979
Erstveröffentlichung in Deutschland: 1981
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 0-517-14925-7


Kurzinhalt:
Als Arthur Dent an jenem Donnerstag aufwacht, kann er sich an nicht viel erinnern – einzig, dass der letzte Abend sehr lang und alkoholschwanger gewesen ist. Als er jedoch einen Bulldozer vor seinem kleinen gelben Haus stehen sieht, und ihm wieder einfällt, dass die Stadt plant, sein trautes Heim für eine Umgehungsstraße platt zu walzen, gibt es für ihn nur eine Lösung.
Während er wenig später auf dem Boden zwischen seinem Haus und dem Bulldozer liegt, kommt Ford Prefect, ein Freund des bald Obdachlosen hinzu, der ihm wenig später verrät, dass die Welt in wenigen Minuten aufhören wird, zu existieren: Sie muss einer interstellaren Umgehungsstraße weichen. In letzter Sekunde kann Ford, der gar nicht von der Erde kommt, zusammen mit Arthur von der Erde entkommen, als blinde Passagiere eines der Raumschiffe, die mit der Zerstörung der Welt beauftragt wurden. Einige implantierte Fische, volonische Gedicht und unendliche Unwahrscheinlichkeiten später, treffen sie auf Zaphod Beeblebrox, galaktischer Präsident, der kürzlich das Raumschiff "Herz aus Gold" gestohlen hat, und zusammen mit Tricia McMillian (auch Trillian genannt) und dem manisch-depressiven Roboter Marvin auf der Flucht ist. Ihre Reise führt sie auf die Spur einer längst verschollenen Kultur, die mehr mit dem Schicksal der Welt zu tun hatte, als irgendjemand erahnt hätte – heimatlos geworden, schließt sich Arthur dem Trupp der seltsamen Außerirdischen an, und erhält von dem intergalaktischen Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis", den Ford Prefect bei sich trägt, zumindest viele Antworten auf Fragen, die er nie zu stellen wagte.


Kritik:
Als Douglas Noël Adams am 11. Mai 2001 an einem Herzinfarkt verstarb, den er in einem Fitness-Studio erlitt, waren viele Leser rund um den Globus tief getroffen. der erst 49 Jahre alte Autor hatte mit seinen Büchern viele Menschen zum Lachen gebracht und mit Per Anhalter durch die Galaxis eine Referenz für witzige Science Fiction-Unterhaltung geschaffen. Am 11. März 1952 in Großbritannien geboren, arbeitete Adams 1978 an einer Hörspielreihe für den Radiosender BBC Radio 4. Damals ahnte noch niemand, welch einen großen Erfolg die ungewöhnliche Reihe mit dem Titel The Hitchhiker's Guide to the Galaxy nach sich ziehen würde. Am 8. März 1978 wurde die erste Episode um 22:30 Uhr ausgestrahlt – und scheinbar von niemandem beachtet. Erst Wochen später trafen einige wenige Briefe von Zuhörern ein, und so wurde die Reihe fortgesetzt. Die erste Staffel umfasste sechs einzelne Sendungen, später 1978 wurde eine weitere Episode aufgenommen, die zwar als "Weihnachtsepisode" tituliert wurde, aber nur deshalb den Namen bekam, weil sie am 24.12. ausgestrahlt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Pan Books-Verlag in England bereits bei Douglas Adams gemeldet, woraufhin der sich verpflichtete, aus seinem Hörspiel einen Roman zu zaubern. Der erste wurde im Herbst 1979 veröffentlicht und beinahltete die ersten vier Episoden des Hörspiels in einer erweiterten Fassung. Im Januar 1980 wurden fünf weitere Teile für die BBC produziert, um wenig später im Herbst im zweiten Buch der Reihe, Das Restaurant am Ende des Universums verarbeitet zu werden – darin flossen auch die Episoden fünf und sechs der ersten Staffel der Hörspielreihe ein, allerdings in einer verdrehten Reihenfolge, neu überarbeitet und gestrafft. Die drei danach noch folgenden Romane, Das Leben, das Universum und der ganze Rest [1982], Macht's gut, und danke für den Fisch [1984] und Einmal Rupert und zurück [1992] basieren auf keinem Hörspiel, widersprechen vielmehr den vorangegangenen Romanen und hatten bei weitem keinen so großen Erfolg mehr, wie die ersten beiden Bücher. Mit Per Anhalter durch die Galaxis gelang Adams jedoch ein weltweiter Erfolg, sein Roman ist so gut wie jedem Science Fiction-Fan bekannt und diese blicken mit gemischten Gefühlen auf die im kommenden Jahr angekündigte Kinoumsetzung des Stoffes.

Die dürfte es schon deshalb schwer haben, weil Per Anhalter durch die Galaxis inhaltlich nicht wirklich viel hergibt. Die eigentliche Story ist so abstrus wie gekünstelt, so flach wie kurz. Was jedoch den unvergleichlichen Lesespaß aufkommen lässt ist die Art und Weise, wie Adams schreibt, sprachlich begibt er sich auf einen typisch britischen Humor, der mit seinen Widersprüchen, die grundsätzlich alltägliche Redewendungen im letzten Moment ins Gegenteil verkehren, ganze Abschnitte über vollkommene Nebensächlichkeiten sinnieren lassen und mit einem bisweilen tief-schwarzen Humor für ein fast schon schadenfreudiges Grinsen auf dem Gesicht des Lesers sorgen.
Der eigentliche Inhalt seines erfolgreichsten Romans, taugt aber für nicht viel mehr, als eine Kurzgeschichte. Dass die Erde, wie Arthur Dents Haus, für eine intergalaktische Schnellstraße in die Luft gesprengt werden soll, ist dabei eigentlich noch die beste Idee, denn im darauffolgenden, je weiter die Geschichte in die Welt des Science Fiction abdriftet, verheddert sich der Autor in Logikfehlern, die einzig durch zwar fantastische, aber vollkommen unmögliche Zufälle und "Super-O-Matic"-Erfindungen anderer Lebewesen im Universum wieder aufgehoben werden. Bestes Beispiel hierfür ist der Antrieb des Raumschiffes "Herz aus Gold", der durch den 'unendlichen Unwahrscheinlichkeitsgenerator' ermöglicht wird. Dieser Generator lässt sehr unwahrscheinliche Ereignisse wahr werden und somit muss man nur die Wahrscheinlichkeit ausrechnen, mit der man am Zielort landet, und gibt diese in den Generator ein. Wer sich als Nichtkenner des Buches nun am Kopf kratzt, darf sich nicht wundern, eben dieser Stil – mit dem Adams den Leser zuerst verunsichert, bis dieser glaubt, dass der Autor wohl recht habe und wisse, worüber er schreibe, in Wirklichkeit das Beschriebene aber völlig absurd ist und überhaupt nicht erklärbar ist – macht das Buch lesenswert und ließ es schon nach kurzer Zeit zum Kultobjekt aufsteigen. Darüber vergisst man auch gern, dass die Charakterzeichnungen allenfalls schemenhaft sind, in den 143 Seiten aber nicht weiter ausgebaut werden (insbesondere bei Trillian, Arthur und Ford). Die Spannung zieht das Werk ebenfalls auf Grund der verquerten Szenenaneinanderreihung, denn auch wenn ständig etwas passiert, einen klassischen Spannungsbogen gibt es nicht, dafür wirken die einzelnen Geschichten und die Erlebnisse der Figuren viel zu unzusammenhängend, wahllos aneinandergereiht und ohne einen konkreten Aufbau.

Inhaltlich gibt es also einiges zu kritisieren, und doch kann man jedem Interessenten nur raten, das Buch zu kaufen und sich von dem wirklich einzigartigen Universum gefangen nehmen zu lassen. Das liegt aber zum einen an der innovativen, wenn auch hoffnungslos konstruierten Geschichte, die auf dem Planeten Magrathea die wirklich unerwartetsten Wendungen nimmt und einen so nach dem Wal und dem Blumentopf (die beide aus einer Rakete hervorgegangen sind!) doch noch kalt erwischt, an der Sprache und dem Erzählstil, den Douglas Adams einsetzt und wie kein anderer beherrscht.
Bringt er seitenweise mit Trivialitäten zu, fasst er auf der folgenden in wenigen Sätzen beinahe schon philosophische Themen in den unvorstellbarsten Metaphern zusammen, die man erst nach längerem Nachdenken wirklich begriffen hat. Garniert wird das noch von den Auszügen aus dem Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis", auf dem in großen Lettern "KEINE PANIK" aufgedruckt ist, was angesichts der Ausgangslage von Arthur Dent alles andere als beruhigend ist. Mit einem Augenzwinkern verleiht Adams manchen "Figuren" Emotionen und Charaktereigenschaften, die gar keine haben sollten, so zum Beispiel dem Roboter Marvin, der chronisch depressiv ist, oder Fahrstuhltüren an Bord der "Herz aus Gold", die fröhlich Summen und sich ihres Lebens freuen. Selten zuvor erschuf ein Science Fiction-Autor auf derart wenigen Seiten ein so farbenfrohes, skurriles und ironisch-gewürztes Universum. Den sprachlichen Stil zu beschreiben ist sehr schwer, und folglich auch schwer zu übersetzen; kein Wunder, dass die deutsche Sprachfassung von Per Anhalter durch die Galaxis an unterschwelligem Witz viel vom Original vermissen lässt – und trotzdem ist die Übersetzung sehr gut gelungen. Gegen das vielschichtige Original kommt die deutsche Fassung aber leider nicht an. Ob dieser Stil jedermanns Geschmack ist, sei dahingestellt, eigenwillig ist er auf jeden Fall.

Dass der Roman früher oder später eine Fortsetzung nach sich ziehen würde, war abzusehen, immerhin kommt das Ende überraschend und unvollständig zugleich, alles in allem wirkt Adams Roman auch mindestens 50 Seiten zu kurz. Und trotzdem konnte er mit den nachfolgenden Romanen nicht an den Erfolg des Erstlings der Reihe anknüpfen, der Ruf des Originals ist dabei bis heute aber ungebrochen.
Zu verdanken ist das wohl vor allem der Tatsache, dass Per Anhalter durch die Galaxis ein sehr merkwürdiges, witziges und fremdartiges Universum einem breiten Publikum zugänglich macht, auch wenn es nicht völlig ausgenutzt ist. Wer aber bisher der Meinung war, Science Fiction und Humor würden sich gegenseitig ausschließen, der wird hier eines Besseren belehrt.


Fazit:
Es gibt Menschen, die lesen manche Bücher mehrmals – in meinen Augen entgehen einem dabei aber viele interessante Bücher, die man eben noch nicht gelesen hat. Per Anhalter durch die Galaxis ist eines der wenige, das ich in meinem Leben zwei Mal gelesen habe, und auch wenn ich beim zweiten Mal viele Überraschungen schon gekannt habe, manche haben mich trotzdem noch einmal überrumpelt. Douglas Adams erschuf 1979 einen Roman, der bei jedem Mal lesen neue Facetten aufweist, in dieser oder jener scheinbar nebensächlichen, witzigen Erklärung einen hintersinnigen Kern verbirgt und mit einem derart schwarzhumorigen Blick auf die Ironie der Welt schaut, dass man bisweilen das Gefühl hat, Adams hätte der Erde die Zerstörung beinahe gegönnt.
Was den Roman aber so lesenswert macht ist nicht der skurrile Inhalt, der doch arg konstruiert wirkt und im Endeffekt auch keinen rechten Sinn ergibt, sondern es ist der Stil, mit dem der Autor seiner Geschichte Leben eingehaucht hat. Diesen Erzählstil zu beschreiben ist kaum möglich, und er wird auch nicht jedem Leser gefallen. Diejenigen, die damit nichts anfangen können, tun mir allerdings aufrichtig Leid, ihnen entgeht eines der besten, witzigsten und kuriosesten Abenteuer, die je nach dem Ende der Welt erzählt wurden. Wer Science Fiction-Fan ist, muss diesen Roman einmal angelesen haben – das ist Pflichtlektüre!


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