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Dan Brown: "Inferno" [2013]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Mai 2013
Autor: Dan Brown

Genre: Thriller

Originaltitel: Inferno
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Gebundene Ausgabe
Länge: 463 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 2013
Erstveröffentlichung in Deutschland: 2013
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 978-0-593072-49-3


Kurzinhalt:
Als Robert Langdon in einem Krankenhaus aufwacht, ohne eine Erinnerung daran, wie er dorthin gekommen ist, ahnt er noch nicht, welche Hiobsbotschaften die Ärztin Dr. Sienna Brooks für ihn bereithält. Nicht nur, dass sich der Harvard-Professor nicht wie er vermutet im Bundesstaat Massachusetts befindet, sondern in Florenz, es fehlt ihm die Erinnerung an ganze zwei Tage. Als eine bewaffnete junge Frau im Krankenhaus erscheint – offensichtlich, um ihren zuvor gescheiterten Auftrag Langdon betreffend zu Ende zu bringen – verhilft Sienna Robert zur Flucht.
Noch während dieser versucht, Licht ins Dunkel seines Gedächtnisses zu bringen, offenbart ihm die Ärztin, dass in seiner Kleidung ein metallener Gegenstand gefunden wurde, der offenbar der Grund dafür ist, dass er gejagt wird. Beginnt Langdon, die Puzzleteile zusammenzusetzen, muss er erkennen, dass er diesen Weg offensichtlich schon zuvor gegangen ist, bevor er seine Erinnerung verlor. Doch weswegen ihm deshalb eine bewaffnete Spezialeinheit auf den Fersen ist, ist ihm mein Rätsel, zumal durch ihn auch Sienna in ihr Visier gerät, die selbst ein Geheimnis hütet ...


Kritik:
Vier Jahre nach Dan Browns letztem Roman um Harvard-Professor Robert Langdon, Das verlorene Symbol [2009], und erstaunlich kurz nach der Ankündigung, ist mit Inferno der inzwischen vierte Band um den sympathischen Protagonisten erschienen. Wieder findet sich dieser in einem Netz aus Verschwörung und Täuschung wieder und erneut liegt es an ihm, Hinweisen zu folgen, die wie Brotkrumen ausgestreut wurden, um eine Katastrophe zu verhindern, die das Angesicht der Welt verändern könnte.
Kritiker des erfolgreichen Schreibstils des Autors werden auch hier genügend Punkte finden, die es in der Luft zu zerreißen gilt. Doch wer sich darauf einlässt wird feststellen, dass Dan Brown sein Schema durchaus abzuwandeln versteht und dabei trotzdem seinen Stil beibehält. Vor allem aber verpackt er darin ein Thema, das nicht nur aktuell ist, sondern auch diskutiert werden sollte. Naturgemäß werden weibliche Leser mit der Thematik allerdings eher Schwierigkeiten haben.

Das Buch beginnt nach einem eingangs verwirrenden Prolog damit, dass der Symbologe Robert Langdon im Krankenhaus erwacht, ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen ist. Zu seiner Überraschung befindet er sich nicht in den Vereinigten Staaten, sondern in Florenz und wie er durch die Ärztin Sienna Brooks erfährt, fehlt ihm die Erinnerung an zwei ganze Tage. Dies sei die Folge einer Schussverletzung am Kopf. Bereits nach den ersten Seiten bricht so die ganze Welt über Robert Langdon zusammen. Der Professor, der sich bisher immer auf sein fotografisches Gedächtnis verlassen konnte, scheint eines seiner wichtigsten Sinnesorgane verloren zu haben. Langdons lebendig gewordener Alptraum beginnt jedoch tatsächlich erst, als eine blonde Frau mit einer schallgedämpften Waffe im Krankenhaus erscheint – offensichtlich darauf aus, zu beenden, was sie begonnen hat.

Statt Langdons Amnesie als bloßes Mittel zum Zweck der ungewohnten Ausgangslage zu nutzen, geht Dan Brown einen anderen Weg und verwebt seinen Zustand mit der Story und der Erzählung selbst. Auch wagt er, Entscheidungen zu treffen, die seine Figuren nachhaltig beeinflussen. Da man als Leser die Geschichte großteils durch Robert Langdons Augen erfährt, nimmt man die Ereignisse, wie sie sich ihm darstellen so wahr wie er. Dass kaum Zeit bleibt, sie in Frage zu stellen, ist hier sicherlich hilfreich. Doch gerade deshalb ist man wie Langdon auch anfällig, sich aufs Glatteis führen zu lassen. Wenn ihm urplötzlich Dr. Ferris gegenüber steht und behauptet, sie hätten sich tags zuvor gesehen, wie soll Robert darauf reagieren? Würden wir an seiner Stelle der Person glauben, oder nicht?

Wie gewohnt gibt sich der Autor in Inferno nicht mit einem gemächlichen Tempo zufrieden, sondern sprintet von der ersten Seite an los, ohne dass man erahnen könnte, wohin die Reise führt. Dies ist ihm auch besser gelungen als im Vorgängerroman Das verlorene Symbol, bei dem der Ausgang der ansprechend kurzen Kapitel meist absehbar war. Brown wiederholt dabei in den Folgekapiteln oft die Formulierungen aus den vorangegangenen, so dass der Eindruck entsteht, der Inhalt würde sich wiederholen. Wenn man das Buch auf wenige Etappen liest, verstärkt sich dieser Eindruck, Gelegenheitsleser werden diese Auffrischung der Geschehnisse begrüßen. Durch die verschiedenen Erzählebenen, die zugleich den Leiter des mächtigen "Konsortiums" auf einer mit modernster Technik ausgestatteten Yacht betreffen, und die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, Elizabeth Sinskey, glaubt man zu wissen, wie Langdon in all dies verwickelt wurde. Und viel wichtiger noch, wem er momentan unwissentlich zuspielt. Doch man würde Dan Brown unterschätzen, wenn man ihm unterstellte, die Geschichte ohne zusätzliche Haken zu erzählen.

Präsentiert er zu Beginn des letzten Drittels seine eigentliche Klarstellung, hat man wie Langdon das Gefühl, von einem zu schnellen Karussell herabzusteigen. Und auch wenn sich hier mit Sicherheit Widersprüche verstecken, lässt man rückblickend den Inhalt des Buches Revue passieren, ergibt es erstaunlicherweise Sinn.
Wie all das mit Dante Alighieris Commedia (auch Göttliche Komödie genannt) zusammenhängt, sollte jeder Leser für sich erfahren. Autor Dan Brown gibt hierbei einen Einblick in die drei Teile, die Dantes Abstieg in die Hölle – genannt "Inferno" –, seinen Weg über den Läuterungsberg und seinen Aufstieg ins Paradies beschreiben. Darüber hinaus vermittelt er zu zahlreichen Gebäuden, Plätzen, Gemälden und Skulpturen wieder zahllose Hintergrundinformationen, die die Werke vor dem geistigen Auge der Leser entstehen lassen. Diese befinden sich dabei sowohl in Florenz, wie auch in zwei weiteren Städten, die hier aber nicht verraten werden sollen.

Wer Inferno im englischen Original lesen möchte, sollte bedenken, dass auch wenn Dan Brown seinen Stil beibehalten hat, er hier auf eine andere Wortwahl bedacht scheint. So finden sich nicht nur in Beschreibungen oder zitierten, älteren Texten Wörter, die kaum gebräuchlich sind, sondern auch in den Dialogen. Das erschwert bisweilen den Lesefluss deutlich, zumal es die Erzählung holpriger und anspruchsvoller erscheinen lässt, als sie ist. Dass diese Worte auf den folgenden Seiten gehäuft vorkommen, verstärkt den Eindruck, der Autor wollte sie nun auch benutzen, nachdem er sie schon wiederentdeckt hat. So lehrreich es ist, das eigene Vokabular bei einem neuen Buch erweitern zu können, wenn es sich hierbei ausschließlich um Wörter und Formulierungen handelt, die nur in Historienromanen oder klassischen Werken benutzt werden, scheint der Sinn der Begriffe in einem modernen Techno-Thriller einfach nicht ersichtlich.


Fazit:
Wer Dan Brown dafür kritisiert, dass seine Bücher um den Symbologen Robert Langdon immer demselben Schema folgen, müsste auch die James Bond-Reihe dafür kritisieren, dass die jeweiligen Filme immer gleich aufgebaut sind. Zugegeben, die Zutaten bei Inferno sind sehr ähnlich zu den vorigen Romanen und auch der Erzählstil selbst mit kurzen Sätzen und ebenso knappen Kapiteln, die meist mit einem Cliffhanger enden, damit man weiterliest, ist aus seinen anderen Werken übernommen. Doch wandelt der Autor hier die Ausgangslage gekonnt ab und arbeitet auch innerhalb des Buches damit, dass der Harvard-Professor unter Amnesie leidet.
Das eigentliche Thema des Romans zu verraten, würde bedeuten, zu viel vorwegzunehmen. Wer eingangs die vielen detaillierten Beschreibungen zum geschichtlichen Hintergrund der vorgestellten Kunstwerke vermisst, dem sei versichert, dass Brown dies nach den ersten 100 Seiten nachholt. Auch nimmt er sich nach dem eigentlichen Finale angenehm Zeit, die Geschichte ausklingen zu lassen, anstatt sie abzubrechen. Für mich rundet er die Story gekonnt mit einer wichtigen Aussage ab, die in unserer Gesellschaft diskutiert werden sollte. Das hohe Tempo und die vielen Erläuterungen machen Inferno ebenso fesselnd unterhaltsam, wie packend spannend und informativ. Und insbesondere im letzten Drittel – auch durch die Endgültigkeit – erstaunlich überraschend. Mehr noch, als Das verlorene Symbol, aber weniger im Vergleich zu den ersten beiden Büchern um den sympathischen Protagonisten. So wird Dan Brown zwar keine neuen Fans hinzugewinnen, aber wer vom ersten Roman an interessiert oder begeistert war, ist auch hier perfekt aufgehoben.


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