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Sonic The Hedgehog [2020]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 4. Februar 2020
Genre: Komödie / Animation / Fantasy

Originaltitel: Sonic The Hedgehog
Laufzeit: 100 min.
Produktionsland: Kanada / Japan / USA
Produktionsjahr: 2020
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Jeff Fowler
Musik: Junkie XL
Besetzung: Ben Schwartz (Julien Bam), James Marsden, Jim Carrey, Tika Sumpter, Lee Majdoub, Adam Pally, Neal McDonough, Frank C. Turner


Kurzinhalt:

Der rasendschnelle blaue Igel Sonic (Ben Schwartz / Julien Bam) verfügt, ohne es zu wissen, er über eine besondere Fähigkeit. Zu seinem eigenen Schutz musste er daher vor 10 Jahren von seiner eigenen, farbenfrohen und abwechslungsreichen Welt fliehen und kam auf die Erde. Seither versteckt er sich im Wald nahe des kleinen Ortes Green Hills. Seit langem beobachtet er den Sheriff Tom Wachowski (James Marsden) und dessen Frau Maddie (Tika Sumpter), die jedoch nichts von seiner Existenz ahnen. Als Tom entschließt, zur Polizei nach San Francisco zu gehen, fürchtet Sonic, allein bleiben zu müssen, und löst einen ungeheuren Energiestoß aus, auf den auch die Regierung aufmerksam wird. Der ebenso brillante wie größenwahnsinnige Wissenschaftler Dr. Robotnik (Jim Carrey) wird entsandt, die Ursache zu finden. Als Robotnik auf Sonics Spur stößt, bleibt dem Igel nichts anderes, als seine zweite Heimat ebenfalls zu verlassen und einen neuen Planeten aufzusuchen. Doch dafür braucht er Toms Hilfe …


Kritik:
Etwa drei Monate später als geplant kommt die Videospielverfilmung Sonic The Hedgehog in die Kinos. Eine Verspätung, die daraus folgt, dass nachdem Fans auf eine erste Vorschau im Frühjahr 2019 so negativ reagiert hatten, sich das Studio genötigt sah, das Design der Titelfigur umzukrempeln. Die Notwendigkeit, die Story nochmals zu überarbeiten, sah man dabei wohl nicht. Andererseits, was für eine Story um einen blitzschnellen, blauen Igel von der anderen Seite der Galaxis würde man sich auch vorstellen können?

Erzählt von der Titelfigur, beginnt Sonic mitten im Finale, springt dann jedoch an den Anfang zurück und schildert kurz, woher der blaue Igel-Alien denn stammt. Wir bekommen erzählt, dass er zehn Jahre zuvor fliehen musste, weshalb genau, wird aber nicht klar – oder bleibt nicht im Gedächtnis. Er hat eine Zuflucht im beschaulichen Örtchen Green Hills in Montana gefunden, wo er versteckt im Wald lebt und anderen Lebewesen hilft, wenn er kann. Dass er Sheriff Tom Wachowski und seine Frau heimlich beobachtet, sich als Teil ihrer Familie fühlt, auch wenn sie nichts von seiner Existenz ahnen, klingt für ein junges Publikum lustig, wirkt tatsächlich aber so gruselig wie bei einem Stalker. An sich könnte alles so bleiben, wie es ist, bis Sonic, von der Furcht getrieben, für immer allein zu sein, so schnell rennt, dass er einen Energiestoß auslöst, der einen riesigen Stromausfall verursacht. Auf der Suche nach dessen Ursache, nimmt die US-Regierung die Hilfe von Dr. Robotnik in Anspruch. Der hochintelligente Wissenschaftler, der gelinde gesagt als exzentrisch bezeichnet werden kann, fühlt sich Maschinen näher als Menschen und hat eine ganze Armada an Drohnen im Gepäck. Bei dem Versuch, zu fliehen, verliert Sonic seine Portalringe und so soll Tom Sonic helfen, die Ringe wiederzufinden und ihn gleichzeitig vor Robotnik beschützen.

Da der Film wie bereits gesagt während des Finales einsetzt, weiß man zumindest, wohin die Geschichte führen wird. Tatsächlich muss sich das Publikum merklich anstrengen, irgendetwas Überraschendes an der Story zu finden. Dabei erzählt Sonic The Hedgehog im Grunde sogar zwei Geschichten. Zum einen die um den Igel Sonic, der fliehen muss, um Robotnik zu entkommen, selbst wenn er dafür seine zweite Heimat, die Erde, hinter sich lassen muss. Zum anderen die um Tom, der nach San Francisco gehen will, um als Polizist endlich auch Leben retten zu können (wie er selbst sagt), was in dem kleinen Ort nie vorkommt. Tom würde seine Heimat also bereitwillig aufgeben und das sorgt für Spannungen mit Sonic. Diese Momente, so wenige sie sind, sind recht gelungen.
Viel mehr Hintergrund bekommt jedoch keine Figur im Film zugeschrieben, selbst wenn Sonic eine kleine Entwicklung durchlebt. Insbesondere Toms Frau Maddie hat kaum etwas zu tun und dass die menschlichen Helden beim Finale nur Statisten sind, kommt wohl mit der Art des Films. Der verlässt sich dafür bereitwillig auf seinen Schurken, Dr. Robotnik, gespielt von niemand geringerem als Jim Carrey.

So wie Sonic The Hedgehog eine Videospielfigur aus dem Jahr 1991 auf die Leinwand bringt, kann man sich dabei des Eindrucks nicht erwehren, dass auch der Jim Carrey aus den 90er-Jahren zurück ist. Er verkörpert Dr. Robotnik als vollkommen überkandidelten, bösen Wissenschaftler mit Tendenzen zur Weltherrschaft, samt Grimassen sowie überzogener Mimik und Gestik. Wenn er in seinem mobilen Labor beginnt, ausladend zur Musik zu tanzen, dann ist das für ältere Zuseherinnen und Zuseher beinahe ein Grund zum Fremdschämen – aber die Kinder im Publikum haben gerade bei ihm gefeiert. So wie auch bei dem unmotivierten Furz-Witz um Sonic inmitten des Films. Das sich beides auf ähnlichem Niveau befindet, soll damit nicht angedeutet werden. Das Zielpublikum stört sich auch nicht daran, dass die Story um Robotnik inhaltlich arg dürftig ausfällt, dass zahlreiche Gebäude und Straßenzüge beim Finale vernichtet werden, oder dass Sonic, wenn er im Film unter Menschen in einer Bar auftritt, von ihnen nicht einmal als etwas „Anderes“, als ein Wesen, das nicht von dieser Welt ist, erkannt wird. Das ist zwar vollkommen absurd, aber auch mit einer ausgedehnten Zeitlupensequenz verbunden, in der sich Sonic mit Normalgeschwindigkeit bewegt. Insofern gab es für Kinder auch hier etwas zu lachen.

Das ist es auch, was man am Ende festhalten sollte: Selbst wenn die ursprünglichen Spiele um den blauen Igel auf Grund der erforderlichen Geschicklichkeit nicht hauptsächlich an Kinder gerichtet waren, Regisseur Jeff Fowler weiß genau, für wen er diese Geschichte erzählt. Und bei diesem Publikum hat er offenbar öfter als nicht einen Nerv getroffen.
Fans des rennenden und rollenden Igels sollten dabei nicht nur zu Beginn, sondern auch während des Abspanns für einen möglichen Ausblick auf eine Fortsetzung sitzen bleiben.


Fazit:
Sieht man die inhaltlich dürftige Ursprungsgeschichte und die spärlichen Charaktermomente, dann fällt schnell auf, worum es Filmemacher Jeff Fowler im Grunde geht. Er möchte einen gutherzigen Abenteuerfilm für Kinder erzählen, mit völlig überzogenem Slapstick-Humor. Alles in allem ist ihm das auch zumindest die meiste Zeit gelungen. Dass James Marsden neben dem ordentlich aber nie überaus liebevoll animierten Sonic das Nachsehen hat, kompensiert er mit einer Darbietung, die ganz offensichtlich ohne weitere Bemühungen seinerseits entstanden ist und bei der er meist nur anwesend sein musste. Anders Jim Carrey, der geradezu entfesselt scheint, was bei einem älteren Publikum für unangenehme Momente sorgen dürfte. Die Trickeffekte sind meist nur Mittelmaß und oft sogar darunter, die Story bleibt oberflächlich und auch handwerklich ist die Videospielverfilmung im besten Fall routiniert, aber nie einfallsreich und in keiner Szene überraschend. Und trotzdem, das sehr junge Zielpublikum hatte bei der besuchten Vorstellung seinen Spaß und die Aussage des Films ist es durchaus wert, gehört zu werden. Sonic The Hedgehog ist kein Ärgernis als Film, aber ob man für das Gebotene wirklich ein Kinoticket lösen oder auf die Heimvideoveröffentlichung warten sollte, muss eine jede bzw. ein jeder selbst entscheiden. Erwachsene sollten von der Wertung jedoch noch einen halben Punkt abziehen.
 


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