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Spider-Man: Far from Home [2019]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Juni 2019
Genre: Komödie / Action / Thriller

Originaltitel: Spider-Man: Far from Home
Laufzeit: 129 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jon Watts
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Tom Holland, Jake Gyllenhaal, Samuel L. Jackson, Zendaya, Jacob Batalon, Jon Favreau, Marisa Tomei, Cobie Smulders, J. B. Smoove, Martin Starr


Kurzinhalt:

Nachdem in Mexiko ein seltsames Monster eine verheerende Zerstörung verursacht hat, sieht sich Nick Fury (Samuel L. Jackson) ohne ein vollständiges Avenger-Team einer kaum lösbaren Herausforderung gegenüber. Selbst auf Peter Parker (Tom Holland) alias Spider-Man kann er nicht zählen, da dieser statt die Welt zu retten, lieber mit seiner Schulklasse einen Ausflug nach Europa antritt. Immerhin will er dort seiner Angebeteten, MJ (Zendaya), seine Gefühle offenbaren. Doch auch in Venedig, dem ersten Stop des Ausflugs, trifft Peter auf zerstörerische Kreaturen. Wie Fury ihm mitteilt, handelt es sich um Wesen aus einer anderen Dimension. Zusammen mit dem ebenfalls aus jener Welt hergereisten Mysterio (Jake Gyllenhaal) soll Peter die Angriffe beenden. Dabei könnte ihm ein Vermächtnis helfen, das ihm „Happy“ Hogan (Jon Favreau) übergibt, der inzwischen viel Zeit mit Peters Tante May (Marisa Tomei) verbringt. Doch ist Peter angesichts der riesigen Verantwortung, die auf ihm lastet, so verunsichert, dass er übersieht, welcher Gefahr er sich wirklich gegenübersieht …


Kritik:
Obwohl Spider-Man: Far from Home erst das zweite Film-Abenteuer des jugendlichen Peter Parker nach Spider-Man: Homecoming [2017] ist, ist dies der inzwischen fünfte Auftritt dieser Form der Figur, die Teil des immens erfolgreichen Avengers-Franchise ist. Für das Publikum sind die Verstrickungen im Hintergrund, dass Jon Watts’ Film aus lizenzrechtlichen Gründen keine Marvel-Produktion, sondern ein Sony-Film mit Marvel-Beteiligung ist, uninteressant. Viel wichtiger ist, ob Far from Home als erstes Superhelden-Comic nach Avengers: Endgame [2019] ein guter Film ist. Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Nicht nur angesichts des Potentials, das die Figuren hier erkennen lassen, ist das, was die Geschichte daraus macht, erstaunlich enttäuschend. Wäre es nicht um die Verknüpfungen zum Marvel Cinematic Universe (MCU), gäbe es für Kenner desselben keinen Grund, Spider-Mans zweites Abenteuer anzusehen.

Die vermutlich wichtigste dieser Verbindungen hebt sich das Drehbuch bis nach dem Abspann auf, Interessenten sollten also sitzen bleiben. Die Geschichte selbst setzt kurz nach den Ereignissen von Endgame an, an dessen Ende die Welt der Superhelden neu geordnet wurde. Das ruft eine Montage zu Beginn dem Publikum nochmals in Erinnerung. In diesem Helden-Vakuum hat es Peter Parker alias Spider-Man schwer, seinen Platz zu finden. Oder besser: Er ist überfordert von der Aussicht, eine solch große Verantwortung zu übernehmen. Immerhin ist er erst 16 Jahre alt – was man dem durchaus jung aussehenden Tom Holland jedoch nicht abnimmt – und kurz davor, MJ, in die er verliebt ist, seine Gefühle zu offenbaren. Ein Schulausflug nach Europa wäre eine passende Kulisse für das Liebesgeständnis und bedeutet für Spider-Man gleichzeitig den heiß ersehnten Urlaub.
Bis aus dem Nichts zerstörerische Wesen einer anderen Dimension auftauchen, dicht gefolgt von dem Superhelden Mysterio, der die Monster aber nur mit Peters Hilfe zerstören kann. Nicht nur, dass diese „Elementals“ und ihre Geschichte kaum vorgestellt werden, sie klingt so absurd, dass nicht einmal Peter oder Nick Fury, der ebenfalls mit von der Partie ist, eine so hanebüchene Geschichte glauben würden. Und das trotz allem, was sie erlebt haben.

Inmitten des Films wandelt sich dann die Ausrichtung der Story, sodass alles, worin das Publikum bis dahin investiert hatte, null und nichtig wird. Das macht das Gezeigte nicht unbedingt mitreißender. Es verstärkt auch den Eindruck, dass die Geschichte selbst spürbar mäandriert. Würde man vermuten, dass der Schulausflug und Peters Mitschülerinnen und Mitschüler lediglich eine Rahmenhandlung bieten, innerhalb der Spider-Man als Superheld gefordert wird, nehmen sie nicht nur einen beträchtlichen, sondern gefühlt den größeren Teil der Laufzeit ein. Mit Venedig, Prag und London werden zwar interessante Schauplätze zur Verfügung gestellt, doch was dort geschieht, wiederholt sich beinahe in der direkten Abfolge. Statt dass sich Far from Home des Widersachers oder Spider-Man selbst annehmen würde, verhaspelt sich der Film in Ablenkungen. Das können kleine Momente wie die ständigen Kabbeleien der den Ausflug begleitenden Lehrer sein, oder wenn Peter ein spezielles Abwehrsystem von Stark Industries austestet und damit beinahe einen Mitschüler auslöscht, nur weil dieser ein kompromittierendes Foto von ihm gemacht hat.

Das klingt unterhaltsam und das ist es großteils auch, wobei der unpassende Humor in ernsten Szenen im letzten Drittel durchaus negativ auffällt. Aber es täuscht nicht über die erzählerischen Schwächen hinweg, zu denen unter anderem zählt, dass der Schurke in einem Monolog und vollkommen ohne Grund seine Motivation und sein Ziel Zuhörern erklärt, die all das ohnehin bereits wissen. Ein billiges Stilmittel, um ihn in geballter Form in irgendeiner Art und Weise als Bösewicht zu definieren. Oder dass sich die Jugendlichen regelmäßig nur deshalb im Herzen der Action befinden, damit Spider-Man jemanden aus einer bedrohlichen Situation retten kann, die oder der ihm etwas bedeutet.
Die Figuren sind es, die Spider-Man: Far from Home gleichzeitig auszeichnen und ihn zu einem mitunter frustrierenden Filmerlebnis machen. Einerseits sind Peter Parker, MJ, aber auch Peters Tante May und Happy Hogan sympathische sowie liebenswerte Figuren. Insbesondere die Beziehung zwischen May und Happy besitzt einen unerwarteten Charme. Die Darsteller werfen sich verbal die Bälle zu, um viel Humor aufkommen zu lassen, beispielsweise in den Dialogen zwischen Peter und seinem besten Freund Ned. Im selben Moment müssen sie sich durch eine Story bewegen, die wild zusammengeschustert und ebenso ziellos daherkommt. Wann immer etwas zu unglaubwürdig klingt, als dass das Publikum es akzeptieren könnte, geschieht, kompensiert Filmemacher Jon Watts dies mit Humor. Ein paar Mal verzeiht man dies, doch irgendwann kann man es gar nicht mehr übersehen.

Man kann es auch so formulieren: Wenn eine Szene während des Abspanns nicht nur den besten Gastauftritt einer bekannten Figur bereithält, den das Publikum am lautesten bejubelt, sondern in dieser Szene außerdem die vielleicht interessanteste Story-Entwicklung der gesamten zwei Stunden gezeigt wird, dann möchte man zwar wissen, wohin all das im kommenden Teil führen wird – aber es verdeutlicht nur, wie wenig einprägsam (oder notwendig) der Rest des Films gewesen ist.


Fazit:
Dass Peter Parker als Spider-Man seinen Platz in einer Welt der Avengers finden muss, war Quintessenz von Teil eins; nun muss er ihn in einer Welt ohne sie einnehmen. Sieht man ihn am Anfang und am Ende, dann scheint was dazwischen geschieht weder inhaltlich erforderlich für seine Entwicklung, noch die beste Story, die man aus der Ausgangslage hätte erzählen können. Die erste Hälfte, die inhaltlich lediglich als Vorbereitung für die zweite dient, ist darüber hinaus mindestens 15 Minuten zu lang. Auch angesichts der beinahe aufgesetzten Verknüpfungen mit dem MCU ist es, als wäre Jon Watts’ zweites Spider-Man-Abenteuer mehr Überleitung auf den nächsten, denn eigenständiger Film. Die Präsenz eines großen Helden ist hier immer spürbar, was das Gezeigte für Marvel-Fans auch interessant macht. Doch der oft amüsante, nie langweilige Unterhaltungsfilm wird weder den Figuren, noch dem inhaltlichen Erbe von Avengers: Endgame tatsächlich gerecht. Dafür ist die Story zu wenig fokussiert oder mitreißend erzählt. Insofern ist Spider-Man: Far from Home angesichts der Erwartungen – und des Potentials – zwar bei weitem kein Reinfall, aber recht enttäuschend.
 


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