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Alita: Battle Angel [2019]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 7. Februar 2019
Genre: Science Fiction / Action / Thriller

Originaltitel: Alita: Battle Angel
Laufzeit: 122 min.
Produktionsland: Kanada / Argentinien / USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Robert Rodriguez
Musik: Junkie XL (Tom Holkenborg)
Darsteller: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali, Ed Skrein, Jackie Earle Haley, Keean Johnson, Michelle Rodriguez, Eiza González, Lana Condor, Jorge Lendeborg Jr., Idara Victor, Marko Zaror, Elle LaMont, Leonard Wu, Casper Van Dien, Edward Norton


Kurzinhalt:

Im 26. Jahrhundert konzentrieren sich die Überlebenden des „Falls“, eines großen, vor Hunderten von Jahren stattgefundenen Konflikts, in Iron City. Über ihr schwebt die Stadt Zalem, die Wohlstand verheißt. Auf einer von Zalems abgeworfenen Müllhalden entdeckt der Wissenschaftler Dr. Ido (Christoph Waltz) den Torso eines Cyborgs. Er nimmt ihn mit, komplettiert ihn und tauft sie Alita (Rosa Salazar). Sie kann sich nicht daran erinnern, wer sie ist oder woher sie kommt, obwohl es Anzeichen gibt, dass sie sehr alt und sehr gefährlich sein könnte. Als sie auf Hugo (Keean Johnson) trifft, verliebt sie sich in ihn. Hugo arbeitet für Vector (Mahershala Ali), der die gefährlichen und beliebten Motorball-Kampfspiele organisiert. Während sich Alita in dieser Welt zurecht zu finden versucht, heuern Vector und Chiren (Jennifer Connelly) auf Geheiß der Mächtigen in Zalem alle verfügbaren Kopfgeldjäger an, die Alita töten sollen, da der Cyborg eine ungeahnte Bedrohung für sie darstellt. So entdeckt Alita ihre wahre Bestimmung und das Geheimnis ihrer eigenen Vergangenheit …


Kritik:
Die lange erwartete Verfilmung des Graphic Novels / Mangas Gunnm [1997-2006] von Yukito Kishiro, Alita: Battle Angel, ist entweder zu lang oder zu kurz, um sowohl den eigenen Zielen als auch den Erwartungen des Publikums gerecht zu werden. Beinahe 20 Jahre wartete das Publikum darauf, dass James Cameron das Projekt auf die Leinwand bringen würde. Am Ende tritt er zwar nur als Produzent und Ko-Autor auf, wird jedoch wie Produzent Jon Landau stärker im Marketing des Films angepriesen, als die übrigen Talente vor und hinter der Kamera. Dabei klingt es womöglich negativer als beabsichtigt, wenn man festhält, dass das Cyberpunk-Abenteuer Avatar - Aufbruch nach Pandora [2009], dem es nicht nur in Hinblick auf den Erfolg nacheifern soll, in keinem Moment gewachsen ist.

Die Gründe hierfür sind vielfältig und liegen nur zum Teil in der komplizierten und zugleich löchrig erzählten Story. Die setzt im Jahr 2563 und damit 300 Jahre nach dem „Fall“, einem verheerenden Krieg an, den nur eine der fliegenden Städte überstanden hat, Zalem. Unter ihr liegt Iron City, wo das gewöhnliche Volk lebt. Es halten sich Gerüchte, man könne sich einen Platz in der obigen Welt erkaufen, doch der einzige Weg dorthin ist, Champion in dem ebenso tödlichen wie beliebten Sport Motorball zu werden, den Unzählige gebannt verfolgen. Dann wird man nach Zalem geholt. Davon abgesehen gibt es nur Wege nach unten. Auf diese Weise trifft der Arzt und Wissenschaftler Dr. Dyson Ido auf Alita; auf der Suche nach maschinellen Ersatzteilen, mit denen sich viele Menschen kybernetisch aufwerten lassen, findet Ido auf dem von der schwebenden Stadt ausgestoßenen Müllberg den Torso eines weit entwickelten Cyborgs. Er versieht sie mit einem vollständigen Körper und erweckt sie aus ihrem Schlaf, doch Alita kann sich an nichts erinnern. Da sie aber alsbald kämpferische Fähigkeiten entwickelt, ist klar, dass sie nicht irgendein Wesen ist, sondern einer längst vergangenen Zeit angehört.

Das würde inhaltlich bereits genügend Stoff für einen interessanten Science Fiction-Thriller bieten, gäbe es doch mit der zerstörten Welt, der fliegenden Stadt und dem großen Krieg zwischen Erde und Mars (genau genommen der „United Republic of Mars“) genug zu entdecken. Aber statt in dieser Dystopie wirklich einzutauchen, wird sie nur als Hintergrund vorgestellt. Zu Beginn scheint es um eine Reihe Frauenmorde zu gehen, dann wird die improvisierte Polizei in Form von Kopfgeldjägern vorgestellt, die in Iron City für so etwas wie Recht sorgen sollen, und wenig später widmet sich Regisseur Robert Rodriguez dem Motorball-Sport und stellt Zalem als Ziel der Figuren vor. Keiner dieser Aspekte wird in Alita: Battle Angel wirklich weiterverfolgt und gerade dann, wenn man erwarten würde, dass die Erzählung einen Gang höher schält, ist der Film einfach vorbei.

Bis es soweit ist, gibt es fraglos viel zu entdecken. Die düstere Zukunftsvision ist voll von Details und wirkt in sich auf eine einnehmende Art und Weise stimmig. Kaum eine Person ist ohne kybernetische Erweiterungen zu sehen, selbst Idos Assistentin besitzt eine Armprothese und dass diese Elemente alle funktional sind, ist dem durchgängigen Design zu verdanken. Die Centurions, selbst operierende Geschütztürme, oder der Berserker-Körper, all das lässt erahnen, dass es viel mehr zu erfahren gibt, als hier zu sehen ist. Aber das lenkt nur eine gewisse Zeit davon ab, bis man feststellt, dass die Dialoge nicht sehr tiefgründig sind und zum Ende hin vor allem bei der Liebesgeschichte nur flacher werden. Gegen die einnehmenden Augen von Alita wirkt Keean Johnson als Hugo mit einer starken Ähnlichkeit mit einem jungen Sylvester Stallone merklich blaß. Daneben gibt es viele Bilder, die schlicht fantastisch aussehen und bei denen man keinen Unterschied zwischen den Trick- und Realaufnahmen sieht. Insbesondere bei den Cyberpunkt-Elementen. Dennoch haftet Alita und den anderen Cyborgs mitunter etwas Künstliches an, so dass man sich am Ende wieder fragen muss, ob es nicht besser gewesen wäre, Alita: Battle Angel als reinen Animationsfilm zu erzählen.

Die vielen Stationen, die die Story abklappert, der Erzählung ständig neue Richtungen verleiht, täuschen nicht darüber hinweg, dass sich die Figuren kaum von der Stelle bewegen und nur wenige Szenen wirklich mitreißen. Die lockeren Sprüche sind nie witzig genug, um mehr als ein Lächeln zu entlocken, die Liebesgeschichte überzeugt nicht und was der Filmemacher mit Alitas Freund Hugo anstellt, sorgt am Ende nur für Kopfschütteln. Die Welt ist ungeheuer interessant, aber hier wird nur an ihrer Oberfläche gekratzt.


Fazit:
Vor allem in der zweiten Hälfte mangelt es der Story an einem dramaturgischen Aufbau. Das heißt nicht, dass was zu sehen ist, langatmig wäre, aber man hat nie das Gefühl, sich auf ein Finale zuzubewegen. Eine Steigerung dessen, was auf dem Spiel steht, ist nie spürbar. Wenn dem endlich so ist, muss man enttäuscht erkennen, dass der erzählerische Höhepunkt wohl bereits geschehen sein soll. Das schmälert nicht die Arbeit der Trickeffektkünstler und auch das Motion- und Performance-Capture ist erstklassig. Vor allem die von Rosa Salazar verkörperte Alita lässt nie Zweifel daran aufkommen, dass sie eine richtige Figur in dieser Welt ist. Aber abseits des audio-visuellen Bombasts und des besten Einsatzes von 3D, den es seit Jahren zu sehen gab, lässt Robert Rodriguez’ Werk mehr Wünsche offen, als dass erfüllt werden. Vor allem für Science Fiction-Fans ist das durchweg unterhaltsam und nicht zuletzt dank der bestechenden Optik beeindruckend. Nur ist Alita: Battle Angel entweder eine Stunde zu kurz oder eine halbe Stunde zu lang mit einer Story, die eineinhalb Filme ausfüllen würde, hier aber in das Korsett eines einzelnen gepresst wurde.
 


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