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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen [2018]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. November 2018
Genre: Fantasy

Originaltitel: Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald
Laufzeit: 134 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David Yates
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Alison Sudol, Ezra Miller, Jude Law, Johnny Depp, Zoë Kravitz, Carmen Ejogo, Claudia Kim, Callum Turner, Victoria Yeates


Kurzinhalt:

Es ist das Jahr 1927. Dem mächtigen Zauberer Grindelwald (Johnny Depp) gelingt die Flucht aus der Haft. Nachdem Newt Scamander (Eddie Redmayne) ein Angebot seines Bruders Theseus (Callum Turner) ablehnt, für das Zaubereiministerium zu arbeiten, bittet ihn der einflussreiche Magier der Hogwarts-Schule, Albus Dumbledore (Jude Law), um einen persönlichen Gefallen: Newt soll für ihn den jungen Credence Barebone (Ezra Miller) aufspüren, den wiederum Grindelwald für die Umsetzung seiner finsteren Pläne braucht. Credence ist in Paris untergetaucht, auf der Suche nach seiner Herkunft. Die Aurorin Tina Goldstein (Katherine Waterston) ist ihm bereits auf den Fersen und zusammen mit dem Muggel Jacob (Dan Fogler) macht sich Newt auf den Weg. Dabei steht mehr auf dem Spiel, als sie im ersten Moment ahnen – und sie alle folgen dem Pfad, den Grindelwald von langer Hand für sie geplant hat …


Kritik:
Erweckte Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind [2016] den Eindruck, als wäre die Geschichte nicht viel mehr als eine Ergänzung des bekannten, magischen Harry Potter-Universums, wird in der ersten von geplanten vier Fortsetzungen, Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen, deutlich, was Roman-Autorin J. K. Rowling, die hier selbst für die Drehbuchvorlage verantwortlich zeichnet, wohl eigentlich im Sinn hatte. Statt einer weiteren Anekdote, erzählt der Fantasyfilm nur den Anfang eines großen, neuen Kapitels jener Welt, auf das mitunter bereits Bezug genommen, das aber noch nicht im Detail beleuchtet wurde. Dabei werden mehr bekannte als neue Charaktere vertieft.

Das ist jedoch nur insoweit ein Kritikpunkt, wie man vermuten würde, Phantastische Tierwesen wäre hauptsächlich die Geschichte des in sich gekehrten Zauberers Newt Scamander, der ein großes Herz für sonderbare Wesen hat. Der spielt zusammen mit der Aurorin Tina, dem Menschen Jacob und Tinas Schwester Queenie immer noch eine große Rolle, doch im Zentrum der Story steht, wie der Titel bereits vermuten lässt, der mit dem späteren Hogwarts-Schulleiter Albus Dumbledore eng verbundene Zauberer Gellert Grindelwald, der auf der Suche nach dem mächtigen jungen Magier Credence ist. Dieser hat die Geschehnisse des ersten Films überlebt und ist auf der Suche nach seiner Herkunft. Angesiedelt im Jahr 1927, sind drei Monate vergangen, seit Grindelwald nach einem halben Jahr der Haft entfliehen konnte. Newt Scamander, der seit den Ereignissen von New York das Land nicht verlassen darf, erhält ein Angebot, das von seinem Bruder Theseus ausgehandelt wurde, der selbst Auror ist: Wenn Newt für das Zaubereiministerium arbeitet, wird seine Reisesperre aufgehoben. Er soll helfen, Credence zu finden.

Wofür Grindelwald den jungen Zauberer benötigt, wird zwar nicht abschließend geklärt, doch für seine Pläne, die Zauberer zu den Herrschern über die ganze Welt zu machen – Muggel und Zauberer gleichermaßen –, ist er unerlässlich. Bereits die düstere Eröffnungssequenz legt nahe, dass Grindelwalds Verbrechen kein Kinderfilm ist und auch die übrige Geschichte lässt die Leichtfüßigkeit vermissen, die Teile des Vorgängers geprägt hatten. Dafür überzeugen jedoch die ausgefeilteren Charakterzeichnungen. Dass viele Abschnitte im Dunkeln spielen, lässt von einer Vorstellung in 3D überdies eindeutig abraten.
Mit vielen ungewöhnlichen Wesen und der Tatsache, dass die Hexen und Zauberer ihre Kräfte für alle möglichen Alltagstätigkeiten verwenden, bewahrt sich der Film gekonnt die Magie, die den ersten Harry Potter-Film ausgezeichnet hat. Gleichzeitig knüpft die Geschichte viele Verbindungen zur bekannten Fantasy-Welt und fügt bereits vertrauten Figuren und Familien neue Hintergründe und überraschende Details hinzu. Das ergibt auf der einen Seite Momente, die Kennern des Universums um den „Jungen, der überlebte“, einen Schauer über den Rücken jagen. Gleichzeitig jedoch kommen die aus dem ersten Phantastische Tierwesen-Film bekannten Figuren merklich kurz und sind phasenweise gar nicht zu sehen.

Als introvertiertem Magier gelingt Eddie Redmayne erneut eine tolle Darbietung. Größeres Augenmerk liegt verständlicherweise auf Jude Law, der in die Rolle des jungen Albus Dumbledore schlüpft. Ihm gelingt die Balance zwischen der für den Zauberer bekannten, verspielten Natur und einer unterschwelligen Melancholie, die sich in den Augen des späteren Dumbledore wiederfinden wird, überaus gut. Ebenso bemerkenswert ist Zoë Kravitz in einer an sich tragischen Rolle. Die größte Überraschung ist allerdings Johnny Depp als Grindelwald selbst, der fernab eines überdrehten oder schrillen Auftretens eine beunruhigende Ruhe und Geduld ausstrahlt. Inwieweit sich seine Figur in den kommenden Filmen wandeln wird, bleibt interessant zu beobachten. Mitanzusehen, wie die von ihm sorgfältig und lange aufgebaute Falle zum Finale hin zuschnappt, zieht merklich die Spannungsschraube an und sorgt für ein letztes Drittel, das einige ziellos scheinende Szenen des übrigen Films vergessen lässt.

Allem voran ist es das Ende, das hier in Erinnerung bleibt. Wie genau die Geschichte mit den bereits bekannten Facetten des Harry Potter-Universums zusammenpassen wird, macht insbesondere für Kenner und Fans den eigentlich Reiz aus. Die Verstrickungen sorgen allerdings dafür, dass die Geschichte viele Nebenschauplätze bietet und nur diejenigen, die in dem Fantasy-Universum bewandert sind, sich auch zurechtfinden werden. Als Beginn einer neuen Reise ist Grindelwalds Verbrechen überaus gelungen und wird nicht nur Fans der bisherigen Teile der Fantasy-Reihe unterhalten.


Fazit:
Auch dank des tollen Scores von James Newton Howard, der viele eigene Themen findet und erfreulich selten auf die bekannten Motive der Reihe zurückgreift, entwickelt David Yates’ Fantasy-Abenteuer eine stellenweise traurige Stimmung, beinahe, als könne die Geschichte nicht anders, als sich so zu entwickeln, wie sie es tut. Dass vertraute Figuren der Harry Potter-Filme hier mehr Raum einnehmen, ist an sich kein Kritikpunkt. Schade ist aber, dass diejenigen aus dem Vorgänger merklich weniger zu tun bekommen. Würde man Grindelwalds Verbrechen lediglich als Fortsetzung zu Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind sehen, wären viele Momente im Mittelteil unnötig. Doch der Film legt merklich – und mehr noch als der erste Teil – den Grundstein für eine große Story, die über mehrere Filme hinweg erzählt werden wird. Insofern ist Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen mehr der Beginn einer neuen Saga als eine Fortsetzung dazu. Handwerklich tadellos und mitunter spannend, wenn auch nicht für ein sehr junges Publikum dargebracht, beweisen die Macher damit eindrucksvoll, dass in der Tat noch neue und erzählenswerte Geschichten in diesem Universum schlummern, dessen Charme bis heute ungebrochen ist.
 


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