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Predestination [2014]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. März 2015
Genre: Science Fiction / Drama / Thriller

Originaltitel: Predestination
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: Australien
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Michael Spierig, Peter Spierig
Musik: Peter Spierig
Darsteller: Ethan Hawke, Sarah Snook, Noah Taylor, Kuni Hashimoto, Christopher Kirby, Christopher Sommers, Sara El-Yafi, Cate Wolfe, Felicity Steel


Kurzinhalt:

Es ist die letzte Chance, die der Zeitreiseagent (Ethan Hawke) von seinem Vorgesetzten Mr. Robertson (Noah Taylor) erhält, um den 'Fizzle Bomber' genannten Attentäter, dessen größter Anschlag tausende Menschen das Leben kosten wird, zu schnappen. Dafür reist er ins Jahr 1970, fünf Jahre vor dem entsetzlichen Sprengstoffattentat. Als Barkeeper verwickelt der Agent eine Person (Sarah Snook) in ein Gespräch, die als "Unverheiratete Mutter" Kolumnen für Zeitschriften verfasst. Ist sie der Schlüssel? Was, wenn es vorherbestimmt ist, dass der Anschlag stattfindet? Was, wenn alles, was geschieht, schon geschehen ist?


Kritik:
Seit jeher sind die Menschen davon fasziniert, was möglich wäre, wenn man durch die Zeit reisen könnte. Es ist eine alte Weisheit, dass es meist mit Kopfschmerzen verbunden ist, wenn man länger darüber nachdenkt. Selten traf dies so zu wie bei Predestination – weniger während dem Ansehen, als vielmehr, wenn man nach dem Film darüber nachdenkt, was darin eigentlich passiert ist. Den Brüdern Spierig, die Regie führen und die Geschichte Entführung in die Zukunft [1959] von Robert A. Heinlein adaptiert haben, gelingt ein einzigartiger Blick darauf, was ein Paradoxon ausmacht.

Unter einem Paradox versteht man bekanntermaßen einen unlösbaren Widerspruch. Es ist wie ein Kreis, der keinen Anfang besitzt und folglich auch kein Ende. Schon deshalb bietet Predestination mehr Gesprächspotential als die allermeisten anderen Science Fiction-Geschichte. Selbige ist der Film zu allererst: Im Zentrum steht der von Ethan Hawke gespielte Zeitreiseagent, der für das Temporal Bureau arbeitet. Er verhindert Verbrechen, bevor sie geschehen und soll den so genannten Fizzle Bomber aufhalten, dessen verheerendes Attentat im Jahr 1975 mehr als 10.000 Todesopfer gefordert hat, bzw. fordern wird.

Nachdem er bei einem Einsatz schwer verletzt wird, reist der Agent ins Jahr 1970. Als Barkeeper getarnt, sucht er nach dem Bombenleger und trifft auf den verbitterten John, der Kolumnen für Zeitschriften schreibt. Was danach geschieht, sollte das Publikum selbst erfahren. Jede weitere Information wird nur die Atmosphäre des Films stören.
Was man allenfalls noch verraten darf ist, dass der Agent noch mehrere Sprünge durch die Zeit machen wird und insbesondere das letzte Drittel des Films die unterschiedlichen Ebenen miteinander verbindet. Die erste Stunde allerdings ist Predestination mehr Drama als Thriller. Das macht schon deshalb Sinn, da das Argument "Zeitdruck" in dem Moment nicht mehr wirkt, wenn eine Zeitmaschine im Spiel ist – man hat in diesem Moment schließlich so viel Zeit wie man möchte.

Stattdessen rücken die Filmemacher den Fokus auf eine ungewöhnliche, von Sarah Snook und Ethan Hawke herausragend gespielte Charakterstudie, die beim genauen Hinsehen unvorstellbar viele subtile Gemeinsamkeiten offenbart. Vornehmlich in den 1960er und 70er-Jahren angesiedelt, tragen auch die Ausstattung und die überlegte Musikauswahl im Hintergrund unschätzbar zur einnehmenden Atmosphäre bei. Darüber hinaus ist Predestination einfallsreich und mit so viel Bedacht auf die Perspektiven gefilmt, dass man die einzelnen Szenen mehrmals ansehen muss, um schätzen zu wissen, was den Regisseuren damit gelungen ist.

So bemerkenswert all das ist, zwischen dem fesselnden Anfang und dem Finale, in dem die letzten Puzzlestücke zusammenfallen, um die Zuschauer vor viel größere Fragen zu stellen, vergeht recht viel Zeit, in der John dem Agenten die Lebensgeschichte erzählt. Es ist richtig, dass der Kern der Story genau das ist und er alles zusammenhält, doch ist die dreiviertel Stunde in der Mitte sehr ruhig. So interessant das immer ist, im zweiten Akt ist der Film nicht wirklich spannend.


Fazit:
Würde man eine Zeitmaschine erfinden und in die Vergangenheit reisen, um etwas zu verändern, wie würde man wissen, ob alles, was bis dahin geschehen ist, nicht bereits die geänderte Zeit darstellt? Den wissenschaftlichen Überlegungen dahinter, nach denen die Zeit eine reine Größe darstellt, gesellen sich hier die philosophischen: Ist die Zeit nicht umkehrbar, ist dann alles vorherbestimmt? Predestination beschreibt das Paradoxon, das sich aus einer Manipulation der Vergangenheit ergibt, analog zum bekannten Henne-oder-Ei-Problem.
Das ist anspruchsvoll und entfaltet erst beim wiederholten Ansehen seine volle Wirkung. Vor allem ist es auf so einzigartige Art und Weise erzählt, dass Science Fiction-Fans ihre wahre Freude haben werden. Fantastisch gespielt und nicht weniger eindrucksvoll gefilmt, ist allenfalls der Mittelteil etwas zu lang. Wer sich auf ein Charakterdrama und nicht auf einen packenden Thriller einstellt, wird nicht enttäuscht. Etwas mehr von letzterem hätte dem Film jedoch nicht geschadet.    


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