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Fack ju Göhte [2013]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. Januar 2015
Genre: Komödie

Laufzeit: 119 min.
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Bora Dagtekin
Musik: Michael Beckmann
Darsteller: Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann, Jana Pallaske, Alwara Höfels, Jella Haase, Max von der Groeben, Anna Lena Klenke, Gizem Emre, Aram Arami


Kurzinhalt:

Nach 13 Monaten wird Zeki Müller (Elyas M'Barek) aus dem Gefängnis entlassen und macht sich mit seiner Bekannten Charlie (Jana Pallaske) auf, die Beute aus dem Bankraub, für den er einsaß, zurückzuholen. Die hatte Charlie vergraben. Nur dort, wo sie sie versteckt hat, steht inzwischen die Turnhalle einer Gesamtschule.
Um in Ruhe mit großem Gerät nach dem Geld graben zu können, braucht Zeki Zugang zur Schule. Da kommt es ihm gelegen, dass die Direktorin Gudrun (Katja Riemann) Bewerbungsgespräche für eine Stelle als Aushilfslehrer führt. Zeki bekommt den Zuschlag und muss sich kurz darauf mit der Klasse herumschlagen, welche die Lehrerin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) an den Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben hat ...


Kritik:
Mit seinen übersteuerten Farben, dem fahrigen Schnitt und der uninspiriert unruhigen Handkamera erscheint Fack ju Göhte bereits vom ersten Moment an, als wären die Filmemacher auf einem Drogentrip. Das soll wohl das jugendliche Publikum ansprechen und sieht man sich die Zuschauerzahlen an, hat das auch funktioniert. Doch das ändert nichts daran, dass Autor und Regisseur Bora Dagtekin leider weder Interesse an der Thematik, noch an seinen Figuren hat.

Das beginnt bereits damit, dass er nicht einmal erklärt, wer die Frau ist, die den Bankräuber Zeki Müller nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis abholt. Die aufreizend angezogene Charlie soll wohl seine Bekannte sein, doch was sie verbindet, erfährt man bis zum Schluss nicht. Ebenso wenig, wieso Zeki immer ins Striplokal zurückkehrt, in dem sie arbeitet. Charlie hat die Beute von Zekis Raub, weswegen er einsaß, in einer Baugrube versteckt – auf dieser steht nun die neue Turnhalle der Goethe-Gesamtschule. Um in Ruhe nach dem Geld graben zu können, heuert Zeki in der Schule an. An sich nur als Hausmeister, doch die Direktorin Gudrun verpflichtet den jungen Mann als Aushilfslehrer.

Man sollte dabei erwähnen, dass er sich dadurch an die Spitze der Bewerber katapultiert, indem er den Notrufknopf für einen Amok-Alarm drückt. Richtig, Dagtekin findet die Tatsache, dass Amokläufe an Schulen so häufig stattfinden, dass es tatsächlich Alarmtaster für Amokläufe an Schulen gibt, offensichtlich zum Schreien komisch. Ich bezweifle, dass Lehrer dies ebenso sehen.
Jedenfalls findet sich der egoistische, eher einfach gestrickte Zeki als Lehrer an der Schule wieder. Dort trifft er auf Lisi Schnabelstedt, die seit ihrer Kindheit schon Lehrerin werden wollte, auch wenn ihr die Schüler auf der Nase herumtanzen und sie statt sich durchzusetzen mit pädagogischen Binsenweisheiten um sich wirft, die sie Büchern entnimmt, die von Menschen geschrieben wurden, die nie vor einer Gruppe junger Menschen gestanden haben. Kurzum: Sie ist einer der Gründe, weswegen die Situation an den Schulen aktuell so ist, wie sie ist.

Vor allem reiht sie sich in Fack ju Göhte in eine schier endlose Reihe vollkommen unsympathischer Figuren. Die Schüler erfüllen allesamt die schlimmsten Klischees, die man sich vorstellen kann; Lisi ist als Lehrerin das Schlimmste, was man den Schülern dabei zumuten kann und Zeki denkt nur an sich selbst. Das zudem in einer stets verletzenden Art und Weise. Wessen Schicksal soll hier interessieren?
Dass Zeki im Lauf der langen zwei Stunden sein Herz für die Schüler und Lisi entdeckt ist ebenso absehbar, wie die Tatsache, dass sie hinter sein Geheimnis kommt und kurz vor dem Finale der obligatorische Tiefpunkt erreicht wird, ehe sich alles zum Guten wendet. Wenn es ein Buch gibt, in dem sämtliche Klischees für Filmdrehbücher aufgelistet werden, hat Bora Dagtekin es nicht nur gelesen, sondern Wort für Wort umgesetzt.

Zekis Kommentare gegenüber den Schülern, beispielsweise das inzwischen überall bekannte "Chantal, heul' leise", lockern dabei zwar so manchen Moment auf, doch die 'Späße', die die Schüler mit ihren Lehrern treiben, entstammen allesamt den Kevin - Allein zu Haus-Filmen. Das eigentliche Highlight und was das Gezeigte überhaupt erträglich macht, ist die Besetzung, die von Elyas M'Barek und Karoline Herfurth charismatischer angeführt wird, als es die Figuren verdienen. Katja Riemann ist als Direktorin toll besetzt und Uschi Glas' kurze Auftritte als selbstmordgefährdete Lehrerin sind gelungener als die geskripteten Humoreinlagen.

Auch an ihrem Beispiel zeigt sich, wie viel mehr Fack ju Göhte hätte sein können: An den großen Schulen in Ballungsgebieten sind Lehrer vom Burnout-Syndrom so sehr betroffen wie kaum eine andere Berufsgruppe. Die Tatsache, dass Schüler heute mehr an sozialen Netzwerken interessiert sind, denn an ihrer Zukunft, ist ebenfalls wahr und dass Pädagogen, die sich nicht in ihre Schüler hineinversetzen, sie weder verstehen werden, noch mit ihnen arbeiten können, vollkommen unbestritten. Nur kratzt der Film dabei lediglich an der Oberfläche. Dagtekin ist daran auch nicht interessiert, die wirklichen Ursachen werden nicht gesucht, geschweige denn angesprochen. Dabei hätte man all das in eine lustige, mitunter vielleicht auch bissige Komödie packen können. Aber mit Konjunktiven gibt sich Fack ju Göhte so wenig ab, wie seine Figuren mit Artikeln.


Fazit:
Offensichtlich ist es heute schon ausreichend, die Charaktere im Film Fäkalausdrücke benutzen zu lassen sowie geläufige (und abwertende) Wörter für Genitalien, beziehungsweise sexuelle Handlungen einzustreuen, um als "frech" und "mutig" zu gelten. Wie wäre es stattdessen mit pointierten Dialogen und scharfen, vielleicht auch zynischen Beobachtungen bezüglich unseres Bildungssystems? Oder mit Figuren, die nicht am Reißbrett entstanden sind und deren Schicksal interessiert, weil es nicht den üblichen Pfaden dieser Filme folgt?
Als moderne Variante der peinlich unlustigen "Pauker"-Filme lockte Fack ju Göhte ein Millionenpublikum in die Kinos. Aber so schön es ist, dass dieses sich amüsiert hat, nimmt man die durchgestylte Fassade samt den eingestreuten Popsongs und dem aufdringlichen Productplacement weg, ist Bora Dagtekins Film nicht mehr als die heiße Luft, welche die Schüler hier produzieren. Die Besetzung harmoniert besser als die übrigen Zutaten, nur gibt es in der Schule für das Schriftbild allein nicht die meisten Punkte. Hier auch nicht.    


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