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Paranoia - Riskantes Spiel [2013]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 08. Juni 2014
Genre: Thriller

Originaltitel: Paranoia
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA / Frankreich
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Robert Luketic
Musik: Junkie XL
Darsteller: Liam Hemsworth, Gary Oldman, Amber Heard, Harrison Ford, Embeth Davidtz, Josh Holloway, Richard Dreyfuss, Julian McMahon, Lucas Till, Angela Sarafyan, William Peltz


Kurzinhalt:
An der Präsentation hat der junge Computerspezialist Adam Cassidy (Liam Hemsworth) mit seinen Kollegen lange gefeilt, doch Firmenchef Nicolas Wyatt (Gary Oldman) lässt sie abblitzen und setzt sie auf die Straße. Trotzdem feiern sie mit der Firmenkreditkarte die ganze Nacht, woraufhin Adam von Wyatt einbestellt wird. Er stellt ihn vor die Wahl, entweder Adam lässt sich in die Firma von Wyatts Konkurrenten Jock Goddard (Harrison Ford) einschleusen und spioniert aus, welches revolutionäre Produkt dieser in wenigen Monaten veröffentlichen wird, oder es wird Anzeige wegen Kreditkartenbetrugs gestellt.
So wird Adam von der Psychologin Judith Bolton (Embeth Davidtz) geschult und muss Wyatts rechter Hand Meechum (Julian McMahon) Rede und Antwort stehen. Aber während er Goddards Visionen glaubt und sich in dessen Mitarbeiterin Emma Jennings (Amber Heard) verliebt, erhöht Wyatt den Druck auf Adam, dass dieser endlich Ergebnisse liefern soll. Dabei ahnt er gar nicht, dass auch Goddard mit allen Wassern gewaschen ist ...


Kritik:
Vor ihren nächsten Filmen sollten Gary Oldman und Harrison Ford dringend Kevin Spacey um Rat fragen, denn der hatte die Rolle von Gary Oldman im Vorfeld abgelehnt. Eine weise Entscheidung, immerhin hat er sich so den Auftritt in dem gähnend langweiligen, abstrus konstruierten und nur mittelmäßig umgesetzten Paranoia - Riskantes Spiel erspart, der selbst von der Idee her nur so originell ist, wie eine Mischung aus Wall Street [1987] und Enthüllung [1994], ohne jemals auch nur annähernd deren Klasse zu erreichen.

Das beginnt bereits mit der einleitenden Szene, die fahrig geschnitten und verkrampft stylisch umgesetzt ist, für sich allein genommen aber keine Aussagekraft besitzt. Daran ändert auch der Kommentar aus dem Off nichts, der erahnen lässt, dass sich Hauptfigur Adam Cassidy mit was auch immer er getan, stark übernommen hat. Die Story um einen aufstrebenden Softwareentwickler, der zuerst von seinem Boss gefeuert und dann wieder eingestellt wird, damit er bei seinem größten Konkurrenten dessen geplante Produkte ausspioniert, hört sich dabei durchaus unterhaltsam an. Doch sind sämtliche Figuren, alle Momente, derart überdreht und ausgereizt, dass man trotz der Parallelen zur wirklichen Multimediaindustrie nur müde darüber lächeln kann.

Der Titel Paranoia ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen und zwar von allen Beteiligten. Cassidys Arbeitgeber Wyatt überwacht seine Mitarbeiter mit hochauflösenden Kameras und Richtmikrophonen, scannt sie schon beim Betreten des Gebäudes vollständig ab und spioniert sie auch im Privaten aus. Um ihn einzuschätzen, wird Adam nicht nur von der Psychologin Judith Bolton auf Schritt und Tritt begleitet, sondern vom Mann fürs Grobe Miles Meechum. Dass der nicht nur Nahkampfkünstler ist, sondern in der Öffentlichkeit mit schallgedämpften Waffen hantiert, ist ebenso "normal" wie die Tatsache, dass Wyatts Helfer Cassidys neues Apartment mit mehr Kameras ausstatten, als den Big Brother-Container.

Für Wyatt wird Cassidy in Jock Goddards Firmenimperium Eikon eingeschleust. Früher waren die beiden Unternehmer Geschäftspartner, ehe sie sich überworfen und getrennt haben. Wyatt war dabei für die Technik verantwortlich, Goddard für die Präsentationen und die Vermarktung. Inzwischen plädiert er dafür, dass die Technik dafür gemacht sein muss, das Leben der Menschen zu verbessern, während Wyatt an Goddards neuestem Mobiltelefon interessiert ist, das seinen Angaben nach "die Welt verändern" wird. Wer bei den Beschreibungen allein noch nicht erkannt hat, dass Paranoia von der Bekanntheitswelle und den Patent- und Industriespionagekriegen bei Apple, Samsung & Co. profitieren will, der wird spätestens durch Goddards Frisur und die daraus entstehende Ähnlichkeit zum verstorbenen Steve Jobs darauf gebracht.

Das Intrigenspiel klingt interessanter, als es dargebracht ist, was nicht nur an den Klischees wie Cassidys Vater, in dessen Fußstapfen er nie treten will, oder Goddards Vertrauter Emma, in die sich Adam verliebt und die er belügen muss, um Wyatts Forderungen nachzukommen, liegt. Ein großer Teil ist auch der handwerklichen Umsetzung zuzuschreiben, die nie in Fahrt kommt, selbst wenn Wyatts Schläger Meechum Freunde von Cassidy ins Visier nimmt, um ihn unter Druck zu setzen. All das ist so weit absehbar, dass es nie spannend wird.
Wäre Adam mit der Absicht bei Wyatt eingestiegen, sein Firmenimperium zu stürzen, besäße er irgendeinen Plan, hätte all das vielleicht mitreißen können. Doch zu sehen, wie ihn die Situation überfordert, er abwechselnd bei seinem Vater und seiner Freundin in Tränen ausbricht, macht Paranoia nicht wirklich packender und empfiehlt ihn auch nicht als Helden. Während sein älterer Bruder Chris Hemsworth sogar der platten Rolle des Thor im gleichnamigen Film zumindest ein markiges Profil verleiht, wirkt Liam Hemsworth hier so uncharismatisch wie überfordert. Angesichts der übrigen jungen Darsteller ist er damit wenigstens nicht allein.


Fazit:
Auch wenn Gary Oldman und Harrison Ford nicht wirklich motiviert auftreten, sie besitzen mehr Ausstrahlung als die übrigen, jüngeren Darsteller zusammengenommen. Selbst Embeth Davidtz und Richard Dreyfuss streichen frustriert die Segel. Auf der anderen Seite ist Liam Hemsworth leider nicht in der Lage, einen Film zu tragen, was zum Teil auch der Rolle geschuldet ist.
Zusammen mit den übertriebenen, paranoiden Auswüchsen innerhalb der Story, den lange absehbaren und nicht überraschenden Wendungen, ist Paranoia - Riskantes Spiel gerade einmal halb so gut wie die Filme, die er zu kopieren versucht. Die unspannende Umsetzung (inklusive der trägen Ambient-Musik) und die verkrampfte Inszenierung reduzieren ihn zusätzlich zu einem überlangen Product-Placement. Und das ist hier so auffällig wie selten zuvor.


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