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Max Payne (Extended Director's Cut) [2008]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. Februar 2014
Genre: Thriller / Action / Drama

Originaltitel: Max Payne
Laufzeit: 103 min.
Produktionsland: Kanada / USA
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: keine Jugendfreigabe

Regie: John Moore
Musik: Marco Beltrami, Buck Sanders
Darsteller: Mark Wahlberg, Mila Kunis, Beau Bridges, Ludacris, Chris O'Donnell, Donal Logue, Amaury Nolasco, Kate Burton, Olga Kurylenko, Rothaford Gray, Joel Gordon, Jamie Hector, Andrew Friedman, Marianthi Evans, Nelly Furtado


Kurzinhalt:
Seitdem seine Frau (Marianthi Evans) und sein kleines Kind bei einem Raubüberfall ermordet wurden, fristet der Polizist Max Payne (Mark Wahlberg) seine Tage in der Einheit für ungelöste Fälle und sucht nach Hinweisen auf die Person, die vom Tatort fliehen konnte. Bislang führten diese in eine Sackgasse. In einem Nachtclub trifft er auf die aufreizende Natasha (Olga Kurylenko), die am nächsten Morgen ermordet aufgefunden wird.
Mit der Aufklärung wird Max' ehemaliger Partner Alex (Donal Logue) beauftragt, der eine Verbindung zum Mord von Paynes Frau entdeckt. So sucht Max den Kontakt zum Sicherheitschef der Firma, in der seine Frau gearbeitet hat, BB Hensley (Beau Bridges). Doch als ihn Mona Sax (Mila Kunis) bewaffnet aufsucht, die den Mord an ihrer Schwester Natascha rächen will, bekommen die Ermittlungen eine neue Richtung. Sie zeigen auf den ehemaligen Soldaten Jack Lupino (Amaury Nolasco), der im Drogenmilieu aktiv ist und immer mehr Zulauf erhält ...


Kritik:
Für einen Actionthriller bietet Max Payne erstaunlich wenig Thrill und ist außerdem mau in Bezug auf die Action. Die Videospielverfilmung reiht sich damit in die lange Liste derjenigen Umsetzungen ein, bei denen zwar Elemente der Vorlage durchblitzen und man sich gegebenenfalls daran erinnert, weswegen man sie früher einmal gespielt hat, die für sich genommen aber enttäuschen. Dass in der abgedroschenen Ausgangsidee durchaus Potential schlummert, sei dabei unbestritten.

Immerhin, und das sollte man Regisseur John Moore zugute halten, bewahrt der Film die comicartige Optik und die stark überzeichneten Shootouts des Videospiels. Wie übertrieben all das ist, sieht man bereits am Namen des Protagonisten – Max Payne –, der zuerst den größtmöglichen Schmerz erfährt, um ihn bei seinem Rachefeldzug dann denjenigen zurückzugeben, die dafür verantwortlich waren. Den Prolog, was mit ihm und seiner Familie geschehen ist, versteckt der Filmemacher mitten in der Story, anstatt die Vorgeschichte tatsächlich voranzustellen. Dabei hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, den Schnitt zwischen dem Max Payne, der er war und demjenigen, der er geworden ist, so deutlicher zu machen.

Nachdem seine Frau und sein Baby ermordet wurden und weder er noch sein Partner Alex in der Lage waren, den Fall aufzuklären, hat sich Max in die Abteilung für unaufgeklärte Fälle zurückgezogen. Nachts geht er Spuren nach und trifft dabei auf die freizügige Natasha, die tags darauf grausam ermordet aufgefunden wird – mit seiner Brieftasche neben ihr. Somit gerät Max nicht nur selbst ins Visier seiner Kollegen, sondern auch in das von Mona Sax, Natashas Schwester. Und das ausgerechnet, als Alex eine neue Spur entdeckt hatte, die zur Aufklärung des Mordes an Max' Ehefrau hätte beitragen können.

Die Geschichte um eine halluzinogene Droge, die in den Abhängigen Wahnvorstellungen auslöst, bietet Moore genügend Möglichkeiten, sich visuell zu verausgaben. Das gelingt ihm auch gut, zumal der Look der Vorlage im ständig verschneiten, düsteren, farbarmen New York durchweg getroffen ist. Ungewohnte Perspektiven, Bildausschnitte wie in einem Comic und die spärlich, aber effektiv eingesetzte Bullet-time-Kamera – extreme Zeitlupen, in denen sich die Kamera um bestimmte Personen oder Objekte bewegt – dürften Fans ebenso wiedererkennen, wie den wortkargen Hauptcharakter, dem jedoch die Coolness seines virtuellen Alter Egos abhanden kommt.

Mark Wahlberg in der Rolle des knallharten Rächers ist vermutlich nicht die schlechteste Wahl und körperlich ist er der Rolle mühelos gewachsen, doch seine versteinerte Mimik drückt keine unüberwindbare Trauer aus und wenn er aus dem Off erzählt, wirkt er um die trockene Nüchternheit bemüht, anstatt dass sie ihm zufliegt. Er wird ergänzt durch eine Besetzung, die viele bekannte Namen aufweist, deren Rollen aber meist außergewöhnlich kurz sind. Sei es Olga Kurylenko, Donal Logue oder Chris O'Donnell. Ihre Figuren erwecken den Eindruck, als gäbe es mehr zu ihnen zu erzählen, als hier die Zeit dazu ist. Als brutaler Gegenspieler ist Amaury Nolasco gut ausgesucht, während Beau Bridges und Ludacris beide so fehlbesetzt wie uncharismatisch erscheinen. Es wäre einzig interessant gewesen zu sehen, was Kate Burton aus ihrer Rolle als Nicole Horne zu machen vermag, doch dies wollten sich die Macher, so auch die Aussage der Szenen nach dem Abspann, wohl eher für die Fortsetzung aufsparen.

Der künstliche Look von Max Payne passt zum Thema und auch wenn die FSK-Freigabe ab 18 Jahren durchaus berechtigt ist, in anderen Filmen wird die Gewalt viel ausführlicher gezeigt. Dies im deutschsprachigen Raum als "Extended Director's Cut" zu verkaufen ist allerdings arg vermessen. Für die Kinoauswertung in den USA heruntergetrimmt, finden sich nun sowohl einige Einstellungen wieder, die den Brutalitätsgrad nach oben schrauben, aber auch zwei Dialogmomente, die im Deutschen so schlecht eingesetzt sind, dass es jedem Zuschauer auffallen wird. Ob daraus im Endeffekt ein besserer Film wird, sei dahingestellt. In jedem Fall macht es ihn drei Minuten länger.


Fazit:
Es ist kein gutes Zeichen für einen Thriller, wenn man als Zuschauer nach nicht einmal zehn Minuten den Drahtzieher hinter dem Komplott ausgemacht hat und auch schon weiß, wie alles zusammenhängt. Wenn man außerdem beim Abspann immer noch auf eine packende Actionsequenz wartet, haben die Filmemacher ihr Ziel verfehlt. Max Payne erzählt die bekannte Geschichte so vorhersehbar wie behäbig. Die interessanten Nebenfiguren segnen so schnell das Zeitliche, wie die Zeitlupe sie lässt und der Fantasy-Look beraubt die Story ihres tragischen Realismus.
Alles in allem ist das dank der geringen Laufzeit immerhin kurzweilig, aber nie mitreißend. Die Figuren fallen allesamt so flach aus, dass ihre unnatürlichen Dialoge umso aufgesetzter wirken und wer in den Bildern nicht die comicartigen Zwischensequenzen der Videospielvorlage entdeckt, wird sich außerdem fragen, weshalb die Optik so künstlich wirkt.
Als mäßige und ebenso verschenkte Videospielverfilmung findet sich John Moores Film zwar in zahlreicher Gesellschaft wieder, gut ist diese aber nicht.


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