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World War Z (Extended Action Cut) [2013]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. Januar 2014
Genre: Action / Horror / Thriller

Originaltitel: World War Z
Laufzeit: 123 min.
Produktionsland: USA / Malta
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Marc Forster
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Brad Pitt, Mireille Enos, Daniella Kertesz, Fana Mokoena, Pierfrancesco Favino, Ruth Negga, Moritz Bleibtreu, Peter Capaldi, James Badge Dale, Ludi Boeken, Matthew Fox, David Morse, Elyes Gabel, Sterling Jerins, Abigail Hargrove, Fabrizio Zacharee Guido, David Andrews, John Gordon Sinclair


Kurzinhalt:
Gerry Lane (Brad Pitt) ist mit seiner Frau Karin (Mireille Enos) und den beiden Töchtern Constance (Sterling Jerins) und Rachel (Abigail Hargrove) in Philadelphia mit dem Auto unterwegs, als eine in den Nachrichten zuvor nur angerissene Epidemie die Stadt überflutet. Menschen, die wie Untote aussehen, fallen andere Passanten an und verwandeln sie in Sekunden in einen von ihnen. Wie durch einen Virus ausgelöst, grassiert diese Krankheit und bringt alles zum Erliegen. Gerry verschanzt sich mit seiner Familie in einem Wohnkomplex. Sie warten darauf, von seinem ehemaligen Kollegen Thierry (Fana Mokoena) evakuiert zu werden, der Gerrys Hilfe benötigt.
Er soll einen Spezialtrupp nach Südkorea leiten, wo bereits vor einer Woche von "Zombie-Kontakt" berichtet wurde. Dort angekommen, führen Hinweise eines Ex-CIA-Agenten (David Morse) Gerry nach Jerusalem. Will er dem Ursprung des weltweiten Ausbruchs auf die Schliche kommen, muss er den Spuren bis zu ihrem Ursprung folgen. Dabei läuft ihm zunehmend die Zeit davon, denn jedes Opfer der Zombies bedeutet gleichzeitig einen Zombie mehr, den es zu bekämpfen gilt ...


Kritik:
Für seine ruhigeren Filme wurde Regisseur Marc Forster bereits mehrfach für Preise nominiert und seine Darsteller erhielten für ihre Rollen sogar die Trophäen. Dass er selbst kein begnadeter Actionregisseur ist, hat er nicht zuletzt mit James Bond 007 - Ein Quantum Trost [2008] unter Beweis gestellt. An der lange angekündigten Romanverfilmung von World War Z schrieben beinahe eine Handvoll Autoren mit. Herausgekommen ist ein Zombie-Film, der bis auf ein paar Details nichts mit der Vorlage gemein hat, und dem zudem deren bissige Untertöne fehlen, der sich aber gerade dadurch auszeichnet, dass er sich nicht an ein Gore-verliebtes Publikum richtet, sondern die Untoten beinahe massenkompatibel aufarbeitet. Hierfür ein Publikum zu finden, ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach.

Dabei lässt sich das Drehbuch, dem während der Produktion eine neue Eröffnung und ein vollständig anderer dritter Akt hinzugefügt wurde, nicht lange bitten. Gerry Lane und seine Familie werden vorgestellt, die in Philadelphia ihrem Alltag nachgehen. Die Nachrichten sprechen zwar von Vorfällen in anderen Teilen der Welt, doch davon lässt sich der Vater zweier Töchter nicht beunruhigen. Auf dem Weg in die Stadt erschüttert zuerst eine Explosion das nicht absehbare Ende des Staus vor ihnen und kurz danach bricht buchstäblich die Hölle über die Familie herein.
Was in der Romanvorlage von Autor Max Brooks in Interviews im Rückblick erzählt wird, nämlich wie die Erde von einer Zombieepidemie überrannt wird, entwickelt World War Z im Schnelldurchgang. Wir erfahren, dass Gerry ein erfahrener UN-Mitarbeiter ist, der in zahlreichen Krisengebieten gearbeitet hat, ehe er sich ins Familienleben zurückzog. Sein Kollege Thierry Umutoni sorgt für die Evakuierung der Lanes auf einen Flugzeugträger, da er Gerry benötigt, um einen Biologen mitten ins Krisengebiet zu bringen. Er soll Proben nehmen, um ein Heilmittel oder einen Impfstoff entwickeln zu können.

Leider versäumt es das Drehbuch dabei, beim Publikum ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie schnell sich diese Epidemie überhaupt auf der Welt ausgebreitet hat. Es ist von einem Ausbruch im Fernen Osten die Rede, von wo aus zum ersten Mal der Begriff "Zombie" gefallen sein soll. Auch wird beiläufig erwähnt, dass von keiner Großstadt gute Nachrichten zu vernehmen sei. Wenn die Militärs jedoch behaupten, die Flugzeugverbindungen hätten zur Verteilung dieses vermeintlichen Virus beigetragen, wie kann es sich dann über den ganzen Globus ausgebreitet haben, wenn die Inkubationszeit nur 12 Sekunden beträgt und der Film selbst zeigt, was passiert, wenn sich Flugzeugpassagiere in Zombies verwandeln?

Wie viele andere Science Fiction- oder Fantasy-Filme verfolgt auch World War Z der Fluch eines selbst erschaffenen Universums. Es ist, als wären sich die Autoren nicht im Vorfeld einig gewesen, wie die Rahmenbedingungen ihrer Zombie-Infektion aussehen sollten. Wie kann eine solche Kreatur ihr Opfer, getrennt durch eine Glaswand in einem hermetisch abgeriegelten Raum "riechen"?
Peitscht die Story in einem atemlosen Tempo voran, dass solche Brüche in der Story nicht auffallen, ist das einem bloßen Unterhaltungsfilm leichter zu verzeihen als hier, da Forster – dankenswerterweise – immer wieder ruhige Momente findet, in denen er die Bedrohung der Figuren auch wirken lässt. Nur fallen so Löcher im Skript stärker ins Gewicht.

Handwerklich findet Marc Forster viele erschreckende Bilder und sowohl der Abschnitt in Jerusalem, als auch die Sequenz im Linienflugzeug sind packend und erstklassig umgesetzt. Auch das erstaunlich ruhige Finale kann überzeugen, selbst wenn die Spannung hier größer wäre, würde man nicht vorab (an einem Zombie) schon erkennen, ob Gerrys Plan aufgeht.
So gut außerdem die Idee hinter der Flucht aus Südkorea sein mag, der Angriff durch die Zombies kommt einerseits zu schnell und ist so rasch wieder aufgelöst, dass man sich kaum vorstellen mag, was man aus diesem Setting hätte machen können. Dass immerhin die Trickeffekte in World War Z um Längen besser aussehen, als die Filmvorschau einen glauben macht, sollte Interessenten beruhigen. Und am Ende überzeugen mehr Ideen und Momente im Film, als enttäuschen. Aber auch wenn es den Filmemachern gelingt, das Zombie-Genre massenkompatibel aufzuweichen, etwas wirklich Neuartiges gelingt ihnen hier nicht. Dies war bei der Vorlage unter anderem auf Grund der Erzählweise der Fall, auf welche die Filmumsetzung allerdings vollständig verzichtet.


Fazit:
In den letzten Jahren sind Horrorfilme, so zumindest das Empfinden, nicht nur grausamer geworden, sondern der Markt für billig produzierte Zombie-Streifen, in denen massenhaft Kunstblut über die Kameralinsen geworfen wird, hat stark zugenommen. Die Entscheidung der Filmemacher, sich an ein breites Publikum zu richten, und somit auf ausufernde Gewaltorgien zu verzichten, haben Genrefans an World War Z bereits im Vorfeld kritisiert. Dabei zählt genau dies zu den Stärken des Films, der zwar eine bedrohliche Spannung aufbaut und äußerst spannende Momente besitzt, aber nicht auf explizit gezeigte Gewalt setzt.
Der "Extended Action Cut" klingt zwar peinlich, überzeugt jedoch als Film. Marc Forster gelingt ein unterhaltsames, stellenweise wirklich packendes Endzeit-Szenario, das über einige gute, aber wenig neue Ideen verfügt. Immer solide umgesetzt, stechen zwei erstklassige Sequenzen hervor, wobei Brad Pitt den Film routiniert trägt und ihm eine Ernsthaftigkeit verleiht, die ihm durch die Menge an namenlosen Zombies leicht entgleiten könnte. Das mag weniger sein, als Kenner des Buches erwartet haben, es ist aber mehr als viele Filme in dem Genre zu bieten haben.


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