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End of Watch [2012]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Juli 2013
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: End of Watch
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: David Ayer
Musik: David Sardy
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michael Peña, Natalie Martinez, Anna Kendrick, David Harbour, Frank Grillo, America Ferrera, Cle Shaheed Sloan, Jaime FitzSimons, Cody Horn, Shondrella Avery, Diamonique, Maurice Compte


Kurzinhalt:
Nach einem tödlichen Schusswaffeneinsatz im Dienst erhalten die Polizisten Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) und Mike Zavala (Michael Peña) ein neues Einsatzgebiet. Dort werden sie wenig später gerufen, um Mr. Tre (Cle Shaheed Sloan) zurechtzuweisen, der seinen Postboten verbal angegriffen hat. Durch den unorthodoxen Umgang mit dem Fall gewinnen sie Tres Respekt. Seine Gang wird kurz darauf von rivalisierenden, mexikanischen Banden unter Leitung von Big Evil (Maurice Compte) angegriffen.
Während Zavala sein erstes Kind mit seiner Frau Gabby (Natalie Martinez) erwartet, kommt Taylor Janet (Anna Kendrick) näher. Bei einer Routinekontrolle kommen Brian und Mike einem mexikanischen Drogenkartell auf die Spur. Als sie immer wieder unbewusst den Weg des Kartells kreuzen, erhalten sie von Tre sogar die Warnung, dass sie jemand aus dem Weg räumen lassen will ...


Kritik:
Der Streifenpolizist Brian Taylor filmt seine Einsätze und sein privates Leben, um Material für einen Filmkurs zusammen zu tragen. Auch wenn die Ausgangssituation schon in Hinblick auf den Datenschutz vollkommen absurd ist, die Videokameraoptik verleiht End of Watch einen dokumentarischen Touch, der unter die Haut geht. Sieht man über einige unverständliche Gegebenheiten hinweg, bekommt man ein erschreckend authentisches Gefühl dafür, in welcher Welt die beiden Polizisten jeden Tag ihren Dienst tun.

In einem Einsatz, so meinen die beiden Polizisten Taylor und sein Partner Mike Zavala während eines Gesprächs mit der Kamera, müssen sie in ihrem Einsatzgebiet im Süden von Los Angeles öfter die Waffe ziehen und benutzen, als andere Cops in ihrer gesamten Laufbahn. Wie geht man mit der Gewissheit um, in einem Gebiet Streife zu fahren, in dem man den Gangs sowohl zahlenmäßig, wie auch waffenmäßig haushoch unterlegen ist? Wenn bei jeder Fahrzeugkontrolle die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sich im Wagen Waffen befinden? Und dass man öfter als nicht zu Einsätzen gerufen wird, bei denen Drogenabhängige oder Drogendealer verwickelt sind?
Brian und Mike scheinen sich sehr sicher bei dem, was sie tun. Sie sind aufmerksam, rechnen grundsätzlich mit dem Schlimmsten und hoffen, dass Verstärkung nicht weiter als ein paar Minuten entfernt ist. Aber sie sind auch rücksichtslos und genießen die Aufmerksamkeit, die ihnen öffentlichkeitswirksame Einsätze einbringen. Regisseur und Autor David Ayer, der unter anderem die Vorlage für Training Day [2001] lieferte, stilisiert sie nicht zu Helden, die mit ihrem kühnen Voranpreschen immer ins Schwarze treffen. Er macht sie auch nicht zu gebrochenen, korrupten Figuren, sondern zeichnet vielmehr das Bild zweier junger Männer, die eine Freundschaft verbindet, die in diesem Beruf überlebenswichtig ist. Während Mike sein erstes Kind erwartet, beginnt Brian eine ernsthafte Beziehung.

Welche Zeitspanne der Film umfasst, ist schwer zu sagen. Es muss mindestens ein halbes Jahr sein, wenn nicht länger. Zwar kann man sich an den Zeitstempeln mancher Kameraeinstellungen orientieren, doch bleibt dafür meist keine Zeit. Das Wiederkehrende Element des Thrillerdramas umfasst ein Drogenkartell, das im Einsatzgebiet der beiden Cops Fuß zu fassen versucht. Gang-Rivalitäten sind darum ebenso an der Tagesordnung, wie Menschenhandel und grausame Hinrichtungen. Eher unbewusst kommen Taylor und Zavala dem Kartell immer in die Quere und machen sich damit Feinde, deren Einfluss sie weit unterschätzen.
Worauf End of Watch hinausläuft, ist nicht überraschend. Durch die lebensnah beschriebenen Charaktere interessiert ihr Schicksal dennoch, auch wenn ihre eigene Unvorsichtigkeit ihre größte Achillesferse ist. Statt als klassische Charakterstudie, solle man den Film eher als Portrait dieses Berufsstandes sehen.

Die Idee, die Erlebnisse von Brian und Mike als Mitschnitt einer Videoaufzeichnung zu dokumentieren, ist aus anderen Genres schon lange bekannt, trägt hier aber zum authentischen Ambiente merklich bei. Wieso auch die Gangster ihre Taten permanent filmen müssen, sei dahingestellt. Selbst wenn man sich dadurch an der Seite der beiden Polizisten fühlt, die wackelige, mit schnellen Schwenks und Schnitten geprägte Optik ist sehr gewöhnungsbedürftig. Vor allem wirkt der Kontrast zu den "normalen" Aufnahmen, die sich ebenso finden, umso größer.
Patrouilliert man mit Zavala und Taylor die Hinterhöfe, betritt herunter gekommene Häuser, in denen kaum natürliches Licht einfällt, kann man deren muffigen Gestank förmlich riechen. Und man spürt die bedrohliche Situation, in die sich die Polizisten tagtäglich begeben. Den Gegenpol bilden die natürlichen Dialoge der beiden im Streifenwagen, die wie aus dem Leben gegriffen scheinen. Dieser Einblick in ihren Alltag ist außerordentlich gut gelungen. Zwar nicht so spannend wie ein klassischer Polizeithriller, dafür so tragisch wie das Leben selbst.


Fazit:
Filme mit diesem oder einem ähnlichen Thema gibt es viele. Was End of Watch auszeichnet ist seine bedingungslos authentische Atmosphäre, die sowohl in den Furcht einflößenden Einsätzen, wie auch in den privaten Momenten packt. Dass Michael Peña hierfür keine Auszeichnung erhalten hat, ist unverständlich. Jake Gyllenhaal geht in seiner Rolle nicht weniger auf und Anna Kendricks brillantes Spiel kann man am Blick in ihrem letzten Moment erkennen, in welchem sie ihr Schicksal mit dem von Natalie Martinez' gespielter Gabby vergleicht – und sich dafür schämt.
Die hervorragende Besetzung bietet Zugang zu einer Welt, die man meist ausblendet, die aber ebenso wirklich wie erschreckend ist. Darin mit Taylor und Zavala Streife zu fahren, bereitet einem ein mulmiges Gefühl. Auch wenn es keinen Spannungsbogen im klassischen Sinn besitzt und die Verwendung der Videokameras nicht immer logisch erscheint, das dokumentarische Aussehen verleiht dem Thrillerdrama einen Realismus, dem man sich kaum entziehen kann.


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