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The Raven - Prophet des Teufels [2012]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. April 2013
Genre: Thriller

Originaltitel: The Raven
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: USA / Ungarn / Spanien
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: James McTeigue
Musik: Lucas Vidal
Darsteller: John Cusack, Luke Evans, Alice Eve, Brendan Gleeson, Kevin McNally, Sam Hazeldine, Oliver Jackson-Cohen, Jimmy Yuill, Pam Ferris, Brendan Coyle, Adrian Rawlins, Aidan Feore, Dave Legeno, Michael Poole, Michael Shannon, Charity Wakefield, John Warnaby


Kurzinhalt:
Trotz seiner erst vierzig Jahre glaubt sich der Autor und Dichter Edgar Allan Poe (John Cusack) am Ende seiner Karriere. Er ist ausgebrannt und selbst eine einfache Kritik, die er verfasst hat, wird vom Zeitungsverleger Maddux (Kevin McNally) abgelehnt und seinem Kontrahenten der Vorzug gegeben. Damit verschlimmert sich seine prekäre finanzielle Situation. Dass er im Begriff ist, Emily Hamilton (Alice Eve), Tochter des wohlhabenden Charles Hamilton (Brendan Gleeson) zu heiraten, übersieht er dabei fast.
Doch dann wird Poe von Detective Fields (Luke Evans) zu einem Mordfall verhört. Der Täter hat sich bei Poes Geschichten bedient, um ein grausames Verbrechen zu verüben. Mehr noch, er kündigt weitere Taten an. Als Emily entführt wird, beginnt ein gefährliches Spiel um ihr Leben. Wenn es Poe und Fields nicht gelingt, die Rätsel des Mörders zu lösen, wird Emily sterben. Außerdem will er jeden Tag aufs Neue von den Taten in der Zeitung lesen – und die Artikel müssen als Geschichte aus der Feder von Edgar Allan Poe stammen ...


Kritik:
Wodurch The Raven - Prophet des Teufels in Erinnerung bleibt ist nicht John Cusacks Darstellung eines alkohol- und opiumsüchtigen Autors namens Edgar Allan Poe und auch nicht durch ein perfides Katz-und-Maus-Spiel, das ein Serienkiller mit ihm und der Polizei veranstaltet, wobei Poes Werke und Geschichten die Vorlagen für die Morde liefern. Was sich einprägt ist eine bildliche Darstellung von Poes Die Grube und das Pendel [1842], die eine höhere Altersfreigabe bedingt, als der Thriller besitzt. Es ist der einzige Mord, der tatsächlich vor der Kamera gezeigt wird, auch wenn bei einem anderen Opfer absehbar ist, dass es den Abspann nicht erleben wird. Aber wieso ausgerechnet Die Grube und das Pendel? Vielleicht, weil es eine der bekanntesten Geschichten des amerikanischen Autors ist, oder weil es ein erschreckend grausames Szenario bietet. Vielleicht aber auch, weil sich damit digitale Blutfontänen vor der Kamera rechtfertigen ließen und immerhin spricht dies das Publikum an, das auf einen hohen Gore-Faktor aus ist. Aber ich schweife ab.

Die Story von The Raven erzählt fiktiv die letzte Woche im Leben des Autors Edgar Allan Poe im Baltimore des Jahres 1849 nach und nimmt unter anderem das Ende der Geschichte vorweg. Dieser versucht, die Trauer um seinen vergangenen Ruhm im Alkohol zu ertränken, obwohl er im Begriff ist, die bildschöne Tochter des wohlhabenden Charles Hamilton zu heiraten, was auch immer sie in ihm sehen mag. Doch dann stößt der Polizist Fields auf einen Mord, der eine Szene aus einem Werk von Poe nachstellt. Noch während er diesen hierzu befragt, wird eine weitere Leiche nach demselben Muster gefunden. Der Serientäter scheint dabei die Polizei zu verhöhnen und kündigt sogar Ort und Zeit des nächsten Verbrechens an, was dazu führt, dass Poes Verlobte Emily unter seinen und der Augen der Polizei entführt wird. Es schließen sich Rätsel an, die der Täter bei weiteren Morden hinterlässt und nur, wenn Poe und Fields die Puzzle lösen und Poe zusätzlich jeden Tag seine Erlebnisse in der Zeitung veröffentlicht, haben sie eine Chance, Emily lebend zu finden.

Dies hört sich spannender an, als es tatsächlich ist, denn nicht nur, dass nie gesagt wird, welcher Tag in dem Augenblick ist, man also erahnen kann, wie viel Zeit Emily noch bleibt, eine klassische Ermittlung gibt es nicht. Beispielsweise findet eine Befragung eines Mannes, der vom Täter engagiert wurde, überhaupt nicht statt. Auch ist man bei den Rätseln nicht eingeladen, mitzuknobeln, sondern bekommt die Ergebnisse sehr schnell serviert. Die Schnitzeljagd gerät so merklich oberflächlicher als gedacht und ein wirkliches Tempo angesichts der verrinnenden Zeit entwickelt sich nicht.

Womit man bei einem Film wie The Raven zumindest rechnen würde ist eine überzeugende Atmosphäre angesichts der dargestellten Zeit vor mehr als eineinhalb Jahrhunderten. Aber auch, wenn den Bildern der Flair eines Bühnenstückes anhaftet, sie wirken ebenso künstlich. Der Nebel stammt sehr offensichtlich zu großen Teilen aus der digitalen Trickkiste und leider verliert Regisseur James McTeigue nach den ersten Minuten, in denen er einen Schauplatz in das flackernde und stilvolle Licht von Petroleumlampen taucht, dieses Stilmittel auch schon wieder aus den Augen. Auf die allerorts gezeigte Sauberkeit der Stadt und Häuser sei hier gar nicht eingegangen.

Für die Auflösung vermischt das Drehbuch Fiktion und Fakten, was ihm zusammen mit dem einleitenden Text vermutlich etwas Glaubwürdigkeit verleihen soll. Doch mit der Geschichte, die dazwischen erzählt wird, ist dies kaum zu erreichen. Es ist nicht, dass The Raven nicht erzählenswert wäre, sondern vielmehr, dass die Figur des Edgar Allan Poe ebenso oberflächlich geschildert wird, wie der Thriller, den die Macher versuchen zu erzählen. Das alles ist durchaus mit einigen Ideen versehen, die Kenner von Poes Erzählungen werden zu schätzen wissen, aber letztlich nie packend. Und das ist der größte Unterschied zu dessen Werken.


Fazit:
Erinnern die ersten Minuten von The Raven - Prophet des Teufels an einen Thriller im Stil von Sieben [1995], verfliegt dieses Gefühl, sobald der zweite Mord in aller Grausamkeit gezeigt wird. An die unheimliche Stimmung des Anfangs kehrt Regisseur James McTeigue auch nicht zurück. Stattdessen erzählt er einen Film, dem man sein geringes Budget leider oft anmerkt, wenn auch nicht an der namhaften Besetzung. Trotzdem bleibt John Cusack überaus blass, während Brendan Gleeson sträflich unterfordert ist. Einzig Alice Eve überzeugt, wenn auch in einer nicht sehr abwechslungsreichen Rolle.
Den Unterhaltungswert verdankt der Film der Geschichte, die in ihrer Idee mehr Spannung und Tempo bietet, als die Umsetzung daraus zu schöpfen weiß. Letztendlich bleibt der Thriller nicht nur eine dichte Atmosphäre schuldig, sondern auch eine einfallsreiche Polizeiermittlung. Zu sehen, wie Poe und Fields das Rätsel immer nur mit neuen Leichen, anstatt mit eigenen Recherchen lösen, legt den Schluss nahe, dass es den Machern am Ende auch um die Morde, anstatt um den Krimi geht.


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